Der 1.790-Meter-hohe Heimgarten gehört zu den beliebtesten Wanderzielen in den Bayerischen Voralpen. Gründe dafür gibt es viele: der Blick auf den türkisfarbenen Walchensee, der Panorama-Weg über den Grad zum Nachbargipfel Herzogstand oder der fabelhafte Kaiserschmarrn auf der Heimgartenhütte. Die Wanderung ist mit dem ÖPNV machbar und kann mit einer Seilbahn-Fahrt abgekürzt werden. Wenn die Temperatur es zulässt: Badekleidung einpacken!

Lohnt sich die Wanderung auf den Heimgarten in Bayern?

Die Wandertour auf den Heimgarten und dann optional über den Grat zum Herzogstand gehört zu den schönsten Touren in Bayern. Der Aufstieg ist schattig und abwechslungsreich. Immer wieder sieht man im Südwesten den türkisblauen Walchensee – hier wurde auch übrigens Michael “Bully” Herbigs Kinofilm “Wickie und die starken Männer” gedreht. Das eigentliche Highlight folgt dann und ist optional: In etwa anderthalb Stunden geht es über einen exponierten, aber nicht zu schwierigen Gratweg zum Gipfel des Herzogstands. Man kann aber auch einfach vom Heimgarten wieder absteigen.

Fototipp: Bei dieser Tour kommt man aus dem Fotografieren nicht mehr heraus, schließlich hat man fast die ganze Tour über die “Karibik Bayerns” vor der Linse. Sucht euch einen freien Blick, vielleicht sogar auf halber Höhe, bei dem ihr den Walchensee mit seiner ganzen Pracht aufs Bild bekommt.

Anreise zur Herzogstandbahn

Ausgangspunkt:Talstation Herzogstandbahn
Strecke:9,2 Kilometer
Dauer:4:45 Stunden (variabel)
Höhenmeter:1.430
Einkehrtipp:Heimgartenhütte

Start- und Endpunkt der Wanderung ist die Talstation der Herzogstandbahn. Mit Bus und Bahn braucht man vom Münchner Hauptbahnhof knappe zwei Stunden. Stündlich gibt es einen Zug nach Kochel, anschließend nimmt man den Bus 9608 bis zur Haltestelle Walchensee Herzogstandbahn. Checkt unbedingt die aktuelle Verbindung. Es gibt immer wieder Streckensperrungen. Ich musste bei meiner Anreise zum Beispiel zweimal umsteigen.

Mit dem Auto fährt man zunächst die Autobahn 95 Richtung Garmisch, nimmt dann die Ausfahrt Murnau/Kochel bis Kochel am See, über Urfeld zum Walchensee. Die Adresse fürs Navi lautet “Am Tanneneck 6, 82432 Walchensee”. Von München aus braucht man für die Strecke etwa eine Stunde und 15 Minuten.

Früh aufstehen ist Pflicht!

Wie bei jeder Tageswanderung sollte man folgendes in den Rucksack packen: Bargeld, genug Essen und Trinken (mindestens zwei Liter Wasser oder Tee), eine Regenjacke, ein Erste-Hilfe-Set (am besten inklusive Zeckenzange), ein Wechselshirt für den Gipfel und gegebenenfalls Wanderstöcke, die müde Knie entlasten können. Im Sommer lohnt sich bei dieser Tour außerdem Badekleidung, denn der türkisblaue Walchensee ist direkt neben dem Parkplatz/der Bushaltestelle.

Egal ob im Sommer (Baden!) oder in der dunkleren Jahreszeit (Sonnenuntergang) – es lohnt sich, beizeiten wieder im Tal zu sein. Wer eine weite Anreise hat, sollte also früh aufstehen.

Aufstieg mit Blick auf den Walchensee

Der Weg beginnt am hinteren Ende des Parkplatzes und ist von vorneherein wunderbar ausgeschildert. Zunächst laufen wir auf einer Straße, dann wird daraus ein Forstweg und später ein Steig. Es geht aufwärts, erst über Stufen, dann auf einem steileren Waldweg. Um uns herum stehen Nadelbäume, die rechter Hand immer wieder die Sicht auf den türkisblauen Walchensee freigeben.
Nach etwa anderthalb Stunden sehen wir bereits unser Ziel vor uns: der 1.790-Meter-hohe Gipfel des Heimgartens. Über einen sonnigen Grassattel gehen wir ihm entgegen – zunächst einige Meter abwärts, dann am Hang entlang und schließlich in Serpentinen hinauf. Der Aufstieg ist zwar nur 5,8 Kilometer lang, jedoch müssen dabei 1.015 Höhenmeter überwunden werden. Ich und meine Freunde haben dafür knappe drei Stunden gebraucht.

Einkehr in die beliebte Heimgartenhütte

Die Heimgartenhütte ist beliebt. Deshalb sei jedem Wanderer geraten, früh aufzustehen, damit die Rast hier oben genau in die Mittagszeit fällt – und auf der Terrasse der Heimgartenhütte vielleicht noch ein Platz frei ist. Von hier oben hat man einen ausgezeichneten Blick auf den Walchensee und die umliegenden Gipfel.

Die Speisekarte ist eher übersichtlich und rustikal: Suppen, Brotzeit, Kuchen und – große Empfehlung – Kaiserschmarrn mit Preiselbeeren. Ein Blick auf die Nachbartische verrät: auch das ist längst kein Geheimtipp mehr. Wir bestellen unser Essen und die Getränke im Inneren der Heimgartenhütte, geben unsere Tischnummer an und bekommen alles zum Tisch gebracht. Nach der ausgiebigen Pause gehen wir die wenigen Meter zum eigentlichen Gipfel des Heimgartens.

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Über den Grad zum Herzogstand

Runter kommt man immer, die Frage ist nur wie. Bei der Wanderung zum Heimgarten gibt es verschiedene Optionen. Man könnte ganz simpel denselben Weg absteigen, um zum Parkplatz zu gelangen. Bus-und-Bahnfahrer können auch ganz flexibel zu einem anderen Ausgangsort wandern, zum Beispiel nach Ohlstadt.

Ich finde, wer schon mal hier oben ist, darf sich die Gratwanderung zum Herzogstand nicht entgehen lassen – sofern er oder sie die nötige Trittsicherheit mitbringt. Der Weg ist schwarz, hat einige Kraxel-Passagen und ist teilweise drahtseilgesichert. Insgesamt ist der Gratweg aber nicht so schlimm, wie er auf den ersten Blick scheint. Zwischen Latschen und Felsen, mit wenig Auf-und-Ab geht es in etwa anderthalb Stunden rüber zum Nachbargipfel – nicht ohne immer wieder stehenzubleiben, um den Blick auf Walchensee und Kochelsee zu genießen. Außerdem erwartet euch auf halber Strecker das Schlehdorfer Kreuz, ein kleiner Nebengipfel zu dem man in nur wenigen Minuten aufsteigen kann.

Auf dem Gipfel des Herzogstandes (1.731 m) befindet sich ein Gipfelpavillon. An jeder Seite gibt es eine Panorama-Karte, mit deren Hilfe man die umliegenden Berge identifizieren kann: z. B. den Krottenkopf, den Schafreuther, Guffert, Benediktenwand und Jochberg.

Abstieg oder Abfahrt mit der Herzogstand-Bahn

Nach dem Gipfelpavillion wird der Weg breiter und eignet sich auch für weniger mobile Bergfreunde. Nach etwa zwanzig Minuten erreichen wir das Berggasthaus Herzogstand. Dahinter geht es gelb beschildert in etwa 1:45 Stunden zurück zum Parkplatz. Wer es eilig hat, so wie ich an diesem Tag, kann auch mit der Herzogstandbahn wieder ins Tal fahren. Die Fahrt kostet 8,50 Euro und dauert nur fünf Minuten. Warum ich es eilig habe? Ich möchte vor Sonnenuntergang noch einmal in den Walchensee springen. Unweit vom Parkplatz, dem Start und Ziel der Wandertour, gibt es eine geeignete Badestelle.

Fazit

Der Heimgarten ist kein Geheimtipp und das hat einen Grund. Die Tour ist mit Bus und Bahn erreichbar und überzeugt mit ihrer Vielseitigkeit: Es geht durch Wald und über Wiesen, über kraxelige Stiege, auf einen sonnigen Gratweg und auf zwei oder wenn man will sogar drei Panorama-Gipfel. Für den knapp dreistündigen Aufstieg kann man sich mit einem der besten Kaiserschmarrn belohnen, den die Almen in Bayern zu bieten haben. Großes Plus ist auch die Möglichkeit, die Tour mit der Herzogstandbahn abzukürzen. Dann reicht auch die Zeit für ein Bad im Walchensee. Die Tour auf den Heimgarten lohnt sich auf jeden Fall!

Lage

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