Ich biege um eine Kurve, und plötzlich liegt das Kloster Montserrat direkt vor mir. Zwischen den hellgrauen, rund geschliffenen Felsnadeln wirkt die Benediktinerabtei fast unwirklich klein. Je höher ich steige, desto eindrucksvoller wird der Kontrast zwischen den bizarren Felsen und den historischen Gebäuden, die sich an den Berghang schmiegen. Wer hätte gedacht, dass ich nur eine Stunde von Barcelona entfernt eine so ursprüngliche Bergwanderung finde?
Lohnt sich die Wanderung zum Kloster Montserrat?






Das Kloster Montserrat liegt auf etwa 720 Metern Höhe und schmiegt sich spektakulär an die steilen Felswände. Die Benediktinerabtei aus dem 11. Jahrhundert ist ein bedeutender Wallfahrtsort Kataloniens. Heute leben hier noch etwa 80 Mönche, und jährlich kommen 2 bis 2,7 Millionen Besucher. Aber auch die außergewöhnliche Landschaft ist eine Attraktion. Das Gebirgsmassiv Montserrat erhebt sich rund 50 Kilometer nordwestlich von Barcelona und verdankt seinen Namen den sägezahnartigen Gipfeln.
Hinauf kommt ihr mit der Zahnradbahn oder der Seilbahn, deutlich ursprünglicher ist aber die Rundwanderung ab Collbató. Die Tour dauert je nach Kondition etwa sechs Stunden und belohnt mit ständig wechselnden Perspektiven auf das Kloster und die umliegende Bergwelt. Der Weg führt durch duftende Pinienwälder, über alte Pilgerpfade und vorbei an den charakteristischen Felsformationen, die Montserrat weltberühmt gemacht haben.
Fototipp: Die schönsten Aufnahmen gelingen vom Mirador de Montserrat. Von hier sieht man das Kloster vor den steil aufragenden Felsnadeln. Der Aussichtspunkt ist übrigens auch sehr gut geeignet, wenn ihr selbst mit aufs Bild wollt.
Anreise nach Collbató
| Strecke: | 13,8 km |
| Höhenmeter: | 1.134 m |
| Gehzeit: | knapp 7 Stunden |
| Einkehrtipp: | Monserrat |
| Schwierigkeit: | mittel |
Ausgangspunkt der Wanderung ist das kleine Bergdorf Collbató am Südhang des Montserrat-Massivs. Von Barcelona erreicht ihr den Ort mit dem Auto in etwa 45 Minuten über die Autobahn A-2 Richtung Lleida. Kostenlose und kostenpflichtige Parkmöglichkeiten befinden sich am Ortsrand sowie in der Nähe des historischen Ortskerns.
Wer mit den öffentlichen Verkehrsmitteln anreist, fährt ab der Plaça d’Espanya mit der Regionalbahn R5 entweder bis Montserrat-Aeri, von wo die Seilbahn in fünf Minuten zum Kloster führt, oder bis Monistrol de Montserrat, wo ihr in die rund 15 Minuten dauernde Zahnradbahn umsteigt. Achtet darauf, an der jeweils richtigen Haltestelle auszusteigen, da Seilbahn und Zahnradbahn unterschiedliche Bahnhöfe bedienen.
Zieht unbedingt feste Schuhe an, da einige Abschnitte steinig und stellenweise recht steil sind. Besonders in den Sommermonaten solltet ihr ausreichend Wasser mitnehmen und euch mit Sonnenschutz eincremen, denn Schatten ist auf vielen Wegabschnitten Mangelware.
Auf dem Pilgerweg von Collbató zum Kloster Montserrat
Collbató liegt ruhig im Morgenlicht, als ich durch die schmalen Gassen des Dorfes laufe. Hinter den letzten Häusern beginnt der historische Camí de les Bateries, einer der schönsten Aufstiegswege zum Kloster. Schnell gewinne ich an Höhe. Bald passiere ich die Hauptattraktion von Collbató: die Cuevas de Salnitre, eine Höhle, die man auch besichtigen kann. Nach der Höhle sind weitaus weniger andere Wanderer auf den alten Pilgerpfaden unterwegs.
Der Weg schlängelt sich zwischen niedrigen Kiefern, Rosmarinsträuchern und zerklüfteten Felsen bergauf. Immer wieder öffnet sich der Blick über die Ebene Kataloniens bis weit in die Ferne. Schließlich erscheint erstmals das Kloster zwischen den Felsen. Aus der Entfernung wirkt es wie an die steile Felswand geklebt.
Auch interessant: Freizeitpark am Hausberg von Barcelona



Die Klosteranlage von Montserrat
Ich gehe ein Stück hinab, vorbei an religiösen Skulpturen und Gemälden, und erreiche schließlich Montserrat. Hier ist wieder ordentlich was los: Ich sehe andere Wanderer, aber auch Besucher mit Kleinkindern, Rollkoffern und Sandalen. Zum Kloster kommt man nämlich auch ohne Probleme mit der Zahnradbahn oder der Seilbahn. Drumherum haben sich Hotels und Restaurants angesiedelt. Es gibt auch ein Kunstmuseum und jetzt gerade ein illustres Markttreiben: Mehrere Stände verkaufen Honig, Käse, Feigenbrot und andere regionale Spezialitäten. Ich kaufe eine Tüte mit Käsestückchen und fülle hier vor Ort meine Wasserflasche auf.
Ich bin zwar ausschließlich zum Wandern hier, aber ein bisschen neugierig bin ich schon. Also mache ich einen kleinen Abstecher auf den Vorplatz des Klosters und lasse die Anlage von außen auf mich wirken. Wer Zeit und Lust hat, kann das Kloster besichtigen. Eine Reservierung im Voraus ist empfehlenswert. Ich gehe weiter, wieder ein Stück aufwärts.
Durch die Felsenwelt zurück nach Collbató
Ich gehe weiter, wieder ein Stück aufwärts und dann einen kleinen Umweg nach links, wo der beste Fotospot zu finden ist. Hier hat man auch noch einmal einen tollen Blick auf die berühmten Felsformationen. Die ungewöhnlichen Formen entstanden über Millionen Jahre durch Wind und Wasser. Manche erinnern an riesige Finger, andere an Türme oder versteinerte Figuren.
Mein Rückweg führt mich in südwestliche Richtung. Ich komme an einer kleinen Kapelle vorbei, vor der einige Touristen pausieren. Kurz danach wird es deutlich ruhiger und ich begegne nur noch wenigen Wanderern. Der Weg schlängelt sich zwischen Kiefern, Sträuchern und den markanten Felsen hindurch. Immer wieder öffnen sich schöne Ausblicke ins Tal und nach Collbató. Nach knapp sechs Stunden erreiche ich den Ort schließlich wieder, müde und sehr hungrig, aber begeistert von der außergewöhnlichen Landschaft des Montserrat-Massivs.
Auch interessant: Schlucht von Mont-Rebei
Fazit
Die Rundwanderung ab Collbató ist für mich die schönste Art, Montserrat zu erleben. Statt nur mit der Seilbahn oder der Zahnradbahn zum Kloster zu fahren, erlebt ihr das Bergmassiv Schritt für Schritt und genießt immer wieder neue Ausblicke auf die markanten Felsen. Plant ausreichend Wasser ein und startet möglichst früh am Morgen, falls ihr spontan noch etwas Sightseeing einplanen wollt.
Wenn ihr noch Zeit habt, lohnt sich anschließend ein Bummel durch das historische Zentrum von Collbató oder ein Abstecher zu den Coves del Salnitre, einem beeindruckenden Höhlensystem am Fuß des Montserrat. Wer seinen Aufenthalt verlängern möchte, erreicht außerdem Barcelona in weniger als einer Stunde und kann den Wandertag dort entspannt ausklingen lassen.
Schreibe einen Kommentar