Hier auf dem Gipfel des Pharaoh Peaks ist es extrem kalt, während ich über riesige Felsbrocken zum Aussichtspunkt klettere. Dann stockt mir der Atem: Drei leuchtend blaue Seen, wie Saphire, umrahmt von majestätischen Bergen. Ich kann nicht fassen, dass ich diesen Ort mitten im Banff-Nationalpark ganz für mich allein habe. Doch diese Aussicht ist nur der Anfang einer spektakulären Wanderung im Egypt-Lake-Gebiet!
Lohnt sich die Tour zum Egypt Lake im Banff-Nationalpark?





Der Egypt Lake Trail im Banff-Nationalpark gehört zu den beliebtesten Backcountry-Wanderungen in Kanada. Die Route führt über den Healey Pass tief hinein in die Bergwelt der kanadischen Rockies bis zum Egypt Lake. Für Hin- und Rückweg solltest du mindestens eine Übernachtung im Backcountry einplanen, denn als Tagestour ist die Strecke zwar machbar, aber nicht zu empfehlen. Idealer Ausgangspunkt für weitere Wanderungen in der Region ist der Egypt Lake Backcountry Campground, dessen begrenzte Stellplätze meist aber schon Monate im Voraus ausgebucht sind.
Das Gebiet verdankt seine ägyptisch inspirierten Namen dem Landvermesser Arthur O. Wheeler, der die Region Anfang des 20. Jahrhunderts kartografierte. Die pyramidenförmigen Berge erinnerten ihn an Ägypten, weshalb auch Seen und Gipfel Namen wie Egypt Lake, Scarab Lake, Mummy Lake und Pharaoh Peak erhielten. Wer mehrere Tage bleibt, kann vom Camp aus weitere Highlights erkunden. Besonders spektakulär ist der Aufstieg zum Pharaoh Peak, von dessen Gipfel sich der Blick auf die drei türkisblauen Seen Egypt, Scarab und Mummy Lake öffnet.
Fototipp: Folge dem Abfluss des Scarab Lake zum Wasserfall. Hier eröffnet sich dir eine atemberaubende Kulisse. Der Fels im Wasser, umrahmt von Bäumen und mit Blick über den Egypt Lake, ist das perfekte Motiv. Mit einer Person auf dem Stein verleihst du der gigantischen Landschaft sogar noch mehr Tiefe.
Anreise zum Sunshine Village im Banff Nationalpark
| Ausgangspunkt: | Sunshine Village |
| Tourdauer: | 2-3 Tage |
| Must-See: | Pharao Peak |
| Schwierigkeit: | moderat |
| Ausrüstung: | Bärenspray |
Zunächst geht es nach Banff: Viele mieten sich direkt am Calgary Flughafen einen Mietwagen oder reisen im Rahmen eines Roadtrips aus Vancouver an. Alternativ erreichst du Banff günstig mit Fernbussen oder über die Mitfahr-App Poparide.
Von Banff aus geht es weiter zum Startpunkt am Sunshine Village, entweder mit dem eigenen Auto oder dem kostenlosen Shuttlebus.
Die leichteste Route führt mich an Tag 1 in 3 bis 4 Stunden über den Healey Pass direkt zum Egypt Lake Campground. Da die Camping-Spots extrem begehrt sind, solltest du zum Buchungsstart im Januar auf der Website von Parks Canada reservieren oder regelmäßig nach stornierten Plätzen Ausschau halten. Der Campground bietet sich dann als sehr guter Ausgangspunkt für weitere Wanderungen an.
Bärenspray und Wasserfilter einpacken
Ist der Campingplatz gebucht, geht es an die Vorbereitung für das Backcountry-Abenteuer. Am Camp stehen zwar Toiletten und Bärenboxen zur Verfügung, doch alles Weitere musst du selbst mitbringen. Neben Zelt, Schlafsack und Isomatte gehören Bärenspray, ausreichend Verpflegung, Klopapier sowie ein Wasserfilter zwingend ins Gepäck, da es unterwegs kein aufbereitetes Trinkwasser gibt.
Für den steilen Aufstieg zum Pharaoh Peak, braucht es zusätzlich Wanderstöcke. Die Route ist extrem anspruchsvoll und erfordert echtes Scrambling – also das Kraxeln über langes, loses Geröll und Felsblöcke. Die Wanderungen zum Scarab Lake und Mummy Lake sind hingegen einfach: Beide Bergseen lassen sich vom Camp aus jeweils in 2 bis 3 Stunden erkunden.
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2. Tag: Aufstieg zum Pharaoh Peak
Ich kraxle den steilen Hang hinauf Richtung Pharaoh-Aussichtspunkt. Scrambling nennen die Kanadier dieses Klettern über losen Fels und Geröll, ein Begriff der mir neu war, hier in den Rockies aber zum Standard gehört. Der Weg nach oben ist extrem steil, doch die Ausblicke machen jeden schweißtreibenden Schritt wett. Oben angekommen, ziehe ich mich über die letzten Felsen bis zum Gipfel-Steinmännchen. Daneben liegt eine kleine Metallbox mit einem Gipfelbuch, in dem ich mich verewige.
Als ich von den 2.713 Metern hinabblicke, stockt mir der Atem: Tief unter mir leuchten drei Saphire – kristallklare, blau schimmernde Seen, perfekt eingerahmt von weiß betupften Gipfeln. Ich kann kaum fassen, dass ich diesen magischen Ort ganz für mich allein habe. Ich genieße meinen Gipfelsnack, während ich das Panorama in mich aufsauge. Doch plötzlich zieht der Wind dichte Nebelwolken heran und hüllt die Aussicht in Weiß. Zeit für den Abstieg! Über das lose Geröll slide ich den Hang hinunter wie eine kleine Lawine. Halb pure Panik, halb der Spaß meines Lebens.
3. Tag: Mystisches Finale am Scarab & Mummy Lake
An meinem letzten Tag im Backcountry wartet ein finales Abenteuer. Ich schlage mich durch dichten Wald und treffe andere Wanderer, die mich vor einer Grizzly-Sichtung warnen. Na toll, aber zum Glück habe ich mein Bärenspray griffbereit. Am Scarab Lake komme ich dann aber aus dem Staunen nicht heraus: Das spiegelglatte Wasser reflektiert die gigantische Felswand vor mir, während kleine Gletscherzungen direkt in den See ragen. Wenig später erreiche ich mein persönliches Highlight: den Abfluss des Sees. Hier stürzt ein Wasserfall hunderte Meter tief hinab in den Egypt Lake. Eine atemberaubende Kulisse wie aus einem Märchen.
Weiter geht die Reise Richtung Mummy Lake. Der Weg lässt mich sofort verstehen, woher der See seinen Namen hat: Wie bei einer Expedition zu einer längst vergessenen Grabkammer zieht man sich in eine verborgene, völlig abgeschiedene Welt zurück. Vor mir ragen die Berge steil wie uralte Pyramiden auf. Während ich langsam über das Geröll höher steige, offenbart sich schließlich das versteckte Grab: der Mummy Lake. Eingebettet in eine gigantische Bergkulisse ruht das Saphir-blaue Wasser vor mir. Weit und breit keine Menschenseele. Nur ich und das Geheimnis der Mumie.
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Fazit
Obwohl wir drei Tage lang im Regen gewandert sind, war diese Tour jeden einzelnen Schritt wert. Die Aussicht vom Pharaoh Peak über den Egypt Lake war absolut atemberaubend, und auch der Scarab sowie der Mummy Lake haben mich völlig überwältigt. Wenn ich mir vorstelle, wie magisch diese Landschaft erst bei Sonnenschein aussieht, möchte ich die Wanderung am liebsten direkt noch einmal machen. Ein absolut lohnendes Abenteuer, das sich perfekt in jeden Reiseplan integrieren lässt!
Eine coole Alternative ist eine Rund- bzw. Streckenwanderung vom Sunshine Valley über den Egypt Lake zum Redearth Creek Trailhead. Unterwegs bieten sich der Pharaoh Creek Campground oder die Ball Pass Junction für eine zweite Übernachtung an. Wichtig: Da Start- und Zielparkplatz nicht identisch sind, benötigst du hier zwei Autos oder musst für das kurze Stück zwischen den Trailheads trampen. Wer im Anschluss noch etwas Zeit mitbringt, kann Highlights wie den berühmten Johnston Canyon oder den ikonischen Lake Louise ansteuern – zwei absolute Must-See-Orte, die auf keiner Kanada-Rundreise fehlen dürfen.
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