Weiße Häuser, grüne Palmen und ein eindrucksvolles Hochtal umgeben die ehemalige Hauptstadt von Fuerteventura: Betancuria, die mittelalterliche Metropole der kanarischen Insel Spaniens. Der ins Tal eingekesselte Ort schützte seine Bewohner einst vor Piraten und sticht durch seine malerische Landschaft sowie weiße Kirche heraus. Immer wieder zieht die idyllische Ruhe Strand-Urlauber in das trockene Zentrum der Vulkaninsel. Lohnt sich ein Ausflug nach Betancuria? Ich nehme euch mit in das spanische Dorf.

Lohnt sich ein Besuch von Bentancuria auf Fuerteventura?

Die Oase Betancuria im Parque Rural de Betancuria inmitten der Vulkaninsel ist heute ein kleiner Ort mit knapp 750 Einwohnern und damit der bevölkerungsschwächste Fuerteventuras. Während des Mittelalters galt sie allerdings als echte Inselmetropole und spielte eine große Rolle in der Kolonialgeschichte der Kanaren. Die schönen Gassen und historischen Kirchen erschaffen ein nostalgisches Ambiente – zu Recht steht Betancuria als älteste Siedlung unter Denkmalschutz. Bei einem Spaziergang lässt sich das Dorf erkunden und mehr über die Geschichte der Siedlung erfahren. Außerdem bieten zahlreiche Cafés die optimale Möglichkeit, sich zu entspannen und das spanische Flair zu genießen.

Fototipp: Der Platz vor der Kirche Santa María ist der perfekte Ort, um das klassische Bild von Betancuria einzufangen. Eine große Palme, die weiß getünchte Kirche und viele bunte Blumen machen den Spot Instagram-würdig.

Anreise nach Betancuria

Lage:Parque Rural de Betancuria
Einwohner:758
Must-See:Kirche Santa Maria
Einkehrtipp:Casa Santa Maria
Besonderheit:Idyllische Atmosphäre

Umschlossen vom „Parque Rural de Betancuria“, einem Landschaftspark, liegt Betancuria im Herzen Fuerteventuras. Die Anreise mit dem Bus ist vom Hafen Puerto del Rosario mit der Linie 02 des Anbieters Tihade möglich und dauert ca. 50 Minuten. Informiert euch vorab über die Häufigkeit der Fahrten, die können je nach Tag abweichen. Von allen anderen Orten müsst ihr leider erst mal einen Bus nach Puerto del Rosario nehmen, – das ist also eine etwas zeitaufwendigere Option. Für mich war die Anreise per Mietwagen attraktiver. Nicht nur, um Zeit zu sparen, sondern auch um die Gegend rund um Betancuria und die vielen Aussichtsplattformen flexibel erkunden zu können.

Mit dem Mietwagen ist Betancuria von allen typischen Touristen-Orten ungefähr gleich leicht zu erreichen. Mit einem Mietwagen dauert es von Corralejo und El Cotillo im Norden ca. 55 Minuten. Von Morro Jable tief im Süden solltet ihr eine Stunde und 15 Minuten einplanen sowie von der Costa Calma ca. eine Stunde. Am schnellsten geht es von der Hauptstadt Puerto del Rosario in knapp einer halben Stunde. Ein Teil der Strecke führt euch über Serpentinenstraßen mit Ausblick auf die wunderschöne Vulkanlandschaft.

Oase in der Wüste  

Schon beim Kurven durch die Berge fällt beim Blick auf Betancuria auf: Hier ist es grüner als im Rest der Insel. Am Parkplatz angekommen zieht es mich automatisch erst mal zur weißen Kirche, deren Turm ich schon von Weitem gesehen habe. Unter dem Schatten der Iglesia de Santa María und der großen Palme, packen einige Touristen schon ihr Picknick aus. Ich entscheide mich für einen Spaziergang durch das Dorf und mache alle paar Minuten Halt, um eine besonders pinke Blume oder einen lustig geformten Kaktus zu fotografieren. Obwohl es Oktober ist, drückt die subtropische Hitze nach einer Weile ordentlich. Also suche ich nach einem Ort zum Pause machen. Direkt neben der Kirche befindet das Restaurant und Café Casa Santa Maria mit einer Terrasse auf der zweiten Etage, der ein großer Baum Schatten spendet. Von hier aus genieße ich einen Café con Leche (Kaffee mit Milch) und den Blick auf das Wuseln der Besucher durch Betancuria. Wenn ihr mehr als nur einen Tagesausflug nach Betancuria wollt, lohnt es sich unter Umständen eine Nacht in einem der Santa Maria Luxury Rooms zu verbringen. Das Hotel hat ganz frisch eröffnet.  

Von der historischen Hauptstadt zum Touristen-Hotspot

1404 gründet der normannische Eroberer Jean de Béthencourt den Ort Betancuria und macht ihn damit zur Hauptstadt und auch zum Regierungszentrum. Eine Stadt mitten im Nirgendwo? Alles Strategie, denn die Lage im Inneren der Insel, umrandet von Bergen, schien sicherer vor Piraten. Außerdem ist das Tal außergewöhnlich fruchtbar und brachte damit den Vorteil von ausreichend Nahrungsmitteln und Wasser. Doch die Piraten fanden 1593 einen Weg nach Betancuria und zerstörten die Stadt größtenteils. Viele Einwohner wurden als Sklaven verschleppt und Betancuria verlor ihr Ansehen. 1834 ging der Hauptstadt-Status dann an Antigua und schließlich an das heutige Puerto del Rosario.

Auch die Kirche „Iglesia Santa María“ musste bei dem Piratenangriff sehr leiden. Ihr Wiederaufbau hat fast 100 Jahre gedauert. Dadurch mischen sich auch die Elemente des ursprünglichen Stils der französischen Gotik mit Elementen der Renaissance und des Barrocks. Im Inneren verbinden toskanische Säulen und Bögen die drei Schiffe der Kirche. Für 1,50 Euro könnt ihr euch das Innere der Kirche ansehen.

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Fazit

Geschichtsfreudige, Pflanzenfans und Liebhaber von Abwechslung zum Strand werden bei einem Ausflug nach Betancuria fündig. Das kanarische Dorf liegt in einer einzigartigen Kulisse und bietet mit seiner Pflanzenvielfalt, kleinen Gassen und weißen Häusern das perfekte Fotomotiv.

Einmal in der Gegend lohnt sich auch ein Abstecher zum Aussichtspunkt Mirador de Guise y Ayose – ein Denkmal, an dem zwei ca. 4,5 Meter hohe Statuen imposant in die Ferne schauen. Auf der einen Seite schaut ihr ins Landesinnere und auf der anderen Seite in Richtung Meer, das blau in der Ferne leuchtet. Mit ein bisschen Glück zeigen sich euch hier auch Streifenhörnchen (eigentlich sog. Atlashörnchen), die sich etwas zum Knabbern von den Touris erhoffen. Das sollte man aber besser lassen, da die schnelle Vermehrung der süßen Hörnchen zu Schäden an der Landwirtschaft auf Fuerteventura führt.

Lage

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