Immer mal wieder lichten sich die Bäume und wir haben kurzzeitig einen genialen Blick auf Innsbruck. Die Stadt liegt uns regelrecht zu Füßen und wird mit jedem Meter ein bisschen kleiner. Wir sind mit E-Mountainbikes an der Nordkette unterwegs und schrauben uns Kurve um Kurve nach oben. Bis zu unserem Ziel kommen wir an einigen Hütten vorbei. So können wir es uns zwischendurch auch kulinarisch richtig gut gehen lassen.

Lohnt sich die E-MTB-Tour an der Nordkette in Innsbruck?

Die Nordkette ist ein Gebirgszug des Karwendel, nördlich von Innsbruck. Wenn man in der Altstadt steht, kann man die imposante Bergkette direkt hinter dem goldenen Dachl aufragen sehen. Wer die Nordkette erkunden möchte, kann hinauf wandern oder mit der Seilbahn wahlweise bis zur Mittelstation an der Seegrube oder bis ganz nach oben zur Station am Hafelekar (2.334 m) fahren.

Oder ihr macht es wie wir und radelt die steilen Pfade nach oben. Eine wunderschöne Tour führt bis zur Höttinger Alm auf knapp 1.500 m Höhe hinauf. Dabei kommt ihr noch an weiteren Hütten vorbei. Zum Beispiel am Rechenhof und an der Arzler Alm. Insgesamt gilt es etwas mehr als 1.200 Höhenmeter und über 20 km zu bewältigen. Je nach Fitnesslevel könnt ihr die Strecke natürlich auch ohne Motor, also mit einem normalen Mountainbike fahren.

Fototipp: Ein toller Fotospot befindet sich direkt am Anfang in der Stadt. Dazu radelt ihr zum Inn. Die Szenerie mit den bunten Häusern auf der anderen Inn-Seite und der Nordkette im Hintergrund ist ein absoluter Hingucker. Und dann lohnt es sich, die Kamera ganz am Ende nochmal auszupacken und die Stadt von oben zu fotografieren.

Anreise nach Innsbruck

Da wir keine eigenen Bikes mitbringen, reisen wir bequem mit der Bahn an. Zwar gibt es hier auch Fahrrad-Waggons, jedoch sind diese Plätze oft ausgebucht, wenn man kurzfristig reserviert. Wenn ihr also vorhabt, eigene Räder mitzunehmen, solltet ihr die entsprechenden Züge schon weit im Voraus buchen. Dann dauert die Reise ab München etwa 1:45 Stunden.

Das nimmt sich im Vergleich mit dem Auto kaum was, ist aber deutlich entspannter. Vor allem, weil wir dann vor Ort in Innsbruck nicht auf Parkplatz-Suche gehen müssen. Die Parkhäuser in der City sind übrigens, wie in anderen Städten auch, recht teuer. Und an sich braucht ihr das Auto hier auch nicht mehr. Denn die gesamte Innenstadt ist super fußläufig zu erreichen. Zum Fahrrad-Verleih brauchen wir zum Beispiel etwa 15 Minuten.

E-Bikes ausleihen und los geht’s

Höchster Punkt:1.483 m
Höhenmeter:ca. 1.000 m
Strecke:24 km
Dauer:4 Stunden
Beste Reisezeit:Mai – Oktober

Wir haben uns die Bikes bei “Die Börse” ausgeliehen. Ich denke, dass ihr dort auch spontan vorbeischauen könnt, wir haben zur Sicherheit allerdings vorab schon Räder reservieren lassen. So warten bereits zwei geladene E-Mountainbikes vor der Tür auf uns. Dazu leihen wir noch Fahrradhelme und ein Schloss aus.

Nach einer kurzen Einführung kann’s dann auch schon losgehen. Die Technik ist nämlich selbsterklärend. Es gibt einen On-/Off-Schalter und daneben kann man die verschiedenen Unterstützungsmodi per Pfeiltasten hoch- und runterregeln. Ansonsten gibt es nur noch eine Akku-Anzeige. Das war’s.

Für die ersten Meter bekommen wir von den Mitarbeitern des Verleihs noch ein paar gute Tipps mit auf den Weg. Zum Beispiel, dass wir in der Altstadt selbst nicht radeln dürfen. Vor dem Goldenen Dachl, Stadtturm und Co. ist eine reine Fußgängerzone. In diesem Bereich sollte man das Bike also schieben. Außerdem werden wir noch darauf hingewiesen, rote Ampeln einzuhalten. Die Polizei sei bei solchen Vergehen sehr streng. Das versteht sich aber ja eh von selbst.

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Einfahren bis zum Rechenhof

Wir schwingen uns aufs Rad und peilen zuerst die Richtung zum Inn an. Damit halten wir gleichzeitig schon geradewegs auf die Nordkette zu. Dann geht’s einige Meter am Inn entlang, an der Altstadt und am Hofgarten vorbei und schließlich überqueren wir den Fluss über eine hölzerne Brücke. So weit, so gut. Danach wird es direkt steil. Wir kämpfen uns die ersten Steigungen hinauf und ich bin froh, die Unterstützung des Motors zu haben. Teilweise ist es so krass, das wäre selbst beim Wandern richtig steil.

So verlassen wir langsam die Stadt und das Gefälle nimmt irgendwie auch wieder ab. Oder wir haben uns dran gewöhnt. Gleichmäßig trete ich mich über asphaltierte Straßen immer weiter bergauf. Ich bin froh, dass wir nicht direkt auf Schotter starten. Dadurch habe ich noch ein bisschen Zeit, mich einzugewöhnen und mich mit Bike vertraut zu machen, ohne dass die Reifen wegrutschen oder ähnliches. Nach etwa einer dreiviertel Stunde erreichen wir dann den Rechenhof.

Podcast-Tipp


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von marlenesleben echte Insidertipps für Innsbruck!

#4 Innsbruck: Die Hauptstadt der Alpen feat. marlenesleben Bucketlist – Dein Reisepodcast

Zum Mittagessen zur Arzler Alm

Wir gönnen uns eine kühle Cola und satteln dann direkt wieder auf. Es liegen noch einige Höhenmeter vor uns. Mit der Weiterfahrt lassen wir auch die asphaltierte Straße hinter uns. Stattdessen folgen wir einem Forstweg bergauf. Solange niemand entgegenkommt, können wir also entspannt nebeneinander her treten. Auf diesem Stück geht es die meiste Zeit durch den Wald bergauf. Umso schöner sind die kleinen, lichten Stellen. Denn dann haben wir hin und wieder schon einen tollen Blick auf Innsbruck hinab.

Die Meter vergehen wie im Flug. Wir erreichen die Arzler Alm schneller als gedacht und damit pünktlich zur Mittagszeit. Vor der Hütte gibt es sogar eine Ladestation für E-Bikes. Mein Rad zeigt allerdings noch einen vollen Akku an. Ich muss also kein Kabel belegen. Stattdessen tanken wir lieber unsere eigenen Kraftreserven auf.

Eine Einheimische empfiehlt mir die Tiroler Blattln mit Kraut. Das Gericht ist nicht in der Speisekarte aufgelistet, sondern nur an der Tageskarte angeschrieben. Werft also unbedingt einen Blick auf die Tafel am Eingang. Und bestellt die Blattln, falls es sie gibt. Denn die haben mir richtig gut geschmeckt. Darunter versteht man in Fett ausgebackenen Kloßteig, der auf warmem Sauerkraut serviert wird. Lecker!

Eigentlich hätten wir an der Arzler Alm auch noch länger ausharren können. Aber die Aussicht auf Innsbruck könnte noch ein bisschen besser sein. Also lasse ich noch Platz im Magen und freu mich auf ein Dessert noch weiter oben an der Höttinger Alm. Denn die Aussicht auf einen leckeren Strudel motiviert mich fast noch mehr als das Panorama.

Genialer Blick auf Innsbruck von der Höttinger Alm

Ich schwinge mich also wieder auf den Sattel und merke in diesem Moment, dass mir mein Po weh tut. Ich bin keine langen Radtouren gewohnt. Das verdeutlicht mir mein Hinterteil in diesem Moment anschaulich. Na toll. Es sind immerhin noch 500 Höhenmeter bis zur letzten Hütte. Unruhig verlagere ich mein Gewicht in jeder Kurve von einer auf die andere Pobacke. Ich habe die Hoffnung, dadurch für ein bisschen Erleichterung sorgen zu können. Doch der Plan geht nicht wirklich auf.

Umso dankbarer bin ich, als wir die Hütte schließlich erreichen, die Räder anschließen und auf der großen Sonnenterrasse Platz nehmen. Wir suchen uns einen Tisch nahe des Geländers aus. Denn hier können wir richtig schön auf Innsbruck blicken. Dieser Blick entschädigt für die letzten Strapazen. Denn die Aussicht an der Nordkette ist einfach immer wieder schön.

Wir sehen den Patscherkofel mit seiner markanten Antenne auf der anderen Seite der Stadt, können in Richtung Brenner schauen und sehen rechts vom Taleinschnitt die schroffe Serles in die Höhe ragen. Schön! Wenn man genau hinschaut, sieht man auch noch die eine oder andere Sehenswürdigkeit in der Stadt selbst. Zum Beispiel, wie der Inn sich zwischen den Häusern durchschlängelt; und wir erblicken die Bergisel-Schanze. Außerdem ist der Hauptbahnhof gut zu erkennen. Da sind wir angekommen und da geht’s jetzt auch wieder hin zurück.

Fazit

Das Bergab fahren ist für mich beim Radeln die größte Herausforderung. Da bin ich nämlich ein kleiner Schisser. Ich lasse mir Zeit und komme gut runter. Wenn ihr geübter seid und Mut mitbringt, ist vielleicht auch die Abfahrt über den Arzler Alm Trail eine Alternative. Für dieser Route solltet ihr aber definitiv Mountainbiken können.

Theoretisch könntet ihr die Runde außerdem noch erweitern und bis zur Seegrube raufradeln. Ob ihr das macht, könnt ihr ja auch auch unterwegs noch entscheiden. Je nachdem, wie spät es schon ist und wie viel Motivation und Kraft ihr noch mitbringt.

Oder ihr ergänzt die Mountainbike-Tour mit einem Besuch im Alpenzoo. Der Tierpark, in dem ihr lauter heimische Arten bestaunen könnt, liegt nämlich direkt an der Nordkette. Hier gibt es sogar Braunbären. Gerade wenn ihr mit Kids unterwegs seid, ist das ein toller Abschluss der Tour.

Lage

Praktische Links

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