Thüringen trägt den Namen „Grünes Herz Deutschlands“ nicht ohne Grund, denke ich mir gerade, während ich durch die dichten Wälder des Lauchagrunds spaziere. Hier erlebe ich Natur pur. Die einzigen Geräusche, die mich umgeben, sind meine Schritte auf dem Forstweg, das Rascheln der Blätter über meinem Kopf und das Plätschern der Laucha neben mir. Ich fühle mich wie in einem Märchenwald. Und als ich dann noch all die skurrilen Felsgebilde entdecke, weiß ich schon, dass dieser Ort nahe Bad Tabarz sich von seiner besten Seite präsentiert.

Lohnt sich die Wanderung durch den Lauchagrund bei Bad Tabarz?

Bad Tabarz ist ein Kneipp-Kurort südwestlich von Gotha mitten im Thüringer Wald. Direkt daneben ragt der Große Inselsberg in die Höhe. Und am Rand des Ortes beginnt direkt der malerische Lauchagrund. Die einzelnen Felsen, die teilweise spannende Formen aufweisen, lassen sich auf Vulkanismus zurückführen. Einige sind mittlerweile beliebte Kletterspots. Mehr als 200 Kletterrouten gibt es in dem Gebiet.

Wir tauchen über eine Wanderung tiefer in den Lauchagrund ein. Vom Zentrum in Bad Tabarz erwartet uns eine rund 8 km lange Rundwanderung vorbei an den Backofenlöchern, über den Roten Turm bis zum Aschenbergstein. Ihr solltet euch auf rund 300 Höhenmeter einstellen.

Fototipp: Vor allem die Backofenlöcher geben ein cooles Fotomotiv ab. Geht dazu noch ein paar Stufen hinauf, sodass ihr oberhalb der Höhle steht. Das ist die coolste Perspektive.

Anreise nach Bad Tabarz im Thüringer Wald

Ab Gotha kommt ihr bequem mit der Bahn nach Bad Tabarz im Thüringer Wald. Ohne Umstieg fährt die Bahn im Laufe des Tages alle 30 Minuten vom Bahnhof in Gotha ab. Für die Fahrzeit solltet ihr rund 1:00 Stunden einplanen. Auf dem Rückweg könnt ihr noch einen Stopp an der Marienglashöhle bei Friedrichroda machen. Hier gibt es ebenfalls eine Haltstelle direkt vor dem Eingang. So könnt ihr mit dem Lauchagrund und der Höhle zwei Highlights der Region verbinden.

Falls ihr mit dem Auto anreist, könnt ihr wahlweise in einer Seitenstraße von Bad Tabarz parken, oder auf dem Parkplatz vor dem Erlebnisbad Tabbs das Auto abstellen.

Wald-Idylle pur

Länge:8 km
Höhenmeter:300 hm
Gehzeit:3 Stunden
Einkehrtipp:Die Teigmacher
Beste Reisezeit:April-Oktober

Wir schlendern die ersten Meter durch den Kurort. Ich staune über die schönen Häuser, die rechts und links stehen. Freistehende Villen mit riesigen Fenstern und einladenden Verandas. Bad Tabarz ist ein hübsches Örtchen. Von hier starten wir auf die Wanderung in den Lauchagrund. Wir wandern vorbei an der Märchenwiese, an der verschiedene Installationen der Struwwelpeter-Figuren von Heinrich Hoffmann bewundert werden können. Auf der anderen Seite passieren wir einige Meter weiter den Steinpark mit Infos zu verschiedenen Gesteinsbrocken und einigen großen Dino-Skulpturen.

Anschließend tauchen wir in den malerischen Wald ein. Ich staune, wie still es plötzlich wird. Neben meinen eigenen Schritten auf dem Schotter höre ich nur das Rascheln der Baumkronen über mir und das Plätschern der Laucha neben mir. Es ist fast schon eine magische Atmosphäre, die durch einfallende Sonnenstrahlen, die in Lichtpunkten auf dem Boden tanzen, abgerundet wird. Hier herrscht Wald-Idylle, wie man sie sich aus dem Bilderbuch vorstellt.

Auf zu den Backofenlöchern und zum Torstein

Ich sauge den Geruch nach Moos und Harz auf. Und wandere dann steil bergauf. So idyllisch es eben noch war, so schweißtreibend wird der folgende Aufstieg. In wenigen, aber knackigen Meter geht es zu den Backofenlöchern hinauf. Nach einigen Stufen erreiche ich die riesige Höhle. Es sind eigentlich drei Höhlen nebeneinander. Das sieht man aber nur bei näherer Betrachtung. Auf den ersten Blick ist nur der mächtige Eingang des größten Loches zu sehen. Während ich bis zum Ende der Höhle gehe, fühle ich mich plötzlich winzig klein. Erstaunlich, was die Natur für Skulpturen formen kann.

Genau dasselbe Gefühl habe ich auch am Torstein, den wir bald darauf erreichen. Dieser Felsen macht seinem Namen alle Ehre. Er ist nämlich wie ein großer Durchgang geformt. Wie durch ein Tor spazieren wir hier hindurch. Auf der anderen Seite sehe ich dann schon das Ziel unserer Tour aufragen. Auf der anderen Seite eines kurzen Taleinschnitts kann ich den Aschenbergstein erkennen. Er wirkt so nah. Trotzdem zieht es sich noch ein bisschen, bis wir das Kreuz am Gipfel erreichen.

Über den Roten Turm zum Aschenbergstein

Wir steigen einige Meter ab und auf der anderen Seite wieder auf. Es geht noch tiefer in den Wald hinein. Ein schmaler Pfad führt uns in kleinen Serpentinen nach oben. Plötzlich ragt links von mir eine riesige Felswand auf. Ich lasse meine Hand über den feuchten, moosbewachsenen Stein gleiten. Sie fühlt sich angenehm kühl an. Unmittelbar daneben geht es weiter nach oben.

Ein paar Meter noch, dann erreichen wir den Roten Turm. Hier bin ich mal zum Klettern gewesen. Die frei stehende Felsnadel hält nämlich eine recht leichte Route bereit, die sich im III. Schwierigkeitsgrad bewegt. In Begleitung eines Kletterführers war das für mich zwar eine Herausforderung, aber schaffbar. Mit den Augen verfolge ich den Weg nach oben. Obwohl ich weiß, dass ich hier schon oben stand, wirkt die Route wieder unbezwingbar.

Noch krasser ist allerdings die imposante Wand, die wir kurz darauf am Aschenbergstein erblicken. Wir stehen oben am Gipfelkreuz und ich lasse den Blick in die Tiefe gleiten. Die Felswand fällt hier bis zu 50 Meter ab. Einige Kletterer mühen sich trotzdem gerade hinauf und ich ziehe meinen Hut vor jedem, der sich bis nach oben durchkämpft. Für die Klettertour auf den Aschenbergstein muss man schon ein wenig geübt haben. Die Aussicht entschädigt die Kletterer sowie uns Wanderer gleichermaßen. Wir schauen weit über den Lauchagrund hinweg, unter uns erstreckt sich eine schier endlose Waldfläche, und wir können im Hintergrund den Großen Inselsberg aufragen sehen. Wunderschön!

Fazit

Die Tour durch den Lauchagrund bei Bad Tabarz ist absolut empfehlenswert. Die weite Waldlandschaft vermittelt eine wohltuende Ruhe und gleichzeitig gibt es immer wieder Eindrücke, über die man staunen kann. Außerdem ist die Tour nicht unendlich lang. Man kann morgens nach dem Frühstück entspannt starten und ist locker im Laufe des Nachmittags zurück. Selbst, wenn man sich viel Zeit lässt. So ist die Route auch mit der Familie ein toller Ausflugstipp.

Je nach Kondition und technischen Fähigkeiten könnt ihr euch im Lauchagrund durch ausgedehnte Wanderungen mit knackigen Anstiegen oder gar bei Klettertouren auch sportlich verausgaben. Erkundet euch hier allerdings, wo ihr klettern dürft. Denn an den Backofenlöchern und am Torstein ist laut Hinweistafeln das Klettern verboten.

Wir sind im Anschluss bis in den Ort zurückgewandert und haben noch einen Stopp bei den Teigmachern eingelegt. Das gemütliche Café mit Getränkestand hält frisch gebackene Kuchen und super leckeres Sauerteigbrot bereit. Außerdem empfiehlt sich als entspannendes Kontrastprogramm ein Besuch des Erlebnisbad Tabbs. Dort könnt ihr anschließend im Whirlpool oder beim Bahnen ziehen richtig schön die Seele baumeln lassen.

Lage

Praktische Links

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