Jeder kennt dieses Gefühl des Selbsthasses, morgens um vier Uhr aufzustehen, weil der Flug so früh geht. Um Zeit zu sparen, gibt es deshalb Kapselhotels. Dabei fällt die Anreise zum Flughafen weg, weil die Reisenden sowieso am Terminal übernachten. Doch wie bequem sind diese kleinen Unterkünfte, die vornehmlich in Japan stehen? Und was kostet die Übernachtung dort? Ich habe mal getestet, wie praktisch Kapselhotels wirklich sind.

So bequem sind die Kapselhotels in Japan

In der Lobby des Kapselhotels gibt es eigentlich gar nichts zu sehen. Einzig eine Rezeption steht dort. Zwei Türen führen in entgegengesetzte Richtungen in die Schlafsäle für Männer und Frauen. Ja, in japanischen Kapselhotels wird nach Geschlechtern getrennt. In einer Umkleide, die an ein Fitnessstudio oder ein Schwimmbad erinnert, schlüpft man in die Schlafkleidung, schließt sein (Hand-)Gepäck in den Spind ein. Danach folgen die Waschräume und Duschen und schließlich geht es weiter in den nur schwach beleuchteten Schlafsaal. Nummern auf dem Boden weisen die Richtung zur eigenen Koje.

#tokio #übernachten

Instatipp: Das ausgehändigte Nachthemd, das Oma wahrscheinlich so auch getragen hätte, ist ein echtes Highlight – wenn man Humor hat und sich wirklich so in den sozialen Medien präsentieren möchte. Ansonsten vielleicht lieber einfach nur die Kapsel fotografieren.

Was muss ich in ein Kapselhotel mitbringen?

Ganz einfach ausgedrückt: Was für euch nicht überlebensnotwendig ist, muss auch nicht mitgebracht werden. Beim Check-in bekommt jeder Gast eine Tasche mit einem Schlafanzug oder Nachthemd, eine Zahnbürste, Duschgel und Shampoo sowie Hausschuhe und Handtücher ausgehändigt. Wer also keine wichtigen Medikamente bei sich trägt oder noch arbeiten muss, kann eigentlich alles im Koffer oder im Handgepäck lassen. Oft gibt es auch die Option, den Koffer am Abend vorher einzuchecken, so dass das Kapselhotel wirklich alles zur Verfügung stellt, was zum Übernachten nötig ist.

Gibt es ein Restaurant oder Aufenthaltsräume?

Nein. Kapselhotels sind so effizient konzipiert wie es typisch für Japan ist. Hier geht es nicht darum, gesellig zusammenzusitzen oder in der Gruppe noch ein abendliches Bier zu trinken. Hier kommt man stattdessen an, schläft, erfrischt sich und geht wieder. Egal, zu welcher Tageszeit. Das Hotel steht 24 Stunden zur Verfügung und die Schlafräume sind auch den ganzen Tag über dunkel. Ziel ist es also wirklich, möglichst effizient den eigenen Akku wieder aufzuladen, damit es anschließend weitergehen kann. Auch das Frühstück, das beim Check-out überreicht wird, ist zum Mitnehmen. Eine Möglichkeit zum Verzehr im Hotel gibt es nicht.

Was kostet ein Kapselhotel?

4.900 Yen kostet eine Nacht, also umgerechnet etwa 40 Euro. Das Kapselhotel Nine Hours liegt direkt im Terminal vom Flughafen Narita, so dass der Weg zum Gate nur noch ein paar Minuten dauert und nicht über eine Stunde. Im Preis enthalten ist auch ein Frühstück, wenn die Flugzeiten dazu passen. Wer zu früh abfliegt, bekommt jedoch nichts zu essen. Es besteht auch die Möglichkeit, einen Tagespreis zu bezahlen. Wer von 9 bis 18 Uhr ein Nickerchen machen möchte, zahlt 1.500 Yen (ca. 15 Euro). Wer nur duschen aber nicht schlafen will, kann dies auch in dem Kapselhotel für 1.000 Yen (weniger als 10 Euro) tun.

Muss man im Voraus reservieren?

Ich empfehle dringend, die Übernachtung im Kapselhotel im Voraus zu reservieren. Zwar ist es in Japan generell eher üblich (und wird als höflich angesehen), die eigene Ankunft durch eine Reservierung anzukündigen, anstatt einfach vor der Tür zu stehen, aber für Kapselhotels gilt dies im Besonderen. Denn Kapselhotels sind nicht für das Entertainment von Touristen da, sondern werden von Geschäftsleuten frequentiert. Das bedeutet, besonders am Sonntagabend sind die Kapazitäten weit im Voraus ausgereizt.

Bekommt man keine Beklemmungen?

Zugegeben, das Bett in der Kapsel hat nicht gerade ein California King Bed, ist aber ausreichend groß, dass man sich nicht im Schlaf ständig Ellbogen oder Knie anstößt. Auch um Beklemmungen muss man sich eigentlich keine Sorgen machen, denn auf der Matratze kann man aufrecht sitzen, ohne sich den Kopf anzuhauen. Wer dann im Bett liegt, zieht vor seinen Füßen eine Jalousie nach unten, um ein wenig Privatsphäre zu bekommen.

Gibt es auch Nachteile?

Gibt es, denn dadurch, dass die Kapseln angeordnet sind wie Waben in einem Bienenstock, schläft auf der anderen Seite jeder Wand eine andere Person. Und wenn diese Person Geräusche macht, wird das von den Plastikwänden nicht unbedingt gefiltert. Das bedeutet, wenn jemand seinen Wecker nicht sofort ausmacht, sich im Schlaf heftig bewegt, gegen die Wand stößt oder schnarcht, hört das nicht nur der Nebenschläfer, sondern die gesamte direkte Umgebung. Deswegen unbedingt Ohrstöpsel mitnehmen.

Lohnt sich die Übernachtung im Kapselhotel?

Unbedingt ja. Die Möglichkeit, direkt am Flughafen zu schlafen und dadurch Zeit zu sparen und Stress zu vermeiden, ist großartig und tatsächlich frage ich mich, warum Europa dieses Konzept noch nicht für sich entdeckt hat. Besonders in Tokio kann ich jedem Reisenden das Nine Hours Hotel nur ans Herz legen, denn die Anreise von Tokio zum Flughafen Narita dauert lang und macht in den frühen Morgenstunden sicher keinen Spaß. Die zusätzliche Stunde Schlaf macht sich spätestens im Laufe des Tages positiv bemerkbar. Wer allerdings großen Service und Luxus erwartet, ist im Kapselhotel falsch. Hier geht es um Power-Erholung in Massenabfertigung. Oder vielleicht einfach nur um die witzige Erfahrung, einmal in einer Kapsel übernachtet zu haben, in einem sehr altbackenen Nachthemd, das eher an Gefängniskleidung erinnert.

Lage

Praktische Links

Gut zu wissen

In Japan gibt es zahlreiche Möglichkeiten, an ungewöhnlichen Orten zu übernachten. Wer gerne etwas mehr ausgeben will, übernachtet in einem Ryokan, also in einem traditionellen japanischen Haus mit Schiebetüren, Bambusmatten auf dem Boden und Garten mit Karpfenteich. Wem das zu teuer ist, dem sind Kapselhotels oder Internet-Cafés zu empfehlen. Selbst Japaner, die beim Ausgehen die letzte Metro nach Hause verpasst haben, übernachten für umgerechnet knapp zehn Euro in Internet-Cafés. Dort steht zwar ein Computer in einem separaten Raum, dieser wird aber einfach ignoriert. Stattdessen wird auf der bereitliegenden Matratze genächtigt. Luxus sollte hier aber bitte keiner erwarten.

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