Ich stehe auf dem Allalinhorn (4.027 m) oberhalb von Saas-Fee in einer Landschaft aus Schnee und Eis. Es ist wie eine andere Welt. Dabei bin ich gerade einmal drei Stunden zu Fuß unterwegs. Ich drehe mich um die eigene Achse und komme aus dem Staunen nicht mehr raus. Denn ich stehe zwischen den höchsten Bergen der Schweizer Alpen. Um mich herum ragen das Matterhorn, die Dufourspitze, der Dom und im Hintergrund der Mont Blanc auf.

Lohnt sich die Bergtour zum Allalinhorn in Saas-Fee?

Das Allalinhorn, das gut sichtbar hinter den Häusern von Saas-Fee in der Schweiz aufragt, zählt mit seinen 4.027 Metern Höhe zu einem der leichtesten 4.000er der Alpen. Das liegt aber nicht etwa daran, dass die 4.000-Meter-Marke nur knapp überschritten wird. Viel ausschlaggebender ist, dass der Großteil des Weges per Seilbahn zurückgelegt werden kann.

So gilt es am Ende nur noch rund 570 Höhenmeter bis zum Gipfel zu überwinden. Das ist jedoch natürlich trotzdem keine „einfache“ Wanderung. Wir sind schließlich auf einer Höhe, in der die Luft schon dünner wird und es geht durch Gletschereis. Wer keine Erfahrung im hochalpinen Gelände und mit Gletscherquerungen hat, sollte sich also von einem Bergführer begleiten lassen.

Instatipp: Das beste Foto entsteht meiner Meinung nach direkt am Gipfelkreuz. Dann, wenn man es geschafft hat & den genialen Ausblick genießt. Denn da habt ihr die höchsten Berge der Alpen im Hintergrund.

Anreise nach Saas-Fee

Wer einmal nach Saas-Fee möchte, merkt überhaupt erstmal, wie groß die Schweiz ist. Denn selbst ab Lindau am Bodensee sind es mit dem Auto noch ca. fünf einhalb Stunden Fahrzeit. Je nachdem, aus welcher Ecke in Deutschland ihr kommt, müsst ihr die Anreise bis zum Bodensee natürlich noch dazurechnen.

Der schnellste Weg geht durch den Autoverlad Lötschberg. Da können wir mit dem PKW aber nicht selbstständig durchfahren. Stattdessen reihen wir uns in der Autoschlange vor dem sogenannten Autoverlad ein. Das ist ein Zug, der mit Ladeflächen dafür ausgelegt ist, Autos durch den Berg zu transportieren. Für den Fahrer vielleicht gar nicht so schlecht. Denn ihr könnt im Auto zwar sitzen bleiben, aber mal kurzzeitig die Augen schließen und die Hände vom Lenkrad nehmen.

Der Autozug verkehrt tagsüber im halbstündigen Rhythmus. Wenn viel los ist, also vor allem in der Ferienzeit, müsst ihr euch an dieser Stelle allerdings auf längere Wartezeiten einstellen.

Die Zeit verfliegt wie im Flug. Kurz darauf düsen wir weiter ins Wallis. Allerdings können wir das Auto nicht direkt am Hotel abstellen. Denn Saas-Fee ist ein autofreier Ort. Vor den Toren des Dorfes gibt es dafür große, kostenpflichtige Parkflächen. Das Tagesticket kostet 14 CHF. Für eine Woche werden 98 CHF fällig.

Uriges Bergsteigerdorf vor 4.000er-Gipfeln

Höchster Punkt:4.027 m
Höhenmeter:569 m
Gehzeit:5 Stunden
Strecke:7 km
Beste Reisezeit:Juni-September

Vom Parkplatz könnt ihr euch mit einem Elektro-Taxi zum Hotel shutteln lassen. Wir verzichten darauf und schlagen den Weg zu Fuß ein. So lassen wir das Ambiente der belebten Ortschaft auf uns wirken. Wir kommen an rustikalen Holzhäusern vorbei, passieren urige Kneipen während wir durch die engen Gassen laufen und sobald man den Blick hebt, schaut man geradewegs auf vergletscherte Bergriesen.

Da vor uns, direkt hinter den letzten Häusern, ragen Gipfel auf, die teilweise über 4.000 Meter hoch sind. Einer davon ist das Allalinhorn, also unser Ziel. Damit der Besteigung nichts im Wege steht, schlagen wir den Weg zum Bergführerbüro ein. Dort besprechen wir die Ausrüstung.

Kleidet euch für den Aufstieg am besten im Zwiebellook und achtet darauf, dass die äußere Schicht wind- und wasserdicht ist. Mütze und Handschuhe gehören ebenfalls ins Gepäck. Und ein guter Sonnenschutz. Schließlich geht es hoch hinaus. Außerdem müsst ihr Steigeisen, Klettergurt und Trekkingstöcke mitnehmen. Falls euch Ausrüstung fehlt, könnt ihr die Dinge auch direkt in der Bergschule leihen.

Bei mir steigt die Aufregung unmittelbar nach dem Vorgespräch. Denn plötzlich rückt das Vorhaben in greifbare Nähe.

Mit der Seilbahn auf 3.457 Meter

Am nächsten Morgen geht es um 7:30 Uhr los. Wir treffen uns mit unserem Bergführer Marc an der Talstation vom Alpin Express. Mit der Gondel und später mit der Standseilbahn geht es auf 3.457 Meter hinauf. Das ist der einfache Teil.

Von der Bergstation wirkt das Allalinhorn schon super nah. Ihr solltet den Anstieg allerdings nicht unterschätzen. Denn bereits beim Anlegen von Steigeisen und Co. wird deutlich, wie hoch wir doch sind. Ich merke den Unterschied in der Luft, muss tiefer einatmen. Gleichzeitig weht ein eisiger Wind. Ich bin froh, hier nicht allzu lange zu verweilen, sondern bald darauf losmarschieren zu dürfen. Und da folgt direkt das gefährlichste Stück der Tour. Zumindest nach Aussage des Bergführers.

Denn wir spazieren über die Piste des Sommerskigebiets. Skifahrer heizen mit rasanten Geschwindigkeiten knapp an uns vorbei. Da ist es wichtig, am Pistenrand zu laufen. Und das machen wir in einem sehr gemächlichen Tempo. Ganz langsam, immer einen Schritt vor den anderen. So lässt sich die Anstrengung auch mit der Höhe gut vereinen.

569 Höhenmeter bis zum Gipfel

Nach der Piste wird es steiler und unwegsamer. Statt präparierte Abfahrt warten nun Stufen im Tiefschnee. Und unter dem Schnee vielleicht sogar die eine oder andere Gletscherspalte. Deshalb seilen wir uns an und folgen dann wieder dem Bergführer. Am Seil zu gehen, erfordert ein bisschen Teamwork. Keiner wird gerne unsanft mitgeschleift, oder vom Hintermann dauernd ausgebremst, weil das Seil zu sehr auf Spannung ist. Auch durchhängen sollte es nicht. Doch mit jedem Schritt werden wir eingespielter.

Ich genieße die Sonne, erfreue mich an glitzernden Schneekristallen und staune über mächtige Seracs, die über unseren Köpfen aufragen. Es ist eine ganz andere Welt hier oben. Eine Welt aus Schnee und Eis. Und die kann man hier erstaunlich „einfach“ erreichen.

Die Aufregung ist verflogen. Ich habe plötzlich keine Angst mehr, dass es hier in dieser Höhe viel zu anstrengend werden könnte, dass mir die Luft Probleme macht und dass ich nicht hochkomme. Ich fühle mich wohl. Ich genieße. Ich bin dankbar, hier zu sein.

Mit dieser Mischung an Emotionen vergehen die 500 Höhenmeter wie im Flug. Im nächsten Augenblick stehen wir am Grat unterhalb des Gipfels. Es sind vielleicht noch 50 Meter bis zum Kreuz. Easy.

Genialer Rundumblick über die höchsten Berge der Alpen

Ich reiße die Arme nach oben, wir klatschen ab. Ans Kreuz gelehnt, lasse ich den Blick einmal um die eigene Achse kreisen. Das Wetter ist so klar, dass wir richtig weit sehen können. Und ich bin fasziniert von dem, was da alles am Horizont auftaucht. Denn ich bin umgeben von den höchsten Bergen der Alpen.

Direkt gegenüber liegen das Strahlhorn, die Signalkuppe und die Dufourspitze, der höchsten Berg der Schweiz. Dann lasse ich den Blick weiter über das Breithorn schweifen und ganz eindrucksvoll ragt das Matterhorn in Zermatt in die Höhe. Dahinter blicken wir sogar auf den Mont Blanc. Und ganz in der Nähe von uns liegen Alphubel, Täschhorn und der Dom. Hinter Saas-Fee können wir sogar noch bis hin zum Jungfrau-Massiv mit Mönch und Jungfrau schauen. Auch der imposante Aletschgletscher ist dort am Horizont gut zu erkennen. Genial!

Fazit

Die Bergtour aufs Allalinhorn gehört für mich zu den schönsten Touren, die ich im Sommer gemacht habe. Und ich bin begeistert, wie „einfach“ es sein kann, einen 4.000er zu besteigen. Wer wie wir in Begleitung eines Bergführers unterwegs ist, braucht keine Vorkenntnisse. Ihr müsst auch nicht klettern. Einzig Kondition ist nötig und ihr solltet natürlich wandererfahren sein. Mit den Voraussetzungen müsste das für viele gut machbar sein.

Wir sind außerdem bereits gegen Mittag zurückgewesen. So müsst ihr euch auch nicht stressen. Die letzte Seilbahn bekommt ihr auf jeden Fall. Wir sind mittags dann noch in das Drehrestaurant eingekehrt. Das dreht sich – wie der Name schon sagt – einmal um die eigene Achse. So könnt ihr auch von hier eine fantastische Aussicht genießen und dabei den Tag Revue passieren lassen.

Lage

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