Street Food ist sicher in ganz Südostasien Teil der Kultur, trotzdem macht es natürlich immer noch einen großen Unterschied, in welchem Land man sich gerade befindet. Da gerade Myanmar sich erst vor wenigen Jahren internationalen Reisenden geöffnet hat, sind besonders die kulinarischen Erlebnisse sehr authentisch. Deswegen folgen eine praktische Übersicht der typischen burmesischen Gerichte und einige Tipps für Street Food und Bestellungen im Restaurant.

Die burmesische Küche im Überblick

Da Myanmar Grenzen mit unter anderem Thailand, China und Indien teilt, ist es kaum überraschend, dass die örtlichen Spezialitäten auch die burmesische Küche beeinflusst haben. Das Zusammenleben zahlreicher ethnischer Gruppen im Land hat sein Übriges getan.

Daher finden ihr hier ebenso milde Currys wie Nudelsuppen und die typischen Grillspieße, die Reisende von thailändischen Nachtmärkten kennen. Die Beilage ist Reis, gerne auch in Form von Nudeln.

Was gibt’s zum Frühstück?

Als jemand, der nur sehr selten vor 9 Uhr frühstückt, ist die burmesische Frühaufsteher-Mentalität etwas gewöhnungsbedürftig. Selbst in Hostels und typischen Touristen-Unterkünften wird das Frühstück meist schon um halb sieben oder sieben serviert und ist um 9 Uhr meistens schon vorbei.

Die häufigste Speisen sind gefüllte Samosas oder Frühlingsrollen, gebratener Reis oder Nudeln mit einem Spiegelei. Das, was einem europäischen Frühstück noch am nächsten kommt, sind Toast und Marmelade.

Dazu gibt es den bekannten burmesischen grünen Tee oder starken Kaffee. Milch gibt es allerdings nicht, stattdessen wird Creamer in großen Mengen benutzt.

Street Food in Myanmar

Schon ab 11 Uhr am Vormittag sind die vielen Straßenstände besetzt und es wird vorbereitet, gekocht und frittiert. Da an beinahe keinem der Aufsteller eine englische Übersetzung vorhanden ist, ist die einzige Option, sich die Zutaten und die Speisen anzusehen, die die Kunden zu sich nehmen.

Meist werden verschiedene Arten von Nudeln in einem Glaskasten ausgestellt und dann sind verschiedene Gewürze und Gemüse in Plastikschalen ausgebreitet, so dass jeder einfach auf die Variante zeigt, die er möchte.

Dorthin gehen, wo die Einheimischen essen

Wenn man sowieso keine Ahnung hat, dann ist es in der Regel am besten, es denen nachmachen, die es ohnehin besser wissen. Das bedeutet beim Essen in Myanmar, sich einfach dort anzuschließen, wo auch die Einheimischen Schlange stehen.

In meinem Fall war das ein kleiner, völlig unscheinbarer Stand in Mandalay, nachdem ich mehrere Stunden durch die Straßen gelaufen bin, um ein Restaurant zu finden. Obwohl er sich direkt gegenüber meiner Unterkunft befand, fiel er mir erst bei meiner Rückkehr auf – aus dem Grund, dass die Räumlichkeiten tagsüber als Fahrradgeschäft genutzt werden.

Keine Speisekarte, dafür neugierige Blicke

Schon als ich mich den bunten Plastikhockern und den niedrigen Tischen nähere, ist mir die Aufmerksamkeit der Gäste sicher. Bei dem Gewusel zwischen den Plätzen ist kaum auszumachen, wer dort wirklich arbeitet, aber kaum sitze ich, steht ein Teenager neben mir und fragt: „you ready?“ Ich frage nach der Speisekarte, aber er schüttelt den Kopf und deutet mir, ihm zu folgen.

Wir gehen in die offene Küche und er zeigt auf die Speisen. Ich habe die Wahl zwischen drei Sorten Reis, flachen Pfannkuchen und Curry mit Hühnchen oder Rindfleisch.

Ich entscheide mich für Curry-Reis und den Pancake. Wieder am Tisch wird mir die in der burmesischen Gastronomie allgegenwärtige Thermoskanne mit grünem Tee hingestellt. Vom Nebentisch starren mich mehrere Männer an und frage mich, ob sie das für das gesamte Essen durchhalten wollen.

5 Gerichte, die ihr probieren solltet
1. Mohinga
2. Shan Noodle Soup
3. Tealeaf-Salat
4. Pfannkuchen
5. Avocado-Salat

Mein Essen ist köstlich, mein Favorit ist sicher der Dip aus Kichererbsen für den Pancake und kostet mich umgerechnet weniger als einen Euro. Ehrlich gesagt sind die Speisen sogar so gut, dass ich am Folgeabend wiederkomme und noch einen weiteren Reisenden animieren, das Street Food auszuprobieren.

Vor lauter Begeisterung über zwei europäische Gäste setzt sich der Besitzer des Lokals zu uns an den Tisch und sprudelt eine halbe Stunde lang seine ganze Lebensgeschichte heraus. Dabei ordert er mit den typischen Kussgeräuschen immer wieder weitere Tassen des typischen burmesischen Tees mit Milch nach.

Abendessen im Restaurant

© emiliano85

Neben den Street Food Ständen gibt es aber auch Restaurants, in denen Familien üblicherweise in großer Gruppe essen gehen.

Ich sitze allerdings alleine an einem Tisch für zehn Personen und schaue etwas panisch über die Vielzahl der Schüsseln, Schalen und Teller, die gerade vor mich hingestellt werden. Denn selbst wenn ein Gast in einem Restaurant nur Reis mit Hühnchen bestellt, werden zahlreiche zusätzliche Gerichte aufgefahren.

Das beginnt mit einer Platte voller Rohkost und geht über verschiedene eingelegte Gemüse-Gerichte, Fisch-Spezialitäten, den typischen Tee-Blätter-Salat und schließlich Nüsse und kandierte Früchte zum Dessert. Aber keine Sorge, es wird nicht erwartet, dass man alles aufisst – schade ist es aber trotzdem.

Typische Gerichte, die du probieren solltest

Vier Wochen lang hatte ich Zeit, mich durch die burmesische Küche zu probieren und möchte daher gerne meine Favoriten vorstellen.

Das Nationalgericht des Landes, Mohinga, eine Fischsuppe mit Zitronengras, Zwiebeln, Knoblauch und Garnelenpaste und klebrigen Reisnudeln, garniert mit Koriander und Limette, gehört auf jeden Fall dazu. Allerdings variiert das Gericht je nach Region.

Ebenso kann ich den typischen Tealeaf-Salad (oft mit gehackten Nüssen) sehr empfehlen und köstlich ist der Avocado-Salat, der häufig mit frischen Tomaten kombiniert wird. Ein Klassiker ist auch die Shan Noodle Soup. Meine Lieblingsvariante ist mit Sticky Noodles und frischem Tomatenmark.

Insider-Tipp: Oft wird eine Schale zur Bestellung dazugegeben mit einer durchsichtigen Flüssigkeit, die stark nach Ingwer schmeckt. Viele Reisende (so auch ich, bevor es mir erklärt wurde), löffeln diese wie eine Suppe, dabei ist sie eigentlich als Sauce und Geschmacksverstärker gedacht und wird einfach löffelweise über das Reis- oder Nudelgericht gegeben.

Fazit

Klar sind Geschmäcker verschiedenen und was der eine mag, schmeckt dem anderen gar nicht, weshalb es so schwer ist, eine Landesküche zu bewerten. Sicher ist aber, dass sich Europäer schon einmal darauf einstellen sollten, dass die Gerichte schon als scharf empfunden werden können, auch wenn die Einheimischen davon gar nichts merken.

Vorsicht also schon bei der Ansage: „no spicy!“ Am Ende ist es nämlich doch durchaus sehr spicy. Und auch wenn ich persönlich sticky noodles sehr gerne mochte, ist die etwas zähe und gleichzeitig weiche Konsistenz der Reisnudeln sicher nicht unbedingt etwas für jeden.

Insgesamt waren aber die meisten Reisenden, denen ich unterwegs begegnet bin, sehr angetan von der burmesischen Küche – obwohl natürlich in Kauf genommen werden muss, dass Fleisch und Fisch gerne auch mal mehrere Stunden in der Sonne liegen und das Street Food einfach mit den Händen durchgemischt und dann serviert wird.

Hygiene-Fanatiker werden hier wohl nicht glücklich werden. Alle anderen schon 🙂

Praktische Links

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