Den Rucksack schultern und mehrere Tage in der Natur unterwegs sein, das ist der Traum vieler Wanderer. Und dazu müsst ihr auch nicht unbedingt in die Alpen fahren. Mitten im Sauerland gibt es die Winterberger Hochtour. In verschiedenen Etappen geht es über aussichtsreiche Gipfel wie den Kahlen Asten, durch dichte, mystische Wälder und vorbei an historischen Orten wie einer alten Zeche. Zum gepackten Rucksack nehme ich hier noch einen Kopf voller Erinnerungen mit nach Hause. Denn ich bin einen Teil der Winterberger Hochtour gewandert.

Lohnt sich die Winterberger Hochtour im Sauerland?

Die Winterberger Hochtour ist ein Weitwanderweg, der in mehreren Etappen einmal rund um Winterberg im Sauerland herum führt. Auf der Strecke werden insgesamt 90 km überwunden und es gilt insgesamt fast 3.000 Höhenmeter zu überwinden. Dabei wandert ihr über einige der höchsten Berge des Hochsauerland. Start- und Zielpunkt ist der Gipfel des Kahlen Asten.

Je nach Kondition und je nach eigenem Anspruch könnt ihr die Tour auf bis zu 10 Etappen aufteilen. Dann seid ihr ganz gemütlich unterwegs. Die Gehzeiten liegen teilweise pro Tag nur bei rund zwei Stunden und ihr habt ausreichend Zeit, die Landschaft zu genießen, Fotos zu machen oder weitere Abstecher einzubauen. Wenn ihr fit seid, könnt ihr die Tour auch auch in 4-6 Tagen laufen. Dann könnt ihr mehrere Etappen zusammenlegen.

Fototipp: An der Alten Grimme habt ihr eine tolle Aussicht über das Rothaargebirge. Das Kreuz ist auch ein Ausflugstipp nach Einbruch der Dunkelheit. Angebrachte Lampen sorgen nämlich dafür, dass es bei Nacht leuchtet.

Anreise nach Winterberg

Winterberg liegt rund 100 km von Dortmund entfernt. Vom Hauptbahnhof kommt ihr mit dem Regionalexpress ohne Umstieg mit der Bahn bis nach Winterberg. Dafür solltet ihr rund 1:45 Stunden einplanen. Aus Köln dauert die Anreise etwas länger. Die Stadt liegt rund 140 km von Winterberg entfernt, und ihr müsst mit rund 3:00 Stunden Zugfahrt planen.

Schon vor dem Hauptort wird es hügeliger. Wir fahren langsam ins Mittelgebirge hinein. Bewaldete Hänge tauchen rechts und links auf. Teilweise kommen wir an serpentinenartigen Straßen vorbei, die man in dieser Form eher aus dem Alpenraum kennt. Und schon bald passieren wir die ersten Häuser. Monochrom fügen sich die Fachwerkhäuser in die Umgebung ein. Die Ortschaften sind einheitlich in Schwarz-, Grau- und Weißtönen gehalten und wirken damit edel und sehr abgestimmt. Auf den ersten Blick fühle ich mich in der Gegend wohl.

Die Tour startet mittendrin zwischen den urigen Häusern, also mitten im Zentrum von Winterberg. Wenn ihr doch mit dem Auto ankommt, könnt ihr den PKW auf den Parkplätzen am Bahnhof oder am Kurpark abstellen.

Ausrüstung und Wanderkarte

Höhenmeter:2.513 hm
Strecke:86,2 km
Gehzeit:10 Etappen
Wanderkarte:GPS-Track zur Tour
Geführte Tour:Tour inkl. Gepäcktransport

Ab der Ortsmitte gilt es dem Wanderzeichen zu folgen, das perfekt zur Architektur passt. Es ist schwarz-weiß und die drei Buchstaben WHT stehen für Winterberger Hochtour. Ladet euch vor dem Start der Tour unbedingt den GPS-Track auf euer Smartphone oder ein anderes GPS-fähiges Gerät. An sich ist die Wanderung zwar gut ausgeschildert, aber sicher ist sicher.

Ansonsten solltet ihr euch beim Packen darauf konzentrieren, leicht zu packen, also nur das nötigste mitzunehmen. Neben der Funktionskleidung, die ihr am Körper tragt, und guten, eingelaufenen Wanderschuhen, sollte unbedingt Regenbekleidung und eine wärmende Schicht mit ins Gepäck. Wechselbekleidung und Waschzeug dürfen auch nicht fehlen. Außerdem benötigt ihr zum Schutz vor der Sonne Sonnencreme, eine Sonnenbrille und ggf. eine Kopfbedeckung. Packt ausreichend Wasser für einen Tag ein, denkt an ein paar Snacks und verstaut das Erste-Hilfe-Set.

Das ist die Grundausstattung. Ansonsten müsst ihr euch über Themen wie die Verpflegung nicht zu sehr den Kopf zerbrechen. Es geht immer wieder durch Ortschaften hindurch, ihr kommt an bewirtschafteten Hütten vorbei und die meisten Wanderer übernachten in Hotels. So könnt ihr euch morgens über ein ausgiebiges Frühstück und abends über ein deftiges Abendessen freuen. Ihr müsst also nicht die Verpflegung für mehrere Tage mitschleppen.

Falls ihr nur den Tagesrucksack tragen möchtet, geht das genauso. Auf Wunsch könnt ihr einen Gepäcktransport hinzubuchen.

Erster Halt: Kahler Asten

Dann geht es zum Kahlen Asten nach oben. Auf den ersten Metern drückt der Rucksack ein bisschen. Das ist ganz normal, man muss sich erst an das Gewicht auf den Schultern und an der Hüfte gewöhnen. Es heißt also, Schritt für Schritt, einen Fuß vor den anderen zu setzen. Denkt daran: Der Weg ist das Ziel und ihr habt in der Regel ausreichend Zeit für jede Tagesetappe.

Wenn die ersten 180 Höhenmeter hinter euch liegen, erreicht ihr den Kahlen Asten. Der Astenturm ist schon von Weitem zu sehen. Wir erklimmen noch ein paar weitere Höhenmeter und steigen im Inneren des Turms über eine steile Wendeltreppe nach oben. Hier befindet sich eine Aussichtsetage. Bei gutem Wetter und glasklarer Sicht könnt ihr ganz am Horizont sogar den Brocken im Harz aufragen sehen. Während meines Besuchs war es leider etwas diesig.

Schön ist die Aussicht aber auch, wenn man die entferntesten Berge nicht sieht. Denn trotzdem hat man einen tollen Blick über die Umgebung und wir sehen schon einige der Ziele, die im Laufe der Tour erreicht werden. Zum Beispiel kann ich den Clemensberg erspähen, ich sehe die Alte Grimme und kann Winterberg im Tal ausmachen. Dort werden wir am Ende wieder ankommen.

Wenn ihr auch im August oder September hier seid, solltet ihr am Kahlen Asten dem Wegesrand besondere Aufmerksamkeit zukommen lassen. Rechts und links des Weges reifen zu dieser Jahreszeit zahlreiche Heidelbeeren und Preiselbeeren. Es dauert gar nicht lange, da habe ich bereits eine Hand voll gesammelt. Sie sind zwar etwas kleiner als die gezüchteten Beeren aus dem Supermarkt, schmecken dafür aber sogar noch besser, finde ich. Perfekte Wegzehrung zwischendurch.

EtappeHöhenmeterStreckeDauer
1. Winterberg bis Kahler Asten307 m10,9 km3 Std.
2. Kahler Asten bis Altastenberg131 m 4,2 km1:30 Std.
3. Altastenberg bis Siedlinghausen119 m6,7 km2 Std.
4. Siedlinghausen bis Niedersfeld254 m6,7 km2 Std.
5. Niedersfeld bis Hildfeld474 m 13 km4 Std.
6. Hildfeld bis Elkeringhausen178 m6,1 km2 Std.
7. Elkeringhausen bis Züschen524 m13,9 km4,5 Std.
8. Züschen bis Mollseifen630 m16,8 km5 Std.
9. Mollseifen bis Hoheleye253 m12 km3,5 Std.
10. Hoheleye bis Kahler Asten236 m11 km3 Std.

Von Gipfel zu Gipfel rund um Winterberg

Nach einer Nacht im Hotel am Astenturm geht es am zweiten Tag bergab nach Altastenberg. Diese Strecke ist gemütlich in rund eineinhalb Stunden machbar. So könnt ihr euch am Kahlen Asten auch noch ein bisschen umsehen und zum Beispiel die Lennequelle besuchen.

Den dritten Tag startet ihr in Altastenberg. Wenn ihr möchtet, könnt ihr einen Abstecher über den Bergwiesenpfad einplanen. Dann seid ihr etwa zwei Stunden länger unterwegs und könnt durch blühende Bergblumenwiesen und an eindrucksvollen Heidelandschaften vorbeiwandern.

Tag vier führt von Siedlinghausen bis Niedersfeld am malerischen Hillebachsee vorbei. Packt die Badebekleidung ein. Es gibt eine idyllische Badebucht mit großem Kiesstrand und einer weitläufigen Liegefläche. Und wer auf Action steht, kann sich beim Wakeboarden oder Wasserskifahren über die nasse Oberfläche ziehen lassen. So kann man den Tag auch gut rumkriegen.

Bisher war die Tour recht entspannt. So ist man eingelaufen, bis Etappe fünf ansteht. Denn mit einer Strecke von rund 13 km und 474 Höhenmetern, die es zu bewältigen gilt, zählt dieser Abschnitt zu einem der anspruchsvollsten. Es geht auf den 843 m hohen Langenberg, den höchsten Berg Nordrhein-Westfalens, und anschließend noch zum Clemensberg hinauf.

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Schönste Etappe und tolle Aussicht am längsten Tag

Der sechste Tag ist wieder ein Tag zum Entspannen. Anschließend folgt ab Elkeringhausen die vielleicht schönste Etappe der Winterberger Hochtour. Vom Hotel geht’s zum malerischen See am Ortsausgang. Ein Springbrunnen plätschert fröhlich in der Mitte des Teichs, dahinter steht ein uriges Fotomotiv. Vom hölzernen Steg, der ein bisschen ins Wasser hineinragt, könnt ihr tolle Fotos machen.

Ab hier folgen wir dem Weg bergauf bis zum Gipfelkreuz der Alten Grimme. Bis hierhin lief schon der eine oder andere Schweißtropfen das Gesicht hinunter, denn es geht richtig steil nach oben. Wir schnaufen durch, genießen die Aussicht über das Rothaargebirge und bereiten uns dann auf einen ebenso steilen Abstieg vor. Durch den Wald müsst ihr aufpassen, dass ihr nicht ausrutscht. Die steilsten Stellen sind zum Glück zusätzlich mit Ketten gesichert, an denen man sich festhalten kann.

So erreichen wir wenige Meter später den ehemaligen Stollen der Zeche Elend. Der Name kommt nicht von ungefähr. Ursprünglich sollte hier Erz gefördert werden, allerdings hat man nicht viel zu Tage fördern können. Während wir vorbeilaufen, können wir einen Blick ins Innere erhaschen und mir wird etwas mulmig. Der Tunnel wurde per Hand in den Fels gegraben. Ich will mir gar nicht vorstellen, wie anstrengend dieser Job damals war.

Vorbei am Franzosenkreuz und insgesamt 13 km später erreichen wir Züschen, einem idyllischen Ort mit hübschen Fachwerkhäusern. Zeit, Kraft zu tanken. Denn auch Tag acht hat es in sich. Dann nämlich beginnt die längste Etappe. Für die Anstrengung entschädigt auf jeden Fall die Aussicht vom Ziegenhelleturm. Von oben habt ihr einen tollen Blick über den Clemensberg und bis zum Kahlen Asten. Noch zwei Tage, dann seid ihr wieder zurück am Ausgangspunkt.

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Fazit

Die Winterberger Hochtour ist eine Weitwanderung, die für jeden geeignet ist. Auf den ersten Etappen könnt ihr euch gut an die Anstrengung herantasten, zum Schluss wird es dann happiger. Dabei lernt ihr die Gegend aus verschiedenen Blickwinkeln kennen und habt auch immer mal Teilstücke dabei, die meditativ wirken. Wenn ihr gerne wandern geht und erste Erfahrung mit mehrtägigen Touren sammeln möchtet, ist die WHT eine tolle Tour zum Reinkommen. Vor allem, weil ihr die Tour je nach Zeit und Lust gestalten könnt, wie ihr wollt.

Die ersten Etappen sind verhältnismäßig kurz. Ich würde die ersten drei Etappen bereits an einem Tag abwandern. Etappe vier würde ich als Entspannungstag am See einlegen und dann wieder Etappe fünf und sechs zusammenfassen. Auch die letzten beiden Etappen kann man gut zusammenlegen. Insgesamt würde ich persönlich für die komplette Tour also 5-6 Tage einplanen. Das könnt ihr aber natürlich noch weiter abwandeln.

Möglich ist auch, nur den ersten Teil oder nur den letzten Teil zu gehen. Oder ihr übernachtet in der Mitte in Winterberg und pickt euch die Etappen raus, die ihr besonders reizvoll findet, fahrt per Bus zum jeweiligen Ausgangspunkt und wandert nur die entsprechenden Teilstücke ab.

Lage

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