Die East Side Gallery in Friedrichshain ist das längste erhaltene Stück der Berliner Mauer und eine der wichtigsten Sehenswürdigkeiten in Berlin. Über 100 Künstlerinnen und Künstler haben sich auf ihr verewigt. Heute erinnert die East Side Gallery so eindrücklich wie nur wenig andere Orte der Stadt an die Zeit, in der Berlin in Ost und West geteilt war.

Lohnt sich ein Besuch an der East Side Gallery?

Die Berliner Mauer prägt die Stadt und ihre Bewohner bis heute. Dabei ist von ihr nicht mehr viel übrig – mit einigen wenigen Ausnahmen, allen voran die East Side Gallery. Nur wenige Tage nach dem Mauerfall am 9. November 1989 begannen Künstler damit, diesen Abschnitt der Berliner Mauer zu bemalen. So machten sie aus der ehemaligen Grenze eine 1,3 Kilometer lange Galerie, die von der Warschauer Straße bis zum Ostbahnhof reicht. Ihre Kunst bewahrte diesen Teil der Mauer vor dem Abriss. Ein Besuch der East Side Gallery lohnt sich auch wegen ihrer Lage – von hier aus hat man einen wunderbaren Blick auf die Spree, die Oberbaumbrücke und das gegenüberliegende Kreuzberg.

Foto-Tipp: Der Gehweg vor der East Side Gallery ist schmal, und vor beliebten Motiven wie dem „Bruderkuss“-Bild kann sich schon mal eine Schlange bilden. Daher solltet ihr für das ideale Foto ein bisschen Geduld mitbringen.

Anreise zur East Side Gallery in Berlin

Lage: Berlin-Friedrichshain
Länge: 1,3 Kilometer
Must-See: „Bruderkuss“-Bild
U-Bahn-Haltestelle: Warschauer Straße
Beste Reisezeit: Frühling oder Herbst

Die Anreise sowohl in die Hauptstadt als auch zu ihren Sehenswürdigkeiten meistert ihr am besten ohne Auto. Die East Side Gallery ist gut ans Verkehrsnetz angebunden. Von der S- und U-Bahn-Haltestelle Warschauer Straße sind es nur ein paar Minuten zu Fuß.

Unmittelbar an der East Side Gallery hält der Bus 300 – der bringt euch auch direkt zu den anderen Sehenswürdigkeiten der Stadt: Alexanderplatz, Museumsinsel, Unter den Linden und Philharmonie sind nur einige Stationen auf seiner Route. Von Mitte, Kreuzberg und Friedrichshain kommt ihr auch entspannt mit dem Rad hin. 

Neubauten rund um das Denkmal der Berliner Mauer

Obwohl ich es von meiner Wohnung nicht weit zur East Side Gallery habe, war ich bis zu diesem Artikel lange nicht mehr dort. Mit wachsendem Entsetzen habe ich in den vergangenen Jahren aus der Ferne beobachtet, wie in der Umgebung ein Retortengebäude nach dem anderen hochgezogen wurde, was die Gegend immer weiter in eine Beton-Ödnis verwandelte. Um die Mercedes-Benz Arena, gegenüber der East Side Gallery, reihen sich Hotels aneinander, die alle gleich aussehen. Daneben thronen die East Side Mall, Berlins 68. Einkaufszentrum, und der Edge Tower, ein Bürogebäude für 4.000 Angestellte. Die Bauprojekte waren und sind in der Stadt hochumstritten. Für manche Neubauten ließ man Teile der denkmalgeschützten East Side Gallery versetzen, wogegen sogar David Hasselhoff protestierte. 

Doch als ich wieder da bin, merke ich, dass vieles noch so ist, wie ich es kannte. Die Reisebusse setzen ungerührt große Gruppen von Schulklassen auf dem schmalen Gehsteig vor der East Side Gallery ab. Pflichtprogramm sind dann ein Crashkurs in deutsch-deutscher Geschichte und Selfies vor dem berühmten Bild von Dmitry Vrubel, das Breschnew und Honecker beim Bruderkuss zeigt. Hinter der Mauer, direkt an der Spree, gehen Menschen spazieren, sitzen in der Sonne, lesen, trinken Bier. Die Mall, die Hotels – all die Gebäude, die den Mauerstreifen zu erdrücken scheinen – sie interessieren auf der anderen Seite der East Side Gallery gar nicht mehr so sehr. 

Bilder vom Aufbruch und Kritik an der DDR

Es ist nicht so lange her, da war es lebensgefährlich, diesem Ort zu nahezukommen: Hinter dem, was wir heute als East Side Gallery kennen, lag während der innerdeutschen Teilung der Todesstreifen, auch die Spree war Teil der Grenze und wurde streng bewacht. Die Mauer trennte den Osten der Stadt vom Westen, Friedrichshain von Kreuzberg. Die Oberbaumbrücke, das Wahrzeichen des Bezirks, über die heute im Minutentakt U-Bahnen fahren, war ein Grenzübergang, den nur wenige passieren durften. An die Zeit der Teilung erinnert die East Side Gallery so eindrücklich wie nur wenige andere Orte der Stadt. Sie ist das längste erhaltene Stück der Berliner Mauer. Über 100 Künstlerinnen und Künstler aus der ganzen Welt haben sich auf ihr verewigt.

Ihre Bilder erzählen von der Aufbruchsstimmung der damaligen Zeit und dem Ende des Kalten Kriegs, viele Werke blicken aber auch zurück und setzen sich kritisch mit der DDR und der Sowjetunion auseinander. So erzählt das Bild „Umleitung in den japanischen Sektor“, von dem Wunsch des Künstlers, Japanologie zu studieren, der sich in der DDR nicht erfüllte. Das „Bruderkuss“-Bild (Originaltitel: „Mein Gott, hilf mir, diese tödliche Liebe zu überleben“) befindet sich nahe der Oberbaumbrücke. Weiter in Richtung Ostbahnhof sind die bunten Köpfe des französischen Künstlers Thierry Noir zu sehen – es ist eines der bekanntesten Bilder der East Side Gallery. Mehr zu den Kunstwerken erfahrt ihr bei einer Führung der Stiftung Berliner Mauer oder auf der Website der Stiftung.

Fazit

So sehenswert viele der Kunstwerke an der East Side Gallery auch sind; für mich sind sie nicht der wichtigste Grund, aus dem ein Besuch an dieser früheren Grenze zum Pflichtprogramm eines Berlin-Besuchs gehört. Es ist vielmehr der Blick auf die Spree und die Oberbaumbrücke – und das Wissen, dass diese Verbindung zwischen Ost und West, die heute so alltäglich erscheint, keine Selbstverständlichkeit ist. 

Falls ihr mehr über die innerdeutsche Grenze erfahren wollt und darüber, wie sie sich auf das Leben der Menschen ausgewirkt hat, empfiehlt sich ein Besuch der Gedenkstätte Berliner Mauer in der Bernauer Straße. Ist euch stattdessen nach Kiezleben und vielleicht einem Drink zumute, macht euch auf den Weg nach Kreuzberg. Über die Spree sind es nur wenige Minuten zu Fuß. 

Praktische Links

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