Um mich herum liegen riesige Felsbrocken. Ich fühle mich winzig zwischen den mächtigen Steinen. Vor allem, wenn ich den Kopf in den Nacken lege und den Blick die imposante Wand des Latemar nach oben gleiten lasse. Zwischen unzähligen Felsen hindurchsteige ich über steinerne Stufen nach oben. Dann werfe ich einen Blick zurück… und bin fasziniert. Denn hinter mir ragt eindrucksvoll der Rosengarten auf. Ich bin mittendrin in einer wunderschönen Dolomitenlandschaft. Wahnsinn!

Lohnt sich die Wanderung durch den Labyrinthsteig am Latemar?

Der Labyrinthsteig liegt direkt am Fuße des Latemar in den Dolomiten in Südtirol. Der Name kommt nicht von ungefähr. Denn ähnlich wie in einem Labyrinth schlängelt sich der Weg an steil aufragenden Felswänden entlang. Teilweise geht es auch unter Felsblöcken hindurch oder über steinerne Brücken hinweg. Die Brocken, die hier liegen, waren nicht schon immer da. Im Zuge mehrere Felsstürze sind die riesigen Gesteinsmassen vom Latemar abgebrochen und haben diese besondere Mondlandschaft gebildet.

Für die Runde über die Latermarwiese, einmal durch das Labyrinth und wieder zurück zum Ausgangspunkt am Karerpass solltet ihr rund 3 Stunden einplanen. Der Weg führt über insgesamt 12 Kilometer und es gilt mehr als 500 Höhenmeter zu überwinden. Wenn ihr die Tour etwas straffen möchtet, könnt ihr den Abstecher zum Karersee am Ende auch weglassen. Dann spart ihr euch etwa 1,5 km mehr einplanen.

#dolomiten #wandern

Fototipp: Am coolsten werden die Fotos, wenn die Relationen erkennbar sind. Reine Landschaftsaufnahmen sehen zwar auch spektakulär aus, aber am besten knipst ihr das Bild mit einer Person zwischen/neben/auf den Steinen.

Anreise zum Karerpass im Eggental

Ins Eggental könnt ihr sowohl mit den öffentlichen Verkehrsmitteln als auch mit dem Auto anreisen. Ab Bozen fahren regelmäßig Busse ins Tal hinein. Bis zum Karerpass seid ihr im Bus rund eine Stunde unterwegs. Mit dem Auto ist es kaum schneller. Aber je nach Fahr-Erfahrung vielleicht ein wenig stressiger. Denn auf der teils schmalen Straße sind so einige Einheimische mit italienischem Kennzeichen deutlich flotter unterwegs als wir. Wenn ihr in solchen Situationen nicht so starke Nerven mitbringt, ist es ratsam, die nah auffahrenden Fahrzeuge an geeigneten Stellen vorbeizulassen. Dann könnt ihr wieder entspannt weiterfahren. Zumindest bis der nächste zügige Autofahrer im Rückspiegel auftaucht.

Am besten ihr werft nicht so oft einen Blick auf die Schlange hinter euch, sondern genießt die Landschaft. Grüne Wiesen erstrecken sich am Fahrbahnrand und wir cruisen durch gemütliche Dörfer hindurch. Nur von den Dolomiten fehlt bisher noch jede Spur. Es verwundert mich schon fast ein bisschen, dass die imposanten Bergriesen so gar nicht zu sehen sind. Dann folgt die Kreuzung, an der wir uns entscheiden müssen, ob wir Richtung Deutschnofen und Obereggen weiter durchs Eggental düsen möchten, oder in Richtung Welschnofen fahren wollen. Wir halten uns links und kurz vor Welschnofen taucht dann schließlich der Rosengarten auf.

Ab da kleben meine Augen förmlich an der Scheibe. Es ist immer wieder beeindruckend, in dieser Kulisse unterwegs zu sein. Ein zweites Mal staune ich nach Welschnofen auf dem Weg in Richtung Karerpass hinauf. Da düsen wir plötzlich am türkisblauen Karersee vorbei und im Hintergrund ragt der Latemar auf. Ein Autofahrer vor uns lässt das Warnblinklicht aufleuchten, fährt rechts ran und muss für ein Foto erstmal aussteigen. Absolut verständlich. Ich gedulde mich noch, bis wir das Auto am Karerpass auf dem Parkplatz vor der Seilbahn abstellen.

Über die Latemarwiese zum Labyrinthsteig

Länge (inkl. Karersee):12 km
Höhenmeter:560 m
Gehzeit:4:00 Stunden
Einkehrtipp:Ristorante Laurin Carezza
Beste Reisezeit:Mai-Oktober

Der Latemar ragt direkt vor uns auf. Und ich knipse schon 100 Fotos, bevor wir überhaupt auf die Tour starten. Dann schnüre ich endlich die Wanderschuhe, packe mir wie immer vorsichtshalber ein Fleece und eine Regenjacke in den Rucksack und spaziere los. Auf geht’s in Richtung Latemarwiese. Der Weg führt uns etwa 30 Minuten leicht bergauf, immer weiter auf den Latemar zu. Ich komme mir so klein vor, vor der riesigen Wand, die vor uns aufragt. Mit diesem Gedanken im Kopf erreiche ich die Freifläche. Es ist schon richtig schön hier, denke ich mir und drehe mich um.

Auf die Sicht hinter mir bin ich in diesem Moment noch nicht vorbereitet. Denn da ragt der Rosengarten auf. Und dieses Bergmassiv ist mindestens genauso spektakulär. Ich kann die Rotwand erkennen, die tatsächlich rötlich zu schimmern scheint. So cool! Eigentlich. könnte man an dieser Stelle auch schon wieder umdrehen. Besser kann’s fast nicht mehr werden. Oder?

Zwischen riesigen Felsbrocken hindurch

Zumindest, was die Aussicht angeht. Dafür wird es abenteuerlicher. Denn direkt zu Beginn des eigentlichen Labyrinthsteigs liegen zwei massive Felsen rechts und links des Weges. Es ist, als wandere man geradewegs durch ein steinernes Eingangstor hindurch. Dann bin ich schon mittendrin. Die Felsen überragen mich zum Teil um das Dreifache meiner Größe. Ich lasse meine Hand an der rauen Oberfläche entlanggleiten und lege immer wieder den Kopf in den Nacken, um all die Dimensionen aufsaugen zu können.

Apropos Kopf: Auf den solltet ihr zwischendurch immer wieder Acht geben. Denn teilweise verläuft der Weg auch unter Felsen hindurch. Einige kleine Höhlen machen die Tour noch abwechslungsreicher. Und dabei geht es kontinuierlich bergauf. Immer wieder steigen wir über steinerne Stufen auf. Am Ende des Tages sammelt man so einige Höhenmeter. Mir persönlich fallen die Höhenmeter jedoch kaum auf. Mein Kopf ist viel zu abgelenkt damit, die Eindrücke zu verarbeiten. So kommt es mir nicht anstrengend vor.

Fazit

Zurück geht es über einen Rundweg durch den Latemarwald oberhalb vom Karersee. Ich würde den Abstecher zum See auf jeden Fall noch dranhängen. Der Bergsee ist wirklich eine Perle. Am schönsten sieht er im Frühjahr aus. Dann ist der Wasserstand durch das Schmelzwasser besonders hoch.

Aber auch ohne Karersee lohnt sich die Tour. Es fühlt sich an, als sei man mitten in den Dolomiten unterwegs. Und das ganz ohne Klettern oder zu viele Höhenmeter. So eignet sich der Rundweg auch gut für Familien mit Kindern. Einigen sind wir unterwegs begegnet. Der Nachwuchs hat zwischen den Steinen Verstecken gespielt, oder ist gemeinsam mit Papa und Mama auf den einen oder anderen Brocken hinaufgeklettert. Das Ganze gleicht nämlich eher einem riesigen Abenteuerspielplatz.

Einzig für Hundebesitzer ist die Tour – je nach Rasse – nicht uneingeschränkt empfehlenswert. Denn teilweise sind die Stufen riesig. Und der eine oder andere Vierbeiner sollte hier wohl eher getragen werden.

Lage

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