Die Sterne funkeln über der Sahara, während ein metallisches Klackern in der Ferne die Stille der weiten Wüste Mauretaniens durchbricht. Es ist der Moment, in dem der Eisenerzzug, eines der längsten und gefährlichsten Transportmittel der Welt, vor mir im kleinen Ort Choum einfährt. Jetzt gibt es kein Zurück mehr. Für Abenteuerlustige ist dieser Zug nicht nur ein Fortbewegungsmittel, sondern ein unvergleichliches Erlebnis inmitten von Staub, Wind und Freiheit.
Lohnt sich die Fahrt mit dem Eisenerzzug in Mauretanien?
Der Eisenerzzug in Mauretanien ist weit mehr als nur ein Transportmittel – er ist die kostenlose Lebensader eines ganzen Landes. Täglich transportiert er Tausende Tonnen Eisenerz aus den Minen in Zouérat über eine Strecke von über 700 Kilometern bis zum Hafen von Nouadhibou. Viele starten dort, ich entscheide mich jedoch für den Ort Choum, 200 Kilometer von Zouérat entfernt.
Der Zug, der sich über bis zu 2,5 Kilometer erstreckt und bis zu 220 Waggons hinter sich herzieht, gilt als einer der längsten der Welt. Doch die Fahrt ist nichts für Komfortliebhaber: Statt Sitzen oder Kabinen gibt es nur offene Waggons – ein echtes Abenteuer und nichts für schwache Nerven.
Dürfen Touristen offiziell mit dem Iron Ore Train reisen?
Die Minengesellschaft, die für die Züge verantwortlich ist, ändert oft die Bedingungen, unter denen Touristen mit dem Zug fahren dürfen. Die Mitfahrt von Touristen wurde über Jahre hinweg geduldet, aber Änderungen sind nie ausgeschlossen. Informiere dich vor deinem Besuch über die aktuelle Lage. Neben den rechtlichen Aspekten solltest du auch die Gefahren des Zuges selbst beachten und dich immer gut festhalten, wenn du stehst. Alternativ kannst du auf den Passagierwaggon ausweichen, der einmal am Tag ans Ende des Zuges gekoppelt wird und pro Strecke etwa 5 € kostet.
Fototipp: Die beste Fotoperspektive bietet sich insbesondere bei Sonnenaufgang oder unter dem Sternenhimmel. Nutze eine robuste Kamera oder ein Smartphone mit Staubschutz und verzichte auf Wechselobjektive – der Eisenstaub dringt überall ein. Achte dabei unbedingt auf die Bewegung des Zuges und halte sicheren Abstand zur Kante des Waggons, um nicht das Gleichgewicht zu verlieren.
Anreise nach Choum in Mauretanien
| Lage: | Mauretanien |
| Strecke: | Zouérat – Choum – Nouadhibou |
| Must-Have: | Skibrille |
| Fahrtzeit: | 18h ab Zouérat & 12h ab Choum |
| Besonderheit: | Längster Zug der Welt |
Die Fahrt mit den Waggons beginne ich in Choum, einem kleinen Wüstenort, der sich für mich als idealer Startpunkt für die Reise mit dem Eisenerzzug anbietet. Manche Reisende starten das Abenteuer auch in Zouérat, doch dadurch verlängert sich die Fahrt um weitere fünf Stunden.
Als erste Station bietet sich der internationale Flughafen von Nouakchott (NKC) als Ausgangspunkt an. Von der Hauptstadt Mauretaniens erreichst du Choum über eine 600 Kilometer lange Straße, die in der Regel mit Allradfahrzeugen oder überregionale Busse zurückgelegt wird. Die Fahrt dauert normalerweise 7 bis 10 Stunden und führt durch atemberaubende Wüstenlandschaften.
Aufgrund der Länge des Zuges gibt es nicht nur einen einzigen richtigen Aufstiegsort – aber hier hat es für uns perfekt gepasst. Alternativ kannst du auch nach Nouadhibou reisen und dort in den Zug mit den leeren Waggons in die entgegengesetzte Richtung nach Choum einsteigen. Die besten Ausgangsorte dafür sind ebenfalls Nouakchott oder Ad-Dakhla in der von Marokko beanspruchten Westsahara.
FFP2-Maske und Skibrille sind das Mindeste
Eine Fahrt auf dem Eisenerzzug erfordert mehr als nur Abenteuerlust – die richtige Vorbereitung ist entscheidend. Der feine Eisenerzstaub bedeckt alles, daher sind ein Tuch oder eine Atemmaske sowie eine Schutzbrille unverzichtbar. Ich habe mir von zu Hause eine alte FFP2-Maske und einen roten Turban mitgenommen. Ebenso wichtig ist ein robuster Schlafsack oder eine Matratze, um auf dem harten und unebenen Erz eine halbwegs bequeme Schlafmöglichkeit zu haben. In der Hauptstadt habe ich mich mit einer dünnen Matte für 5 € und einem alten Sommerschlafsack aus meiner Heimat ausgestattet.
Zum Schutz vor der glühenden Sonne tagsüber und der klirrenden Kälte nachts empfiehlt sich funktionale Kleidung im Zwiebellook. Ein Karton mit Sand als improvisierte Toilette sollte bei der Fahrt in den leeren Waggons nicht fehlen – eine pragmatische Lösung inmitten der kargen Wüste. Für die Strecke in Richtung Nouadhibou ist dies jedoch nicht nötig, da das Eisenerz selbst Nässe aufnimmt und sich keine unangenehmen Flüssigkeiten im Waggon verteilen. In Plastik eingepackter Proviant, genügend Wasser und ein alter Rucksack runden deine Packliste ab.
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In der Dunkelheit springen wir auf den Iron Ore Train
Seit drei Stunden warte ich an den Schienen in dem kleinen Dorf Choum. Da es sich um einen Güterzug handelt, gibt es nur eine grobe Einschätzung der Ankunftszeit, die mit 16 bis 23 Uhr sehr weit gefasst ist – African Time eben. Bei mir ist es 21 Uhr, als ein weißer Lichtkegel die Gleise hell erleuchtet. In der Dunkelheit springe ich auf einen der über 200 Waggons und mache es mir in einer Ecke bequem.
Mit einem tiefen Brummen setzt sich der Zug in Bewegung, und die Erzbrocken unter meinen Füßen beginnen zu vibrieren. Der Fahrtwind peitscht mir kräftig ins Gesicht. Es dauert nicht lange, bis ich den Staub des Erzes überall spüre – auf meiner Haut, in den Haaren und selbst auf dem Rucksack. Doch das gehört zum Abenteuer dazu.

Eine nächtliche Fahrt durch die größte Wüste der Welt
Die Nacht wird zunehmend kälter, doch der Sternenhimmel ist atemberaubend klar. Ohne Lichtverschmutzung scheinen die Sterne greifbar nahe. Der Zug rumpelt konstant mit 60 km/h durch die Dunkelheit, während ich die Freiheit genieße – trotz der Kälte, die mich immer tiefer in meinen Schlafsack rutschen lässt, dessen Farbe sich durch das Erz verändert hat. Alle paar Stunden hält der Zug in kleinen, chaotischen Ansiedlungen, in denen Menschen auf den Zug warten. Diese Stopps gewähren Einblicke in das Leben der Einheimischen. Manche steigen ein, andere entladen Waren. Wir merken schnell, dass dieser Zug die Lebensader des Landes ist. Sogar Esel und Ziegen werden auf den Waggons quer durchs Land transportiert.
Der Schlaf ist eine Herausforderung. Das Erz ist hart, kalt und unnachgiebig. Ich versuche, etwas Ruhe zu finden, doch die Geräusche des Zugs und die Kälte machen es schwer. Dennoch tröstet mich der Gedanke, dass diese Strapazen Teil des Abenteuers sind – ein Erlebnis, das ich eines Tages meinen Kindern erzählen werde.
Mit der Morgendämmerung erwacht die Wüste zum Leben. Das erste Sonnenlicht taucht die Umgebung in warme Gelb- und Orangetöne. Das Ziel kommt endlich in Sicht. Als der Zug schließlich um 10 Uhr nach 13 Stunden Fahrt in Nouadhibou ankommt, klettere ich erschöpft und staubbedeckt aus dem Waggon. Meine Kleidung und Hände sind vom Eisenstaub schwarz gefärbt, doch mein Kopf ist voller unvergesslicher Eindrücke. Viele Taxis warten, um mich für ein paar Euro zur Unterkunft in der Stadt zu bringen.
Nach einer Pause (und einer dringend benötigten Dusche) im Hostel machen wir uns am nächsten Tag auf zu einer geführten Tour durch die Sahara, bevor es eine Woche später wieder mit dem Eisenzug zurückgeht.
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Fazit
Eine Fahrt mit dem Eisenerzzug ist nichts für schwache Nerven, aber genau das macht den Reiz aus. Es ist eine Reise voller Extremerlebnisse – von eisiger Kälte bis zu brütender Hitze, von Schlafmangel bis zu unglaublicher Freiheit. Der Eisenerzzug ist mehr als nur ein Transportmittel: Er ist eine Herausforderung für Reisende und eine Haupteinnahmequelle für das Land. Wer sich darauf einlässt, wird mit einer Geschichte belohnt, die ein Leben lang bleibt. Worauf wartest du noch?
Neben dem Eisenerzzug bietet die Sahara viele weitere Gründe, die Strapazen der Anreise auf sich zu nehmen. Die Richat-Struktur, die selbst aus dem Weltall sichtbar ist, sowie der zweitgrößte Monolith der Welt, Ben Amera, machen Mauretanien zu einem spannenden Reiseziel. Freundliche Einheimische und süßer Minztee gehören selbstverständlich zur herzlichen Gastfreundschaft der Mauretanier dazu.
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