Höhenangst? Hab ich nicht. So dachte ich zumindest. In dem Moment als sich zwischen mir und dem Abgrund nur noch ein Netz aus Seilen befindet, fällt mir auf, dass ich diese Aussage eventuell überdenken sollte. Meine Knie sind nämlich nicht nur weich, sie sind nicht mehr da. Mir bricht der Schweiß aus, mir ist gleichzeitig heiß und kalt. Wo ich bin? Am Rock Viewpoint auf dem Thakhek Loop in Laos.

The Rock Viewpoint Kletterpark in Laos

Die Attraktion im Norden des Thakhek-Loops gibt es erst seit wenigen Monaten. Bisher hat sich auch noch niemand wirklich die Mühe gemacht, die wichtigen Zahlen im Internet zusammenzuschreiben. Daher hier mein Versuch:

Am Limestone Viewpoint nahe des kleines Ortes Na hin in Zentral-Laos befinden sich 5 Ziplines, eine Via Ferrata und eine Spider Web Bridge, also eine Hängebrücke, die nur aus einem aus Seilen geknüpften Netz besteht. Die Attraktion kostet umgerechnet knapp 30 Euro und um den gesamten Parcour zu absolvieren, braucht es knapp 90 Minuten. Wie hoch sich die Ziplines über dem Boden befinden, ist nicht bekannt. Gefühlt waren es allerdings mehrere hundert Meter.

3 Minuten Einführung

Lage:Na hin
Preis:ca. 30 Euro
Dauer:90 Minuten
Maximalgewicht: 120 kg
Hinweis:Nichts für Ängstliche

Bezahlt habe ich schon, das Geschirr habe ich auch schon an. An mir hängen Karabinerhaken und ich trage einen Helm. Eine Mitarbeiterin nimmt mich mit zu einem Modell an der Hauswand des Büros und erklärt mir kurz, wie man Karabinerhaken an Seile hängt. Hätte ich die Kenntnisse nicht schon von einem Kletterkurs gehabt, wäre ich wohl ziemlich verloren gewesen, denn das Englischlevel der Mitarbeiterin ist eher mäßig. Allerdings fragt sie mehrmals nach, ob ich verstanden habe, dass ich immer, also wirklich IMMER mindestens einen Karabinerhaken am Seil haben muss. Ich nicke brav.

Nervös frage ich noch, ob den jemand von den Mitarbeitern mit mir den Parcour absolvieren wird. Das wird verneint. Kläglich frage ich daraufhin, ob wenigstens jemand an den Wechselstationen zwischen den einzelnen Attraktionen prüfen wird, ob ich richtig eingehängt bin. Wenigstens das wird bejaht.

Kein Zurück mehr. Also wirklich nicht!

Der erste Schritt ist noch ganz einfach. Ich klammere mich an der Halterung meines Geschirrs fest, schiele nervös auf die Sandsteingebilde und die Bäume unter mir, schaue aber doch lieber auf die Felsformationen in der Ferne und behalte die Plattform im Auge, auf die ich jetzt zurutsche. Dort wartet ein Mitarbeiter, fängt mich auf und befreit mich vom Seil. Danach weißt er mir den Weg zur Via Ferrata.

Über in den Fels geschlagene Eisenbügel klettere ich an der Wand entlang zur nächsten Zipline-Plattform. Diese hat allerdings keine Stufe, auf der man abstützen könnte, und schlagartig blockiert mein Gehirn bei der Vorstellung, einen Schritt in den Abgrund machen zu müssen. Panik kommt auf. Doch ein Zurück gibt es jetzt ohnehin nicht.

Die durchsichtige Netzbrücke

Zwei weitere Ziplines und einige Felsvorsprünge bringe ich auf der Via Ferrata hinter mich, bis ich vor der Spinnenbrücke stehe. Ein Mitarbeiter ist weit und breit nicht in Sicht. Also hoffe ich einfach mal, dass ich es richtig mache. Falls nicht, wird das mein sicherer Abgang sein, denn links und rechts vom Netz befindet sich schlicht nichts.

Kein Geländer, kein Schutzwall, gar nichts. Also nur ein Geflecht aus Seilen und darunter ziemlich viel Abgrund. Darüber ist allerdings ein Drahtseil gespannt, an dem ich jetzt die Karabiner festmache. Dann mache ich die ersten Schritte auf dem wackeligen Netz, das sich in sämtliche Richtungen bewegt und das Gleichgewicht zusätzlich zur Höhenangst noch erschwert.

Und da ist auch schon das Adrenalin. Mein ganzer Körper zittert, mein Herz rast und ich vertraue auf kontrollierte Atmung, um hier gerade nicht den Verstand zu verlieren. „Sehr schön. Weiter. Noch ein Schritt. Gut gemacht. Geh weiter“, rede ich auf mich selbst ein wie auf ein nervöses Pferd. Und irgendwie schaffe ich es mit reiner Willenskraft über die vielleicht 15 Meter lange Hängebrücke.

Nur noch zwei Ziplines. Zum Glück.

Weiter arbeite ich mich über die Via Ferrata hinauf zum höchsten Punkt des Zipline-Loops, wo eine große Aussichtplattform wartet. Dort wird mir eine Zwangspause verordnet. Wasser trinken soll ich. Ganz dumm ist die Idee wahrscheinlich nicht, denn ich bin nass geschwitzt. Sowohl vor Anstrengung als auch vor Nervosität.

Während ich auf einer Bank sitze und versuche, meine Nerven zu beruhigen, beobachte ich andere, die scheinbar völlig selbstverständlich über den Abgrund gleiten. Sie jauchzen, wedeln mit den Armen in der Luft, halten Selfie-Sticks und genießen eindeutig das Fliegen. Das kann ich jetzt von mir nicht gerade behaupten. Ich rede mir eher gut zu, dass ich ja schon die Hälfte geschafft habe.

Ich schaffe natürlich auch noch die letzten Ziplines und werde am Ende von applaudierenden Zuschauern empfangen. Vornehmlich bin ich aber einfach nur erleichtert, endlich am Ziel zu sein.

Fazit

Lohnt sich der Kletterpark? Ganz ehrlich, keine Ahnung. Deswegen trage ich lieber die Fakten zusammen. Das Equipment hat eine hohe Qualität und wirkt verlässlich. Die Einführung war etwas dürftig, aber ausreichend. Und wer nicht völlig dämlich ist, weiß natürlich auch, dass es wenig gescheit ist, beide Sicherungen gleichzeitig zu lösen, wenn man am Berg hängt.

Für diejenigen, die ein Problem mit Höhe haben, könnte es an den Plattformen der Ziplines schwierig werden, denn das Personal bringt sicher nicht die Sprachkenntnisse mit, um jemanden im Fall einer Panik zu beruhigen und alles noch einmal genau zu erklären.

Deswegen würde ich wahrscheinlich sagen: Wer Erfahrung im Klettern mitbringt und bereits den ein oder anderen Klettersteig gemeistert hat, für den lohnen sich die Ziplines und die Spider Web Bridge sicher. Bei mir war das allerdings nicht der Fall. Für mich ist es nämlich erst ein besonderes Erlebnis geworden, als ich danach wieder auf festem Boden stand.

Lage

Praktische Links

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