Oh, wie niedlich! Alpaka Berni blickt mich mit seinen dunklen Knopfaugen an. Ich fahre mit meiner Hand durch das dichte Fell an seinem Hals. Das ist also mein Begleiter für den Tag. Er schnuppert mit seiner Schnauze an meinem Ärmel. Ich glaub, wir zwei werden heute einen super Tag haben. Denn wir werden gleich in der Nähe von Innsbruck über Tiroler Hochebenen wandern und gemeinsam die Sonne und den Blick auf die umliegende Bergwelt genießen.

Alpaka-Wanderung bei Innsbruck: Lohnt es sich?

Ursprünglich kommen die Alpakas, die der Gattung der Kamele zuzuordnen sind, aus Südamerika. Anders als die großen Kamele sind die kleinen Alpakas allerdings keine Lastentiere. In den Anden werden die Tiere deshalb vor allem ihrer Wolle wegen gezüchtet.

In unseren Breitengraden ist es mittlerweile beliebt, mit den flauschigen Tieren zu wandern. Es scheint ein neuer Trend zu sein, ein Alpaka an der Leine durch die Natur zu führen. Das soll entspannend sein. Denn die Tiere haben ein sehr gutmütiges Wesen und trotten eher langsam vor sich hin. Allerdings sind sie auch stur wie Esel und vor allem eins: Super kuschelig.

Am Kühtaierhof in Oberperfuss bei Innsbruck starten wir unsere kleine Wanderung mit den flauschigen Alpakas. Wobei man hier keine klassische Wanderung erwarten sollte. Es ist eher ein gemütlicher Spaziergang ohne größere Anstiege. Rund 1,5 Stunden dauert die Tour.

Instatipp: Beim Füttern werden die Alpakas besonders neugierig. Da schnuppern sie auch mal ganz euphorisch an der Kameralinse. Dadurch entstehen coole Aufnahmen.

Anreise zum Kühtaierhof bei Innsbruck

Innsbruck gilt als Hauptstadt der Alpen. Umgeben von Bergen liegt die Stadt mitten in Tirol. Und wie es sich für eine richtige Hauptstadt gehört, könnt ihr mit allen denkbaren Verkehrsmitteln anreisen. Es gibt sogar einen Flughafen, der von einigen deutschen Großstädten mit Direktflügen angesteuert wird.

Aus dem Süden Deutschlands ist die Anreise per Bahn entspannter und ökologischer. Nur 1:45 h dauert die Fahrt ab München mit dem EC. Vom Hauptbahnhof aus geht es dann per Bus weiter nach Oberperfuss zum Kühtaierhof. Das dauert nochmals rund 30 Minuten.

Oder ihr setzt euch ins Auto. Das ist allerdings kaum schneller als mit der Bahn. Denn die reine Fahrzeit beträgt mit dem PKW ab München bis nach Oberperfuss etwa zwei Stunden. Wenn ihr die Grenze südlich von Garmisch-Partenkirchen bei Scharnitz passiert, wird keine Maut fällig. Diese Strecke ist je nach Verkehrslage häufig sogar die schnellste Route. Wenn ihr über Kufstein anreist, benötigt ihr eine Vignette.

Alpaka-Führungen finden jeden Freitag statt

Startpunkt:Kühtaier Alpakahof Oberperfuss
Dauer:etwa 2 Stunden
Für Kinder geeignet:ja
Termine:immer freitags
Beste Reisezeit:ganzjährig

Wenn ihr in Innsbruck übernachtet, bekommt ihr im Hotel als Gästekarte die sogenannte Welcome-Card ausgestellt. Damit könnt ihr die öffentlichen Verkehrsmittel kostenlos nutzen und auch einige Aktivitäten wie die Alpaka-Wanderung am Kühtaierhof sind inklusive. Hier werden jeden Freitag Alpaka-Wanderungen angeboten. Meldet euch am besten frühzeitig an, denn die Gruppengröße ist begrenzt. Wir hatten das Glück, sogar ganz alleine mit den Tieren unterwegs zu sein. Das ist allerdings wohl eher die Ausnahme.

Ich bin ganz aufgeregt, als ich die letzten Meter zum Hof zurücklege. Der Weg führt an einem großen Gehege vorbei. Am Zaun sind Schilder befestigt, auf denen Alpakas aufgedruckt sind und „Bitte nicht füttern“ steht. Neugierig schaue ich auf die Weide. Und bin erstmal enttäuscht. Es ist kein Alpaka zu sehen.

Auf der Suche nach den flauschigen Tieren, spähe ich durch die Stalltür nach innen und treffe dort auf Nadine. Sie hat uns bereits erwartet und bietet uns sogleich eine Führung an. Gemeinsam mit ihren Eltern und Großeltern betreibt sie den Alpakahof. Und die drei Generationen haben die Alpakas noch gar nicht so lange. Die Idee, den ehemaligen Kuhstall zu einer Alpaka-Farm umzurüsten, entstand in der Corona-Zeit. Gesagt, getan. Jetzt leben auf dem geräumigen Gelände die 8 Tiere, die unterschiedlicher kaum sein könnten.

Gegenseitiges Beschnuppern am Alpakahof

Am größten ist eines der Weibchen. Ein anderes, weißes Tier, liegt entspannt im Stalleingang. Selbst als ich mich nähere, steht es nicht auf. Härmele hat einen hellen Fleck auf der Stirn. Und Berni ist eines der kleinsten Tiere. Er hat als einziges eine hellbraune Fellfarbe und sieht ulkig aus, weil der Kopf sehr flauschig ist, während der Körper recht kurz geschoren wirkt. Wobei „kurz geschoren“ in diesem Fall heißt, dass ich meine Finger immer noch bis über das zweite Fingerglied hinweg im Fell vergraben kann.

Aus all diesen flauschigen Tieren soll ich mir nun meinen Wanderbegleiter aussuchen. Die Entscheidung fällt nicht schwer. Ich nehme den ulkigen Berni. Den scheint meine Wahl zu freuen. Er schnuppert ausgiebig an meiner Hand, am Jackenärmel, an meinem Bauch … überall. Alpakas sind generell sehr neugierige Tiere. Fremde Gerüche sind für sie prinzipiell erstmal komisch, aber wohl auch sehr interessant. Ich streichle ihm im Gegenzug den langen Hals. Das ist die einzige Stelle, an der er gerne angefasst wird. Kopf und Körper sind tabu. Daran halte ich mich auch. Ich will ihn ja nicht ärgern.

Gemütliche Wanderung im Schneckentempo

Und Berni weiß das zu schätzen. Und folgt mir brav. Beziehungsweise, er folgt eher Härmele. Denn der ist das Leittier und wird von Nadine vornweg geführt. Ein Alpaka würde nämlich niemals alleine auf eine Tour losziehen. Am Hintern von Härmele fühlt sich Berni allerdings sichtlich wohl. So trotten wir über das Hochplateau rund um Oberperfuss.

Sobald wir den Ort verlassen haben, sind wir ganz alleine zwischen den Feldern und an der Waldgrenze unterwegs. Dabei erhaschen wir zwischenzeitliche tolle Ausblicke ins Inntal und auf Innsbruck. Und rundherum ragen die Berge auf. Schön!

All das können wir ausgiebig genießen. Denn wir schlendern im Schnecken-… ääh… Alpakatempo durch die Natur. Kein Wunder, dass das Wandern mit Alpakas als entspannend wahrgenommen wird. Zeitdruck darf man da nicht mitbringen. Und gefühlt werden die Alpakas noch langsamer, sobald sie spüren, dass man Stress hat. Ich empfinde das wahrlich als sehr gemütlich. Wir trotten gemeinsam nebeneinander her. Ich rede meinem Alpaka gut zu, lobe es für Dinge, die es tut im Gegensatz höre ich das Berni summsen. Das Geräusch klingt, als würde er ein Lied summen.

Fazit

Für mich war das eine super Erfahrung. Guide Nadine hat uns gleichzeitig sehr viel über Alpakas, artgerechte Haltung und Charaktereigenschaften der Tiere erklärt. Wie bei allem, was mit Lebewesen zu tun hat, kommt es bei Alpaka-Führungen darauf an, wie diese durchgeführt werden und unter welchen Bedingungen die Tiere gehalten werden. Da hatte ich in diesem Fall ein sehr gutes Gefühl.

Das Spazieren mit den flauschigen Tieren kann man wahrlich nicht mit einer Wanderung vergleichen, ist aber eine (ent-)spannende Erfahrung und auch eine coole Sache für Familien mit Kindern.

Falls ihr danach noch eine gute Aussicht haben möchtet, empfehle ich die Auffahrt mit der Bergbahn Oberperfuss zum Rangger Köpfl. Von der Bergstation könnt ihr etwa 200 Höhenmeter über die Rodelbahn weiter zur Rosskogelhütte aufsteigen. Da gibt’s leckeres Essen.

Lage

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