Plötzlich ragt der rote Bundsandstein aus dem Meer. Wir sind auf Safari – und das hoch oben im Norden. Unser Ziel: Auge in Auge mit dem größten Raubtier Deutschlands, der Kegelrobbe. Lange Zeit galt sie in unseren Breiten als ausgerottet. Doch seit 2001 erholen sich die Kolonien auf der Hochseeinsel Helgoland. Hunderte Tiere können hier aus sicherer Entfernung beobachtet und fotografiert werden. Solche Momente kenne ich bisher nur aus Afrika! Und auch dorthin hatte vor allem die Anreise ihre Tücken.
Lohnt sich ein Besuch zur Jungtieraufzucht der Robben auf Helgoland?










Deutschlands einzige Hochseeinsel, Helgoland (Kreis Pinneberg, Schleswig-Holstein), liegt rund 50 Kilometer vom Festland entfernt und gilt im Winter als eine der Kinderstuben der Kegelrobben. Auf der vorgelagerten „Düne Helgolands“, dem Teil, der bei der Neujahrsflut 1721 von der einst großen Insel abbrach, kommen im Winter zwischen November und Januar Hunderte Kegelrobben zusammen, um ihren Nachwuchs zu säugen und aufzupäppeln.
Unterstützt werden sie dabei von zahlreichen Rangerteams, die dafür sorgen, dass sich Mensch und Tier nicht zu nahe kommen und die Jungtiere möglichst ungestört bleiben. Maximal drei Wochen werden sie gesäugt, dann sind sie auf sich gestellt. Auch deshalb ist es immens wichtig, einen Mindestabstand von 30 Metern zu den Tieren einzuhalten. Gleichzeitig kann neben Hunderten von Jungtieren zu dieser Zeit auch das Paarungsverhalten der Alttiere beobachtet werden. Zwischen den Männchen kommt es hierbei immer wieder zu Kämpfen.
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#helgoland
Sind Kegelrobben für den Menschen gefährlich?
Eine Begegnung mit Kegelrobben, vor allem mit paarungswilligen Bullen, kann durchaus gefährlich für den Menschen werden. Kegelrobben können bis zu 300 Kilogramm schwer und 2,5 Meter lang werden und kräftig zubeißen. Deshalb sollte man immer einen Mindestabstand von 30 Metern einhalten. Und genau das ist auch im Sinne der Jungtiere. Kommt der Mensch ihnen zu nahe, können sie dessen Geruch annehmen und anschließend von den Müttern verstoßen werden. Übrigens können Kegelrobben mit bis zu 20 km/h auch an Land ziemlich schnell werden.
Was ist der Unterschied zwischen Seehunden und Kegelrobben?
Grundsätzlich sind Seehunde deutlich kleiner als Kegelrobben. Am einfachsten erkennt man den Unterschied jedoch an der Kopfform: Seehunde haben einen rundlichen Kopf, bei Kegelrobben ist der Kopf eher lang gezogen. Beide Tierarten gehören jedoch zur Familie der Robben.
Fototipp: Klar, ihr könnt auf jeden Fall auf ein Smartphone mit Teleobjektiv zurückgreifen. Aber wenn ihr die Tiere wirklich fotografieren wollt, besorgt euch ein entsprechendes Teleobjektiv – am besten mit 600 mm –, um die Kegelrobben richtig in Szene zu setzen. Wenn ihr in der Gruppe unterwegs seid, achtet aufeinander. Im Winter sind die Tiere deutlich agiler, als man denkt. Da bieten auch die Zäune der Ranger nur bedingt Schutz.
Anreise nach Helgoland von Cuxhaven
| Lage: | Helgoland, Kreis Pinneberg |
| Einwohner: | knapp 1.300 |
| Anreise: | Fähre ab Cuxhaven |
| Tickets: | ca. 75 Euro (Hin- und Rückfahrt) |
| Beste Reisezeit: | Dezember & Januar |
Im Winter gibt es vor allem verlässliche Fährverbindungen von Cuxhaven aus, wobei es auch hier je nach Seelage zu Einschränkungen kommen kann. Ich bin mit dem Auto bis zum Fährhafen in Cuxhaven gefahren, wo man das Fahrzeug gegen Entgelt auch länger abstellen kann. Hier gibt es übrigens auch einen eher rudimentären Wohnmobilstellplatz.
Cuxhaven erreicht man aber auch gut mit dem Zug. Von dort geht es entweder zu Fuß oder mit dem Bus weiter bis zum knapp 2 Kilometer entfernten Fährhafen. Nach Helgoland gelangt man alternativ auch per Flugzeug, von Spieka oder Büsum aus. Wir haben uns für die Fähre ab Cuxhaven entschieden, die zu dieser Jahreszeit knapp drei Stunden benötigt. An Bord gibt es jedoch ein Restaurant, und man darf auch an Deck, um die Weite der Nordsee zu bestaunen oder sich der drohenden Seekrankheit zu entziehen.
Übelkeit auf hoher See
Am Tag unserer Anreise herrscht ordentlich Seegang, den wir spätestens in der zweiten Hälfte der Überfahrt auch deutlich zu spüren bekommen. Zu Beginn geht es geschmeidig und eher entspannt vorbei an großen Sandbänken und der Insel Neuwerk, doch dann setzt plötzlich die Hochsee ein. Und ich meine plötzlich. Bis zu vier Meter hoch türmen sich die Wellen der Nordsee, und neben dem „Weg von allem“-Gefühl stellt sich ein unangenehmes Bauchgefühl ein und schließlich sogar Übelkeit. Dem wirken jedoch die Mitarbeiter der Reederei entgegen, die in Kassetten am Gürtel über ausreichend Tüten in unterschiedlichen Stärken verfügen.
Auch die Stimmung auf dem Schiff verändert sich merklich. Viele Gesichter erinnern plötzlich an The Walking Dead. Der Seekrankheit entgeht man am besten im hinteren Bereich des Schiffes sowie oben an Deck. Es hat zwar etwas geregnet, aber für mich reichte die Regenjacke – die Tüte blieb glücklicherweise überflüssig. Ingwertabletten können ebenfalls helfen, allerdings braucht man davon mehrere und muss sie rechtzeitig vor der Überfahrt einnehmen. Die Rückfahrt war übrigens komplett ruhig und entspannt, auch ganz ohne Tablette.
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Mit der kleinen Fähre hinüber zu Helgolands Düne
Endlich erreichen wir unser erstes Ziel: Helgoland. Am Hafen klackt das Gepäck über das Pflaster, Möwen kommentieren alles lautstark – und irgendwo zwischen Unterland und Oberland merke ich schnell: Hier ticken Wege, Distanzen, Tage und auch Uhren anders. Helgoland selbst ist autofrei, es gibt aber eine Handvoll E-Taxis. Die benötigt man jedoch eher nicht, denn alles lässt sich bequem zu Fuß erreichen.
Wir bringen unser Gepäck schnell ins Hotel und machen uns auf zur zweiten Fähre, die uns für ein paar Euro hinüber zur Düne bringt. Je nach Wetter und Gezeiten variieren Abfahrtsort (Landungsbrücke oder Nordosthafen) und -zeiten. An Bord setzt spätestens jetzt die Spannung ein, denn mit jedem Meter Wasser nähern wir uns unserem eigentlichen Reiseziel: Deutschlands größtem Raubtier.
Hunderte Kegelrobben am Strand
Wir starten in Richtung Panoramaweg, einem Holzbohlenpfad, der zum Schutz der Tiere angelegt wurde. Noch vor der Düne kommt es zur ersten Begegnung – und das auf einem Spielplatz. Eine knapp zwei Meter große Mutter hat es sich dort mit ihrem Jungen unter der Rutsche gemütlich gemacht. Doch ich muss mich kneifen, mir quasi einreden, dass dort wirklich eine Kegelrobbe liegt. Die Szene wirkt völlig surreal und ist doch nur ein kleiner Prolog zu dem, was noch folgen soll.
Wir stapfen die Düne hoch und können unseren Augen kaum trauen. Hunderte Seehunde und Kegelrobben, zahlreiche Jungtiere, Grunzlaute, Brüllen und Jungtierrufe von allen Seiten. Der ganze Strand ist mit wilden Tieren bedeckt. Ab jetzt heißt es, Abstand zu halten und aufmerksam zu sein. Denn zwischen säugenden Müttern und den eher süßen Momenten mit dem Nachwuchs bölken immer wieder auch die bis zu 2,50 Meter großen Männchen, die sich gegenseitig ankeifen. Mindestens 30 Meter sollten, auch deshalb, zwischen euch und den Tieren liegen. Packt eure Ferngläser und etwas zu essen ein: Das hier ist wie Kino, nur in echt.
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Fazit
Für mich waren diese Begegnungen eines der absoluten Reise-Highlights des Jahres. Wer tier- und naturverbunden ist und außerdem gerne an der rauen See unterwegs, wird Helgoland mit seinen Kegelrobben definitiv lieben. Besonders zu dieser Jahreszeit ist es tendenziell eher ruhig, da kaum Tagesausflügler unterwegs sind. Ohnehin empfehle ich euch, mindestens eine Nacht auf Helgoland zu verbringen.
Auf der Insel selbst solltet ihr unbedingt zur Langen Anna, dem Wahrzeichen Helgolands. Es gibt einen Rundweg am Klippenrand im Oberland, der in knapp einer Stunde um die Insel führt. Dabei kommt ihr auch am Lummenfelsen vorbei, an dem zahlreiche Vögel nisten.
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