Unter uns glitzert der Walchsee türkisblau im Sonnenlicht. Hinter mir ragen die schroffen Felsflanken des Zahmen Kaisers und des Wilden Kaisers auf. Und ich kann bis zu den Leoganger Steinbergen und sogar zum Watzmann blicken. Ich bin mit dem E-Mountainbike zum Hausberg des Walchsees hinaufgefahren und staune nun vom Heuberg über das geniale Panorama im Kaiserwinkl.

Lohnt sich die Bike & Hike Tour zum Heuberg im Kaiserwinkl?

Der Walchsee liegt im Kaiserwinkl in der Nähe von Kufstein. Am Ufer des Sees befindet sich die gleichnamige Ortschaft. Bereits von hier unten sind die imposanten Türme des Zahmen Kaisers zu erkennen. Je höher ihr kommt, umso mehr wird der Blick auf den Wilden Kaiser freigelegt. Und neben den beiden schroffen Gebirgsriesen gibt es einige kleinere Aussichtsberge. Die eignen sich ideal, um sie mit dem Bike zu erkunden.

Eine Vorzeigetour ist zum Beispiel die Auffahrt auf den Heuberg. Der beliebte Aussichtsgipfel ist 1.603 m hoch. Hier könnt ihr raufwandern, oder euch auf den Sattel schwingen. Denn ein Großteil der 960 Höhenmeter auf der Tour wird über breite Forststraßen zurückgelegt. Zum Schluss gilt es noch einige Höhenmeter zu erwandern.

Fototipp: Die besten Fotos entstehen ganz oben am Gipfel. Wenn ihr zurückschaut, seht ihr die Wand vom Zahmen Kaiser aufragen. Der Fotograf kann die Szenerie am besten vom Gipfelkreuz einfangen. Dann könnt ihr euch etwas weiter unten auf dem letzten Absatz, bevor es wieder steil bergab geht, aufstellen. So erscheint ihr winzig klein vor der massiven Felswand.

Anreise nach Walchsee

Nach Walchsee kommt ihr bequem mit dem Zug. Per Bahn geht’s bis nach Kufstein und dann von dort mit dem Bus weiter bis nach Walchsee. Der Bus fährt mindestens einmal stündlich und ihr solltet für die reine Busfahrt vom Bahnhof in Kufstein etwa 30 Minuten einplanen. Wenn ihr also beispielsweise aus München anreist, seid ihr insgesamt etwa 2:00 Stunden unterwegs.

Falls ihr lieber mit dem Auto kommen möchtet, solltet ihr bei der Ausfahrt Oberaudorf von der Autobahn abfahren. Dann geht’s nur noch über Bundesstraßen weiter und so spart ihr euch die Maut, die auf der österreichischen Autobahn fällig werden würde.

Mit dem E-Bike zum Seeufer

Höchster Punkt:1.603 m
Höhenmeter:961 m
Strecke:18,5 km
Dauer:3:30 Stunden
Einkehrtipp:Burgeralm

Direkt gegenüber der Bushaltestelle befindet sich der E-Bike-Verleih. Wir leihen uns die Räder samt Helmen im Skibikestadl aus. Je nach Verleihdauer bekommt ihr auch ein Ladegerät mit, um die Bikes über Nacht aufzuladen. Wenn ihr also den Rucksack packt, lasst noch etwas Platz für das Ladegerät. Oder bringt es erst noch im Hotel vorbei, bevor es losgeht.

Ich setze den Helm auf, starte den Motor und trete im Eco-Modus in die Pedale. Hier in der Ebene geht das noch easy. Später, wenn es dann steiler wird, kann ich über Tour, E-MTB und Turbo je nach Wunsch und eigener Kondition die gewünschte Unterstützung zuschalten.

Bevor wir bergauf fahren, machen wir noch einen kurzen Abstecher zum Ufer des Sees. Das Wasser liegt ganz ruhig unter der Morgensonne. Ich bin ein bisschen gewillt, das Rad abzustellen und den Tag stattdessen hier zu verbringen. Wenn ich das gemacht hätte, hätte ich aber einiges verpasst. Also bleibe ich meinem Vorhaben treu, setze die Sonnenbrille auf und ärgere mich kurz, dass ich keine Fahrradhandschuhe dabei habe. Wenn ihr die Tour nachmacht, denkt ihr hoffentlich dran. Denn im Fall der Fälle sind die Handflächen wenigstens ein bisschen geschützt.

700 hm bergauf bis zur Hageralm

Dann trete ich die ersten Höhenmeter hinauf. Dieses Teilstück ist noch sehr angenehm zu fahren. Wir schlängeln uns über eine breite Forststraße nach oben. Nach einer steilen Kehre folgt eine steinige Forststraße. Dadurch wird die Fahrt zwar etwas ruckeliger und man muss etwas mehr auf die Spur achten, in der man nach oben tritt, ansonsten gibt es noch keine größeren Probleme.

Bis plötzlich vor uns eine Herde Kühe auftaucht. Gemächlich trotten die Tiere die Forststraße nach oben. Immer paarweise, sodass jeweils zwei Kühe nebeneinander spazieren. Es ist also kaum ein Durchkommen möglich. Der Landwirt, der mit den Tieren unterwegs ist, zeigt auf eine schmale Gasse. Er scherzt, indem er uns noch zuruft, dass es in 90 % der Fälle gut gehe, die Herde zu passieren. Ich weiß nicht, ob mich das in dem Moment beruhigt.

Nachdem wir die Kühe hinter uns gelassen haben, erreichen wir wenige Kehren später die Hageralm. Hier gibt es im Gastraum Kästen mit Getränken. Wer sich was nimmt, legt den entsprechenden Betrag in eine Kasse. Hier läuft also alles auf Vertrauensbasis. Auch eine Toilette gibt es. Die befindet sich laut Beschilderung im Kuhstall. Statt einer abgetrennten Kabine gibt es unmittelbar neben den Kühen, die genüsslich Heu fressen, eine Toilette mitten im Raum. Man kann zwar einen Vorhang als Sichtschutz zur Seite schieben, richtig ungestört ist man hier allerdings nicht.

Zu Fuß zum Gipfelkreuz

Wir lassen die Räder stehen und schließen sie an. Ab der Hageralm geht es zu Fuß weiter. Rund 200 Höhenmeter trennen uns noch vom Gipfel. In Gehzeit gesprochen sind das etwa 30 Minuten Fußweg bis hoch. In engen Serpentinen schlängelt sich der Pfad steil bergauf. Es ist ungewohnt, plötzlich zu Fuß unterwegs zu sein. Und ohne Hilfe des Motors.

Der Blick, der ganz oben auf uns wartet, entschädigt jedoch für alles. Der Heuberg ist ein frei stehender Aussichtsgipfel. Ich kann bis ins Inntal schauen. Daneben ragt der Zahme Kaiser auf und auch die eindrucksvollen Felswände des Wilden Kaisers sind zu sehen. Unter anderem blicke ich hier geradewegs auf die Leoganger und die Loferer Steinberge und ich kann den Watzmann erkennen. Und direkt unter meinen Füßen liegt der türkisblaue Walchsee. Ein genialer Ausblick!

Fazit

Die Tour zum Heuberg ist eine Vorzeige-Tour in der Region. An sonnigen Tagen während der Ferienzeit werdet ihr den Gipfel um die Mittagszeit wohl nicht für euch alleine haben. Wenn ihr euch nach Einsamkeit am Gipfelkreuz sehnt, solltet ihr entsprechend früh starten und bereits die Morgenstunden für die Auffahrt und den Aufstieg nutzen. Es empfiehlt sich, die Tour auf einen Tag unter der Woche zu legen und die Wochenenden zu meiden.

Anschließend lockt ein Sprung ins kühle Nass. Das solltet ihr euch nicht entgehen lassen. Am besten, ihr leiht euch ein Tretboot am Ufer des Walchsees aus und lasst auf dem Wasser den Tag entspannt ausklingen.

Wenn ihr eine weitere Tour in der Nähe sucht, kann ich die E-Bike-Tour zur Burgeralm empfehlen. Die Käserei begeistert mit hausgemachten Produkten und einer großen Sonnenterrasse. Wenn ihr hier Platz nehmt, ragt direkt vor euch der Wilde Kaiser auf.

Karte

Praktische Links

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