„How much?“ Ich blinzle erschrocken. Geduldig wiederholt der Mann an der Rezeption meines Hostels in Da Nang den Preis. 1,3 Millionen Dong für einen Ausflug ins French Village, wo die berühmte Goldene Brücke steht. Wenn man überlegt, dass eine Übernachtung in einem Hostel oftmals nur 250.000 Dong kostet, ist die Summe schon heftig. Wie teuer das am Ende aber wirklich war, davon habe ich mir zu diesem Zeitpunkt noch keinen Begriff gemacht.

Ein französisches Dorf mitten in Vietnam

Frankreich ist vielleicht nicht immer allgegenwärtig, aber gegenwärtig, wenn man Vietnam bereist. Zum Beispiel in Sachen Kaffee und das an das französische Baguette angelegte Banh Mi. So war ich auch davon ausgegangen, ein authentisches Überbleibsel französischer Kolonialgeschichte in Da Nang erleben zu können. Schließlich ist das French Village auch in den Top 5 auf Tripadvisor.

Da mein Zuhause in Europa zumindest in Reiseweite von Frankreich entfernt ist, habe ich durchaus schon echte französische Dörfer gesehen. Aber vielleicht ist die Atmosphäre ja hier ein andere?

Frankreich als Vergnügungspark

Lage:Bà Nà Hills bei Da Nang
Höhe:1.480 Meter
Gründung:1919
Ticketpreis: ca. 50 Euro (Tagestour)
Must-See: Golden Bridge

Atmosphäre sucht man zumindest auf dem fetten Parkplatz mitten in den Bergen, wo bestimmt schon 40 Busse stehen, obwohl es Nebensaison ist, sehr vergeblich. Auch beim Schlangestehen für die Gondeln, die in vielfacher Ausführung in die Landschaft gestellt wurden, wird es nicht besser.

Trotzdem ist die Aussicht auf die grünen Hügel und Wasserfälle wunderschön, bis die Gondel über die letzte Kuppe schwebt und mir allmählich klar wird, wo mein Denkfehler lag.

Auch wenn es sich bei dem French Village ursprünglich wirklich einmal um ein französisches Dorf gehandelt hat, so wurden doch sämtliche Gebäude abgerissen und von der vietnamesischen Regierung neugebaut, einschließlich Kirche.

Die Säulen und Staturen sind mit Airbrush auf alt getrimmt, auf dem Dorfplatz steht die Moulin Rouge, es gibt einen französischen Weinkeller und alles schreit ganz laut Freizeitpark, wobei hier sehr schnell deutlich wird, dass Authentizität nicht Teil des Anspruchs war.

Direkt daran angrenzend gibt es eine Achterbahn und ein mehrstöckiges Gebäude im Höhlendesign mit Kletterwand, Kino, Computerspielen, Wachsmuseum und Shows. Dazwischen künstlich angelegte Parks mit Herzstaturen, Plastikengeln, Pfauen und Windmühlen. Die Möglichkeiten für Insta-Fotos sind hier beinahe unbegrenzt und werden auch ausgiebig genutzt.

Die Goldene Brücke

Ungeschlagen in Sachen Foto-Motiv ist aber sicher die 150 Meter lange Golden Bridge im French Village, die 2018 eröffnet wurde. Sie verbindet die Seilbahn mit den Gartenanlagen des Berghotels.

Zwei riesige Hände aus Stein scheinen aus dem Berg zu ragen und halten die Brücke, die strahlend die Sonne reflektiert. Die Location wird daher auch regelmäßig für asiatische Modenschauen benutzt, so zum Beispiel für Brautmode.

Die Brücke ist so voll mit Menschen, dass man sich wirklich nur schrittweise fortbewegen kann und um überhaupt die Aussicht sehen können, braucht es schon ein bisschen Körpereinsatz. Aber um die Aussicht geht es hier ja auch nicht, sondern um das Foto-Motiv der Hände, vor dem sich unzählige Menschen versammeln.

Fazit

Ganz ehrlich, der Preis ist heftig, die meisten Sehenswürdigkeiten sind aus Plastik und selbst das Französisch an den Fake-Geschäften hat Rechtschreibfehler, aber trotzdem zieht dieser Art Millionen von Besuchern an. Das ist nicht gelogen. Beinahe jeder zweite Eingang gehört zu einem Hotel und aus ganz Asien strömen Besucher heran.

Jeder Franzose wäre wahrscheinlich völlig entsetzt, seine Heimat so zu sehen und eigentlich reicht es dafür schon fast, einfach Europäer zu sein. Und trotzdem ist dieser Ort, so bekloppt das Ganze auch wirkt, irgendwie besonders. Auf eine naiv-begeisterte, prinzessin-mädchenträumehafte Weise.

Etwas Humor sollte man allerdings schon mitbringen, sonst wird man mit dem Eintrittspreis ganz sicher nicht glücklich. Gerade also für diejenigen, die mit Kindern auf Reisen sind, kann ein solcher Ausflug eine Abwechslung sein, denn schon allein die Höhle mit den Videospielen und die Alpen-Achterbahn sind ein echter Kids-Magnet.

Lage

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