Kassel ist mehr als nur die Documenta. Diese alte Residenzstadt im Norden Hessens hat faszinierende Sehenswürdigkeiten zu bieten. Viele der Attraktionen stammen aus dem 18. Jahrhundert, als die Landgrafen von Hessen-Kassel ihre Residenz mit prächtigen Bauwerken schmückten. Interessante Orte findet ihr sowohl in der Stadt als auch oberhalb, in Kassel-Wilhelmshöhe. Kassel eignet sich wunderbar als Ausflugsziel – deshalb gilt jetzt: Ab nach Kassel! Unsere Reisetipps helfen euch bei eurem Städtetrip.
Top-Sehenswürdigkeiten in Kassel im Überblick
Eingebettet in bewaldetes Bergland erstreckt sich Kassel in einer weitläufigen Senke. Hier könnt ihr kilometerweit durch die Karlsaue wandern, mit der bezaubernden Orangerie als Ziel. Wenn ihr in die Innenstadt lauft, kommt ihr an beeindruckenden Bauwerken wie dem Kunsttempel Fridericianum oder dem Ottoneum mit seinem Naturkundemuseum vorbei.
Auf der Wilhelmshöhe gilt es, echte Preziosen spätbarocker oder klassizistischer Herrlichkeit zu entdecken: Schloss Wilhelmshöhe ist ein Schatzkästlein alter Meister der Kunst. Mit der Löwenburg hat sich der Landgraf seinen Traum vom Mittelalter erschaffen. Die spektakulären Wasserspiele ergießen sich im Park Wilhelmshöhe. Und ganz oben thront der monumentale Herkules über der gesamten Stadt. Kurzum, die Großstadt Kassel mit ihren 200.000 Einwohnern ist unbedingt eine Reise wert.
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1. Bergpark Wilhelmshöhe: Größter Bergpark Europas



| Fläche: | 2,4 Quadratkilometer |
| Must-Do: | Wandern |
| Entstehung: | Ab 1669 |
Umgeben vom Habichtswald könnt ihr hoch über Kassel einen wundervollen Landschaftspark genießen. Eine zentrale Parkachse, die Wilhelmshöher Allee, dient zugleich als Blickschneise. Sie führt schnurgerade von der Stadt hinauf in den Bergpark.
Hier oben fühlt ihr euch Lichtjahre entfernt von der Großstadt. Viele kommen wegen der Wasserspiele hier hinauf, die ursprünglich nur mit Hydraulik und ohne elektrische Pumpen funktionierten. Es gibt Wasserfälle, Grotten, Fontänen und anmutige Brunnen. Im Kern entstammt dieser Park der Barockzeit. Die Landgrafen von Hessen wollten mit diesem grandiosen Park und seinen prächtigen Bauten sogar Versailles Konkurrenz machen. Das ist ihnen gelungen.
2. Herkules-Denkmal: Monumentales Wahrzeichen von Kassel


| Höhe: | 71 m (mit Pyramide) |
| Geschaffen: | 1701 bis 1717 |
| Künstler: | Johann Jacob Anthoni |
Der Herkules, jener antike Held, der unbändige Kraft mit List verband, thront hoch oben über der Stadt Kassel. Weithin sichtbar könnt ihr den Halbgott schon von der Autobahn aus begrüßen.
Im 18. Jahrhundert wurde die Statue aus Kupfer gegossen. Sie steht auf dem Oktogon, einem achteckigen Schlossbau mit pyramidenartiger Spitze. Den Herkules am oberen Ende des Bergparks könnt ihr nicht verfehlen. Am Herkules beginnen die berühmten Kaskaden der Wasserspiele, die sich im Bergpark ergießen.
3. Schloss Wilhelmshöhe: Sommerresidenz der Landgrafen

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| Errichtet: | 1786 bis 1794 |
| Must-See: | Gemäldegalerie Alte Meister |
| Baumeister: | Simon Luis du Ry u.a. |
Klassizismus in Reinkultur erlebt ihr im Schloss Wilhelmshöhe, der Krone des gleichnamigen Bergparks. Es befindet sich auf halbem Weg zwischen Stadt und Herkules.
Die symmetrische Dreiflügelanlage wurde im Krieg stark beschädigt, nur im Weißensteinflügel könnt ihr noch einige authentisch erhaltene Räume aus dem 18. Jahrhundert sehen. Die kunstsinnigen Landgrafen haben faszinierende Gemälde und Skulpturen aus verschiedenen Epochen gesammelt. Im Schloss Wilhelmshöhe befinden sich sowohl die Antikensammlung als auch die Gemäldegalerie Alte Meister mit Werken von Albrecht Altdorfer, Rembrandt oder Rubens.
4. Löwenburg: Neugotische Burgruine


| Errichtet: | 1793 bis 1801 |
| Must-See: | Burgkapelle mit Gruft |
| Baumeister: | Heinrich Christoph Jussow |
Eine romantische Sehnsucht nach mittelalterlichen Burgen hatten nicht nur wir Heutigen. Schon Ende des 18. Jahrhunderts ließen sich die Landgrafen von Hessen-Kassel eine „mittelalterliche“ Burgruine errichten, einschließlich „zerfallenem“ Turm und massiven Steinquadern im Mauerwerk.
Die Löwenburg erhebt sich im südlichen Teil des Bergparks Wilhelmshöhe und wirkt wie eine englische Ritterburg. Sie ist überraschend groß; im Innenhof findet ihr die namensgebende Löwenskulptur. Hierher zog sich Landgraf Wilhelm IX. zurück und ließ sich auch dort begraben. Überseht also nicht eines der frühesten Bauwerke der Neugotik in Deutschland, wenn ihr den Bergpark besucht.
5. GRIMMWELT Kassel: Märchen der bekannten Gebrüder Grimm

| Gebrüder: | Jakob und Wilhelm Grimm |
| Must-See: | Erlebnisraum Grimmwelt |
| Eröffnet: | 2015 |
Hessen gehörte zu den reichsten Quellen mündlich überlieferter Märchen. Die Brüder Jakob und Wilhelm Grimm machten sich in den Dörfern auf die Suche, um diese Märchen zu Papier zu bringen. „Hänsel und Gretel“ oder „Das tapfere Schneiderlein“ wären sonst vielleicht gar nicht mehr bekannt.
In der interaktiven Grimmwelt könnt ihr euch zusammen mit der ganzen Familie den alten Märchen widmen. Außerdem lernt ihr die Brüder Grimm näher kennen; Exemplare ihrer „Kinder- und Hausmärchen“ werden mit handschriftlichen Kommentaren ausgestellt. In der Nähe befinden sich ein Grimm-Denkmal und die Torwache, der Wohnort der beiden.
6. Karlsaue & Orangerie: Grüne Lunge im Stadtzentrum von Kassel

| Lage: | 1701-1710 |
| Must-See: | Blumeninsel Siebenbergen |
| Einkehrtipp: | „Schloss Orangerie Der Grischäfer“ |
Mitten in der Stadt und doch in zauberhafter Natur: Im Staatspark Karlsaue nahe der Fulda könnt ihr ausgiebige Spaziergänge unternehmen und wunderschöne Durchblicke bis hinüber zur Orangerie genießen.
Diesen eleganten Barockbau am nördlichen Rand des Parks erreicht ihr vom Stadtzentrum in wenigen Minuten. Die Orangerie ist ein echtes Schmuckstück und beherbergt das Astronomisch-Physikalische Kabinett mit historischen wissenschaftlichen Geräten – zurzeit jedoch geschlossen. Schon allein wegen des Anblicks auf diese im Abendlicht erstrahlende, gelb schimmernde Sommerresidenz lohnt sich der Weg hinab ins Tal.
7. Fridericianum: Ort der Documenta Kassel


| Errichtet: | 1769 bis 1779 |
| Documenta: | Alle 5 Jahre |
| Kunst: | modern und zeitgenössisch |
Alle fünf Jahre findet die Documenta in Kassel statt, das international bedeutendste Festival für zeitgenössische Weltkunst. Seit Anbeginn im Jahr 1955 ist das Fridericianum einer der zentralen Ausstellungsorte. Auch sonst wird in diesem Museumsgebäude moderne und zeitgenössische Kunst gezeigt.
Das klassizistische Bauwerk entstand Ende des 18. Jahrhunderts. Im napoleonischen Königreich Westphalen tagte hier ein Parlament. Nach Kriegszerstörungen wurde das Fridericianum wieder aufgebaut. Es beherbergt heute die Kunsthalle und den Kunstverein Kassel. Beachtet den Zwehrenturm, der in das Fridericianum integriert ist – er ist ein Überbleibsel der alten Kasseler Stadtmauer aus dem Mittelalter.
8. Museum für Sepulkralkultur: Geschichte von Tod und Kult

| Lage: | Weinbergstraße |
| Must-See: | Betrachtungssärglein |
| Eröffnet: | 1992 |
Sterben müssen alle Menschen. Der Totenkult dient seit alters her dem Gedächtnis bei den Lebenden und gibt häufig der Hoffnung auf ein Jenseits Ausdruck. Das Museum für Sepulkralkultur widmet sich der letzten irdischen Reise.
Zu sehen sind prächtige Särge, Leichenwagen, prunkvolle Leichenkutschen, Trauertrachten und -schmuck. Skurrile und manchmal auch gruselige Objekte sorgen für einen gewissen Schauer. So geht es einem vielleicht auch, wenn man die mittelalterlichen Totentänze und andere Memento-mori-Darstellungen sieht. Die Betrachtung der aktuellen Friedhofs- und Bestattungskultur in Deutschland findet im Museum für Sepulkralkultur ebenfalls ihren Platz.
9. Naturkundemuseum im Ottoneum: Zuhause des Goethe-Elefanten

| Lage: | Steinweg 2 |
| Naturkundemuseum: | seit 1884 |
| Errichtet: | 1603 bis 1606 |
Sehnsucht nach Sauriern, Haien und Mammuts? Dann auf ins Ottoneum, zum berühmten Kasseler Naturkundemuseum. Hier könnt ihr die Giganten der Urzeit ebenso wie die Riesen der Meere als Skelette oder auch als rekonstruierte Präparate erleben.
Doch auch das Gebäude des Ottoneums selbst hat bereits eine 400-jährige Geschichte hinter sich. Es wurde unter Landgraf Moritz errichtet und beherbergt das faszinierende historische Naturalienkabinett der Fürsten. Dazu gehört auch der sogenannte Goethe-Elefant, dessen Schädel einst der große Goethe für seine Forschungen ausgeliehen hatte. Seit 1884 ist das Ottoneum ausschließlich Naturkundemuseum und ein echtes Highlight für Familien.
10. Markthalle Kassel: Ahle Wurscht im Marstall


| Lage: | Wildemannsgasse 1 |
| Geöffnet: | Donnerstags bis Samstags |
| Einkehrtipp: | Käptn’s Landpartie |
Das Kasseler Hessisch gilt als besonders zünftig. In der Markthalle könnt ihr es hören und dazu hessische Spezialitäten wie Ahle, also gereifte Wurscht, oder Griene Soße genießen. Dem Namen und dem Geschmack nach ist das kulinarische Hausmannskost vom Feinsten.
Die historisierenden Außenfassaden der Markthalle orientieren sich am landgräflichen Marstall, der zuvor hier stand. Im Inneren herrscht der Stil der Nachkriegszeit vor. Hier könnt ihr schlemmen, shoppen und gucken nach Herzenslust. Denn in der Markthalle trifft sich der ahle Kasseler auf eine Wurst – oder eben auf Kassler mit Sauerkraut und Kartoffeln, wobei allerdings diese Spezialität in Berlin erfunden wurde.
11. Documenta: Kunstwerke im öffentlichen Raum


| Documenta: | Erstmals 1955 |
| Must-Do: | Stadtrundgang zu den Kunstwerken |
| Must-See: | Penone-Baum, Karlsaue |
Alle fünf Jahre ist Kassel der Nabel der Kunstwelt. Dann bevölkern all die kunstaffinen Menschen das Documenta-Gelände. Die Feuilletons berichten über die neuesten Kunsttrends und bahnbrechendsten Kuratoren-Konzepte, die Straßen sind voller Hipster.
Einen Hauch von Documenta könnt ihr aber auch außerhalb dieser Ausnahmesituation erhaschen. Denn manche namhaften Künstler haben während vergangener Documenta-Ausstellungen ihre Spuren im Stadtraum hinterlassen. Die „7000 Eichen“ von Joseph Beuys wachsen zu immer stattlicheren Bäumen heran, Jonathan Borofskys monumentaler „Man Walking to the Sky“ begeistert, und das „Fremdlinge und Flüchtlinge“-Monument macht nachdenklich.
12. Bismarckturm Kassel: Trutziger Aussichtsturm


| Eröffnet: | 1904 |
| Gesamthöhe: | 25,5 m |
| Architekt: | Wilhelm Kreis |
Nordhessen ist waldreich und bergig. Im Hohen Habichtswald könnt ihr inmitten wunderschöner Natur Wanderungen unternehmen. Zum Naturpark Habichtswald gehört der 434 Meter hohe Brasselsberg. Hier erhebt sich der Bismarckturm auf einem Bergsporn.
Dieser 120 Jahre alte Aussichtsturm bietet euch einen grandiosen Ausblick auf das Kasseler Becken, den Herkules, das hessische Knüllgebirge und in der Ferne vielleicht sogar auf den Brocken im Harz. Doch auch der Turm selbst ist eine Sehenswürdigkeit – mit seinen massiven Quadern und seinem quadratischen Grundriss. Er folgt einem Typenentwurf mit dem martialischen Namen „Götterdämmerung“.
13. Kulturbahnhof Kassel: Hauptbahnhof der Kunst

| Lage: | Lage: Rainer-Dierichs-Platz 1 |
| Must-See: | Caricatura – Galerie für komische Kunst |
| Einkehrtipp: | Gleis1 |
Der Kasseler Hauptbahnhof heißt nur noch so, denn fast alle Fernzüge halten nur am Drehkreuz Kassel-Wilhelmshöhe oberhalb. Dieser ICE-Bahnhof wurde 1991 eröffnet und schob den bisherigen Hauptbahnhof ein bisschen aufs Abstellgleis. Man musste sich etwas einfallen lassen – und so entstand die Idee des Kulturbahnhofs.
In den Bahnhofsbauten ließen sich Kulturinstitutionen, Off-Spaces, eine Ausstellungshalle, Galerien und Restaurants nieder. Die Bali Arthouse-Kinos bieten Cineasten herausragende Filme. Und so ist der Kulturbahnhof heute ein Ort, wo immer etwas los ist – auch jenseits der Documenta, die hier ebenfalls einen Ausstellungsort hat.
Weitere Reisetipps in Hessen
Schon gewusst? Wenn ihr ab und zu mit dem Zug durch Deutschland fahrt, seid ihr bestimmt schon am Bahnhof Wilhelmshöhe vorbeigekommen. Von hier aus ist der wundervolle Park Wilhelmshöhe nur ein paar Stationen mit der Straßenbahn entfernt. Steigt doch mal aus – Kassel eignet sich zweifellos als Zwischenstopp für ein paar Tage. Die Stadt wurde zwar im Zweiten Weltkrieg stark zerstört, aber im Stil der Nachkriegszeit wieder aufgebaut.
Kassels Schönheit erschließt sich nicht immer auf den ersten Blick, aber wer bereit ist, gezielt zu suchen, wird nicht enttäuscht. Dies gilt ganz besonders für Fans der Kunst aller Epochen und für Menschen, die sich für weitläufige Parklandschaften und repräsentative Residenzbauten begeistern können. Und dann wären da noch die Kasseler Spezialitäten: Warmer Speckkuchen, Ahle Wurst und Grüne Soße warten auf euch.
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