Ich fühle mich wie im Winterwunderland. Rund um mich herum ragen weiß verzierte Bäume auf. Unter meinen Füßen knirschen schneebedeckte Gräser. Gleichzeitig leuchten Lichter um die Wette. In vielen Fenstern stehen traditionelle Schwibbögen und immer mal wieder erschnuppere ich den wohltuenden Duft eines Räuchermännchens. Hier im Erzgebirge in Sachsen ist die Weihnachtsstimmung mit allen Sinnen spürbar.

Lohnt sich ein Besuch im Erzgebirge zur Weihnachtszeit?

Das Erzgebirge ist auch als Weihnachtsregion in Deutschland bekannt. Kein Wunder, schließlich haben hier einige Bräuche und Traditionen ihren Ursprung. Die bekannten Schwibbögen (auch Lichterbögen oder Leuchterbögen genannt), die in der dunklen Jahreszeit die Fenster erhellen, kommen aus der Region. Geschichtlich gehen die beleuchteten Holzbögen auf die Zeit des Bergbaus zurück. Wenn die Bergleute im Winter nach Hause kamen, sollten sie ein warmes Licht in der Wohnung vorfinden. Auch die Räuchermännchen haben ihren Ursprung im Erzgebirge. Die Räucherkerzen, die das Männchen zum Leben erwecken, gibt es mittlerweile in vielen verschiedenen Duftstoffen.

Zudem sind viele Regionen im Erzgebirge äußerst schneesicher. So könnt ihr zum Beispiel rund um Oberwiesenthal, am Fuße des Fichtelbergs, mit hoher Wahrscheinlichkeit weiße Weihnachten wie im Film erleben.

Fototipp: Eines der bekanntesten Fotomotive ist die Bergkirche in Seiffen. Die ist auch in vielen Schwibbögen abgebildet. Hier lohnt sich ein extra Abstecher für einen Fotostopp.

1. Fichtelberg: Wintersport auf Sachsens höchstem Berg

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Pistenkilometer:47 km
Längste Abfahrt:3,4 km
Einkehrtipp: Prijut 12

Der Fichtelberg ist mit 1.215 m die höchste Erhebung in Sachsen. Direkt an der Grenze zu Tschechien gelegen, gibt es hier ein relativ großes Skigebiet. Auf Wintersportfreunde warten im Skiverbund von Fichtelberg und dem tschechischen Nachbarberg Klínovec knapp 50 km Pisten. Darüber hinaus gibt es rund um Oberwiesenthal und den Fichtelberg ein breites Netz mit etwa 140 km gespurten Loipen.

Wenn ihr keine Skifahrer seid, ist der Fichtelberg dennoch ein tolles Ausflugsziel. Durch die verschneite Landschaft ziehen sich etliche Winterwanderwege. Hier fühlt ihr euch zwischen den schneebedeckten Bäumen wie im Winterwunderland. Und um die Wanderung abzurunden, gibt es auch einige Rodelbahnen. Wenn ihr schon da seid, solltet ihr mindestens einmal mit der Schwebebahn nach oben fahren. Die Seilbahn ist seit 1924 in Betrieb und damit die älteste Schwebeseilbahn in Deutschland.
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#skifahren

2. Crottendorf: Räucherkerzen selber machen

Öffnungszeiten:ganzjährig
Must-Do:Räucherkerzen-Workshop
Einkehrtipp:Café AnnaBella

Vor der Tür der Räucherkerzenland Crottendorf steht ein 15 m hoher Räucherkegel. Im Inneren befindet sich ein kleines Museum zur Geschichte der Räucherkerzen. Daneben wartet ein heimeliges Café und es gibt einen großen Laden, in dem ihr allerlei Weihnachtsgeschenke und erzgebirgische Mitbringsel kaufen könnt. Zum Beispiel die berühmten Räuchermännchen in verschiedenen Formen oder die passenden Räucherkerzen in einer Vielzahl an Duftnuancen.

Im Hinteren des Ladens, in den sogenannten Werkstätten, werden außerdem regelmäßig Workshops abgehalten, wie ihr die duftenden Räucherkerzen ganz einfach selbst machen könnt. Hier solltet ihr keine Angst haben, euch die Hände schmutzig zu machen. Denn ihr arbeitet mit einem Teig aus Holzkohlestaub, Sandelholz- und Rotbuchenmehl. Den Duft könnt ihr selbst bestimmen und dann werden aus den duftenden Teigstücken kleine Kegel geformt. Tada, fertig sind die eigenen Räucherkerzen.

3. Im Gößner: Besucherbergwerk mitten in der Stadt

Tiefe:bis zu 24 m
Länge Rundgang:260 m
Lage: Annaberger Altstadt

Das Erzgebirge ist eng verwoben mit der Geschichte des Bergbaus. In zahlreichen Orten wurden wertvolle Erze abgebaut. Ein Überbleibsel aus der Zeit der Bergleute ist das Besucherbergwerk „Im Gößner“. Der Eingang zum Bergwerk befindet sich mitten in Annaberg-Buchholz, direkt neben der großen St. Annenkirche. Durch eine hölzerne Hütte kommt ihr zu einer Treppe, die über viele Stufen in die Dunkelheit hinabführt. In den engen Gängen kann man sich gut vorstellen, wie hart das Leben unter Tage gewesen sein muss. Vor allem, weil die Gänge erst nachträglich aufgestockt wurden. Als das Bergwerk noch in Betrieb war, waren viele Stollen nur rund 1,20 m hoch.

Das ist allerdings nicht das einzige Besucherbergwerk der Region. Allein in der nahen Umgebung um Annaberg-Buchholz gibt es drei Stollenanlagen, die man allesamt besichtigen kann. Darüber hinaus lohnt sich beispielsweise noch ein Abstecher ins Besucherbergwerk Zinngrube in Ehrenfriedersdorf im Inneren des Saubergs.

4. Annaberg-Buchholz: Schönster Weihnachtsmarkt Deutschlands?

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Öffnungszeiten:25. November – 23. Dezember 2022
Stände:ca. 80
Must-Eat:Christstollen

In Annaberg-Buchholz gibt es einen der schönsten Weihnachtsmärkte Deutschlands. Direkt vor dem Rathaus befinden sich ein großer, beleuchteter Weihnachtsbaum und eine hölzerne Weihnachtspyramide. Rundherum sind zahlreiche, individuelle Stände angeordnet. Von traditioneller Handwerkskunst über lokale Gerichte bis hin zu heißem Glühwein gibt es hier alles, was das Herz begehrt. Probiert unbedingt den Christstollen. Wir hatten das Gefühl, dass der hier besonders lecker ist.

Ein Tipp der Locals ist auch der Weihnachtsmarkt in Schwarzenberg. Hier müsst ihr den Besuch aber gut timen. Denn der Weihnachtsmarkt in Schwarzenberg ist jedes Jahr nur zwischen dem 2. Advent und dem 3. Advent geöffnet.
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#weihnachten

5. „Neinerlaa“: Traditionelles Heiligabendmenü

Beste Zeit:Advent/Weihnachten
Vegetarisch:es gibt fleischlose Varianten
Einkehrtipp:Ratskeller Annaberg

Wahrscheinlich haben viele ein traditionelles Gericht für Heiligabend. Im Erzgebirge betrifft das die gesamte Region. Denn hier gibt es nichts Traditionelleres als das „Neinerlaa“. Unter dem Neunerlei versteht man neun verschiedene Speisen rund um ein Fleischgericht (Ente, Gans, Hase, …) nach Wahl. Alle neun Speisen symbolisieren einen Wunsch. So geht es darum, durch das Essen zu Liebe, Glück und Wohlstand zu kommen.

Das leckere Menü zu Heiligabend gibt es mittlerweile auch abseits der weihnachtlichen Feiertage. Ein Tipp, um verschiedene Variationen des „Neinerlaa“ zu probieren, ist der Ratskeller in Annaberg-Buchholz.

Weitere Ausflugsziele in der Nähe

Es gibt noch viele weitere lohnenswerte Ausflugsziele und Erlebnisse im Erzgebirge. Plant für den Aufenthalt am besten mindestens eine Woche ein, um alles zu erleben. Denn auch in Seiffen gibt es viel zu entdecken. Hier ist die gleichnamige Bergkirche Seiffen das Highlight. Das beliebte Fotomotiv ist eine der bekanntesten Kirchen Deutschlands. Auch das Spielzeugmuseum in Seiffen ist ein Must-Do. Hier wird nicht nur die Geschichte vom typischem Spielzeug aufbereitet, sondern generell steht erzgebirgische Handwerkskunst im Vordergrund. Außerdem lohnt sich eine Fahrt mit der Schmalspurbahn von Cranzahl nach Oberwiesenthal. Die historische Dampflokomotive nimmt euch mit auf eine Zeitreise.

Und wenn ihr weitere Sehenswürdigkeiten und Ausflugsziele sucht, dann scheut euch nicht, die Einheimischen zu fragen. In kaum einer anderen Region sind mir die Menschen so freundlich und herzlich begegnet. Das war im Erzgebirge auffällig und hat dazu geführt, dass ich mich gleich willkommen gefühlt habe.

#essen

Lage

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