Traumhaft schön, atemberaubend: Es ist nicht übertrieben, diese Attribute für die sächsische Landeshauptstadt Dresden zu verwenden. Elbflorenz, wie die Stadt bei Fans und solchen, die es noch werden wollen, genannt wird, hat eine ganze Palette an Sehenswürdigkeiten für einen Städtetrip voller kultureller Highlights zu bieten. Der Dresdner Zwinger gehört neben der Frauenkirche und Semperoper zu den eindrucksvollsten Bauwerken der Elbmetropole Dresden.

Lohnt sich der Besuch im Dresdner Zwinger?

Es gibt Bauwerke, vor denen man sich als Besucher beim ersten Blick würdevoll verneigen möchte. Ein solches Gebäude ist der Zwinger in Dresden. Vor über 300 Jahren, zu Beginn des 18. Jahrhunderts, gab August der Starke den Auftrag zum Bau dieses einzigartigen Ensembles mit Gartenanlagen, Orangerien und reichlich Platz für Kunst und Kultur. Im Herzen der Dresdner Altstadt gelegen, beherbergt der Zwinger heute unter anderem die Gemäldegalerie Alte Meister. Die ausgestellten Werke geben einen spannenden Einblick in die Historie der Stadt – und weit darüber hinaus.

Fototipp: Das Kronentor ist wahrscheinlich das beliebteste Fotomotiv am Dresdner Zwinger. Ein weiterer Foto- und Einkehrspot ist die Felix Bar & Dachterrasse. Hier habt ihr von oben den Blick auf den Zwinger.

Warum heißt der Zwinger in Dresden Zwinger?

Der Name ist quasi vererbt worden. Und zwar von der ehemaligen Zwingeranlage am Kronentor. Als Zwinger bezeichnete man im Mittelalter den Teil der Festung zwischen der äußeren und inneren Festungsmauer lag. Der Dresdner Zwinger selbst war jedoch nie als Wehranlage geplant. Ursprünglich sollte hier ja der Vorhof eines neuen Schlosses entstehen.

Anreise zum Zwinger in Dresden

Lage:Sophienstraße, Altstadt
Baubeginn:1710
Öffnungszeiten:6 bis 22 Uhr
Must-See:Gemäldegalerie Alte Meister
Einkehrtipp:Felix Bar & Dachterrasse

Nicht nur in Zeiten von 9-Euro-Tickets ist Dresden eine empfehlenswerte Stadt zum Reisen mit der Bahn. Der Dresdner Hauptbahnhof liegt nur etwa 15 Minuten Fußweg von der historischen Altstadt entfernt. Zum Dresdner Zwinger seid ihr gerade einmal 5 Gehminuten länger unterwegs.

Ihr könnt auch mit der Straßenbahn fahren. Fast alle Linien bringen euch zur Haltestelle „Postplatz“, dem zentralen Knotenpunkt der Stadt. Von dort sind es nur noch weniger Meter bis zum Eingang. Kostenpflichtige Parkplätze für PKW findet ihr in unmittelbarer Nähe.

Durch das majestätische Kronentor zum Semperbau

Von weitem ist bereits das Kronentor mit seiner namensgebenden goldenen Krone, die den eigentlichen Hauptzugang zum Zwinger markiert, gut sichtbar. Über eine kleine Brücke, die über den Wassergraben führt, der den Dresdner Zwinger von zwei Seiten umschließt, geht es durch das majestätische Tor auf das Zwingerareal. Im Inneren befindet sich eine große, komplett mit barocken Pavillons und Galerien umbaute, Parkanlage. Rasenflächen und Springbrunnen sorgen für schlossartige Atmosphäre, die man so wohl eher in einem „echten“ Schloss erwartet hätte. Der Zwinger ist von 6 bis 22 Uhr geöffnet.

Direkt auf der gegenüberliegen Seite ist mit dem Semperbau das größte Gebäude der Anlage im Blick. Durch den großen Torbogen des Gebäudes ist die dahinter liegende Semperoper erkennbar. Es geht einmal quer durch die Parkanlage, denn der Semperbau soll das Ziel des Zwingerbesuchs sein. Hier ist die berühmte Gemäldegalerie Alte Meister und die Skulpturensammlung bis 1800 zu Hause. Um Wartezeiten an der Kasse zu vermeiden, ist ein Online-Ticketkauf im Vorfeld ratsam.

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Video-Tipp


Der Zwinger aus der Vogelperspektive
Erlebt das imposante Bauwerk aus der Luft.

Gemäldegalerie Alte Meister

Und schon geht es hinein in die riesige Ausstellung. Zunächst ist die Skulpturensammlung im Erdgeschoss dran. Zahlreiche Exponate, zum Teil aus vorchristlicher Zeit, erwarten euch hier. Über den Fahrstuhl oder die Treppe geht es in die oberen Etagen. Die Werke – teils mehrere Meter groß – beeindrucken nicht nur durch ihre Größe, sondern auch durch ihre Anzahl. Hunderte Bilder und Gemälde aus mehreren Jahrhunderten.

Warum ist der Zwinger in Dresden gebaut worden?

Im Jahre 1709 gab der damalige Kurfürst von Sachsen, Friedrich August I., der im Volksmund den Namen “August der Starke“ trägt, den Auftrag zum Bau des Dresdner Zwingers. Allerdings war sein Plan für den Zwinger ursprünglich ein ganz anderer. Er sollte nur ein Vorplatz eines neuen Schlosses werden. Der Palast hätte etwa an der Stelle seinen Platz gefunden, an der heute die berühmte Semperoper steht und sich von da aus über mehrere hundert Meter bis an die Elbe heran erstreckt. Die Dimensionen wären zweifelsohne gigantisch gewesen. Warum das Schloss am Ende nicht gebaut wurde? Die Pläne lagen wohl lange in der Schublade. Nach dem Tod von August dem Starken wurden sie schließlich verworfen.

Der Zwinger sollte mit seinen prunkvollen Bauten, den Goldverzierungen und Orangerien in erster Linie eins zum Ausdruck bringen: Macht und Reichtum. Geld spielte – wie so oft an königlichen Höfen – eher eine untergeordnete Rolle. So kam es schließlich auch dazu, dass der Kurfürst eine wahre Sammelleidenschaft für – damals sehr kostspielige – tropische Früchte, in seinem Fall Zitrusgewächse, entwickelte. Über 1.000 Exemplare soll er besessen haben. Zur damaligen Zeit – vor ziemlich genau 300 Jahren – galt es als nahezu unmöglich, die Pflanzen in Mitteldeutschland zu kultivieren. Es gelang ihm und seinen Hofgärtnern schließlich – mit immensem Aufwand. Seine Sammelleidenschaft bezog sich aber nicht nur auf exotische Gewächse, sondern auch auf Kunst.

Und so kam es, dass Mitte der 1850er Jahre, weit nach dem Tod von August dem Starken, ein neues Gebäude entsteht. Nach den Plänen von Gottfried Semper wurde über acht Jahre hinweg der Semperbau errichtet – und mit ihm haben die Kunstschätze des kurfürstlichen Hofes dann ein festes Zuhause: die Gemäldegalerie Alte Meister. 

Auch „Nicht-Kunstkenner“ erkennen schnell, dass das hier „was Besonderes“ ist. Sehenswert sind die zahlreichen Werke von Canaletto, der über viele Jahre hinweg Stadtansichten von Dresden und der Umgebung malte und durch den sächsischen Kurfürsten Friedrich August II. zum Hofmaler ernannt wurde.

Die weltberühmte Sixtinische Madonna

Ein absolutes Highlight ist die Sixtinische Madonna von Raffael. Das über 500 Jahre alte Kunstwerk ist weltberühmt. Dennoch dürfte wohl nur echten Kunstfans bekannt sein, dass es sich in Dresden befindet. Wahrscheinlich kennt aber fast jeder mindestens ein Detail des Gemäldes: die beiden, etwas dicklichen, kleinen Engel, die verträumt in die Luft schauen. Sie zieren mittlerweile T-Shirts, Kaffeetassen und andere Produkte weltweit. 

Die Werke Canalettos und die Sixtinische Madonna von Raffael sind beim Besuch im Dresdner Zwinger das Highlight – wenngleich es etwas schwer ist, „das“ Highlight überhaupt zu finden, denn eigentlich ist es der Zwinger schon selbst.

Der Mathematisch-Physikalische Salon

Das Zwingergelände ist aber nicht nur dafür berühmt, denn die einzelnen Bauwerke auf dem Gelände bieten weitere historische Schmankerl. Eines davon ist der Mathematisch-Physikalische Salon. Der Kurfürst war nicht nur ein begeisterter Sammler von Gemälden und exotischen Pflanzen. Er war auch in der Wissenschaft höchst interessiert. Und so stellte er eine beachtliche Sammlung an Teleskopen und Globen, aber auch mathematische Instrumente oder Uhren zusammen. Wunderwerke der Technik und jahrhundertealter Handwerkskunst.  

Die Porzellansammlung

Und dann wäre da noch die nicht weniger bedeutsame Porzellansammlung, die das Herz internationaler Liebhaber von Kunst und Kultur höher schlagen lassen. August der Starke hatte einen Hang zu schönen, außergewöhnlichen Dingen, was sich an allen Ecken und Enden bei einem Besuch des Dresdner Zwingers zeigt. So ging auch der „China-Hype“ Anfang des 18. Jahrhunderts nicht am kurfürstlichen Hof vorbei.

Tausende Exponate aus feinstem, fernöstlichen Porzellan wurden angeschafft, hauptsächlich Skulpturen und Figuren. Damit aber nicht genug: August der Starke kannte das „Rezept“ für die Herstellung von Porzellan – damals vermutlich als einer von sehr wenigen Menschen weltweit. Und er nutzte sein Wissen, um 1710 die weltberühmte Porzellanmanufaktur in Meissen zu gründen.

Einer der schönsten Brunnen der Barockzeit 

Der prunkvolle Springbrunnen im Dresdner Zwinger: Das Nymphenbad an einem Sommertag
Das Nymphenbad im Dresdner Zwinger ©neurobite

Eine weitere besondere Attraktion ist definitiv das Nymphenbad. Es liegt etwas versteckt auf dem Zwingergelände, hinter dem Französischen Pavillon, der sich aus Richtung Kronentor auf der linken Seite der Zwingeranlage befindet. Beziehungsweise direkt auf der gegenüberliegenden Seite des Glockenspielpavillons. Das Nymphenbad ist ein einzigartiger Springbrunnen, viel mehr eigentlich ein Wasserspiel. Ein kurzer Abstecher dorthin sollte bei keinem Besuch des Zwingers fehlen.

Fazit

Kunst- und Kulturliebhaber kommen im Dresdner Zwinger voll auf ihre Kosten. Wohl nur an sehr wenigen Orten auf der Welt, kann man eine solche Fülle von Highlights aus Kunst, Kultur und Architektur auf relativ kleinem Raum erleben. Für den Besuch des Zwingers kann gut und gern ein halber Tag des Städtetrips nach Dresden eingeplant werden. Alleine für die Gemäldegalerie solltet ihr mindestens drei Stunden einplanen.

Wer mag, kann im Anschluss noch die Porzellansammlung oder den mathematisch-physikalischen Salon in den anderen Gebäudeteilen des Zwingers besuchen. Bei der Zwinger-Xperience kann man sich zudem auf eine multimediale Zeitreise seit Beauftragung des Zwingerbaus im Jahr 1709 begeben. Prädikat: absolut sehenswert. Und für die ganz Unersättlichen geht es einmal quer über die Straße. Hier liegt das Grüne Gewölbe und bietet eine einzigartige Sammlung aus Schmuckstücken und Kunstwerken.

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