Die Universitätsstadt Göttingen ist eine der schönsten Sehenswürdigkeiten in Niedersachsen und liegt am Südrand dieses Bundeslandes. In dieser überhaupt nicht hektischen Großstadt gibt es hochkarätige Attraktionen aus dem Mittelalter, der Barockzeit und der Gegenwart zu bestaunen. Interessante Orte befinden sich im historischen Zentrum, aber auch in der reizvollen Umgebung. Geschichtsträchtige Bauwerke, studentisches Leben und wunderschöne Natur treffen sich in Göttingen aufs Feinste, das müsst ihr einfach mal erlebt haben. Unsere Reisetipps geben euch Orientierung für euren absolut lohnenswerten Städtetrip.
Top-Sehenswürdigkeiten in Göttingen im Überblick
30.000 Studierende bei 130.000 Einwohnern: Merkt ihr was? Diese Stadt ist jung, hat aber ein geradezu malerisches Gesicht. Besucht unbedingt die historische Aula mit dem Karzer, in dem widerspenstige Studierende landeten. Im modernen Forum Wissen könnt ihr dann selbst experimentieren. Die Altstadt ist wunderbar erhalten: Verpasst also nicht das Alte Rathaus, die Gänseliesel auf dem Marktplatz und die Kirche St. Johannis mit ihren beiden ungleichen Türmen.
Wenn ihr auf dem Stadtwall die Altstadt umrundet, kommt ihr auch am romantischen Alten Botanischen Garten vorbei. Und vor den Toren Göttingens wartet bezaubernde Natur. Besonders schön ist die mittelalterliche Burg Plesse hoch über dem Leinetal. Eine Großstadt, in der man die Seele baumeln lassen kann: Wo gibt es das noch?
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1. Gänseliesel: Das meist geküsste Mädchen auf dem Marktplatz


| Errichtet: | 1901 |
| Name: | Kurzform von “Elisabeth” |
| Besonderheit: | Wahrzeichen Göttingens |
Vor Jahrhunderten wurden die Gänse der Stadt von Hirtinnen durch die Gassen geführt. Als der Brauch allmählich zu Ende ging, hat man ihnen mit der Gänseliesel ein bronzenes Denkmal gesetzt. Seitdem hat sich ein neuer Brauch entwickelt: Frischgebackene Doktoren statten ihr einen Besuch ab und drücken ihr einen Kuss auf die Wange. Sie kann ja nicht weglaufen und bekommt zum Dank einen Blumenstrauß.
Heute ist die Gänseliesel das unangefochtene Wahrzeichen der Stadt Göttingen. Sie steht mit ihren Gänsen auf dem Marktplatz, der von geschichtsträchtigen Gebäuden wie dem alten Rathaus umgeben ist.
2. Göttinger Altstadt: Der “Nabel” der Stadt

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| Quartier: | Rund um die Weender Straße |
| Rote Straße 25: | Fachwerkhaus von 1276 |
| Einkehrtipp: | Junkernschänke |
Den “Nabel” Göttingens, den gibt es wirklich. An dieser Kreuzung in der Weender Straße seid ihr im Zentrum der Altstadt. Wenn ihr hier rund um die Rote Straße und die Kurze-Geismar-Straße umherstreift, dann seht ihr wunderschöne historische Bauwerke.
Malerische Fachwerkhäuser verstecken sich in so manch unscheinbarer Gasse. Als schönstes Fachwerkhaus Göttingens gilt die Junkernschänke in der Barfüßergasse, erbaut um 1446. Vielleicht sind hier früher tatsächlich Edelmänner eingekehrt, die prachtvollen farbigen Schnitzereien an der Fassade lassen darauf schließen. Nehmt euch die Zeit, die Darstellungen aus der Bibel eingehend zu betrachten. Und einkehren könnt ihr hier bis heute.
3. Altes Rathaus: Mittelalter pur

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| Lage: | Markt 9 |
| Errichtet: | Ab 1270 |
| Must-See: | Dorntze |
Seit dem Jahre 1270 zeugt das Alte Rathaus vom Stolz und Reichtum dieser Hanse- und Handelsstadt. Anfangs diente es der Händlergilde als Kaufhaus und hatte einen respektablen Weinkeller mit Gewölben. 1370 wurde der Bau erhöht und bekam einen beheizbaren Saal. Diese “Dorntze” ist bis heute erhalten und kann besichtigt werden. Ein Zinnenkranz sollte die Wehrhaftigkeit der stolzen Göttinger Bürger zum Ausdruck bringen.
Ab 1402 kam ein besonderes Schmuckstück hinzu: Die Rathauslaube mit Ziergewölbe besitzt figürliche Sandsteinkonsolen. Um 1900 wurde die Rathaushalle mit prächtigen Wandmalereien ausgestattet, die die Wappen der Hansestädte zeigen.
4. St. Johannis: Zweitürmiges Wahrzeichen

| Errichtet: | Um 1300 |
| Must-See: | Gotischer Chor |
| Turmhöhen: | 72 m und 56,5 m |
Die altehrwürdigen Türme der Kirchen St. Johannis, St. Jacobi und St. Albani setzen der Göttinger Altstadt die Krönchen auf. An der Ecke Marktplatz/Kornmarkt habt ihr den sagenhaften Vierkirchenblick. Besonders markant sind die beiden ungleichen Türme von St. Johannis.
Im Nordturm gab es einst eine Türmerwohnung, bis 2001 befand sich dort eine Studentenbude. Der Innenraum der mittelalterlichen Kirche mit seinen gotischen Gewölben verströmt eine faszinierende sakrale Atmosphäre. Hier könnt ihr die Portraits von Pastoren aus vielen Jahrhunderten bewundern. Beachtet auch die fein gearbeiteten romanischen und gotischen Portale.
5. Alter Botanischer Garten: Bezaubernde Oase

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| Lage: | Neben dem Deutschen Theater |
| Must-See: | Alpinum |
| Größe: | 5 Hektar |
Im Jahre 1736 als Hortus Medicus gegründet, diente der Alte Botanische Garten inmitten der Göttinger Altstadt ursprünglich als medizinischer Garten. In Gewächshäusern könnt ihr z.B. alpine Pflanzen, farbenfrohe tropische Vegetation, die Vielfalt der Farne und Kakteen sowie exotische Gehölze erkunden.
Ein idyllischer Teich unter schattenspendenden Bäumen lädt zu einer kontemplativen Pause ein. Etwa 12.000 Pflanzen werden vom Universitätsinstitut für Pflanzenwissenschaften betreut. Gründer war der bedeutende Botaniker und Universalgelehrte Albrecht von Haller.
6. Forum Wissen: Experimente zum Anfassen

| Eröffnet: | 2022 |
| Must-See: | Walskelett |
| Ursprünglich: | Naturhistorisches Museum |
Ein gewaltiger Pottwal schwebt über euren Köpfen, wenn ihr das ehemalige Zoologische Museum betretet: Das 17 Meter lange Skelett ist der spektakuläre Blickfang im „Forum Wissen“. Hier zeigt die Universität Göttingen, wie fundiertes Wissen entsteht: Über 1.400 Objekte führen durch zwölf Räume des Wissens.
Ihr könnt historische Forschungsinstrumente aus der traditionsreichen Universität entdecken und im Labor selbst experimentieren. Tonscherben wollen zusammengesetzt und ein begehbarer Turm aus Büchern erkundet werden. Die Ausstellung zeigt Wissenschaft nicht als Ansammlung fertiger Wahrheiten, sondern als Prozess voller Entdeckungen, Diskussionen und manchmal auch Irrtümer. So macht Wissensvermittlung der ganzen Familie Spaß.
7. Historische Aula und Karzer: Prachtbau mit Studentenknast

| Errichtet: | 1835–1837 |
| Must-See: | Bemalte Karzerwände |
| Baustil: | Klassizismus |
Wer als Student zu laut feierte, zu schnell ritt oder auf der Straße rauchte, konnte im Göttinger Karzer landen. Noch heute zeugen an den Wänden ausdrucksstarke Kreidezeichnungen, wilde Kritzeleien und aufrührerische Verse von den einstigen Insassen.
Das ehemalige Universitätsgefängnis besichtigt ihr in der Aula am Wilhelmsplatz inklusive roh behauener Möbel. Die Aula wurde 1837 von König Wilhelm IV. zum 100-jährigen Bestehen der Universität eingeweiht. Beachtet das kunstvoll gestaltete Giebelfeld mit den Allegorien der vier klassischen Fakultäten. Bei Führungen erfahrt ihr, dass frühere Studierende die althergebrachte Ordnung gerne herausforderten: Ein paar Nächte im Karzer galten sogar als Ehre.
8. Bismarckturm im Hainberg: Fabelhafte Aussicht


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| Lage: | Kleperberg im Stadtwald |
| Höhe: | 31 m |
| Geöffnet: | April – November* |
Hoch über Göttingen erhebt sich auf dem 332 Meter hohen Kleper, dem höchsten Punkt des Hainbergs, der Bismarckturm. Der mächtige Bruchsteinbau erinnert mit seinen Zinnen an eine mittelalterliche Burg. Auf dem sechseckigen, 21 Meter hohen Hauptbau liegt eine Aussichtsplattform, der runde Treppenturm ragt weitere zehn Meter empor. 171 Stufen führen bis ganz nach oben.
Von der oberen Plattform reicht der Blick über Göttingen und das Leinetal bis zum Harz. Schon der Spaziergang durch den Stadtwald lohnt sich. Das 1896 eingeweihte Denkmal für den ehemaligen Göttinger Studenten ist von Anfang April bis 1. November zu bestimmten Zeiten zugänglich.
9. Kiessee: Naturparadies am Stadtrand

| Größe: | ca. 15 ha |
| Must-Do: | See umrunden |
| Rundweg: | ca. 2,5 km |
Im Süden Göttingens glitzert zwischen Schilf und alten Bäumen der Kiessee. Auf dem 2,5 Kilometer langen Uferweg könnt ihr spazieren, joggen oder mit dem Rad die 15 Hektar große Wasserfläche umrunden. Enten, Schwäne, Graureiher und Kormorane bevölkern See und Ufer.
Mit etwas Glück entdeckt ihr sogar exotische Rotwangen-Schmuckschildkröten, die hier ausgesetzt wurden und sich auf Baumstämmen sonnen. Auf dem Wasser ziehen Ruder-, Tret- und Segelboote ihre Bahnen, nur Baden ist verboten. Liegewiesen, Spielplätze und ein Bewegungspark machen den Kiessee zum beliebten Naherholungsgebiet. Am Abend erlebt ihr einen wunderschönen, sich im Wasser spiegelnden Sonnenuntergang.
10. Burg Plesse: Ritterromantik an der Leine

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| Lage: | Ca. 5 km nördlich von Göttingen |
| Must-Do: | Bergfried besteigen |
| Einkehrtipp: | Burgschänke Plesse |
Hoch über dem Leinetal, bei Bovenden-Eddigehausen, thront die mittelalterliche Burg Plesse auf einem bewaldeten Bergsporn. Im 11. Jahrhundert entstand die mächtige Anlage, die später verfiel und als Steinbruch diente.
Heute streift ihr durch Vorburg und alte Ruinen und entdeckt oben zwei völlig unterschiedliche Türme: den wuchtigen, 23 Meter hohen Bergfried mit über vier Meter starken Mauern und den schlanken Wartturm Sydekum (“Sieh dich um”). Besonders lohnt sich der Aufstieg auf den Bergfried mit weitem Blick über das Leinetal bis zu Solling und Harz. Wanderwege führen durch den Plessewald mit seinem jahrhundertealten Eibenbestand.
Weitere Reisetipps in Niedersachsen
Schon gewusst? Göttingen war über Jahrhunderte die Heimat großer Gelehrter. Georg Christoph Lichtenberg gilt als Wegbereiter der Experimentalphysik in Deutschland. Als er einen Blitzableiter auf St. Johannis installieren wollte, stellte sich der Pfarrer quer. Lichtenberg notierte spöttisch: „Dass in den Kirchen gepredigt wird, macht deswegen die Blitzableiter auf ihnen nicht unnötig.“ Auch die Brüder Grimm lehrten in Göttingen. 1837 gehörten sie zu den „Göttinger Sieben“, die gegen die Aufhebung der Verfassung durch König Ernst August I. von Hannover protestierten. Alle sieben Professoren verloren ihre Stellen.
Beim Göttinger Literaturherbst sind jedes Jahr zeitgenössische Autoren zu Gast. Die Internationalen Händel-Festspiele locken im Frühjahr Musikfans in die Stadt. Im Herbst verwandelt das Gänselieselfest die Innenstadt in eine Festmeile. Und im Dezember sorgen die Buden des Weihnachtsmarkts rund um das Alte Rathaus und St. Johannis für vorweihnachtliche Stimmung.
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