Das Ruhrgebiet ruft bei vielen noch Assoziationen hervor, die mit Schwermetall, Kohle und Industrie zu tun haben. Nun, ganz falsch ist es nicht, auch wenn die Zeit harter und schmutziger Arbeit in den Schächten vorbei ist. Daraus hat sich aber etwas Neues entwickelt und das ist absolut sehenswert. Dieser Artikel zeigt, was passiert, wenn alte Industriekultur auf die Moderne trifft und einem historischen Ort neues Leben eingehaucht wird.

Lohnt sich ein Besuch im Landschaftspark in Duisburg?

Der Landschaftspark in Duisburg-Nord in Meiderich ist mit seinen 180 Hektar so vielseitig, dass es eigentlich gar nicht sein kann, dass er jemandem nicht gefällt. Besonders von Fotografie-Fans wird dieser besondere Ort, der aus einer ehemaligen, gigantischen Schwerindustrieanlage mit zahlreichen Fördertürmen und Hochöfen entstanden ist, oft frequentiert, ebenso aber auch von Freunden vom Sportklettern und Tauchen. Wer wissen will, wie das mit ehemaliger Schwerindustrie zusammengeht, der muss ganz bis zum Ende lesen. Außerdem ist der Park wunderschön zum Spazieren gehen, zum Picknicken im Sommer in den Gärten und an den Teichen und ein absolutes Highlight für einen weitreichenden Blick aus 70 Metern Höhe über das ganze Ruhrgebiet. In den noch gut erhaltenden Anlagen des ehemaligen Hüttenwerks gibt es über Treppen und Winkel noch vieles zu entdecken und alte Maschinen zu bestaunen. Der Park ist außerdem Teil der Europäischen Route der Industriekultur.

Fototipp: Wer in den Landschaftspark Duisburg fährt, um Fotos zu machen, der will die tolle Aussicht. Also nichts wie rauf auf den Hochofen 5 und einen Panorama-Shot machen. Entweder am Tag oder in der Nacht, mit all den leuchtenden Lichtern des Ruhrgebiets. Dann aber bitte mit Stativ, sonst wirds verwackelt.

Anreise zum Landschaftspark Duisburg-Nord

Lage:Duisburg-Meiderich
Anreise:Straßenbahnlinie 903
oder mit dem eigenen PKW
Must-Do:Nachts auf einen
der Fördertürme steigen
Einkehrtipp:Food Truck Currybar
Eintritt:frei

Da es sich beim Ruhrgebiet in Nordrhein-Westfalen um eines der größten Ballungsgebiete Deutschlands handelt, ist es eigentlich nie richtig schwer, irgendwie von A nach B zu kommen. Entweder mit dem Bus, dem Zug, der Bahn oder dem eigenen Auto. Direkt an mehreren Autobahnen gelegen (A3, A42 und A59) und mit einer Straßenbahnhaltestelle in Laufweite könnte der Landschaftspark kaum besser angebunden sein. Für die eigene Anreise mit dem PKW sollten eventuelle Veranstaltungen im Auge behalten werden, denn obwohl der Parkplatz groß ist, reicht er eben manchmal doch nicht aus.

Im Sommer empfiehlt sich auch die Anreise per Fahrrad. Der Landschaftspark Duisburg ist Teil der sogenannten Route der Industriekultur und kann dadurch mit mehreren besonderen Sehenswürdigkeiten in der Region verbunden werden.

Klettern, Tauchen, Treppensteigen, Fotografieren, Filme gucken

Das Angebot im Landschaftspark ist vielseitig, auf der 180 Hektar großen Fläche gibt es nichts, was es nicht gibt. Räume mit verschiedenen Ausstellungen erklären die Industriekultur und die Geschichte dieses besonderen Ortes. In einem ehemaligen Gasometer befindet sich jetzt ein Tauchzentrum – also nicht wundern, wenn euch jemand mit Flossen und Schnorchel entgegenkommt. Es kann auch gut sein, dass demjenigen auf dem Fuße jemand folgt, der in voller Klettermontur unterwegs ist, denn auch das ist im Landschaftspark Nord möglich. Dort befinden sich mehrere Kletterwände und -Türme mit verschieden schweren Routen. Wer nicht klettern will, kann übrigens auch über eine Rutsche aus der Industrieanlage wieder auf den Boden gelangen.

Außerdem gibt es vor Ort Führungen, GPS-Schatzsuchen, Kinderspielplätze, einen Fahrrad-Verleih und Lehr- und Lernbauernhof. Wer im Sommer im Landschaftspark unterwegs ist und ein Fan von Kultur ist, wird hier ebenfalls auf seine Kosten kommen, denn es finden regelmäßig Konzerte und ein Sommerkino statt. Je nachdem, was ihr also machen möchtet, müsst ihr die entsprechende Ausrüstung mitbringen. Allerdings bin ich mir sicher, dass ihr auch „nur“ beim Herumspazieren genug zu tun haben werdet.

Ein Ort meiner Kindheit

Sollte ich beschreiben, wann und wie ich zum ersten Mal im Landschaftspark in Duisburg gewesen bin, könnte ich das wahrscheinlich gar nicht, denn dieser Ort war in meiner Kindheit immer präsent. Wenn meine Familie nachts im Auto fuhr, dann war er da, wenn die mächtigen Türme bunt angestrahlt in den Himmel ragten. Tagsüber sind wir dort spazieren gegangen und sind zwischen den Treppen und alten Maschinen auf Entdeckungstour gegangen – nachts mit Taschenlampe und angenehmem Grusel.

Später war ich auf dem Gebiet mit dem Mountainbike unterwegs oder war dort auf Dates, wo nie diese peinliche Stille aufgekommen ist, denn wenn man sich nichts zu sagen hat, schaut man einfach philosophisch in die weite Ferne. Heute kenne ich jede Treppe, jeden Weg und jeden Winkel sehr gut, finde aber trotzdem immer wieder Neues – gerade, weil jetzt auch immer mehr Street-Art auf dem Gelände hinzukommt. Deswegen kann ich nur jedem nicht nur einen, sondern gleich mehrere Besuche ans Herz legen.

Nachts mit Beleuchtung

Ein angenehmer Mix von Nervenkitzel und Romantik: anders kann ich es nicht sagen. Da das Gelände der ehemaligen Industriefläche 24/7 geöffnet ist, kommen auch viele Besucher in der Nacht. Wer sich traut, geht in der Dunkelheit ohne Taschenlampe durch alte Gänge, über Hochwege und in dunkle Ecken. Allerdings solltet ihr dann auch damit rechnen, dass dort auch andere Besucher sein könnten, wenn man gerade um eine Ecke biegt. Ich habe mich mehr als einmal zu Tode erschreckt. Vielleicht also zur Sicherheit doch lieber eine Taschenlampe mitnehmen.

Für stimmungsvolle Beleuchtung sorgen aber auch die bunten Lichter, für die der Landschaftspark so berühmt ist. So werden alle Fassaden und Türme in bunten Regenbogenfarben angestrahlt, was auch aus der Ferne in der ganzen Region sichtbar und ein beliebtes Fotomotiv ist. Auch deshalb zählt die britische Zeitung „The Guardian“ den Park zu den zehn besten Stadtparks der Welt. 

Fazit

Wer die schöne Seite der ehemaligen Industriekultur und ihre vielen, künstlerisch umgesetzten Fassetten kennenlernen möchte, für den ist der Landschaftspark Nord in Duisburg nahezu ideal. Denn durch die vielen Möglichkeiten kann jeder diesen besonderen Ort auf seine ganz eigene Weise erleben. Wer den Ort (fast) für sich alleine haben möchte, der geht am besten unter der Woche, denn gerade im Sommer bei schönem Wetter am Wochenende kann es dort sehr voll werden. Und wenn ich einen Tipp noch zum Schluss geben darf: nehmt eine Kamera mit: Ihr werdet es nicht bereuen. Dieser Ort ist ein Instagram Hotspot, wie er im Buche steht.

Vom Landschaftspark aus könnt ihr übrigens gut mit der Tiger & Turtle im Süden Duisburgs weitermachen. Diese berühmte begehbare Spiralskulptur bzw. Achterbahn mit Looping aus Zink und Stahl ist ebenfalls ein Besuch wert.

Lage

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