Der Juliusturm in der Spandauer Zitadelle ist das älteste Gebäude Berlins. Er stammt aus dem frühen 13. Jahrhundert, von ganz oben ist die Aussicht grandios. Das wuchtige Mauerwerk der Zitadelle glitzert in der Sonne und spiegelt sich im Wasser, als wäre es federleicht. Diese Festung erhebt sich auf einer Insel in der Havel. Ein farbenfrohes Wappen mit Krone ziert das Eingangsportal. Ich überquere die Brücke und gehe hinein. Die riesigen Ausmaße des Festungsgeländes beeindrucken mich ziemlich. Kommt mit auf meinen Ausflug zur altehrwürdigen Zitadelle in Berlin-Spandau.

Lohnt sich ein Besuch der Zitadelle Spandau in Berlin?

Berlin wurde 1237 gegründet, aber der Stadtteil Spandau ist noch mindestens fünf Jahre älter. Der Spandauer Zitadelle sieht man an, dass sie in früheren Jahrhunderten ein Bollwerk gegen Angreifer war. Sie wurde im Zeitalter der Renaissance erbaut, hier suchten die preußischen Fürsten bei Kriegen Zuflucht. Aber als ich von der U-Bahn-Station hierherlaufe, deutet nichts auf alte Zeiten hin. Darum bin ich umso mehr überrascht, als ich die massive Festung mit dem berühmten Juliusturm erblicke.

Besucht ihr die Zitadelle Spandau, dann taucht ihr tief ein in die Geschichte der alten Hauptstadt Preußens. Denn Berlin bleibt in Sichtweite, besonders wenn ihr über die hölzerne Wendeltreppe auf den Juliusturm steigt und die Aussicht bis hinüber zum Berliner Fernsehturm genießt. Allein schon dafür lohnt sich der Weg vom Zentrum Berlins nach Spandau im Westen.

Fototipp: Vom runden Juliusturm aus habt ihr einen Panoramablick auf die gesamte Zitadelle und den Berliner Bezirk Spandau. Den mittelalterlichen Turm könnt ihr in voller Schönheit aufnehmen, wenn ihr ein paar Schritte in Richtung Wallanlagen am Wasser lauft.

Anreise zur Zitadelle Spandau

Lage:Berlin-Spandau
Anreise:S9 und U7
Must-Do:Juliusturm besteigen
Höhe:ca. 30 m
Besonderheit:3,60 m dicke Mauern

Von Berlin aus ist die Anreise nach Spandau mit öffentlichen Verkehrsmitteln beinahe ein Kinderspiel. Ich bin mit der S-Bahn-Linie 9 in etwa 30 Minuten von Berlin-Mitte bis zur S-Bahn-Station „Spandau“ gefahren. Von dort aus geht es zwei U-Bahn-Stationen zurück mit der U7 bis zur Haltestelle „Zitadelle“. Meistens ist das schneller als nur die U7 zu wählen. So seht ihr auf der Fahrt auch viel mehr von der Stadt.

Von der U-Bahn-Station aus dauert es zu Fuß auf der Straße „Am Juliusturm“ noch etwa 5 Minuten. Die Anfahrt mit dem Auto bietet sich eigentlich nur an, wenn ihr Spandau bei der Abreise aus Berlin noch „mitnehmen“ wollt.

Tickets und Führungen

Ich war im Herbst in der Zitadelle Spandau und hatte kein Problem, sofort ein Ticket (4,50 Euro) am Schalter zu bekommen. Im Sommer wird es voller. Dann dürfte eine Warteschlange an der Kasse keine Seltenheit sein. Die Tickets gelten für alle Museen und Ausstellungen auf dem Gelände. Am ersten Sonntag im Monat ist der Eintritt meistens frei. Samstags und sonntags gibt es am Nachmittag öffentliche Führungen durch die Spandauer Zitadelle. Einen Audioguide könnt ihr für einen kleinen Obolus immer bekommen.

Vergesst nicht, an der Kasse einen Lageplan mitzunehmen, sonst könntet ihr einige Attraktionen leicht übersehen!

Geschichte der Spandauer Zitadelle

Die Anfänge der Befestigungsanlagen auf der Havelinsel liegen im Dunkel der slawischen Besiedlung seit dem frühen Mittelalter. Spuren davon könnt ihr heute noch sehen. Im 12./13. Jahrhundert ließen die brandenburgischen Markgrafen eine Burg mit einem runden Bergfried und einem Palas erbauen. Beide sind bis heute erhalten. Im einstmals prächtigen Palas fanden fürstliche Audienzen statt. Die eigentliche Zitadelle entstand dann im 16. Jahrhundert auf Veranlassung der brandenburgisch-preußischen Kurfürsten.

Vier Bastionen wurden errichtet, die durch vier gleich lange Wälle verbunden sind. Sinnigerweise heißen zwei der Bastionen „König“ und „Königin“. Der alte Festungsgraben ist bis heute mit Wasser gefüllt. Der Grundriss sieht wie ein anmutiger Stern aus, aber das könnt ihr selbst vom Juliusturm aus nur erahnen. Den Erbauern ging es aber nicht um Schönheit, Angreifer sollten sich in keinem toten Winkel verstecken können.

Herrlich erhaltene Festung aus der Zeit der Renaissance

Die Zitadelle Spandau gilt als eine der besterhaltenen Festungen aus dem Zeitalter der Renaissance in Europa. Wirklich gekämpft wurde hier nur selten. Sie wirkte zu wuchtig und zu mächtig, sodass die Feinde eher einen großen Bogen um sie machten. Die Preußen übergaben die Zitadelle an Napoleon kampflos, bei den Befreiungskriegen 1813 explodierte ein ganzes Pulvermagazin und richtete große Zerstörungen an. Viele der Bauten auf dem Gelände stammen aus dem 19. Jahrhundert.

Jahrzehntelang wurde der Reichskriegsschatz im Juliusturm aufbewahrt, wovon eine massive Tresortür zeugt. Im Dritten Reich fanden hier Experimente mit Kampfgas statt. Letztlich haben die Nazis die Festung aber ohne Kampf den Siegern überlassen. Mittlerweile ist die Spandauer Zitadelle nicht nur ein faszinierendes Bauwerk, sondern auch ein wichtiges Kulturzentrum mit Museen, einem Theater und einer Kinderkunstschule.

Beste Aussichten vom Juliusturm

Wenn ihr das Innere des Juliusturms betretet, dann überseht nicht die massive Tresortür aus dem 19. Jahrhundert! Die knarzende Wendeltreppe ist ein Erlebnis für sich. Oben auf dem ältesten Bauwerk Berlins angekommen, werdet ihr bestimmt einige Zeit verbringen: Die Aussicht von dem 30 m hohen Juliusturm ist einfach großartig. Ihr seht die Altstadt von Spandau, Uferlandschaften der Havel, aber auch Industrieanlagen und das ferne Zentrum Berlins.

Ausstellung zur Geschichte und Archäologisches Schaufenster

Die Ausstellung zur Geschichte der Zitadelle im Kommandantenhaus ist kurzweilig und informativ. Viele originale Fundstücke, Gemälde und detaillierte Modelle von der mittelalterlichen Burg und der späteren Zitadelle werden präsentiert. Zu sehen ist zum Beispiel ein beinahe lebensgroßes Porträt des einäugigen italienischen Festungsbaumeisters Graf Rochus zu Lynar. Auch über die tierischen Bewohner der alten Gemäuer erfahrt ihr hier einiges. Denn auf dem Gelände der Zitadelle leben Schleiereulen, Turmfalken, Dohlen und viele Fledermäuse.

Wollt ihr das Archäologische Schaufenster sehen, müsst ihr ein bisschen suchen. Lauft um den mittelalterlichen Palas herum und haltet Ausschau nach einer Treppe hinunter. Auf Stegen könnt ihr über hölzerne Fundamentreste und Grundmauern einer mittelalterlichen Festungsanlage laufen. Ungefähr 400 Jahre alte jüdische Grabsteine mit hebräischen Inschriften haben mich besonders beeindruckt. Im 16. Jahrhundert wurden die Juden aus Spandau vertrieben. Äußerst bizarr: die Grabsteine vom Jüdischen Friedhof wurden damals als Baumaterial für die Festung verwendet.

Historische Kanonen und monumentale Denkmäler

In der alten Exerzierhalle im weitläufigen Innenhof sind historische Kanonen und Waffen gleich dutzendweise zu sehen. Die wertvollen Prunkgeschütze stammen aus dem 16. und 17. Jahrhundert. Das Proviantmagazin beherbergt eine außergewöhnliche Ausstellung. Unter dem Titel „Enthüllt. Berlin und seine Denkmäler“ werden hier Skulpturen aus vergangenen Jahrhunderten gezeigt. Dazu gehören Bildwerke von Kriegshelden aus preußischer Zeit, die im deutschen Kaiserreich besonders verehrt wurden.

Denkmäler des verhängnisvollen Militarismus bis in die Nazizeit hinein haben hier ihren Platz gefunden. Im öffentlichen Raum haben sie heute nichts mehr zu suchen. Auch ein Denkmal für Gefallene des 1. Weltkriegs aus der Zeit der Weimarer Republik wird hier präsentiert, es entging der Zerstörung durch die Nazis. Skulpturen von Lenin und anderen Helden des Kommunismus, die in der DDR die großen Plätze zierten, sind längst auf dem Müllhaufen der Geschichte gelandet. Hier könnt ihr einen monumentalen Leninkopf bestaunen, der wieder ausgegraben wurde.

Stadtgeschichtliches Museum und ZAK

Wer etwas mehr Zeit mitbringt, kann sich im Stadtgeschichtlichen Museum auf die Spur der Geschichte Spandaus begeben, das erst seit 1920 zu Berlin gehört. Das Museum ist im alten Zeughaus der Zitadelle untergebracht. Von einer Kutsche und einem Oldtimer über alte Elektrogeräte bis hin zu Filmrequisiten reicht die Bandbreite der Exponate. Bei meinem Besuch gab es eine Sonderausstellung zum Thema „Flucht und Migration im 19. Jahrhundert“.

Innovative zeitgenössische Kunst könnt ihr im Zentrum für aktuelle Kunst, kurz ZAK erleben. Unter dem Titel „Ausnahmezustand“ habe ich dort aktuelle polnische Fotokunst gesehen.

Theater, Kunst(schule) und besondere Events

In der Kunstbastion gibt es eine tolle Jugendkunstschule, wo die Kids sich künstlerisch entdecken können, auch eine Musikschule befindet sich auf dem Gelände. Im gotischen Saal im Palas finden immer wieder faszinierende Konzerte statt. Berühmt ist das „Citadel Music Festival“, das alljährlich Tausende Besucher anzieht. Kein Wunder, dass sich im passenden Ambiente Mittelalter- und Gauklerfeste sowie ein historischer Weihnachtsmarkt etabliert haben.

Und wo Kultur ist, darf ein Theater nicht fehlen: Das renommierte „Theater Zitadelle“ zeigt Puppenheater für Kinder und Erwachsene. Was Einkehrtipps angeht: Leider war die „Zitadellen Wirtschaft“ bei meinem Besuch geschlossen. Nur das kleine „Café Mätresse“ hielt die Stellung. Doch dies wird sich bestimmt bald ändern.

Fazit

Bringt ihr etwas Zeit mit bei eurem Aufenthalt in Berlin, dann lohnt sich der Ausflug nach Spandau auf jeden Fall. Berlin ist arm an Zeugnissen aus dem Mittelalter, umso wertvoller ist die Spandauer Zitadelle. Ungefähr zwei Stunden genügen, um den Juliusturm zu besteigen, etwas über die Geschichte der Zitadelle zu erfahren und ein bisschen an den Wallanlagen entlangzulaufen. Könnt ihr etwas mehr Zeit veranschlagen, dann würde ich besonders das Archäologische Schaufenster und die Ausstellung „Enthüllt. Berlin und seine Denkmäler“ empfehlen.

Habt ihr zufällig ein Kajak dabei oder wollt eines leihen, warum nicht ein bisschen um die Zitadelle herum paddeln? Spandau liegt am Zusammenfluss von Havel und Spree, hier gibt es absolut idyllische Uferlandschaften. Auch in der Spandauer Altstadt werdet ihr noch so manches Kleinod finden, z.B. das Gotische Haus, die St. Nikolai-Kirche oder das Viertel Kolk unweit der Zitadelle.

Lage

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