Ich fühle mich wie ein Entdecker in einer längst vergangenen Welt, als es plötzlich auftaucht: das Angel-Mountain Eye, ein verstecktes Naturjuwel im Norden Vietnams, das für seine einzigartige geologische Form bekannt ist. Der Berg bietet eine ungewöhnliche und atemberaubende Aussicht durch ein natürlich entstandenes Loch, das wie ein Auge in die unberührte Landschaft blickt. Der abgelegene Standort macht ihn zu einem Geheimtipp für alle, die auf der Suche nach authentischen Erlebnissen und dem Gefühl völliger Abgeschiedenheit sind.
Lohnt sich die Tour zum Angel Eye in Vietnam?






Das Angel-Mountain Eye – oder auch „Nui Thung“ im Vietnamesischen genannt – liegt in der Provinz Cao Bang nahe der Grenze zu China. Das markante, kreisrunde Loch thront auf etwa 1.100 Metern Höhe über den umliegenden Hügeln.
Durch Jahrtausende der Erosion und Verwitterung geformt, bietet dieser kegelförmige Berg eine Besonderheit in der Felsenlandschaft. Abseits der touristischen Pfade gelegen, vermittelt der Ort nicht nur die wilde Schönheit der Natur, sondern auch die Reise dorthin das einfache, traditionelle Leben der Einheimischen.
Fototipp: Vom Parkplatz aus bietet sich dir bereits der perfekte Blick auf das Loch im Berg. Davor erstreckt sich ein malerischer See, der oft ruhig ist und wunderschöne Spiegelungen ermöglicht. Wenn du abenteuerlustig bist, kannst du deine Drohne durch das Loch fliegen lassen. Beachte jedoch, dass es kurzfristig zu Verbindungsabbrüchen kommen kann, weshalb du die Rückkehrhöhe entsprechend anpassen solltest.
Anreise zum Angel-Eye Mountain
| Lage: | Provinz Cao Bang, Nordost-Vietnam |
| Anreise: | 300 Kilometer von Hanoi |
| Must-Do: | Mit einem Schlauchboot übersetzen |
| Übernachtung: | Camping direkt beim Angel-Eye |
| Beste Reisezeit: | November bis April (Trockenzeit) |
Für die Anreise starte ich am internationalen Flughafen Hanoi (HAN). Der direkte Weg von Hanoi zum Aussichtspunkt führt über etwa 300 Kilometer und dauert 6 bis 8 Stunden mit einem Leihwagen oder Motorrad.
Unterwegs erwarten dich beeindruckende Ausblicke auf majestätische Berge, üppige Reisterrassen und charmante kleine Dörfer. Alternativ kannst du einen Bus nach Cao Bang nehmen. Dort angekommen hast du die Möglichkeit, einen Roller zu mieten und die kürzere Strecke von 27 Kilometern zum Angel-Mountain Eye zurückzulegen.
Fahre auf der QL3 in Richtung Norden und biege nach 20 Kilometern links auf die DT205 ab. Nach etwa 7 Kilometern siehst du auf der linken Seite ein Schild, das dich zum Berg führt – hier befindet sich der bekannteste Aussichtspunkt und Ausgangspunkt. Wenn du kein Motorrad mieten möchtest, kannst du auch über lokale Touranbieter in Cao Bang einen Ausflug buchen.
Abenteuerwanderung oder Fotostop? Hauptsache gut vorbereitet!
Bevor es losgeht, solltest du dir überlegen, ob du eine Wanderung zur Höhle unternehmen oder einfach ein Foto vom Parkplatz machen möchtest. Wenn du, wie ich, die erste Option wählst, empfehle ich dir, gute Wanderschuhe mit Grip zu tragen. Ich war nicht optimal vorbereitet und musste das mit mehreren Stürzen und Schürfwunden bezahlen.
Eine Trinkflasche sowie ein kleines Erste-Hilfe-Set sind ebenfalls sinnvoll, besonders wenn du den Aufstieg zur Höhle in Angriff nehmen möchtest. Die Umgebung ist ländlich, und vor Ort habe ich keine Möglichkeit gesehen, Snacks oder andere Vorräte zu kaufen.
Ein weiterer Tipp: Nimm Kleingeld mit, denn am Fluss vor dem Berg stehen oft Fischer bereit, die dir gegen einen kleinen Obolus beim Überqueren des Flusses helfen. Vom Ausgangspunkt auf der anderen Seite des Berges trennt dich kein Fluss vom Berg, aber die Anreise ist etwas länger und bietet keine gute Fotoperspektive auf den gesamten Berg.
Ohne Aufwand zum perfekten Fotomotiv
Bereits vom Parkplatz aus genieße ich eine beeindruckende Aussicht auf das markante Felsloch. Nur etwa 500 Meter vom Berg entfernt kann ich auch ohne Drohne herrliche Aufnahmen machen. Die Sonne scheint perfekt durch die Öffnung und blendet mich. Auf den grünen Wiesen davor weiden Kühe und Pferde, was zur entspannten Atmosphäre des Ortes beiträgt.
Ich kann es kaum erwarten, den Berg zu besteigen, ahne jedoch noch nicht, dass ein Fluss ein Hindernis darstellen wird. Mein Motorrad ist das einzige, das ich auf dem kleinen Parkplatz zurücklasse. Ich treffe zwei Männer, die sich um die Instandhaltung des Campingplatzes kümmern.
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Abenteuerliche Wanderung zur Höhle im Angel-Eye Mountain
Ich grüße die beiden Männer freundlich und frage nach dem Weg zum Berg. Sie erklären mir, dass meine einzige Möglichkeit, zur Höhle im Berg zu gelangen, die Überquerung des Flusses mit einem Schlauchboot ist. Am Ufer sollte ich einen der Fischer ansprechen, die mich für eine kleine Gebühr auf die andere Seite bringen können – und idealerweise auch nach der Wanderung wieder zurück.
Nach etwa zehn Minuten Fußmarsch über einen unebenen Pfad erreiche ich das Ufer eines breiten, braunen Flusses. Ein Fischer erklärt sich bereit, mich für ein paar Euro hinüberzubringen und später auch wieder abzuholen. Die Wanderung zur Höhle ist nicht ausgeschildert, und ich bin allein auf meine Offline-Karte angewiesen. Zum Glück kann ich das markante Loch im kegelförmigen Berg schon von unten sehen und mich daran orientieren.
Der Pfad ist matschig und unbefestigt. Anfangs gibt es noch einen kleinen Trampelpfad, doch je weiter ich komme, desto dichter wird das Gestrüpp. Schon bald verwandelt sich der Weg in ein überwachsenes Dickicht. Ich kann nur betonen, wie wichtig festes Schuhwerk ist – ich rutsche mehrfach ab, weil meine Schuhe kein geeignetes Profil haben. In solchen Momenten wünschte ich, ich hätte den Weg nicht alleine auf mich genommen.
Nach etwa 30 Minuten erreiche ich die einsame Höhle im Berg. Ich gehe auf die andere Seite der Höhle und blicke auf die Felslandschaft, die sich auf der Rückseite des Berges erstreckt. Zwar habe ich von hier oben einen guten Ausblick, aber der einzigartige Anblick des „Auges“ fehlt hier natürlich.
Nach einer kurzen Pause mache ich mich auf den Rückweg. Zweimal bleibe ich an Wurzeln hängen und rutsche auf dem steilen Abhang ins Gebüsch. Nur ein paar Äste geben mir Halt auf dem Weg nach unten. Mit dreckiger Kleidung und einer Schramme im Gesicht bedanke ich mich schließlich beim Fischer, der mich in seinem kleinen Schlauchboot wieder zurückbringt.
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Fazit
Da ich selbst in der Trockenzeit den Fluss überqueren musste, schätze ich, dass du ebenfalls auf einen Fischer angewiesen sein wirst. Falls jedoch keiner da sein sollte, lohnt sich auch ein gemütliches Picknick auf der grünen Wiese neben den Pferden. Rückblickend wäre das vermutlich die entspannendere und schönere Wahl gewesen.
Der Angel-Eye Mountain ist ein unberührter Ort in spektakulärer Umgebung, der sich hervorragend als Fotostopp auf einer Rundreise durch den Norden Vietnams eignet. Der kurze, aber steile Aufstieg ist herausfordernd, anstrengend und nicht ausgeschildert. Ich empfehle, ihn nicht alleine zu gehen oder nach Regenfällen zu besuchen. Außerdem solltest du mit einem unbefestigten, überwucherten Pfad rechnen.
Wenn du Vietnam abseits der touristischen Pfade erleben möchtest, ist dieser kegelförmige Berg mit dem markanten Loch dennoch ein perfektes Ausflugsziel für dich. In der Umgebung lohnen sich auch der Ban-Gioc-Wasserfall und die Pac-Bo-Höhle, die beide beeindruckende Erlebnisse bieten. Auch eine Verbindung mit der bekannten Motorradrundreise Ha Giang Loop ist denkbar. Der Norden Vietnams bietet spektakuläre Abenteuer abseits der Touristenströme Südostasiens!
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