Entlang plätschernder Wasserläufe geht es vorbei an abschüssigen Weinbergen und weiten Obstplantagen. Unter mir entfaltet sich der Blick auf das Meraner Land und in der Ferne zeichnet sich die Bergkulisse der Texelgruppe ab. Hier auf dem Marlinger Waalweg habe ich nicht das Gefühl eines klassischen Wanderwegs. Vielmehr ist er eine Reise durch das Herz Südtirols, die die Highlights der Region erlebbar macht. Ist das der Grund, warum diese Strecke als eine der sehenswertesten rund um Meran gilt?
Lohnt sich die Wanderung auf dem Marlinger Waalweg?






Auf der Liste der Südtiroler Wanderwege ist der Marlinger Waalweg weit oben zu finden. Er zählt zu den bekanntesten Routen der Region und ist zudem mit rund 12 Kilometern der längste Waalweg des Landes. Die Strecke verläuft nahezu eben oberhalb des Meraner Talkessels von Töll über Marling bis nach Oberlana.
Die Geschichte hinter dem Waalweg reicht bis Mitte des 18. Jahrhunderts zurück: Die Mönche benötigten damals Wasser für die Weinberge und legten den künstlichen Bewässerungskanal entlang des Marlinger Berges an. Entlang der Kanäle entstanden schmale Wartungswege, die sogenannten Waalwege, auf denen einst die „Waaler“ den Wasserfluss kontrollierten.
Bis heute erfüllt der Marlinger Waal seine ursprüngliche Aufgabe und versorgt rund 300 Hektar Wiesen, Obst- und Weinbauflächen mit Wasser. Damit ist er nicht nur ein beliebtes Ausflugsziel für Reisende, sondern auch ein Zeugnis Südtiroler Kultur- und Landwirtschaftsgeschichte.
Fototipp: Ein spektakuläres Motiv ist der Blick auf Meran und die bekannte Pferderennbahn. Mit den grünen Blättern der Weinreben als Rahmen könnt ihr hier die typische Szenerie des beliebten Wanderweges einfangen: Panoramablick auf die Stadt, Weitblick auf die Berggipfel und den Weinanbau im Vordergrund. Spielen lässt sich dabei mit saisonalen Elementen wie der Frühjahrsblüte oder den Äpfeln im Herbst.
Anreise nach Töll
| Start/Ziel: | von Töll bis Oberlana |
| Strecke: | 10,8 km |
| Höhenmeter: | 458 hm (Aufstieg) |
| Gehzeit: | ca. 3 Stunden |
| Einkehrtipp: | Restaurant Leitenschenke |
Die Anreise mit den öffentlichen Verkehrsmitteln führt euch zunächst nach Meran. Mit dem FlixBus oder dem Zug seid ihr in etwa drei Stunden von München aus im Herzen der Südtiroler Kurstadt. Von hier geht es weiter mit der Buslinie 213 in Richtung Algund/Partschins direkt zur Haltestelle Schleuse Töll – Chiusa Tel. Die Fahrt ist mit der Guest Card kostenlos, dauert etwa 15 bis 20 Minuten und bringt euch direkt zum Einstiegspunkt an der Etsch-Staustufe.
Wer stattdessen mit dem Auto anreist, kann direkt am Wanderparkplatz in Töll starten. Dieser befindet sich gegenüber dem Wasserkraftwerk am Einstieg zum Waalweg. Der Parkplatz ist kostenfrei und daher schnell besetzt. Eine Alternative ist der etwa 1,5 km entfernte Parkplatz für den Algunder Waalweg.
Vom Wasserkraftwerk hinauf in die Weinberge
Meine Wanderung beginnt mit den tosenden Wassermassen in Töll. Hier am Wasserkraftwerk, das den Einstieg zum Waalweg markiert, ist die Luft kalt und geprägt von feuchtem Nebel. Doch schon nach einem kurzen Aufstieg auf einem schmalen Weg wird es ruhiger und mich empfängt die idyllische Atmosphäre, die ich auf der Route erwartet habe.
Der erste Abschnitt führt oberhalb der Straße und der Bahnlinie entlang und schlängelt sich imposant an hohen Felsen vorbei. Schnell lerne ich den Begleiter der Strecke kennen: den Waal. Dieser zeigt sich immer wieder unter oder neben mir. Obwohl der Aufstieg zum Waalweg nur wenige Höhenmeter umfasst, verändert sich die Umgebung spürbar: Die Geräusche des Tals werden leiser, die mediterrane Vegetation nimmt zu und die typische Südtiroler Mischung aus Apfelhainen, Reben und alpiner Bergkulisse begleitet mich von nun an.
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Unterwegs zwischen Apfelgärten und Alpenblick
Der Weg führt nun nahezu eben am Hang entlang. Unter mir liegen die Ortschaften des Meraner Landes. Bei klarer Sicht reicht der Blick weit über das Tal hinweg bis zu den markanten Gipfeln der Texelgruppe, die wie eine natürliche Kulisse hinter Meran aufragt. Mich fasziniert der Kontrast zwischen der warmen, südlichen Landschaft im Tal und der hochalpinen Bergwelt.
Auch wenn steile Anstiege ausbleiben, ist der Verlauf des Weges dennoch abwechslungsreich. Die Strecke führt vorbei an alten Mauern, schattigen Waldabschnitten, blühenden Wiesen und sonnigen Weinbergen. Immer wieder wechseln sich offene Aussichtspunkte mit verwachsenen Passagen ab und am Wegesrand werden lokale Produkte verkauft. Es wird deutlich, dass hier der Genuss im Vordergrund steht.
Symbiose aus alten Schlössern und Südtiroler Küche
Ich lasse schließlich die Kulisse Merans hinter mir. Während der Weg weiter entspannt am Hang entlangführt, öffnet sich der Blick auf eindrucksvolle Schlösser oberhalb des Waalwegs, die hoch über den Weinbergen und Obstgärten thronen. So verleihen die historischen Gemäuer von Schloss Lebenberg der Landschaft einen imposanten Akzent und eine willkommene Abwechslung. Ab hier ist der Waalweg noch einmal so richtig grün und ursprünglich. Dichter Wald wechselt sich ab mit duftenden Obstgärten und weitläufigen Hängen mit Weinanbau.
Ein kleines Highlight entdecke ich auch: die Waalschelle. Das kleine Wasserrad zeigte dem Waaler durch ein akustisches Signal, ob das Wasser ungehindert floss. Das historische Kontrollsystem funktioniert noch immer und lädt zu einem kleinen Exkurs in die Geschichte der Strecke ein.
Nachdem ich die Häuser von Lana unter mir entdeckt habe, erreiche ich meinen Zwischenstopp auf dem Waalweg: die Leitenschenke, einen der schönsten Einkehrpunkte entlang der Strecke. Die Terrasse lädt ein, den beeindruckenden Panoramablick bei einer ausgiebigen Pause zu genießen. Hier wird wieder einmal deutlich, dass der Waalweg mit allen Sinnen erlebt werden will. Und die Kulinarik ist definitiv ein Teil davon.
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Fazit
Um die Wanderung über den Marlinger Waalweg abzurunden, gehe ich die Strecke zurück zum Startpunkt nach Töll. Alternativ könnt ihr nach Oberlana absteigen und mit dem Bus zurück nach Meran oder Töll fahren. Für mich ist nach diesem Ausflug klar, warum dieser Weg zu den beliebtesten Wanderungen Südtirols zählt. Die Kombination aus jahrhundertealter Bewässerungstradition, abwechslungsreicher Natur und beeindruckender Aussicht sorgt für ein ganz besonderes Wandergefühl. Im Fokus steht dabei vor allem das Erleben und Genießen der Umgebung. Der Waalweg lädt zu einer bewussten Wahrnehmung ein und wirkt auf eine Weise entschleunigend. Vielleicht durch das langsame Fließen des Wassers, das mich begleitet. Oder durch das Lebensgefühl Südtirols, das hier so spürbar ist.
Wer das Bergpanorama nicht nur vom Waalweg aus genießen, sondern sich etwas höher hinauswagen möchte, findet mit dem Meraner Höhenweg ein attraktives Ausflugsziel.


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