Schier endlos lange Traumstrände, beinahe hochalpine Bergwelten und steil abfallende Küstenabschnitte: Irland ist ein Land der Vielseitigkeit. Besonders deutlich wird die stetig verändernde Landschaft an der Westküste Irlands. Hier, zu großen Teilen umgeben vom Atlantik, befindet sich die Dingle-Halbinsel. In meinen Augen ist die Halbinsel vielleicht sogar der schönste Teil, den ich bisher von Irland gesehen habe.

Lohnt sich ein Besuch der Dingle-Halbinsel an Irlands Westküste?

Die Dingle Peninsula, also die Dingle-Halbinsel erstreckt sich über eine Länge von knapp 48 km im County Kerry direkt an der südlichen Westküste Irlands. Auf der Insel befindet sich der westlichste Punkt des Festlands. Ihr könnt die Halbinsel im Zuge des Roadtrips über den Wild Atlantic Way erkunden, der sich über insgesamt 2.500 km an der kompletten Westküste Irlands entlang erstreckt.

Auf der Halbinsel hätte ich mich mehrere Tage aufhalten können. Denn es gibt so viel zu entdecken. Und auch so viel zu tun. Surfer fühlen sich beispielsweise am schier endlosen Inch-Beach besonders wohl, Verliebte geben sich oberhalb der Steilküste am Dunquin Pier das Ja-Wort und Wanderer erklimmen den dritthöchsten Berg Irlands, den Mount Brandon (952 m). Wenn ihr Glück habt, könnt ihr vor der Küste sogar Delfine und Wale beobachten. Um die besonderen Meeresbewohner auch wirklich zu sehen, werden regelmäßig Bootstouren aufs offene Meer angeboten.

Fototipp: In Irland könnt ihr fast überall die Drohne fliegen. Das ist super, denn aus der Vogelperspektive wirkt die Landschaft nochmals ganz anders. Checkt die Gegebenheiten und die Regeln natürlich unbedingt vor Ort nochmal ab. Ein besonders schönes Motiv ist der Dunquin Pier auf der Dingle-Halbinsel.

Anreise zur Dingle-Halbinsel

Lage:County Kerry
Länge der Insel:48 km
Breite der Insel:9 km
Höchster Punkt:952 m
Beste Reisezeit:April bis Oktober

Wir fliegen nach Dublin und nehmen uns dort einen Mietwagen, um zur Dingle-Halbinsel zu kommen. Theoretisch könnt ihr auch noch bis nach Tralee, das etwa am Anfang der Insel liegt, mit dem Dublin-Express fahren. Mit den öffentlichen Verkehrsmitteln dauert die Anreise in das Städtchen rund 5 Stunden. Ab hier würde ich dann spätestens zu einem Mietwagen raten. Denn die einzelnen Spots werden zwar häufig von Reisegruppen in Bussen angefahren, das Warten auf den öffentlichen Verkehr kann ansonsten aber mühsam sein und ihr müsst auf jeden Fall mehr Zeit einplanen.

Linksverkehr und schmale Straßen in Irland

Doch auch das selber Fahren hat seine Tücken. In Irland gibt es, wie auch in Großbritannien, Linksverkehr. Zudem sind die meisten Straßen abseits der großen Autobahnen und Schnellstraßen super schmal. Rechts und links der Fahrbahn befinden sich Hecken oder Mauern. Und es gibt etliche Kurven und Wellen, die die Straße unübersichtlich machen. Dennoch nehmen die Iren in vielen Fällen die Geschwindigkeitsbegrenzung von 80 km/h wörtlich und bremsen kaum ab. Als Beifahrerin hatte ich hin und wieder das Gefühl, gleich in der Hecke zu enden. Immer mal wieder schlagen Zweige hörbar gegen den Außenspiegel.

Zu der ungewohnten Fahrsituation kommen auch andere Regeln. Viele Iren blinken beim Einfahren in den Kreisverkehr. Wir sind es gewohnt, uns darauf verlassen, dass ein links bzw. rechts blinkendes Auto den Kreisverkehr an der nächsten Ausfahrt verlässt. Das muss hier nicht unbedingt sein. Checkt bei Einfahrt in den Kreisverkehr also unbedingt doppelt, ob das andere Auto wirklich abfährt.

Alpine Landschaft am Conor-Pass

Nach einigen Metern gewöhnen wir uns an die engen Straßen und düsen weiter auf die Halbinsel. Aus bewaldeten Alleen, die beinahe das Gefühl aufkommen lassen, durch einen Tunnel zu fahren, werden plötzlich kurvige Bergstraßen. Ich hefte den Blick auf die Fahrbahn, damit mir nicht schlecht wird und kann es kaum glauben. Wir sind plötzlich mittendrin in einer wilden Bergwelt. Ein Wasserfall kommt direkt neben uns an der Fahrbahn hinunter. Hier, kurz vorm Conor-Pass, ist auch eine Haltebucht. Wir bleiben stehen und steigen aus.

Die Berge um mich herum sind immerhin bis über 900 Meter hoch. Sie fühlen sich aber viel höher an. Das liegt vielleicht auch daran, dass sie so karg daherkommen. Aus der Ferne leuchten sie eher rostrot und orangefarben. Aus der Nähe wirken sie ebenso steppenartig. Allerdings fallen hier noch die zahllosen Gesteinsbrocken auf.

Hier könnte man die Wanderschuhe schnüren. In diesem Moment finde ich es ein bisschen schade, dass wir diesen Ort nur auf der Durchreise erleben. Trotzdem lassen wir uns nicht davon abbringen, zumindest ein paar Meter nach oben zu kraxeln. Und was soll ich sagen? Schon das lohnt sich. Denn vor mir liegt plötzlich ein mystischer Bergsee. Wunderschön!

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Besondere Steilküste am Dunquin Pier

Wir steigen wieder ins Auto und setzen unseren Roadtrip fort. Und ich staune nicht schlecht, als sich die Landschaft hinter dem Conor-Pass wieder völlig verändert. Eben noch sind wir mitten durchs Hochgebirge gedüst, auf der anderen Seite des Passes können wir unter uns das Meer sehen. In der Wasseroberfläche ragen zwei spitze, vulkanförmige Inseln auf. Solche Aussichten vermute ich eher im asiatischen Raum, nicht aber an Irlands Westküste. Das möchte ich mir näher anschauen.

Knapp 20 Minuten später erreichen wir das Dunquin Pier. Kurz darauf stehe ich an einer atemberaubenden Steilküste. Unter mir liegt eine steinerne Rampe, die sich bis zur Wasserlinie zieht. Davor ragen pyramidenförmig Felsbrocken aus dem Wasser. Hier zeigt sich Irland wirklich wieder von einer ganz anderen Seite.

Um die Besonderheit des Ortes zu unterstreichen, sehe ich plötzlich, wie sich eine Frau im weißen Kleid und ein Mann im Anzug direkt über uns an den Klippen das Ja-Wort geben. Ganz im kleinen Kreis, nur die Trauzeugen, der Trauredner und das neue Ehepaar. Inmitten dieser wilden, zerklüfteten, grün leuchtenden Landschaft.

Inch Beach: Der vielleicht schönste Strand der Insel?

Immer, wenn ich am Meer stehe, spüre ich ein Gefühl der Freiheit. Ich mag die salzige Luft und das Gefühl von Wind in den Haaren. Beides verstärkt sich noch, als wir den Inch-Beach im Süden der Halbinsel erreichen. Vor mir erstreckt sich ein schier endloser Sandstrand. Der Sand ist weiß und fein. Sobald die Sonne darauf scheint, leuchtet er wie einer dieser Traumstrände. Das Wasser davor erscheint türkisblau. Und in den Wellen, die gleichmäßig brechen, tummeln sich etliche Surfer.

Surfen kann ich leider nicht, deswegen begebe ich mich stattdessen auf einen gemütlichen Strandspaziergang und laufe am Ufer entlang. Angespülte Muscheln knacken unter meinen Füßen und nur hin und wieder zerreißt das Kreischen einer Möwe die ansonsten monotone Geräuschkulisse aus Wellenrauschen und Wind.

Je weiter wir uns vom Einstieg des Strandes entfernen, umso gemütlicher wird es. Denn das einzige Manko dieses Ortes macht sich direkt in Parkplatznähe bemerkbar: Autos parken hier nämlich nicht nur am Parkplatz nebenan, sondern auch direkt auf dem Strand. Das ist an dieser Stelle erlaubt. Aber je weiter man sich entfernt, umso mehr kann man die Autos ausblenden und ganz das Natur-Erlebnis genießen.

Fazit

Ich habe bisher schon Nordirland besucht, kenne die Cliffs of Moher, war im Burren Nationalpark und habe über die Kerry Cliffs am Ring of Kerry gestaunt. Aber die Dingle-Halbinsel gehört definitiv zu meinen persönlichen Lieblingsorten Irlands. Mir war die Schönheit der Halbinsel vorher gar nicht so bewusst. Ich denke, es ist auch eher noch ein “Geheimtipp” im Vergleich zu den Haupt-Ausflugszielen. Wenn ihr Irlands Westküste mal besucht, empfehle ich auf jeden Fall einen Abstecher hier her.

Denkt aber daran, dass ihr euch fast immer direkt am Meer befindet. Ohne Kopfbedeckung und warme wetterfeste Kleidung hätte ich mich hier bei den teils starken Windböen nicht aufhalten wollen. Ich habe die Gegend übrigens im Herbst besucht. Ende September war es zwar windig und teilweise auch regnerisch, insgesamt aber milder als in Deutschland. Und dafür waren die Sommerurlaubs-Touristen schon durch. So hatten wir viele Orte fast für uns alleine.

Falls ihr die Insel besucht, solltet ihr den Aufenthalt unbedingt mit einem Pub-Besuch kombinieren. Das ist in Irland einfach eine Erfahrung. Es gibt auch fast immer Live-Musik.

Lage

Praktische Links

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