Im Süden Strände, im Norden bergige Landschaft, Dschungel und in den Tälern ursprüngliche Dörfer. Myanmar ist vielseitig und bietet sicher zahlreiche Möglichkeiten, das Land auf sportliche Weise zu erkunden. So gehört Trekking im Shan-State (dem größten Staat des Landes) zu den beliebtesten Aktivitäten. Üblicherweise werden Routen rund um den Ort Hsipaw angeboten und Wanderungen von Kalaw zum Inle Lake.

Mehrtägiges Trekking in Hsipaw und Kalaw

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„Vielleicht bleibt ihr lieber 30 Meter hinter mir, falls ich irgendwo drauftrete,“ ruft Guide Erik über die Schulter. Einige in der Gruppe grinsen, andere werden etwas blass um die Nase. Offenbar kam der Humor in Sachen Landminen nur bedingt gut an.

Aus durchaus verständlichem Anlass, denn aktuell befinden wir uns zwischen den Fronten zweier Rebellengruppen, die sich in den umliegenden Wäldern und Hügeln verschanzt haben und ihre Gebiete mit selbstgebauten Sprengsätzen sichern.

Allerdings muss man das schon wissen, denn die Umgebung sieht nicht gerade nach Kriegsschauplatz aus. Blauer Himmel und Sonnenschein, Sonnenblumenfelder, Wasserbüffel und Feldarbeiter, die sich im Schatten der Bäume ausruhen. Zwei Jungen treiben einen Fahrradreifen die Schotterstraße hinunter und quietschen vor Vergnügen.

Nur noch wenige Gehminuten bis zu unserer Herberge für die erste Nacht.

Politische Lage im Shan-State instabil

Wanderorte:Hsipaw, Kalaw
Gehzeit / Tag:5 bis 8 Stunden
Unterkunftstipp:Baumhaus bei Hsipaw
Tourentipp:Von Kalaw zum Inle-See
Beste Reisezeit:Oktober bis Februar

Auch wenn in den vergangenen Jahren und aktuell nun wieder aufgrund des Prozessbeginns in Den Haag vor allem die Situation der muslimischen Minderheit Rohingya im Süden von Myanmar thematisiert wurde, so kriselt es doch auch im Norden.

Dort liefern sich örtlich Rebellengruppen immer noch Gefechte mit dem burmesischen Militär. Für Touristen ist der Zugang daher begrenzt. Stark frequentierte Orte wie Hsipaw oder Kalaw sind zugänglich, für andere Gebiete sind Genehmigungen erforderlich. Oft hängen vor Ort auch aktuelle Listen aus, zu welchen Regionen der Zugang untersagt ist.

Dass diese Warnungen ihre Berechtigung haben, zeigt der tragische Fall eines deutschen Reisenden, der Ende November 2019 im Norden von Myanmar ums Leben kam. Der 41-Jährige war ohne örtlichen Guide mit einem Roller in den Bergen unterwegs gewesen, hatte mehrere Checkpoints von Rebellengruppen und Militär passiert und schließlich auf einem Feld eine der selbstgebauten, mit Glasscherben gefüllten Splitterbomben ausgelöst.

Vorerst keine Übernachtung im Baumhaus

Mr. Bike ist derjenige, der vor Ort unter anderem die deutsche Botschaft unterstützt hat, den Leichnam aus den Bergen herunterzuschaffen. Er will mir Fotos des Unfallsortes zeigen, hat Aufnahmen von den Verletzungen. Ich verzichte.

Tragisch sei der Vorfall, erklärt der Betreiber der gleichnamigen Trekking-Agentur in Hsipaw. Auch deswegen, weil nun eines seiner beliebtesten Touren-Ziele gesperrt sei.

Üblicherweise biete er Trekking-Touren mit einer Übernachtung in einem Baumhaus an, täglich fragen mehrere Touristen danach, doch die Region sei nun durch den Unfall großräumig gesperrt – obwohl das Baumhaus und der Ort des Todesfalls weit voneinander entfernt seien.

Schlafen im Bettenlager und die eiskalte Dusche am Morgen

Die erste Nacht meiner zweitägigen Tour in Hsipaw ist eher kurz und ausgeschlafen fühlt sich anders an.

Trotz mehrerer Decken war ich stündlich wach, meine Nasenspitze ein Eiszapfen. Als ich die Treppe des traditionellen Wohnhauses zum Frühstück hinuntersteigen, kann ich kaum laufen. Der gestrige Tagesmarsch bergauf- und bergab durch die Sonne bei recht sportlichem Tempo in Kombination mit Schlafmangel macht sich jetzt in meinen Waden bemerkbar.

Um 6 Uhr war die Nacht dann endgültig zu Ende, weil die Mönche im benachbarten Kloster zum Gebet riefen und die Tiere in den umliegenden Häusern lautstark ihr Futter forderten. Der Kaffee nützt nicht viel, aber nach einer eiskalten Dusche mit Brunnenwasser aus einem schlichten Kübel bin ich mehr als hellwach.

Von Kalaw zum Inle Lake

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Szenenwechsel, aber die Situation ist dieselbe. Ich starre auf den Eimer voller Wasser und versuche, mich zu überwinden, ihn mir über den Kopf zu kippen. „Verd****te Sch***e“, rutscht es mir unfein heraus und einer meiner Mitreisenden grinst. „Richtig ernst wird es erst, wenn Leute in ihrer Muttersprache fluchen, oder?!“

Nach der zweitägigen Tour in Hsipaw habe ich gleich eine weitere Tour im weiter im Süden liegenden Kalaw angeschlossen. Eine Strecke, die wohl zu den Must-Dos in Myanmar zählt. In 3 Tagen mit 2 Übernachtungen wird der knapp 70 Kilometer lange Weg zum Inle Lake gegangen.

Anbieter gibt es in Kalaw zahlreich. Ich entscheide mich für Ever Smile, weil die Agentur von Frauen gegründet wurde. Eine Alternative ist auch noch Jungle King, die Tour ist auch minimal günstiger, hat aber den Ruf, eher etwas für Party People zu sein.

Wer bei der Distanz mal kurz nachgerechnet hat, wird merken, dass das mehr als 20 Kilometer Fußmarsch pro Tag bedeutet. Auch wenn die Tour mit einer Bootsfahrt über den Inle Lake abgeschlossen wird, muss man es ja erst einmal bis dahin schaffen. Alternativ gibt es aber auch Touren mit nur einer Übernachtung.

Tee-Plantagen, Dschungel und Eisenbahn-Schienen

Wer sich für die 3-tägige Tour von Kalaw zum Inle Lake entscheidet, sieht am ersten Tag besonders schöne Natur mit einem weiten Blick über grüne Berge voller Tee und schmale Pfade durch den Dschungel. Am zweiten Tag sind vornehmlich Reisterrassen, große Flächen voller Chili, der zum Trocknen ausgelegt wird, und Felslandschaften zu sehen.

Zwischendurch werden immer wieder, manchmal auch bei dem Marsch über noch aktive Eisenbahnstrecken, kleine Dörfer passiert, wo Menschen auf den Feldern arbeiten und die schwere Ernte auf den Köpfen nach Hause tragen.

Fazit

Auch wenn sich Reisende beim Trekking in Myanmar nicht im hochalpinen Raum befinden, so sind es doch die Umstände, die ziemlich auf die Kondition gehen. In Dörfern herrschen, sobald die Sonne untergegangen ist, nur noch wenige Grad über Null, sodass der Schlaf sicher kein erholsamer ist.

Am Tag gibt es nur wenig Schutz vor der Sonne und das Tempo ist bestimmt kein Spaziergang. Eine zumindest solide Fitness sollte also mitgebracht werden.

Da die Übernachtungen in traditionelles Guesthouses der örtlichen Familien stattfinden, sollte auch kein Luxus erwartet werden. Geschlafen wird mit der gesamten Gruppe im Feldlager, die Dusche ist draußen und besteht meist nur aus einem Kübel. Wer mit solchen Basic-Zuständen Schwierigkeiten hat, wird auf keiner der Touren glücklich werden.

Ein Highlight ist aber sicher die Herzlichkeit der Menschen vor Ort. Selbst wenn keine gemeinsamen Sprachkenntnisse vorhanden sind, wird mit Hand und Fuß kommuniziert und gefühlt wird das gesamte Essen, was das Dorf zu bieten hat, auch am Abend aufgefahren. Zum Nachspülen gibt es das Happy Water. Was das ist, werden Myanmar-Reisende schon sehr bald selbst herausfinden.

Lage

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