Durchquerung der Geislerspitzen in den Dolomiten: Genial!

Schroff, zackig und unfassbar imposant ragen die mächtigen Felsnadeln der Geislerspitzen in den Südtiroler Himmel. Für mich zählen sie zu den spektakulärsten Bergmassiven der gesamten Dolomiten. Und obwohl sie undurchdringlich wirken und so, als seien sie nur Kletterern vorbehalten, führt eine Rundtour geradewegs durch die steinernen Türme hindurch. Am Ende erreichen wir dann die berühmte Seceda oberhalb von Gröden und können den beliebten Postkarten-Blick fast alleine genießen.

Lohnt sich die Durchquerung der Geislerspitzen in Südtirol?

Die majestätischen Geislerspitzen in den Dolomiten sind ein absoluter Traum. Doch der Weg hindurch muss verdient werden. Trotz Seilbahn-Unterstützung im Auf- und Abstieg ist die Rundtour nicht zu unterschätzen. Ab der malerischen Raschötz-Alm gilt es rund 1.100 Höhenmeter zu meistern. Dabei geht’s erstmal ganz gemütlich los. Und zwar über das breite Hochplateau mit sensationellen Ausblicken auf die umliegenden Dolomitengipfel. Doch dann kommen sie geballt: die Höhenmeter.

Der Aufstieg zur Mittagsscharte wird immer schroffer und wilder. Von den sanften Almwiesen erreichen wir das felsdurchsetzte Gelände, das vielmehr an eine karge Mondlandschaft erinnert. Die Türme der Geislerspitzen sind nun zum Greifen nah. Wenn ihr die Scharte durchquert und die Runde bis zum Schluss durchzieht, gelangt ihr schließlich zu Fuß bis zur Seceda, einem der absoluten Top-Fotomotive der Alpen.

Fototipp: Wenn ihr die Rundtour wie hier beschrieben macht, erreicht ihr die Seceda-Alm erst am Nachmittag. Das ist perfekt für Fotos. Das Licht ist dann oft weicher und die größten Menschenmassen sind bereits wieder im Tal oder auf dem Rückweg.

Anreise nach St. Ulrich im Grödnertal

Höhenmeter:1.087 hm
Strecke:14,1 km
Gehzeit:6 Stunden
Einkehrtipp:Sofie Hütte
Beste Reisezeit:Juni – September

Los geht’s mit der Seilbahn Raschötz in St. Ulrich. Die Orte im Grödnertal wirken zuerst recht weit weg, lassen sich aber erstaunlich gut mit den öffentlichen Verkehrsmitteln erreichen. Ab München geht’s mit dem Railjet über den Brenner und Brixen bis nach Waidbruck. Von dort schnappt ihr euch den direkten Linienbus, der euch geradewegs nach St. Ulrich bringt. Haltet dazu am besten frühzeitig die Augen nach den Sparpreisen der Deutschen Bahn oder der ÖBB offen, um ein günstiges Ticket nach Südtirol zu ergattern. Für die gesamte Reise solltet ihr rund 4:50 Stunden einplanen.

Mit dem PKW seid ihr je nach Verkehr ab München rund 4 Stunden unterwegs. Falls ihr trotzdem mit dem Auto kommt, gibt’s vor Ort natürlich auch Parkflächen. Gerade in der Hauptsaison solltet ihr aber möglichst früh dran sein. Denn auch, wenn die Parkhäuser an den Seilbahnen erstmal groß wirken, sind die Parkplätze oft restlos besetzt. Und sie sind auch relativ teuer. Falls ihr also direkt in Gröden übernachtet, würde ich das Auto besser am Hotel stehen lassen und ebenfalls den Bus nehmen.

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Warmlaufen über die Panorama-Terrasse der Raschötz-Alm

Die Standseilbahn bringt uns ganz bequem hinauf zur Ratschötz-Alm. Von dort geht es zunächst gemütlich durch ein kleines Waldstück nach oben, bevor sich die Landschaft öffnet und wir über ein riesiges Hochplateau wandern. Man fühlt sich hier wie auf einer gigantischen Aussichtsterrasse. Ringsum blicken wir auf ein sensationelles Dolomiten-Panorama. Wir sehen bereits den markanten Langkofel, den Rosengarten und direkt vor uns ragen schroff und zackig die Geislerspitzen auf.

So folgen wir dem Plateau vorwiegend ebenhin bis zur Brogleshütte. Bis hierhin war die Tour, aussichtsreich, schön und unschwierig. Wir legen trotzdem eine kurze Pause ein, gönnen uns ein kühles Getränk und wappnen uns für den bevorstehenden Anstieg. Denn nun liegt die Mittagsscharte vor uns. Rund 800 Höhenmeter warten darauf, auf einen Schlag in vielen kleinen Serpentinen überwunden zu werden.

Schweißtreibender Aufstieg zur Mittagsscharte

Dieser Hang ist der Sonne schonungslos ausgesetzt. Wenn ihr hier, wie wir, zur Mittagszeit unterwegs seid, wird es richtig schweißtreibend. Ausreichend Wasser im Rucksack ist also absolute Pflicht. Wir sind außerdem die ganze Zeit im losen Geröll unterwegs. Deshalb sind auch unbedingt Trittsicherheit und Schwindelfreiheit wichtig, aber vor allem Schuhe mit einer richtig guten Profilsohle. Doch die Mühe lohnt sich. Oben angekommen, wird man von einer neuen, völlig anderen Perspektive belohnt. Am Horizont thront der Monte Pelmo und der Blick fällt hinüber zum Col de la Pieres.

Auf der anderen Seite geht’s wieder runter. Und ich muss gestehen, dass ich mir dieses Stück richtig schwierig vorgestellt habe und dachte, es wird im Abstieg genauso rutschig wie beim Raufgehen. Aber der Weg ist erstaunlich gut angelegt, teilweise mit hölzernen Pfosten befestigt und super zu gehen. Es fühlt sich wahnsinnig spannend an, buchstäblich durch die gigantischen Felstürme hindurchzuschreiten.

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Durch Felstürme zur Seceda

Dann erreichen wir wieder grüne Almwiesen. Ab jetzt folgen wir dem Rundweg weiter in Richtung Seceda-Alm. Ein paar Höhenmeter gilt es nun noch zu meistern. Und so erreichen wir gegen Nachmittag das absolute Top-Fotomotiv der Region. Vor uns liegt die berühmte abfallende Graskante, dahinter ragen die Geislerspitzen in die Höhe. Dort, tief drin, waren wir vor ein paar Stunden noch unterwegs.

Der späte Nachmittag ist super praktisch, da die meisten Leute schon durch sind und sich die Natur von ihrer ruhigeren Seite zeigt. Übrigens: Es lohnt sich nicht, am Drehkreuz auf der Alm Eintritt für den Fotospot zu bezahlen. Es gibt einen viel besseren Aussichtspunkt, und der liegt direkt oberhalb der Seilbahnstation. Wenn ihr zum Gipfelkreuz aufsteigt und dem Weg folgt, kommt ihr zu einem kleinen Aussichtsbalkon. Hier habt ihr meiner Meinung nach die beste Aussicht.

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Fazit

Die Tour ist anstrengend, aber jeder einzelne Schweißtropfen lohnt sich. Und zu meiner Überraschung waren wir unterwegs über weite Teile nahezu alleine unterwegs. Und das, obwohl wir genau im August, zur Ferienzeit, in der Region waren. Vielleicht wird es an den Wochenenden noch etwas voller, ansonsten kann ich die Runde geübten Wanderern absolut empfehlen. Denn hier durchquert ihr ein echtes Naturwunder.

Wichtig: Behaltet am Nachmittag unbedingt die Uhr im Blick, damit ihr die letzte Gondel von der Seceda ins Tal nicht verpasst. Informiert euch vorab über die aktuellen Betriebszeiten, da diese je nach Saison stark variieren. In der Hauptsaison fahren sie meist am längsten, oft bis 18:00 Uhr. Je nach Zeit könnt ihr noch in der Sofie-Hütte einkehren. Hier gibt’s gute Polenta!

Und natürlich solltet ihr nicht nur für diese Tour in die Gegend fahren. Super sehenswert ist auch die Langkofel-Umrundung. Eine wunderschöne Aussicht wartet am Col da la Pieres. Und falls ihr abenteuerlustig seid, könnt ihr in den Geislerspitzen sogar klettern. Zum einen wartet der Klettersteig zum Gipfel des Sass Rigais und zum anderen gibt es eine leichte Klettertour auf die imposante Kleine Fermeda, die man auch vom Aussichtspunkt an der Seceda sehr eindrucksvoll sehen kann. Mit Bergführer absolut genial!

Lage

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