Bodetal: Wanderung durch den Grand Canyon im Harz

Steil und unerbittlich ragen die nackten Granitwände links und rechts von uns in die Höhe. Ein bisschen fühlt es sich an, als stünden wir mitten im Grand Canyon. Nur eben in einer deutlich grüneren Variante. Unten rauscht das glasklare Wasser der Bode. Das Bodetal im Harz ist eine tief eingeschnittene Felsenschlucht zwischen Treseburg und Thale und hält neben echtem Urwald-Feeling auch eine alpin anmutende Herausforderung bereit. Das hätte ich hier im Mittelgebirge kaum vermutet.

Lohnt sich die Wanderung durch das Bodetal zur Rosstrappe?

Das Bodetal zwischen Treseburg und Thale gehört ohne Frage zu den beeindruckendsten Naturerlebnissen, die Deutschland zu bieten hat. Bis zu 280 m ragen die steilen Granitwände rechts und links der Bode in die Höhe. Und direkt neben dem Fluss verläuft ein idyllischer Wanderweg, der immer tiefer ins Naturparadies hineinführt.

Wer sich auf den Weg macht, taucht unweigerlich in eine wilde, ursprüngliche Welt ein. Weil die Hänge des Tals so schroff und steil sind, konnte hier nie wirkliche Forstwirtschaft betrieben werden. Die Natur wurde sich selbst überlassen. So ist ein echter Urwald entstanden. Doch der Spaziergang bleibt nicht durchgehend so entspannt. Das letzte Stück über die Schurre zur sagenumwobenen Rosstrappe hinauf hat es in sich. Dafür werdet ihr mit einer sensationellen Aussicht über das Bodetal hinweg belohnt.

Fototipp: Einer der eindrucksvollsten Fotospots wartet bereits unterwegs, oberhalb des Bodekessels. Hier gibt es einen erhöhten Aussichtspunkt und an dieser Stelle sind die Felswände richtig markant zu erkennen.

Anreise nach Treseburg / Thale

Strecke:9,1 km
Höhenmeter:372 hm
Gehzeit:3 Stunden
Beste Reisezeit:Mai bis Oktober
Wichtig:Schurre bei Nässe meiden!

Start und Ziel der Tour liegen an unterschiedlichen Orten (Treseburg und Thale). Das ist aber gar kein Problem, denn zwischen den beiden Orten verkehrt regelmäßig ein Linienbus. Wir parken das Auto auf einem großen, kostenpflichtigen Parkplatz in Thale. Bis hierhin, in den Nordosten des Harzes, sind es ab Leipzig rund 1,5 Stunden mit dem PKW.

Die Anreise ist ab Leipzig mit Umstieg in Halle und Halberstadt auch mit den öffentlichen Verkehrsmitteln möglich. Dafür solltet ihr allerdings etwa eine Stunde mehr einplanen. Alternativ könnt ihr mit dem Zug auch über Hannover kommend anreisen. Und ab Bahnhof Thale geht’s dann ebenfalls bequem mit dem Bus zum Ausgangspunkt nach Treseburg weiter.

Urwald-Feeling und wilde Tierwelt am Flussufer

Von der Bushaltestelle sind wir im Handumdrehen in der Natur. Wir spazieren flussabwärts unter einem dichten Blätterdach immer neben der Bode entlang. Der Fluss ist immer in Sichtweite. Aber nutzt gerne auch die Chance, um noch näher ans Ufer zu kommen. Immer mal gibt es kleine Abstecher zu idyllischen Strandabschnitten. Perfekt, um an heißen Sommertagen die Hände oder Füße zwischendurch im kühlen Nass zu erfrischen.

Manchmal schießen hier auch Eisvögel wie blaue Blitze übers Wasser. Generell würde ich empfehlen, die Augen offen zu halten und euch ruhig zu verhalten. Vielleicht könnt ihr einen Wanderfalken in den steil aufragenden Felsen erspähen, die uns zu beiden Seiten umgeben. Und wer ganz viel Glück hat, erblickt im dichten Unterholz vielleicht sogar eine der scheuen Wildkatzen.

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Der grüne Grand Canyon

Je weiter wir laufen, desto enger rücken die Wände zusammen, bis wir den sogenannten Bodekessel erreichen. Hier wird die Schlucht so richtig spektakulär. Man steht mittendrin, umzingelt von den gewaltigen Felsformationen. Ein bisschen wie im Grand Canyon. Nur ohne Wüste. Das tosende Wasser drängt sich hier wild durch die engen Felsen. Wir überqueren die Teufelsbrücke und können uns kaum sattsehen an diesem Mix aus rauen Steilwänden und üppigem Grün. Bis hierhin ist der Pfad auch recht gemütlich. Es gibt kaum nennenswerte Steigungen und man könnte meinen, dass sich die Tour auch für einen Sonntagsspaziergang eignet.

Aber hinter der Teufelsbrücke werden wir eines Besseren belehrt. Denn jetzt geht’s an die „Schurre“. Dieser Weg hinauf zur Rosstrappe ist ein alpiner Steig. Trittsicherheit, alpine Erfahrung und festes Schuhwerk mit gutem Profil sind hier Pflicht. Insgesamt liegen nun 18 enge Kehren vor uns und das lose Geröll macht seinem Namen alle Ehre. Bei jedem Schritt „schurrt“ das Gestein etwas unter den Sohlen abwärts. Bei Regenfällen kann es hier auch zu ganzen Erdrutschen kommen. Seid da also vorsichtig!

Sagenhafte Rosstrappe und der Blick zum Hexentanzplatz

Oben angekommen, schnaufen wir erst mal kräftig durch. Vor uns liegt der schmale Grat der Rosstrappe. Links und rechts geben Geländer Sicherheit, während uns der Ausblick fast sprachlos macht. Wir schauen weit über das gesamte Bodetal und sehen auf der anderen Seite der tiefen Schlucht direkt hinüber zum berühmten Hexentanzplatz.

Natürlich darf hier oben ein Blick auf die Mythologie nicht fehlen. Wir suchen und finden den gewaltigen Hufabdruck im Felsgestein. Der Sage nach sprang Prinzessin Brunhilde auf der Flucht vor dem wilden Ritter Bodo mit ihrem Pferd über das gesamte Tal. Das Pferd schaffte den Sprung, krachte drüben auf den Fels und hinterließ genau diesen Abdruck. Der Ritter Bodo jedoch stürzte in die Tiefe… und gab der Bode seinen Namen.

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Fazit

Ich finde die Kombination dieser Tour einfach genial. Erst das fast schon meditative, wunderschöne Urwald-Erlebnis unten im Bodetal und dann dieser knackige, alpine Aufstieg über die Schurre. Es wird auf keinem einzigen Kilometer langweilig. Vor allem ist die Tour wunderschön für Ruhesuchende, denn man ist die ganze Zeit in ruhiger Natur unterwegs. Und gerade im Hochsommer ist es auch ein wundervoller Weg, um schattig und kühl in Wassernähe unterwegs zu sein.

Für den Weg hinab nach Thale haben wir unsere Knie geschont und uns in den Sessellift gesetzt, der direkt an der Rosstrappe startet. Wer unten angekommen noch Energie (oder einfach Lust auf noch mehr tolle Aussichten) hat, kann sich direkt in die Gondelbahn auf der anderen Talseite setzen und hinauf zum Hexentanzplatz schweben. Mein Tipp: Lasst den Tag an der Rappbodetalsperre ausklingen. Im Sonnenuntergang über die mächtige Titan RT-Hängebrücke zu laufen, ist ein ganz besonderes Erlebnis.

Lage

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