Es gibt Wanderungen, da muss man zuerst stundenlang durch den Wald aufsteigen, um dann eine gute Aussicht zu haben. Und es gibt den Sellrainer Höhenweg in der Nähe von Innsbruck in den Stubaier Alpen in Tirol. Auf dieser Tour von St. Sigmund im Sellrain zum Rangger Köpfl ist die Aussicht schon anfangs mega und es wird im Laufe der Wanderung immer, immer besser.

Lohnt sich der Sellrainer Höhenweg nahe Innsbruck?

Innsbruck gilt als heimliche Hauptstadt der Alpen. So bietet die Innenstadt ein breites Kulturangebot, zahlreiche Einkaufsmöglichkeiten, etliche Bars und Restaurants und hat sich auch als Studentenstadt etabliert. Hinzu kommt, dass rundherum schier unendliche Möglichkeiten auf Bergsportler warten. Da könnt ihr eine Ausflüge in die Bergwelt unternehmen und mit der Seilbahn hinauffahren, oder euch auf Mehrtageswanderungen oder Klettersteigpassagen herausfordern.

Oder ihr genießt die Bergwelt bei einer mittelschweren Wanderung. Zum Beispiel im Sellraintal nahe Innsbruck. Dort startet der Sellrainer Höhenweg. Knapp 1.120 Höhenmeter und 14 Kilometer gilt es auf dem Weg von St. Sigmund im Sellrain nach Oberperfuss am Rangger Köpfl zu überwinden. Zurück geht es per Bus.

Instatipp: Für Panorama-Aufnahmen solltet ihr bis zum Ende warten. Am Kögele habt ihr einen genialen Rundumblick. Egal, ob mit Person, oder ohne: Die Bilder werden hier mit Sicherheit super!

Anreise

Wir übernachten auf der neuen Dortmunder Hütte im Kühtai. Der höchstgelegene Wintersportort Österreichs ist im Sommer der ideale Ausgangspunkt für verschiedene Wanderungen. Auch der Einstieg zum Sellrainer Höhenweg ist nicht weit entfernt.

Ihr solltet für die Anreise allerdings etwas mehr Zeit einplanen als bis nach Innsbruck selbst. Mit dem Auto sind es von München kommend rund 2,5 Stunden. Alternativ könnt ihr auch mit den öffentlichen Verkehrsmitteln anreisen. Dazu geht es zuerst bis nach Innsbruck und von dort per Bus weiter.

Von Kühtai sind es dann am nächsten Morgen etwa 10 Minuten bis zum Ausgangspunkt der Wanderung in St. Sigmund. Auch hier kommt ihr genauso mit dem Bus hin. Dazu müsst ihr an der Haltestelle „Ferienhäuser“ aussteigen.

Im Wald bergauf zur Sonnbergalm

Höhenmeter:1.120 m
Strecke:14,3 km
Gehzeit:5-6 Stunden
Höchster Punkt:2.235 m
Beste Reisezeit:Mai-Oktober

Auf den ersten Metern haben wir Zeit zum Einlaufen und Warmwerden. Es geht 350 Höhenmeter über eine Forststraße hinauf. Allerdings ist die Steigung noch angenehm. So, dass man gemütlich einen Schritt vor den anderen setzen und sich unterhalten kann, dabei aber dennoch vorwärts kommt.

Die ersten Aussichten lassen trotz Waldaufstieg nicht lange auf sich warten. Zum Beispiel passieren wir eine Bank mit Blick auf St. Sigmund hinab und erreichen schließlich den sogenannten Adlerhorst. Die Konstruktion erinnert an einen Jägerhochstand. Und man hat dementsprechend auch einen super Aussicht.

Wenig später wird es direkt noch besser. Bereits unterhalb der Sonnbergalm lichtet sich der Wald. An der Hütte selbst wartet sogar eine Aussichtsplattform mit Panoramatafel. Da blicken wir zum Beispiel in Richtung Lampsenspitze, Sonnenwand und Sulzkogel. Die Gipfel sind bereits angezuckert. Der Winter ist auf dem Vormarsch.

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Auf der Sonnenseite entlang

Abgesehen von weißen Gipfeln in der Umgebung ist davon allerdings noch nichts zu spüren. Im T-Shirt wandern wir weiter. Wir folgen einem schmalen Pfad bergauf bis auf 2.000 Meter Höhe. Ab da werden wir der 2.000 Meter-Linie konsequent weiterfolgen. Es geht immer mal wieder leicht bergab und wieder bergauf. Lange Zeit spürt man davon aber kaum etwas. So wandern wir an der Südseite entlang und genießen die warme Herbstsonne auf der Haut.

Teilweise ist ein bisschen Konzentration gefordert. Manchmal geht es neben mir steil hinab. Da ist an den schwierigsten Stellen ein Drahtseil zur Sicherheit angebracht. Dann wieder balancieren wir einige Meter über Geröllfelder hinweg. Trittsicherheit ist also wichtig.

Plant außerdem lieber etwas mehr Zeit ein. Zwischendurch wollt ihr mit Sicherheit immer mal wieder stehen bleiben. Denn das Panorama ändert sich im Laufe der Tour. Plötzlich taucht vor uns der Lüsener Ferner auf. Und direkt neben der weiß leuchtenden Gletscherfläche erhebt sich der Lüsener Fernerkogel. Zu dessen Gipfel soll übrigens bald ein neuer Klettersteig hinaufführen, der im Frühjahr 2022 eingeweiht werden soll.

Ich knipse etliche Fotos und reiße mich etliche Male wieder los. Allzu viel sollte ich nicht trödeln. Ich möchte schließlich den letzten Bus zurück ins Kühtai erwischen und der geht um 16:00 Uhr.

Geniale Tiefblicke ins Inntal

Im letzten Drittel des Höhenwegs wird es nochmals anstrengend. Der Weg schlängelt sich merklich steil nach oben. Das ist schweißtreibend und damit habe ich ehrlich gesagt auch nicht mehr gerechnet. Ist halt doch kein Spaziergang, sondern eine Wanderung.

Und wie auf jeder Wanderung lohnt sich die Anstrengung. Wenig später erreichen wir einen Kamm. Es scheint, als laufen wir direkt auf das Inntal zu. Vor mir taucht das Kögele (2.172 m) auf. Das Gipfelkreuz kann ich bereits ausmachen.

Das letzte Stück der Wanderung ist eindeutig das beste. Denn obwohl die Aussicht die ganze Zeit schon gut war, wird hier nochmal alles getoppt. Am Kreuz angekommen blicke ich zurück ins Sellraintal, sehe die Kalkkögel und den Patscherkofel. Vor meinen Füßen erstreckt sich das Inntal. Ich blicke geradewegs auf Innsbruck hinab und daneben ragt die imposante Nordkette auf. Etwas weiter daneben liegt das Wettersteingebirge. Und dort ist auch die Zugspitze gut zu erkennen. Wow!

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Fazit

Am Kögele seid ihr allerdings noch nicht am Ziel. Der Abstieg Richtung Rangger Köpfl und zur Bergstation der Seilbahn zieht sich. Plant dafür ruhig nochmal eine Stunde ein. Allerdings wartet da keine größere Schwierigkeit mehr auf euch. Das ist ein entspannter Abschluss der Tour.

Generell hab ich die Wanderung genossen. Die spätsommerliche Atmosphäre haben wir ganz alleine erlebt. Denn uns ist zu Beginn keine Menschenseele begegnet. Nach den Sommerferien ist diese Tour also noch ein Geheimtipp, so wie es scheint.

Ihr solltet allerdings etwas Kondition mitbringen. Am Ende sind es doch knapp 6 Stunden reine Gehzeit und es gibt nach der Sonnbergalm keine weiteren Einkehrmöglichkeiten. Erst an der Seilbahnstation gibt es mit der Rosskogelhütte wieder eine Hütte.

Lage

Praktische Links

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