Auf den höchsten Gipfel der Berchtesgadener Alpen, den Hochkönig auf 2.941 m, führt einer der längsten und schwersten Klettersteige ganz Österreichs. “Königsjodler” ist sein majestätischer Name. Wir klettern gesichert am Drahtseil immer weiter nach oben. Man kann sich fast nicht entscheiden, was beeindruckender ist: das tolle Panorama oder die gigantischen Felszacken. Ich verrate euch in meinem Tourenbericht, für wen der Königsjodler-Klettersteig geeignet ist und was euch auf der Bergtour zum Hochkönig erwartet.

Lohnt sich der Königsjodler-Klettersteig auf den Hochkönig?

Aufgrund seiner gewaltigen Länge und durchgehender Schwierigkeit zählt der Königsjodler zu den schwersten Klettersteigen in den Ostalpen. Er verläuft mit seinen rund 1.700 Klettermetern über eine wilde Gratkante, über zahlreiche spitze Türme rauf und runter und endet am unmittelbaren Nachbargipfel des Hochkönigs.

Die gesamte, sehr abwechslungsreiche Klettersteiganlage ist auch für den geübten Klettersteiggeher eine ordentliche Herausforderung – immerhin muss man von den Turmgipfeln dazwischen immer wieder steil absteigen, über große und kleine Schluchten klettern und dabei trotzdem zügig vorankommen.

Für Klettersteig-Anfänger ist der Königsjodler-Klettersteig zum Hochkönig also definitiv nicht geeignet und auch für mäßig Fortgeschrittene empfehle ich die Begleitung durch einen Bergführer.

Fototipp: Sicherheit geht vor! Es gibt im Steig immer wieder geeignete Plätze, wo man sich mit der Rastschlinge einhängen und Bilder vom Klettersteigpartner machen kann. Besonders der Grat über die Teufelshörner sieht besonders spektakulär aus. Oder ihr greift auf eine Helmkamera zurück.

Anreise nach Dienten am Hochkönig

Gehzeit gesamt:10,5 Std.
Höhenmeter:1.700 hm
Klettersteig-Dauer:4,5 Std.
Schwierigkeit:C/D
Höchster Punkt:2.941 m

Wir parken direkt am kostenlosen Parkplatz am Dientner Sattel. Von München aus dauert die Anfahrt mit dem Auto über Salzburg knapp 3 Stunden.

Alternativ ist die Anreise mit den öffentlichen Verkehrsmitteln möglich. Mit dem Zug kommt ihr vom Hauptbahnhof Salzburg nach Bischofshofen und dann weiter mit dem Bus nach Mühlbach am Hochkönig. Von Mitte Mai bis Ende September fährt der Anschlussbus direkt auf den Dientner Sattel.

Achtung: Bei der Tour kommt man nach dem Abstiegsweg nicht direkt am Autoparkplatz an. Deshalb unbedingt die Zeiten der Wanderbusse vom Arthurhaus zum Dientner Sattel beachten.

Langer Zustieg zum Felsgrat

Da die Tour sehr lange ist, ist es ratsam unbedingt auch je nach Können und Kondition eine Übernachtungsmöglichkeit anzudenken. Hierzu eignen sich mehrere Hütten oder Hotels in der Region wie die Erichhütte (noch am Aufstiegsweg) oder oben am Gipfel das Matrashaus. Eine Reservierung ist obligatorisch.

Wir starten um 05:00 Uhr morgens noch mit müden Gesichtern, aber voller Motivation in Richtung Erichhütte. Es dämmert schon und wir benötigen gar keine Stirnlampe mehr. Nach rund 200 Höhenmetern haben wir schon die Hütte erreicht, aber müssen noch auf 2.283 Meter Höhe hinauf in die Hochscharte, wo sich der Einstieg des Königsjodler-Klettersteigs befindet.

Hier stehen wir schon direkt vor dem ersten Felsturm, dem “Flower Tower” und hier heißt es: Wanderstöcke wegpacken und Klettersteigausrüstung anlegen. Klettergurt, Klettersteigset, Helm und Handschuhe – alles sitzt korrekt. Es kann losgehen!

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Tour zum Hochkönig ist kein Kindergeburtstag

Der erste Aufschwung auf den Flower Tower ist gleich eine C/D-Stelle, die einem gleich mal klarmachen soll: der Klettersteig ist kein Kindergeburtstag und sollte keinesfalls unterschätzt werden. Wer hier schon Probleme hat, sollte wirklich besser umdrehen und sich noch besser darauf vorbereiten.

Wir stehen gesichert am ersten Felszacken, mit der Sonne im Rücken und bekommen einen ersten Überblick von oben auf den Grat; und was alles noch vor uns liegt. Großen Respekt vor dieser Tour habe ich auf jeden Fall, aber die Vorfreude auf jede Brücke und den Fels unter meinen Händen ist natürlich größer und so halten wir nicht lange an.

Am Grat von Turm zu Turm

Von nun an ist es ein wirklich langes, abwechslungsreiches Klettern. Es geht weiter über stellenweise flache Grate rüber zu einem Spreizschritt, dem “Jungfrauensprung”, hinauf auf den Teufelsturm. Von dort muss man wieder steil hinunterklettern auf eine luftige Dreiseilbrücke.

Von Turm zu Turm arbeiten wir uns vor, bis wir kurz vor dem markanten Teufelshörndl zu einer Einseilbrücke kommen. Diese kann mit einer mitgebrachten Seilrolle überwunden werden, oder man klettert in die Scharte ab. Da ich keine Rolle mit habe, bleibt mir ohnehin nicht anderes übrig.

Vom Teufelshörndl sieht man schon gut den Schrofenrücken zum Fuße des Kematsteins, wo auch ein Notausstieg ins Birkar möglich wäre, der aber definitiv nicht einladend aussieht. Bevor es den letzten langen, schweren Aufschwung zum Kematstein heraufgeht, kann man im Gehgelände davor gut eine Pause einlegen, da hier die Steinschlaggefahr deutlich geringer ist und andere Klettersteiggeher hier auch gut überholen können.

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Geniales Panorama am Hochkönigplateau

Als wir den Ausstieg am Hohen Kopf auf 2.875 Meter erreichen, bin ich zwar etwas müde, aber vor allem glücklich, dass der Königsjodler so gut funktioniert hat und wir auch so traumhaft schönes Wetter erwischt haben. Weit in der Ferne sehen wir die höchsten Gipfel Österreichs – vom Großglockner bis zum Großvenediger und auch den Hohen Dachstein weiter östlich. Vor uns erstreckt sich das gesamte Hochkönigplateau und linker Hand sind in nächster Nähe namhafte Gipfel wie Watzmann, Hochkalter und die Schönfeldspitze im Rücken.

Wir steigen noch etwa 150 Höhenmeter rauf zum Matrashaus, das direkt beim Gipfelkreuz am Hochkönig auf 2.941 Meter steht. Das neue Gipfelkreuz von 2017 ist etwas speziell gestaltet für meinen Geschmack, aber irgendwie passt es genau deshalb auch wieder auf den königlichen Gipfel.

Vor uns liegt noch der lange Abstieg über den Normalweg zum Arthurhaus. Deshalb halten wir die Gipfelpause einigermaßen kurz und machen uns auf dem sehr gut markierten Weg nach unten.

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Fazit

Wer Ausgesetztheit, luftige Höhen und Felskontakt liebt, der wird auch den Königsjodler-Klettersteig auf den Hochkönig lieben! Technisch ist er zwar nicht komplett durchgehend schwer, aber die gewaltigen Dimensionen machen den Klettersteig zu einem herausfordernden Abenteuer. Die angegebene, reine Kletterzeit von 4,5 Stunden kommt on top zum langen Zustieg und noch längerem Abstieg. Ihr kommt insgesamt auf rund 16 Kilometer. Also spät starten oder ein Glücksspiel mit dem Wetter sind hier keine Option!

Beim Arthushaus am Ende des Abstiegsweges könnt ihr zum Beispiel auch übernachten und vielleicht noch die kleine Wanderung auf den Hochkeil zum Sonnenauf- oder Untergang am nächsten Tag mitnehmen. Die spitzen Zacken der Mandlwand am Hochkönig im Hintergrund werden euch bestimmt gefallen!

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