Vor den Toren von Krakau liegt in der kleinen Ortschaft Wieliczka ein touristisches Kleinod, welches weit über die Grenzen von Polen hinaus bekannt ist: das Salzbergwerk Wieliczka. Über mehrere Jahrhunderte hinweg wurde hier Salz gefördert und das unter extremsten Bedingungen. Wir nehmen euch mit in die Tiefen des ehemaligen Salzbergwerkes, in welchem in den vergangenen Jahrzehnten eine echte Kulturlandschaft unter Tage entstanden ist.

Lohnt sich der Besuch im Salzbergwerk Wieliczka?

Die Wunderwelt unter der Erde ist auf den ersten Blick nicht wirklich zu erkennen. Zwar deuten von Weitem schon die Türme der Aufzüge, die Hallen und das große Gradierwerk vor der Salzmine auf die Aktivitäten im Berg hin, aber welche Dimensionen sich “dort unten” verbergen, bleibt zunächst ein Geheimnis. Greifbar wird das alles eigentlich erst mit Beginn der Führung, die direkt hinter dem Besucherzentrum beginnt. Diese werden vordergründig auf Polnisch, aber auch in begrenztem Umfang auf Deutsch oder Englisch angeboten.

Fototipp: Unter Tage ist es relativ dunkel. Nehmt am besten ein kleines, kompaktes Stativ mit, um euer Telefon oder eure Kamera fixieren zu können. Lasst euch zum Fotografieren am besten aus eurer Gruppe etwas zurückfallen. Keine Sorge! Ihr werdet den Anschluss nicht verpassen.

Anreise zur Salzmine Wieliczka

Lage:Krakau, südliches Polen
Eintritt:ab 20 Euro
Länge:3,5 km (Touristenroute)
Maximale Tiefe:135 Meter unter Tage
Temperatur:17 bis 18 Grad

Die Anreise zur Salzmine Wieliczka erfolgt am besten über das nur etwa 15 Kilometer entfernte, mehr als sehenswerte Krakau. Hier verkehren Busse zum Salzbergwerk. Die Fahrt dauert mit der Linie 304 rund 30 Minuten. Falls ihr eine Führung verpassen solltet, nutzt die Zeit, um euch zum Beispiel die Saline auf dem Gelände anzuschauen oder überbrückt einfach bei einem kühlen Getränk im Restaurant am Besucherzentrum die Zeit bis zur nächsten Führung.

Wie bei vielen anderen Sehenswürdigkeiten auch, empfehle ich euch bereits vorab Tickets zu reservieren. Die Gruppengröße ist pro Führung nämlich auf 35 Personen begrenzt. Das ist auch tatsächlich gut so, denn unter Tage sind die Platzverhältnisse teils etwas beengt.

Etwas Kondition ist für die gigantischen Ausmaße notwendig

Los geht’s ins “Grubenabenteuer”. Vorab: etwas Kondition solltet ihr mitbringen, denn besonders leicht ist die Wanderung unter Tage nicht. Ihr werdet insgesamt rund 800 Stufen überwinden müssen. Die Touristenroute hat dabei eine Länge von 3,5 Kilometern. Wie gigantisch die gesamte Mine ist, lässt sich an diesen Zahlen schon erahnen. Ihr erkundet auf der Wanderung unter Tage nur etwa 5 Prozent der Wege. Insgesamt wurden sagenhafte 245 Kilometer Strecke durch die Bergleute in den Stein gehauen. Die neun Sohlen reichen bis in eine Tiefe von 327 Metern. Salz wird hier heute nicht mehr gefördert. Trotzdem sind täglich Hunderte Bergleute im Einsatz, um die Mine zu erhalten. Sie sichern beispielsweise die Schächte oder verschließen Hohlräume, in denen einst Salz gefördert wurde.

Der weite Weg “bergab” ins Bergwerk auf 135 Meter

Gleich zu Beginn steigt ihr knapp 400 Stufen hinab in die Tiefe und erreicht die sogenannte erste Sohle auf einer Tiefe von 64 Metern. Hier gewinnt ihr die ersten Einblicke in das Leben der Bergmänner, die vor über 700 Jahren damit begonnen haben, in Wieliczka Salz abzubauen. Man kann sich kaum vorstellen, wie das Leben “im Schacht” zur damaligen Zeit ausgesehen haben mag. Einblicke bieten hier verschiedene Stationen, an denen Skulpturen und Schautafeln die Arbeit zur damaligen Zeit erläutern und ein Stück weit greifbar machen. Immer tiefer geht es in das Bergwerk hinein bis auf 135 Meter. Immer beeindruckender werden auch die Wege. Bei Zwischenstopps von den Guides erfahrt ihr spannende Details zum Bergwerk und der kräftezehrenden Arbeit unter Tage. Dann folgt das Highlight der Tour.

Die riesige Kapelle “Heillige Kinga” im Bergwerk

In einer Tiefe von 101 Metern auf der 2. Sohle liegt ein riesiger Saal: die Kapelle der Heiligen Kinga. Die hallenartige Andachtsstätte, die in etwa die Ausmaße eines Terminals an einem kleineren Flughafen hat, seht ihr zunächst von einer Art Balkon aus. Einige Treppenstufen nach unten müsst ihr noch meistern. Statuen von Papst Johannes Paul II. und weiteren Geistlichen stehen am Rand. Auf der gegenüberliegenden Seite thront ein großer Altar. Der Blick geht aber unweigerlich in Richtung Deck der Kapelle. Riesige Kronleuchter sind hier angebracht und tauchen den gesamten Raum in ein warmes Licht. Das Besondere: die Kristalle der Kronleuchter sind nicht etwa aus Glas. Sie sind aus Salzkristallen, die von Hand geschliffen wurden. Einfach einzigartig!

Essen und schlafen unter Tage

Im weiteren Verlauf der Route werdet ihr durch gigantisch große Höhlen laufen, die teils kleine, glasklare Seen beherbergen. Die Wege führen über Holzbrücken und Treppen entlang der Felswände, die teils mit riesigen Holzkonstruktionen abgesichert sind. Wenn ihr möchtet, dann könnt ihr unter Tage sogar im Restaurant essen gehen. In der Witold Budryk-Kammer wählt ihr vorab aus verschiedenen Menüs aus und könnt diese dann in 135 Meter Tiefe genießen. Oder ihr bleibt über Nacht! 48 Betten stehen hierzu zur Verfügung. Wir haben uns allerdings dagegen entschieden, da wir den Gedanken daran, 100 Meter unter der Erde zu übernachten, dann doch etwas beklemmend fanden.

Der Weg nach oben ist dann deutlich leichter als nach unten: Ihr müsst lediglich in den Aufzug steigen, der euch in wenigen Minuten zurück an die Oberfläche bringt. Für den Weg unter Tage solltet ihr 2–3 Stunden einplanen. Wenn ihr noch im Restaurant essen wollt, dann etwas mehr. Übrigens: den dicken Fleece könnt ihr der “Wieliczka” getrost zu Hause lassen. In der Mine herrschen das ganze Jahr über angenehme 17–18 Grad.

Fazit

Das Salzbergwerk Wieliczka ist ein absolut sehenswerter Ort und das auch für Familien mit Kindern. Ihr solltet allerdings die Länge der Route und die etwa 800 Stufen nicht unterschätzen. Insgesamt ist die Wanderung unter Tage aber für alle Altersgruppen gut machbar. Die Wege sind zudem gut ausgebaut und es besteht quasi kaum Rutschgefahr, wie man sie aus Tropfsteinhöhlen kennt.

In der Umgebung bietet sich das etwa 15 Kilometer entfernte Krakau als weiteres Reiseziel an. Die Stadt an der Weichsel mit dem berühmten Wawel, einer Burganlage, hat eine herrliche Altstadt, die man gesehen haben sollte! Wer lieber etwas Natur möchte, der macht sich auf den Weg in die Hohe Tatra, die etwa 150 Kilometer entfernt ist. Im Sommer ist es hier sehr schön zum Wandern. Im Winter gibt es zahlreiche Ski- und Langlaufstrecken.

Lage

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