Boote, die idyllisch am Anleger liegen. Nebelschwaden, die in den sanften Strahlen der morgendlichen Sonne von der Wasseroberfläche aufsteigen. Ein rot-orange eingefärbter Himmel und die imposanten Dolomiten ringsum. Das ist ein Motiv, das viele Postkarten ziert. Lange hab ich den Pragser Wildsee in Südtirol nur durch solche Abbildungen gekannt. Jetzt war ich endlich da. Und bin sogar mit einem der Ruderboote aufs Wasser hinausgefahren.

Lohnt sich ein Besuch am Pragser Wildsee?

Der Pragser Wildsee gilt als einer der schönsten Seen Italiens. Nur wie kommt man zum Pragser Wildsee? Er liegt in Südtirol zwischen Bruneck und Toblach in den Pragser Dolomiten. In Italien ist der See im Naturpark Fanes-Sennes-Prags unter dem Namen Lago di Braies bekannt.

Einen schönen Überblick bekommt ihr, wenn ihr dem Rundweg um den See herum folgt. Der Wanderweg führt direkt in Ufernähe über einen breiten, gut angelegten Pfad herum. Außerdem ist der See Ausgangspunkt für etliche Wanderungen in der Umgebung. Zum Beispiel zum markanten Seekofel hinauf, dessen Gipfel ihr vom Ufer aus schon sehen könnt.

Instatipp: Unbedingt ein Ruderboot ausleihen! Wenn ihr rudert und mit dem Rücken auf den Seekofel zusteuert, ergibt sich ein tolles Fotomotiv.

Anreise zum Pragser Wildsee

Der Pragser Wildsee ist aus München kommend in knapp 3,5 Stunden mit dem Auto erreichbar. Denkt daran, dass ihr für die Durchfahrt in Österreich eine Vignette benötigt, wenn ihr die Autobahnen nutzt. Außerdem wird an der Brennerautobahn eine extra Maut in Höhe von 10 Euro pro Strecke fällig. In Italien wird die Maut je nach gefahrener Strecke berechnet.

Die Parkgebühr vor Ort beträgt für die ersten drei Stunden 6 Euro. In der Hauptsaison im Sommer gibt es eine Durchfahrtssperre zwischen 10:30 und 14 Uhr. In dieser Zeit fährt ein Shuttle-Bus. Um trotzdem direkt vor Ort zu parken, empfiehlt es sich, den Parkplatz vorab online zu reservieren. Die Reservierungsgebühr liegt bei 38 Euro pro PKW. Enthalten sind das Tagesparkticket und ein Verzehrgutschein im Wert von 30 Euro für alle Restaurants auf dem Areal.

Viele Besucher trotz Regenwetter

Ort:Prags
Höhenlage:1.494 m
Max. Tiefe:36 m
Ruderboot-Kosten:19 Euro für 1/2 h
Beste Reisezeit:Mai bis Oktober

Wir sind vor der Hauptsaison und abseits der Ferienzeiten an einem regnerischen Wochentag im Juni unterwegs. Zwar haben wir durch das „schlechte“ Wetter kein Problem mit der Parkplatzsuche auf dem riesigen Bereich, aber trotzdem sind wir bei Weitem nicht alleine unterwegs.

Wenige Meter vom Parkplatz entfernt liegt schon das bekannte Bootshaus. Ich zücke das Handy und öffne die Kamera-App. Ein Foto nach dem anderen landet in der Galerie. Mal von der Wasserlinie aus geknipst, dann ist das Bootshaus auf der rechten Bildseite, wenig später auf der linken. Ich kann mich gar nicht entscheiden, aus welcher Perspektive der See am besten wirkt. Die Landschaft ist aus allen Blickwinkeln fotogen. Es wirkt beinahe unecht.

Übrigens lohnt es sich, den Blick auch mal gen Hang zu richten. Denn dort gibt es einige erhöht liegende Bänke, die nur über schmale Trampelpfade erreicht werden können. Bei Nässe ist das etwas rutschig, aber dafür sind die Bänke trotz der vielen Ausflugsgäste fast alle unbesetzt. Das ist ein Ort, in dem ihr relativ privat und entspannt den Blick übers Wasser schweifen lassen könnt.

Mit dem Ruderboot aufs Wasser

Wir haben Glück, dass der Bootsverleih trotz des leichten Nieselregens geöffnet hat. Normalerweise ist es bei Schlechtwetter nicht möglich, ein Ruderboot auszuleihen. Hier gilt übrigens das first-come, first-serve-Prinzip. Eine Vorab-Reservierung der Ruderboote ist nicht möglich.

Wir mieten uns das Boot für eine halbe Stunde. Das kostet 19 Euro. Zudem werden 20 Euro Pfand fällig, die wir vorab in Bar bezahlen müssen. Kartenzahlung ist nicht möglich. 60 Minuten Bootfahren kosten übrigens 29 Euro pro Boot. Und ihr könnt jeweils zu viert einsteigen.

Weil der See so malerisch aussieht, ist er auch als Werbemotiv und zur Aufnahme von Hochzeitsfotos beliebt. Private Shootings könnt ihr telefonisch anmelden. Dann habt ihr zwischen 7 und 8 Uhr am Morgen Zeit, die perfekten Bilder einzufangen. Ansonsten ist der Bootsverleih von Mai bis Oktober jeweils von 10 bis 17 Uhr geöffnet. Im Juli und August werden die Verleihzeiten von 8:30 bis 18:30 Uhr verlängert.

Eine perfekte Szenerie

Beim Einstieg bekommen wir noch eine kurze Einweisung und viel Spaß gewünscht. Dann sind wir auf uns alleine gestellt. Euphorisch packe ich die hölzernen Ruder an und will loslegen. Ganz außen soll man sie anfassen. Aber besser auch nicht zu weit außen, denn ich klemme mir bereits beim ersten Ruderschlag den Daumen zwischen den zwei schweren Holzpaddeln ein. Aua!

Das sind aber zum Glück nur leichte Startschwierigkeiten. Dann geht’s mit Vollgas in Richtung Seekogel. Naja, zumindest so schnell ich kann. Denn die Ruder an sich sind schon super schwer und das Boot durch das Wasser zu bewegen, ist mit harter Arbeit für die Arme verbunden.

Aber das ist hier ja zum Glück kein Wettrennen. So lasse ich nach einigen beherzten Ruderschlägen die Ruder auch wieder sinken und genieße stattdessen die Aussicht. Wir sind zwar nicht das einzige Boot auf dem Wasser, aber es gibt genügend Möglichkeiten sich gegenseitig auszuweichen. Dadurch hat man immer wieder Zeit, alle anderen auszublenden und das Panorama zu genießen.

So kann ich erstmals an diesem Tag die Schönheit dieses Ortes tief in mich aufnehmen. Die Kombination aus blauem Wasser, bewaldetem Ufer und die imposante Felswand des Seekofels macht die Szenerie perfekt.

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Fazit

Der Pragser Wildsee zählt mittlerweile zu den meist-besuchten Orten in Südtirol. Allein werdet ihr hier so gut wie nie sein. Es ist also eher kein Ort, um die Ruhe zu genießen und zu entspannen. Ein Besuch lohnt sich trotzdem auf alle Fälle. Denn es ist wirklich so schön wie auf den Bildern.

Sicher könnt ihr euch auch den ganzen Tag am Ufer aufhalten, aber es reicht eigentlich, einmal rundherum zu laufen oder eben ein Ruderboot auszuleihen, um alles zu entdecken. Das könnt ihr gemütlich an einem Nachmittag im Urlaub machen, wenn ihr in der Gegend seid. Oder aber ihr verbindet den Ausflug zum See mit einer Bergtour in der Nähe. Das würde ich empfehlen. Übrigens sind ganz in der Nähe auch die berühmten Drei Zinnen. Dorthin lohnt sich ein Abstecher mindestens genauso.

Lage

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