Um mich herum ragen Bergriesen in die Höhe. Die Gipfel sind weiß. Gletscher ziehen sich die Bergflanken hinunter. Es ist hochalpin. Unter den gigantischen Bergen ringsum ist König Ortler (3.905 m). Wolken umspielen den Gipfel. Dennoch werden wir den höchsten Berg Südtirols auf der ersten Etappe des Ortler Höhenwegs stets im Blickfeld haben und im Laufe der Tour hoffentlich zumindest einmal in seiner vollen Pracht sehen.

Lohnt sich die Wanderung über den Ortler Höhenweg?

Der Ortler Höhenweg ist eine anspruchsvolle Mehrtagestour rund um den Nationalpark Stilfser Joch. Auf insgesamt 7 Tagesetappen wird der höchste Berg Südtirols, der Ortler mit seinem 3.905 Metern, einmal umrundet. Dabei müsst ihr euch auf tägliche Gehzeiten bis zu 9 Stunden einstellen. Insgesamt werden auf der Tour 119,5 Kilometer Wegstrecke überwunden und sowohl im Auf- als auch im Abstieg gilt es über die gesamte Weitwanderung über 8.000 Höhenmeter zu überwinden.

Anreise zum Stilfser Joch

Länge:119,5 km
Etappen:7 Tage
Höhenmeter:↑ 8.126 m
↓ 8.126 m
Höchster Punkt:3.258 m
Beste Jahreszeit:Juni bis September

Wir parken das Auto in Stilfs in Südtirol. Von München kommend sind das knapp 3,5 Stunden Fahrzeit. Der schnellste Weg führt quer durch Österreich über Imst und Nauders in Richtung italienische Grenze. Denkt daran, dass ihr in Österreich auf Autobahnen eine Vignette braucht. In Italien wird die Maut auf Autobahnen je nach gefahrener Strecke abgerechnet. Falls ihr über den Brenner nach Italien fahrt, werden dort zusätzlich 10 Euro Mautgebühr fällig.

Von Stilfs aus geht es in etwa 30 Minuten hinauf zum Stilfser Joch (2.757 m). Insgesamt hat die berühmte Passstraße 42 Kehren und ist deshalb bei sportlichen Autofahrern oder Motorradfahren beliebt. Aber auch der Aussicht wegen lohnt sich die Auffahrt. Denn schon jetzt blickt ihr auf die geniale Bergkulisse von König Ortler.

Vorbereitung und Ausrüstung

Der Ortler Höhenweg ist aufgrund der Länge und Höhenmeter, die ihr jeden Tag bewältigen müsst, eher für fortgeschrittene Bergwanderer geeignet. Trittsicherheit, Kondition und Bergerfahrung sind notwendig. Auf der 4. Etappe wird sogar ein Gletscher gequert. Nehmt euch also einen Bergführer mit, wenn ihr keine Erfahrung mit Gletscherquerungen habt. Der bringt auch die erforderliche Gletscherausrüstung mit.

Ansonsten müsst ihr noch bedenken, dass ihr das Gepäck für die nächsten Tage auf dem Rücken tragen müsst. Packt den 30-40 Liter Rucksack also so, dass ihr zwar alles Notwendige dabei habt, aber euch dennoch nicht in Luxusgütern verliert. Für solch eine Wanderung reichen mir in der Regel zwei bis drei T-Shirts. Die können ja am Abend mal kurz durchgewaschen werden und anschließend am Rucksack trocknen. Die Schuhe, die ihr für die Tour wählt, sollten bequem und eingelaufen sein. Außerdem kann auf einigen Wegabschnitten noch Schnee liegen. Wählt also wasserdichte Schuhe, mit denen ihr auch beim Gehen im Geröll einen sicheren Halt habt.

Regenbekleidung und wärmende Sachen sind ebenfalls wichtig. Die Tour geht bis auf über 3.000 Meter hinauf. Selbst, wenn es im Tal sommerlich warm ist, ist es in dieser Höhe oft eher kühl. Mütze, Stirnband und Handschuhe sind nicht verkehrt. Auch, wenn ihr sie manchmal nicht spürt, solltet ihr die Sonne nicht unterschätzen. Sonnencreme, Sonnenbrille und evtl. auch ein Sonnenschutz für den Kopf gehören unbedingt in den Rucksack.

Für die Hüttenübernachtung benötigt ihr übrigens noch einen Hüttenschlafsack und ein Handtuch. Die Schlafplätze solltet ihr euch am besten vorab telefonisch reservieren. Je nach Hütte gibt es nicht nur Matratzenlager, sondern auch Zimmer, die ihr buchen könnt. Nehmt für Übernachtung und Essen ausreichend Bargeld mit. An vielen Hütten ist keine Kartenzahlung möglich.

Darüber hinaus solltet ihr ausreichend Getränke dabeihaben. Die könnt ihr auf der Hütte immer wieder auffüllen. Für unterwegs sind auch Snacks oder Riegel empfehlenswert.

Instatipp: Direkt auf der ersten Etappe habt ihr schon überall einen richtig guten Blick auf den Ortler. Die besten Fotos könnt ihr aber auf der gemütlichen Sonnenterrasse der Furkelhütte machen.

Etappe 1 vom Stilfser Joch nach Stilfs bergab

Die erste Etappe hat es bereits in sich. Höhenmeter gilt es zwar vor allem bergab zu überwinden, aber die Strecke zieht sich. Auch die 1.800 Tiefenmeter merkt man in den Beinen. Und in den Knien, wenn ihr damit Probleme habt. Vom Stilfser Joch geht’s aber zunächst bergauf zur Dreisprachenspitze. Der Hügel trägt seinen Namen noch aus der Zeit, in der Südtirol noch zu Österreich gehörte. Damals verlief am Gipfel der Dreisprachenspitze die Grenze zwischen Österreich, Italien und der Schweiz.

An historischen Stätten kommt ihr auf dem Rundweg immer wieder vorbei. So gibt es an verschiedenen Stellen noch Mauerreste und Ruinen ehemaliger Wehranlagen aus dem 1. Weltkrieg. Ein längerer Wehrgang, den ihr sogar begehen könnt, befindet sich unterhalb der Furkelhütte.

Zwar ist König Ortler heute selbst wolkenverhangen, aber wir geben die Hoffnung nicht auf, dass wir ihn auf unserer Tour zumindest einmal frei sehen werden. Daneben blicken wir immerhin schon auf die eindrucksvoller Trafoier Eiswand, auf die Madatschtürme und den imposanten Madatschgletscher. Auch die Geisterspitze und die oberen Skihänge des Sommer-Skigebiets am Stilfser Joch sind zu sehen.

Bis zur Furkelhütte genießen wir stetig das Panorama. Nur hab ich leider König Ortler nie in seiner ganzen Pracht gesehen. Bergführer Ernst, der uns begleitet hat, hatte mehr Glück. Zwischendurch hat er den Gipfel wohl durch sein Fernglas entdeckt und sogar zwei Bergsteiger kurz unter dem Ziel ausmachen können. Und noch während seiner Erzählung reift der Wunsch, selbst einmal am Gipfel zu stehen. Der Weg nach oben ist allerdings eine ausgewachsene Hochtour. Schlüsselstelle ist eine Kletterstelle im oberen dritten Schwierigkeitsgrad. Auch ansonsten sollte die Tour, die sicheres Steigeisengehen auf dem Gletscher voraussetzt, nur mit Bergführer oder der nötigen Erfahrungen begangen werden.

Ernst, der nach eigener Aussage habe er schon an die 1.000 Mal am höchsten Punkt Südtirols stand, bietet uns sofort seine Begleitung an und schwärmt von der sensationellen Aussicht. Das Panorama von oben sei gewaltig. Das erste Mal stand er übrigens im Alter von 13 Jahren am Gipfelkreuz.

Für uns heißt es an dieser Stelle aber erstmal „adé Panorama, hallo Wald“. Denn ab der Furkelhütte geht es vorwiegend im Schatten der Bäume bergab nach Stilfs. So können wir aber auch mal ein bisschen Strecke machen. Zuvor mussten wir ständig stehen bleiben, um Fotos zu schießen oder einfach nur zu staunen.

In 7 Tagen um den Ortler

Die Höhenmeter, die ihr auf der ersten Etappe absteigt, müsst ihr am nächsten Tag wieder rauf in Richtung Düsseldorfer Hütte. Besonders sehenswert ist die Umgebung in direkter Hüttennähe. Dort befindet sich ein kleiner See. Im Wasser spiegelt sich die Hütte gemeinsam mit der Silhouette der umliegenden Bergwelt.

Am dritten Tag geht es über das Madritschjoch in Richtung Madritschtal zur Zufallhütte. Im Winter ist das auch eine beliebte Gegend bei Skitourengehern. An der Zufallhütte gibt es übrigens sogar eine Sauna. Dort könnt ihr die müden Beine entspannen, bevor es am nächsten Tag auf die Etappe mit der Gletscherquerung geht. Wie gesagt, für diesen Teilabschnitt empfiehlt sich ein Bergführer.

Die Tour am vierten Tag ist bis zur ehemaligen Hallschen Hütte am Eisseepass noch gut machbar. Danach folgt die Querung des Langerferners. Der ist zwar recht flach, aber mit vielen Spalten versehen. Sobald der Gletscher geschafft ist, geht’s ab der Casatihütte wieder einfacher weiter zur Pizzini Hütte.

An Tag Fünf warten wieder etliche Tiefenmeter. Insgesamt müsst ihr im Laufe der Etappe über 2.300 m absteigen. Dabei solltet ihr die Augen offenhalten. Mit etwas Glück könnt ihr Alpensteinböcke sehen. Ziel ist San’Antonio. Hier könnt ihr zum Beispiel im Hotel i Rododendri oder im Hotel Zebru‘ übernachten.

Ziel der vorletzten Etappe ist der Cancano See mit der Berghütte Ristoro Monte Scale. Die Hauptwegstrecke schlängelt sich diesmal noch im Tal entlang, bevor es am Schluss bergauf in Richtung Lago delle Scale und Lago di Cancano geht. Am letzten Tag wandert ihr dann über 1.400 Höhenmeter wieder zurück zum Stilfser Joch.

EtappeStreckeDauer
1. Stilfser Joch bis Stilfs↑ 335 m ↓ 1.811 m7,5 Std.
2. Stilfs bis Düsseldorfer Hütte↑ 1.796 m ↓ 397 m9 Std.
3. Düsseldorfer Hütte bis Zufallhütte↑ 913 m ↓ 1.363 m7,5 Std.
4. Zufallhütte bis Pizzini Hütte↑ 1.008 m ↓ 585 m6,5 Std.
5. Pizzini Hütte bis Sant Antonio↑ 898 m ↓ 2.304 m8,5 Std.
6. Sant Antonio bis Cancano See↑ 1.400 m ↓ 792 m8 Std.
7. Cancano See bis Stilfser Joch↑ 1.400 m ↓ 918 m8 Std.

Fazit

Die Weitwanderung lohnt sich definitiv, wird aber kein Spaziergang. Schon die erste Tagesetappe ist lang und fordernd. So sind die Tage alle durchgeplant. Es gibt keine Etappe, die zum Ausruhen oder Entspannen da ist. Wenn ihr es ruhiger angehen möchtet, könnt ihr euch ja zwischendurch mal zwei Nächte auf einer Hütte genehmigen. Diese Pause solltet ihr euch vor allem nehmen, wenn das Wetter nicht sicher ist. Vor allem bei Gewittergefahr solltet ihr die Füße stillhalten.

Außerdem könnt ihr die Wanderung nach eigenem Belieben variieren. Zum Beispiel, indem ihr an einem anderen Startpunkt loslegt und die Tour mit einem Aufstieg auf den Ortler selbst verbindet.

Oder ihr macht die erste Etappe einfach als Tagestour. Sprich, es geht mit dem Shuttle rauf aufs Stilfser Joch und zu Fuß hinunter zum Auto zurück. Das lohnt sich auch anders herum. Und ihr bekommt schon so einen tollen Eindruck von der imposanten Bergwelt im Nationalpark Stilfser Joch.

Lage

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