Das Geräusch, wenn mein Paddel ins Wasser eintaucht, hallt in den Gängen des Stollens wieder. Etwas entfernt ist ein kleiner Wasserfall zu hören. Ansonsten ist es totenstill im alten Bergwerk von Mežica. Ohne meine Stirnlampe wäre ich aufgeschmissen. Denn es ist stockfinster. Und in dieser Kulisse gleite ich sanft mit dem Kajak durch das Höhlensystem. Unfassbar!

Lohnt sich die Kajaktour im ehemaligen Bergwerk in Mežica?

Das ehemalige Bergwerk Mežica befindet sich an der Grenze zwischen Österreich und Slowenien in der Petzen. Seit dem 17. Jahrhundert wurden im Inneren des Bergmassivs 19 Millionen Tonnen Blei- und Zinkerz abgebaut. Im Jahr 1994 folgte schließlich die Stilllegung des Bergwerks. Seit nun mehr als 20 Jahren ist das riesige Stollensystem zum Teil touristisch erschlossen.

So werden zum Beispiel geführte Touren zu Fuß, Mountainbiktouren und eben Kajaktouren angeboten. Dabei erfahrt ihr auch allerlei über die Geschichte. Für die Fahrt mit dem Kajak solltet ihr insgesamt 4 Stunden einplanen und vorab einen Platz reservieren. Denn die Tour, die auf Englisch geführt wird, ist auf 10 Teilnehmer pro Guide begrenzt.

Instatipp: Um gute Fotos zu bekommen, empfiehlt es sich, neben der Helmlampe noch eine weitere Stirnlampe einzupacken. So könnt ihr den Stollen besser ausleuchten.

Anreise nach Mežica in Slowenien

Ort:Bergwerk Mežica
Dauer:4 Stunden
Preis:47 Euro
Vorkenntnisse: nicht erforderlich
Beste Reisezeit:ganzjährig

Das Bergmassiv Petzen ist zwar an sich sowohl von Österreich als auch von Slowenien erreichbar, der Eingang des Stollens befindet sich allerdings auf slowenischer Seite. Dadurch wird die Anreise ab Deutschland noch ein Stück länger. Von München aus sind es etwa 4,5 Stunden mit dem Auto.

Deshalb entschließen wir uns, auf Kärntner Seite am Klopeiner See zu übernachten. Das ist der wärmste Badesee Europas. So können wir am Anreisetag noch ein bisschen die Seele baumeln lassen und am nächsten Morgen sind wir in einer halben Stunde mit dem Auto in Mežica. Parken könnt ihr dort direkt vor dem Eingang des Besucherzentrums. Die Parkplätze sind kostenlos.

Warme Kleidung einpacken

Wir melden uns im Besucherzentrum an und bekommen unseren Guide zugewiesen. Die unterirdische Kajakfahrt kostet pro Person 47 Euro. Im Preis enthalten sind die Leihkajaks unter Tage, ein wasserdichter Drysuit mit Gummistiefeln an den Füßen, der Verleih der Schwimmweste, Handschuhe und ein Helm mit heller Stirnlampe. Ihr braucht also an fast nichts zu denken.

Ich würde euch allerdings zu warmer Kleidung raten. Vor allem, wenn ihr im Sommer in T-Shirt und Shorts anreist, könnte es unter der Erde schnell kalt werden. Im Bergwerk liegt die Temperatur nämlich ziemlich konstant bei 10 Grad Celsius. Packt also zumindest einen Pullover ein. Außerdem ist Wechselkleidung sinnvoll. Die Leihanzüge sollen zwar trocken halten, aber es ist nicht ganz auszuschließen, dass ihr doch ein bisschen nass werdet.

Mini-Zug bringt uns unter die Erde

Ich setze den Helm auf und wir werden vom Guide zu einer Miniatur-Eisenbahn geführt. Kleine hölzerne Waggons sind hintereinander aufgereiht. Damit soll es in den Berg hinein gehen. Ich ziehe den Kopf ein, mache mich klein, um einzusteigen. Gar nicht so einfach. Vorsichtig richte ich mich im Inneren wieder auf. Ich bin mir nicht sicher, ob ich gerade sitzen kann und will mir den Kopf nicht anstoßen. Doch die Sorge ist unbegründet. Ich passe rein.

Innerlich atme ich auf. Denn wir werden nun 15 Minuten fahren. Das wäre unangenehm geworden. Kaum habe ich den Gedanken zuende gedacht, wird es tatsächlich unangenehm. Denn mit einem lauten Geräusch wird die Schiebetür von außen zugezogen und rastet ein. Sofort wird es dunkel. Nur durch die Ritzen zwischen einzelnen Holzplanken kommt noch ein Schimmer Tageslicht ins Innere. Wir schalten die Stirnlampen an.

Gleichzeitig setzt sich der Zug mit einem Ruckeln in Bewegung. Mit einem Mal dringt kein Licht mehr durch die hölzernen Fugen. Es fühlt sich an, als düsen wir mit rasanter Geschwindigkeit immer tiefer in den Fels. Das Bähnchen ruckelt und scheppert. Teilweise wirft es mich nach links und rechts und ich nehme sogar einen blauen Fleck als Andenken mit nach Hause. Im Nachhinein erfahre ich, dass die Geschwindigkeit gerade mal 10-12 km/h betrug. Verrückt!

Über steile Treppen bergab

Mitten im Berg halten wir an. Die Türen werden geöffnet und wir befinden uns in einer großen Höhle. Von diesem unterirdischen Bahnhof führt ein langer Gang weg. Auch hier ist es finster. Ich habe in meinem Leben bereits das eine oder andere Bergwerk besichtigt. Normalerweise sind die Stollen gut ausgeleuchtet. Dann sind Wände oder Decken mit Strahlern ausgestattet. Hier ist das nicht so. Ohne Stirnlampe stünden wir in völliger Dunkelheit.

Ich beeile mich, den Anschluss Gruppe an die Gruppe zu halten, um nicht alleine umherzuirren. Der Guide weist gerade auf eine Treppe hin, der wir folgen sollen. Eiserne Stufen tun sich vor mir auf. Sie führen weiter in die Dunkelheit hinab. Und zwar richtig steil. Ausrutschen will ich hier nicht. Wer weiß, wie tief man nach unten fällt. Eine halbe Ewigkeit spazieren wir so zwischen Felswand und Geländer durch den Stollen.

Dann taucht auf der linken Seite ein Raum auf. Ein Heizgerät tönt monoton. An den Wänden hängen Neoprenanzüge und Schwimmwesten. Wir kleiden uns an. Und steigen dann wieder auf die Leiter ein. Wir sind nämlich noch immer nicht ganz unten.

Mit dem Kajak durch die Bergwerksstollen

Doch dann enden die letzten Stufen auf einmal im Wasser. Hier sind allerdings noch keine Boote. Sprich, wir müssen zuerst ein ganzes Stück durch das knietiefe Wasser waten. Dabei kommt uns eine Strömung entgegen, sodass das ganz schön anstrengend ist. Umso erleichterter bin ich, als wir abbiegen, die Strömung nachlässt und wir schließlich in ein Kajak einsteigen. Der Guide gibt uns die einzige Regel mit auf den Weg: Nicht aussteigen. Damit paddelt er davon.

Wir können alles auf eigene Faust erkunden. Das ist einerseits etwas beklemmend, weil wir plötzlich ganz alleine im Tunnel unterwegs sind und andererseits steigt dadurch das Abenteuerfeeling. Fasziniert leuchte ich eine Weile auf das glasklare Wasser direkt vor mir. Dann paddle ich los. Durch enge Gänge hinweg erkunden wir die verschiedensten Höhlen. Immer wieder legen wir den Kopf in den Nacken, um die Dimensionen abschätzen zu können. Das ist mehr als beeindruckend.

Fazit

Ich dachte eigentlich, vier Stunden seien lang. Doch die Zeit vergeht hier unten wie im Flug. Nach der Action auf dem Wasser gibt’s für alle noch eine Stärkung in Form einer typischen Bergwerks-Knappen-Mahlzeit.

In meinen Augen ist das ein geniales Erlebnis. Es lohnt sich definitiv und ist bestimmt für die ganze Familie ein Erlebnis. Gerade für den ersten Teil im Zug solltet ihr allerdings nicht klaustrophobisch sein. Denn da kann es einem schon ein bisschen anders werden. Und ihr müsst damit auch wieder rausfahren.

Nach der Zeit ohne Tageslicht bin ich am Ende allerdings auch wieder froh, Sonne auf der Haut zu spüren. So lassen wir den Tag am Schluss entspannt am Klopeiner See ausklingen. Das haben wir uns verdient!

Lage

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