Schritt für Schritt geht es beim Wattwandern über sandigen, teils matschigen Untergrund. Das Meer der Nordsee ist gerade weit weg. Es ist Ebbe. Und ich setze einen Schritt vor den anderen. Obwohl alles noch feucht ist, ist es kaum vorstellbar, dass dieser Bereich an der Ostküste von Sylt mit all den kleinen Lebewesen bald wieder komplett geflutet sein wird.

Lohnt sich eine Wattwanderung auf Sylt?

Sylt ist nach Rügen, Usedom und Fehmarn die viertgrößte deutsche Insel und gehört zu den friesischen Inseln in der Nordsee. Bekannt wurde die Insel durch ihre Kurstädte Westerland, Kampen und Wenningenstedt. Heute sind die wenigstens Gäste der Insel der Anwendungen wegen da.

Stattdessen genießen viele Urlauber die Meeresnähe, vertreiben sich die Zeit bei Dünen- oder Wattwanderungen und lassen sich von der Vielzahl an gehobener Gastronomie verwöhnen.

Das Wattenmeer erstreckt sich nicht nur auf Sylt, sondern zieht sich von Dänemark bis in die Niederlande. Wenn Ebbe ist, und das Meer zurückgeht, bezeichnet man den freigelegten Abschnitt als Watt. Zwischen Hochwasser und Niedrigwasser liegen jeweils etwas mehr als 6 Stunden. Es wird also täglich zweimal überflutet. Seit 2009 ist der schleswig-holsteinische Teil bereits UNESCO-Weltnaturerbe.

Instatipp: Nahaufnahmen von Krabben und Schnecken solltet ihr euch hier nicht entgehen lassen.

Mit der Bahn nach Sylt

Ort:Sylt-Ost
Dauer:ca. 1,5 Std.
Führung:Ja, erforderlich
Ticketpreis:ab 9,50 Euro
Beste Reisezeit:April bis Oktober

Am gemütlichsten ist die Anreise nach Westerland auf Sylt mit der Bahn. Von Hamburg aus beträgt die Fahrzeit rund 3:45 Stunden. Ein Umstieg muss eingeplant werden.

Mit dem Auto könnt ihr hingegen nicht direkt auf die Insel fahren. Um überzusetzen, müsst ihr euch zwischen Fähre und dem Syltshuttle der Bahn entscheiden. Selbst die Anreise mit dem Flugzeug ist möglich. Flüge nach Sylt werden von vielen deutschen Städten, aber auch aus dem Ausland, angeboten. Das geht am schnellsten.

Wo ist das Meer?

Bei der Ankunft auf Sylt war das Meer noch ganz nah. Jetzt, nur wenige Stunden später, ist es weit weg. In einigen Prielen, also in den Kanälen, über die das Wasser abläuft und wieder kommt, ist noch Meer zu sehen. Ansonsten hat es sich fast bis zum Horizont zurückgezogen.

Der Geruch nach Salz und Küste hängt in der Luft. Zudem weht ein frischer Wind. Die Gruppe, die gleich an der Wattwanderung an der Ostküste von Sylt teilnehmen wird, zieht Schuhe und Strümpfe aus. Nur einer zieht lieber mit Gummistiefeln los. Ansonsten sind alle warm angezogen. Eine winddichte Regenjacke schützt vor den Böen.

Vorsicht vor der Flut

Einheimische gehen auch ohne Führer ins Watt. Touristen sollten die Wanderung mit Guide unternehmen. Denn das Meer hat auch bei Ebbe seine Tücken. Selbst wenn das Wasser noch weit weg scheint, können sich Prielen füllen, die den Rückweg abschneiden.

Auch bei plötzlich aufziehendem Nebel droht Gefahr. Denn dann ist die Orientierung ohne GPS oder Kompass kaum noch möglich. Zertifizierte Wattführer bringen euch in Sylt-Ost vorwiegend durch weiches Schlick- und Mischwatt. An einigen Stellen könnt ihr darin knietief versinken. In Hörnum, Kampen und List wartet hingegen eher festes Sandwatt auf euch.

Die meisten Wattwanderungen sind barfuß möglich und werden so sogar empfohlen. Informiert euch aber vorher noch mal genau über die von euch gewählte Tour. Denn in List gibt es beispielsweise auch Abschnitte, in denen viele spitze Muschelschalen liegen. Da sind dann doch eher leichte Schuhe oder Gummistiefel von Vorteil.

Barfuß durchs Wattenmeer

Der eine oder andere fühlt sich sichtlich etwas unwohl bei der Wanderung durchs Wattenmeer. Vor allem, wenn es durch tieferen Schlick geht, bei dem man nicht weiß, was darin so alles lauert. Da wird das Kopfkino ganz schön angeheizt.

Aber auch wenn das Watt sandig und fest ist, ist schnell klar, dass die karg erscheinende Landschaft doch sehr belebt ist. Da huschen Krebse vor den nackten Füßen weg, Wattschnecken sind ringsum und überall sind die eindeutigen Haufen der Wattwürmer zu sehen. Und all das erlebt man hautnah.

Bei einer Wattwanderung seid ihr mittendrin in der Natur. Das Meeresrauschen ist zu hören, Wind pfeift euch um die Ohren, Möwen kreischen über den Köpfen und der feuchte Sand schmiegt sich bei jedem Schritt spürbar um das Fußbett. Eine kurze Zeit bleiben die Abdrücke sichtbar. Dann verschwinden sie wieder. So als sei nie jemand dort entlanggelaufen. Dann gehört die Welt wieder der den heimischen Tieren.

Fazit

Bei einer geführten Wattwanderung geht es weniger darum viel Strecke zurückzulegen, sondern um das Erleben des UNESCO-Weltnaturerbe Wattenmeer mit all seinen Facetten. Dazu gehört, dass der Ranger euch durch die verschiedenen Wattformen führt (Schlickwatt ist wirklich sehr klitschig) und eure Sinne für die abwechslungsreiche Tierwelt schärft.

Anschaulich erklärt er den Teilnehmern die „Small Five“. Das sind Wattwürmer, Wattschnecken, Strandkrabben, Nordseegarnelen und Herzmuscheln, die fünf wichtigsten Tiere im Wattenmeer. Das finden Kinder genauso faszinierend wie Erwachsene. Vor allem, weil man das eine oder andere Tier auch mal hochnehmen und somit genauer studieren kann.

Außerdem gilt Wattwandern als gesund. Barfußlaufen ist ja sowieso sehr gut und gerade auf dem sandigen Untergrund bekommen die Füße bei jedem Schritt eine umfangreiche Fußmassage. Allerdings sind die Temperaturen an der Nordsee durch den Winter selbst im Sommer oft kühl. Zieht euch also auf jeden Fall warm und windgeschützt an.

Lage

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