Perfekt geformte, vieleckige Steine, aus der Ferne einer wie der andere, ragen zusammen wie eine Orgel die Felswand hinauf. So sieht Perfektion aus, wenn sie von der Natur selbst geschaffen ist. Auf meiner Reise im Kaukasus habe ich Georgien und Armenien besucht und habe mich dabei auch in die Garni-Schlucht hinuntergewagt, um die Symphonie der Steine anzusehen.

Lohnt sich ein Besuch in der Azat-Schlucht?

Die Kleinstadt Garni in Armenien liegt rund 30 km von der Hauptstadt Yerevan entfernt und ist vor allem berühmt durch die Ruine des Sonnentempels. Der Ort war einige Jahrhunderte lang Sommerresidenz der armenischen Könige.

Allerdings lohnt es sich auch, nach unten zu blicken, denn unter diesem Tempel verläuft der Azat-Fluss durch die Schlucht von Garni (Azat-Schlucht).

Dort befindet sich die sogenannte Symphonie der Steine, die aus sechseckigen Basaltsäulen besteht, die vom Talboden bis zur Spitze der Schlucht ragen. Manche sind bis zu 200 Meter hoch und sehen fast zu perfekt aus, um natürlich entstanden zu sein.

Instatipp: Das Ausmaß der Steinorgel wird kaum sichtbar, wenn ihr nur ein normales Foto macht, weil dann die Dimensionen fehlen. Stattdessen sollte sich lieber jemand in die Höhle darunter stellen. Dann kommen die Größenverhältnisse am besten zur Geltung.

Anreise in die Schlucht

Kaum am Sonnentempel in Garni angekommen, werden wir schon von eifrigen Männern bestürmt, dich sich uns gerne als Fahrer zur Symphony der Steine anbieten möchten. Da wir aber unsere eigenen Mietwagen haben, fällt diese Option weg.

Wir halten uns nach dem Besuch des Sonnentempels grob in die Richtung, in die der Mann gezeigt hat und fahren über eine Schotterstraße (und damit meine ich Buckelpiste) in die Schlucht hinunter. Mehr als Schrittempo ist nicht zu machen und mir graut schon fest vor der Fahrt zurück, wenn wir diesen Hang wieder hinauf müssen.

Die engen Kurven und die Kühe, die sich in den Weg legen und keine Anstalten machen, sich weg zu bewegen, sind sicher nichts für Fahranfänger.

Ist das der richtige Weg?

Durch den Zustand der Straße (und nicht existierende Angaben bei Google Maps) bin ich mir sicher, dass wir auf dem falschen Weg sind. Außer uns ist nämlich niemand da. Und das ist auch gut so, wie sich zwei Minuten später herausstellen sollte.

Wir fahren nämlich um eine weitere Kurve und es eröffnet sich uns die Symphonie der Steine. Genauer: Wir fahren direkt darunter hindurch.

Da ohnehin keiner da ist, stoppen wir einfach mitten auf dem Weg und starren voller Staunen nach oben. Durch die Perfektion der Steine fühle ich mich sofort an den Giant Causeway in Nordirland erinnert, nur, dass das Gebilde jetzt wenige Meter über mir schwebt.

Seid kritisch mit euren Fahrkünsten

Auch wenn es natürlich das Optimum ist, selbst unter der Steinorgel hindurchzufahren, so kann ich doch nur empfehlen, euch gut zu überlegen, ob ihr euch die Fahrt zutraut.

Wir hatten einen ziemlich massiven Geländewagen und hatten trotzdem Schwierigkeiten, in den Berg wieder hinaufzukriegen, weil zu dem Zeitpunkt wegen einer Baustelle auch alles noch enger war und uns gerade in diesem Moment eine Reisegruppe mit mehreren Jeeps von oben entgegen kam.

Seid ihr unsicher, dann nehmt euch lieber am Sonnentempel einen Fahrer. Das ist dann zwar sicher teurer, aber immerhin kommt ihr nicht als totales Nervenbündel wieder oben an.

Tonnen von Stein in absoluter Präzision

Aber an die Rückfahrt habe ich noch lange nicht gedacht, als ich in der Höhle unter den gewaltigen Steinsäulen stehe, Schwalben um mich herumsausen und ich mich frage, wie etwas so Makelloses allein durch die Kraft der Natur geschaffen worden sein kann.

Über mir ragen Tonnen von Stein in absoluter Präzision auf und mir wird bewusst, dass die Steine schon sehr viele Besucher kommen und gehen gesehen haben und dass sie auch noch hier stehen werden, wenn sich schon lange keiner mehr an mich erinnert. Ein Gefühl, das plötzlich sehr bescheiden macht.

Fazit

So beeindruckend die Symphonie der Steine auch ist (und ich sie für absolut sehenswert halte), ist trotzdem die Frage, ob sich der Aufwand lohnt.

Ihr könnt zu Fuß in die Schlucht hinunter wandern (das dauert Stunden), einen überteuerten Fahrer bezahlen, um euch für ein paar Minuten die Sehenswürdigkeit anzusehen oder ihr könnt euch mit dem eigenen Mietwagen den Berg hinunter- und wieder hinauf kämpfen (und euch dabei vielleicht den Unterboden schrotten).

Wenn ihr bereit seid, das in Kauf zu nehmen, dann würde ich sagen: Macht es, denn dieses Steingebilde ist wunderschön und absolut beeindruckend.

Ansonsten empfehle ich euren Besuch an der Symphonie der Steine mit weiteren Sehenswürdigkeiten in der Nähe zu verbinden. In unserem Fall war es der Sonnentempel und das Kloster Geghard aus dem 4. Jahrhundert (siehe Video oben). Es gehört aufgrund der besonderen Architektur zum UNESCO-Weltkulturerbe. Die Räume darin sind zum Teil in Fels gehauen.

Lage

Praktische Links

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