Nebelschwaden umspielen die schroffen Felswände des Karwendelgebirges. Und wir sind mittendrin. Wir klettern am Grat entlang. Am Drahtseil gesichert geht es über verschiedene Gipfel hinweg den Mittenwalder Höhenweg entlang. Dann lichten sich die Wolken und ich staune. Das Panorama von hier oben ist gigantisch!

Lohnt sich die Klettersteigtour am Mittenwalder Höhenweg?

Das Karwendel liegt an der Grenze zwischen Österreich und Deutschland. Das Gebirge besteht aus vier großen Gebirgsketten und etlichen kleineren Seitenketten. Mit einer Höhe von 2.749 m ist die Birkkarspitze der höchste Punkt. So ist das Karwendel ein Paradies für Bergsportler. Etliche Wanderwege führen durch das Gebirge und es gibt auch einige Klettersteige.

Besonders beliebt ist der Mittenwalder Höhenweg. Wie der Name schon sagt, verläuft der Klettersteig oberhalb von Mittenwald. Genauer gesagt von der Westlichen Karwendelspitze bis zum Brunnsteinanger. Mit einer Schwierigkeit von B ist die Route zwar für geübte Klettersteiggeher technisch verhältnismäßig einfach, allerdings solltet ihr die Länge nicht unterschätzen. Insgesamt 7 Stunden dauert die Tour. Davon seid ihr rund 3,5-4 Stunden am Grat unterwegs.

Anreise nach Mittenwald

Wir parken das Auto an der Talstation der Karwendelbahn in Mittenwald. Das erste Stück der Tour wird nämlich mit der Seilbahn zurückgelegt. Ab München dauert die Anreise zum Parkplatz mit dem Auto rund 1 Stunde und 15 Minuten. Packt ein bisschen Kleingeld ein, denn es fallen Parkgebühren an.

Alternativ ist die Anreise auch mit den öffentlichen Verkehrsmitteln möglich. Bis Mittenwald kommt ihr mit dem Zug. Ab München beträgt die Fahrzeit etwa 2 Stunden. Vom Hauptbahnhof geht es dann in einer Viertelstunde zu Fuß ebenso zur Seilbahn.

In der Hauptsaison ab Mitte Mai fährt die Seilbahn bereits ab 8:30 Uhr. Danach pendelt sie bis 18:00 Uhr im 30-minütigen Rhythmus. Ich würde euch raten, mit einer der ersten Bahnen nach oben zu fahren. Denn die Tour wird lang und es ist besser, sich nicht hetzen zu müssen.

Auffahrt in den Nebel

Bergfahrt:23,50 Euro (Erwachsene)
Schwierigkeit:B, Kondition erfoderlich
Höhenmeter:↑ 400 m
↓ 1.400 m
Dauer:7 Stunden
Beste Reisezeit:Mai-Oktober

So machen wir das auch. Pünktlich um 8:30 Uhr stehen wir am Parkplatz und packen die Ausrüstung zusammen. Der Rucksack ist dank Klettersteigset, Klettergurt, Helm und Handschuhen prall gefüllt. Hinzu kommen noch die obligatorischen Dinge, die man eh bei jeder Bergtour dabei hat. Also Wasser, Verpflegung, Erste-Hilfe-Set, Sonnenschutz und warme Kleidung. Denn oben ist es deutlich kälter.

Die Regenjacke gehört zwar für alle Fälle auch ins Gepäck, aber bei angekündigtem Regen solltet ihr die Tour besser verschieben. Behaltet also den Wetterbericht im Auge, denn gerade bei Gewitter ist die Wanderung am Grat ein No-Go. Und selbst, wenn es „nur“ regnet, wird der Fels rutschig und damit wird die Tour deutlich anspruchsvoller.

Unsere Wetterprognosen sind gut gemeldet. Obwohl aktuell noch dichte Nebel um die Spitzen des Karwendels kreisen. Wie dicht die sind, erfahren wir allerdings erst, als wir mit der Bahn nach oben fahren und mitten im Wolkenmeer wieder rauskommen. Wir sehen kaum 10 Meter weit. So dicht ist die graue Suppe, die uns umgibt. Es soll aber noch aufklaren. Das macht mir Hoffnung. Und so wandern wir direkt zum Einstieg. Der liegt übrigens in der Nähe der Bergstation. Es sind nur etwa 15 Minuten über einen gut ausgeschilderten Wanderweg. Ihr könnt das also gar nicht verpassen.

Die wilde Seite des Karwendels erleben

Vor uns steigen bereits einige Wanderer in den Steig ein. Ein paar andere erklimmen zuerst noch die Westliche Karwendelspitze (2.385 m). Dort führt auch ein Klettersteig hinauf. Den heben wir uns fürs nächste Mal auf. Zuallererst lege ich nun auch die Ausrüstung an und lasse dann erstmals die Karabiner am Drahtseil einrasten. Los geht’s!

Die ersten Schritte sind spannend. Es geht technisch unschwierig los, aber ich brauche einige Momente, um mich an die Situation zu gewöhnen. In dem Augenblick bin ich dankbar, dass die Nebel noch so tief sind. Zur Eingewöhnung ist es besser, nicht direkt in den Abgrund schauen zu können. So kann ich den Boden nicht ausmachen und das ist in diesem speziellen Fall irgendwie beruhigend.

Vorsichtig bringen wir die ersten Meter hinter uns. Dann, ganz langsam, verziehen sich die Nebel endlich. Erst blitzt nur hin und wieder etwas blauer Himmel aus der Wolkendecke hervor. Aber dann kommt mehr und mehr die Sonne durch. Dieser Moment ist magisch. Denn es ergibt sich ein tolles Bild. Wir staunen erstmals über geniale Tiefblicke und zudem wirken die schroffen Felszacken, die um uns herum aufragen, rau und alpin. So könnte es bleiben. Dieses Wetter bringt die wilde Seite des Karwendels richtig gut zur Geltung.

Wir haben mittlerweile ungefähr ein Drittel des Weges am Grat zurückgelegt. Nun liegt vor uns eine Leiterpassage. Über lange Eisenleitern geht es die steile Wand zur Mittleren Linderspitze hinauf. Wer bis hier hin merkt, dass der Klettersteig zu fordernd ist, kann an dieser Stelle über den Heinrich-Noe-Steig ins Tal absteigen.

Von Gipfel zu Gipfel

Wir klettern euphorisch weiter, machen oben eine kleine Pause und ahnen nicht, wie lange es noch sein wird. Zwar orientieren wir uns an der Topo, aber wir unterschätzen die Distanz. Bis zur Südlichen Linderspitze ist alles noch easy. Danach zieht es sich plötzlich enorm. Denn es folgen ein Gehstück und eine weitere Leiternpassage zur Sulzeklammspitze. Doch nach der Leiter sind wir diesmal nicht oben.

Es geht wieder wandernd weiter. Viele kleine Serpentinen liegen vor uns und das Stück strengt an. Mir kommt es vor, als dehnt sich dieses letzte Drittel immer weiter aus. Umso erleichterter bin ich, als wir nach gefühlt endlos langer Zeit endlich Gipfel Nummer 5 erreichen. Das ist auch der letzte Gipfel der Tour. Und weil wir wissen, dass es ab hier nur bergab geht, können wir uns nun auch nochmal die Zeit nehmen und das Panorama auf uns wirken lassen.

Wir drehen uns einmal im Kreis. Die Aussicht ist phänomenal. Wir blicken auf die Nordkette am Horizont, können den Blick über weite Teile des Karwendels schweifen lassen und sehen dort die bekannten Gipfel wie Birkkarspitze, Hochkarspitze, Tiefkarspitze und Soiernspitze. Und auch die Westliche Karwendelspitze ist gut zu erkennen. Aus dieser Richtung kommen wir ja und das wirkt von hier super weit weg. Auf der anderen Seite ist der Hohe Kranzberg gut zu erkennen und wir haben freie Sicht auf die Zugspitze.

Fazit

Ab da geht es nur noch bergab. Doch auch das letzte Stück ist nicht zu unterschätzen. Denn auch hier seid ihr nochmals richtig lange unterwegs. 1.400 Tiefenmeter liegen vor euch. Die Tour ist also an sich für Wanderer mit Klettersteigerfahrung gut machbar. Auch konditionsstarke Einsteiger können sich hier am Klettersteig versuchen. Falls ihr in dem Bereich aber noch gar keine Erfahrung gesammelt habt, solltet ihr euch als Neulinge im Zweifel von einem Bergführer begleiten lassen.

Denkt daran, dass es oben am Grat keine Hütten gibt und auch die Ausstiegsmöglichkeiten sind begrenzt. Selbst wenn ihr aussteigen möchtet, liegen immer noch über 1.000 hm vor euch. Dafür solltet ihr also immer noch Energiereserven aufbringen können.

Wer konditionell fit, schwindelfrei und trittsicher ist, wird den Mittenwalder Höhenweg hingegen lieben. Die Aussicht ist phänomenal. Und mir gefällt sehr gut, dass die Tour mich an keiner Stelle überfordert hat. Damit behalte ich den Mittenwalder Höhenweg als genussvollen Klettersteig in Erinnerung.

Lage

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