Schon aus der Ferne ist der majestätische Mount Agung auf der Insel Bali zu sehen und wirkt sehr beeindruckend. Das ist aber gar nichts im Vergleich zu der Aussicht, die sich zum Sonnenaufgang vom Gipfel des Giganten bietet. Touren für ein Sunrise Trekking auf den Mount Agung werden viele angeboten, aber lohnt sich die Wanderung auf einen der aktivsten Vulkane der Welt? Hier meine ehrliche Empfehlung für die Besteigung des Mount Agung auf Bali in Indonesien.

Gefährliche Wanderung auf den Agung auf Bali

Beinahe drei Viertel der indonesischen Insel Bali sind aktive Vulkane. Aber kaum einer zieht Besucher so magisch an wie der Mount Agung mit seinen 3.142 Metern Höhe. Aufgrund des jüngsten Vulkanausbruchs wurde im Juli 2018 eine Sperrzone von 4 km um den Berg eingerichtet. Ein Aufstieg in einer Nacht, um den Sonnenaufgang zu sehen, ist sonst möglich, aber nicht ganz ungefährlich. Die Tour zum Krater dauert zirka 5 Stunden und kostet 110 Dollar pro Person. Start ist gegen Mitternacht.

#bali #wandern

Instatipp: Stelle dich mit dem Gesicht zur Sonne auf den Vorsprung etwas unterhalb des Gipfels. So bist du selbst vor dem imposanten Schatten des Berges auf der Wolkendecke zu sehen. Zeige das Bild aber besser nicht deinen Eltern.

Von Ubud auf den Mount Agung

Wer in Ubud im Herzen von Bali übernachtet, wird nicht umhinkommen, auf Angebote verschiedener hiesiger Agenturen zu stoßen, die alle Vulkantouren umfassen. Besucher haben die Wahl zwischen dem Mount Batur und dem Mount Agung. Ersterer ist ’nur‘ 1.717 Meter hoch. Und hier meine ernsthafte Empfehlung: Wenn du Zweifel an deiner Fitness und Bergerfahrung hast, nimm die erste Variante. Selbstüberschätzung und/oder fehlende bzw. falsche Ausrüstung kann auf dem Mount Agung fatal werden.

Der erste Eindruck

Ein Bergführer in Flip-Flops, eine Mini-Stirnlampe mit der Strahlkraft eines Feuerzeugs und ein Essenspaket mit einer Banane, einem Stück Kuchen und einem hartgekochten Ei soll mich auf eine Höhe von 3.000 Metern bringen? Ich denke nicht. Glücklicherweise hatte ich mir sowas schon gedacht und habe mir ein eigenes Wandererpaket zusammengestellt, dass deutlich mehr Kalorien enthält. Das Gleiche solltest du übrigens auch tun. Achte auch darauf, vernünftiges Schuhwerk und ausreichend warme Kleidung mitzubringen.

Bitte wirklich nur für erfahrene Bergsteiger

Ich habe den Berg im strömenden Regen bestiegen und hing stellenweise nur an meinen Fingerspitzen und Zehen über dem Abgrund. Sicherung? Ach, warum denn? Mehr als einmal habe ich mir gedacht: Wenn ich hier ausrutsche, dann war es das. Denn es ist nicht so, dass du dich auf richtigen Wanderwegen zum Gipfel hocharbeitest. Bei weitem nicht. Um den Aufstieg in einer derart knappen Zeit zu schaffen, geht die Tour senkrecht den Berg hinauf. Sicher ist was anderes. Zwar machen auch Touristen, die noch nie einen Berg aus der Nähe gesehen haben, bei der Tour mit. Aber davon kann ich wirklich nur sehr dringend abraten.

Vorbereitung auf das Sunrise Trekking

Keine Partys vorher, keinen Kater von der letzten Nacht, dafür aber viel Schlaf und ausreichend Essen. Anders wirst du kaum auf den Berg kommen. Nimm die Tour nicht auf die leichte Schulter und sei, bevor du sie überhaupt buchst, ganz ehrlich zu dir. Ein Bergführer ist bei dem Aufstieg für eine Gruppe von mehreren Personen verantwortlich, sodass du dich vornehmlich um dich selbst kümmern musst. Ein praktischer Tipp meinerseits: Starte langsam. Wer mit zu schnellem Tempo losläuft, wird es sehr schnell bereuen. Und niemand will auf 2.500 Meter in der Dunkelheit eine Panikattacke kriegen.

Eine unbeschreibliche Aussicht vom Vulkan

Unter dir eine scheinbar lückenlose Wolkendecke, Atemnebel vor dem Mund und kein Gefühl mehr in den Zehen. So stehst du völlig am Ende deiner Kräfte auf dem Gipfel des Mount Agung und wartest, dass die Sonne sich über den Horizont schiebt. Und wenn sie es dann endlich tut, dann ist jeder Schmerz vergessen. Versprochen. Denn solche Anblicke, die bekommt man sicher nicht oft im Leben. Die Schmerzen beim Abstieg später sind dann allerdings wieder eine andere Geschichte. Und der Muskelkater aus der Hölle während der nächsten vier Tage sowieso. Ich jedenfalls hab mich gefühlt, als hätte mich ein Bus gerammt.

Fazit

Ganz ehrlich: Diese Tour ist wirklich nur für diejenigen etwas, die schon Erfahrung mit Wandern und Bergsteigen haben. Schließlich macht man in nur einer Nacht nicht gerade wenige Höhenmeter und das auch nicht unter den sichersten Bedingungen der Welt. Und ich kann dir jetzt schon sagen: Du wirst dich selbst hassen. Beim Aufstieg in totaler Dunkelheit, wenn du im Schlamm ausrutscht und dir die Zehen an Steinen stößt, wirst du dich fragen, warum zum Teufel du dich hierauf eingelassen hast. Aber warte einfach bis zum Sonnenaufgang – und dann frage es dich noch einmal.

Lage

Praktische Links

Gut zu wissen

Bali ist in den letzten Jahren zu einem Hotspot für Backpacker aus aller Welt geworden und ist dementsprechend überlaufen. Kuta empfehle ich gänzlich zu meiden, weil man keine zwei Schritte gehen kann, ohne Surfstunden, Massagen oder Sarongs angeboten zu bekommen. Etwas beschaulicher geht es in Ubud zu, was aber nicht heißt, dass der Ort touristenfrei ist. Mein persönlicher Tipp in Sachen Indonesien: Schaue dir auch Balis Nachbarinseln Lombok und Java an. Dort gibt es noch Orte, die ihre Ursprünglichkeit erhalten konnten und den eigenen Horizont erweitern.

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