Einen Ausflug zur Hacienda Nápoles muss man wirklich wollen. Die Farm von Pablo Escobar liegt nämlich 169 Kilometer von Medellín entfernt auf dem Gebiet der Gemeinde Puerto Triunfo. Früher wurden hier Reichtümer präsentiert, Kokain-Schmuggel und Morde vorbereitet. Heute gibt es auf dem Gelände einen vielseitigen Familien-Themenpark. Die Hacienda Nápoles hat alles: Abenteuer-Pools, Zoo, Safari- und Dinopark und natürlich ein Geschichtsmuseum. Ich nehme euch mit in die verrückte Welt des einst weltweit gejagten Pablo Escobars.

Lohnt sich ein Ausflug zur Hacienda Nápoles in Kolumbien?

Die Hacienda Nápoles war Pablo Escobars etwa 20 km² großes Landgut, gelegen zwischen Bogotá und Medellín. Der Drogenbaron ließ sie in den 70er Jahren errichten, lebte hier in einer schicken Finca, traf Freunde und lud Anwohner ein. Die Hacienda Nápoles war sein persönliches Disneyland: Er ließ exotische Tiere aus Afrika einfliegen und baute einen Zoo, außerdem eine Stierkampf-Arena, einen kleinen Jurassic Parc und noch vieles mehr. Nachdem der Drogenboss 1993 erschossen wurde, ging das Areal an den Staat über und stand lange leer. Es verwahrloste und wurde geplündert. Viele Tiere büchsten aus oder verhungerten, bis das Gelände schließlich in den Nullerjahren von privaten Investoren zu einem Themenpark aufgemotzt wurde.

Fototipp: Macht ein Foto mit dem nachgebauten Tor der Hacienda Nápoles, direkt vor dem Museum der Erinnerung. Es ist weiß, mit einem kleinen Flugzeug ganz oben und bekannt vom Intro der Netflix-Serie „Narcos“.

Das Landgut liegt zwischen Medellín und Bogota

Lage:Puerto Triunfo
Anreise:Bus, Auto oder Taxi ab Medellín
Must-Do:Pablo-Escobar-Museum
Öffnungszeiten:9 bis 17 Uhr
Must-See:Museum für afrikanische Kultur und Geschichte

Die Hacienda Nápoles liegt zwischen Medellín und Bogotá. Es gibt drei Möglichkeiten, von Medellín aus anzureisen: Bus, Auto oder Taxi. Laut Webseite fährt der Bus Transoriente von Medellín etwa einmal pro Stunde für knapp 30.000 COP pro Strecke (etwa 6 Euro zu meiner Zeit). Die Fahrt dauert vier Stunden, daher sollte man sich früh auf den Weg machen. Gleiches gilt natürlich auch für Auto und Taxi.

Ich habe mit einer Freundin eine organisierte Tour von Medellín aus gemacht. Wir wurden gegen vier Uhr morgens mit einem Reisebus bei unserem Hostel abgeholt und bekamen unterwegs noch ein Frühstück (traditionell kolumbianisch: Arepa, Rührei und Toast mit Käse und Schinken, dazu Kakao). Im Bus gibt es noch Infos zur Hacienda Nápoles und seiner Geschichte sowie einer Tour über das Gelände an den Gehegen vorbei. Wir sind gegen zehn Uhr abends zurück gewesen. Alles zusammen inklusive Parkeintritt und spanische Reiseleitung kostete 200.000 COP, also etwa 40 Euro (in 2022).

Besuch startet im Safaripark

Kolumbien liegt am Äquator, deshalb gibt es dort übers Jahr keine großen Wetter-Veränderungen. Innerhalb des Landes gibt es aber trotzdem große Unterschiede, je nachdem wie hoch die Orte gelegen sind. Während Medellín auf 1.495 Metern liegt, ist Puerto Triunfo nur 150 Meter hoch, entsprechend ist es dort weitaus heißer als an unserem Ausgangsort.

Aber erstmal bleiben wir sowieso im klimatisierten Bus. Der führt uns etwa eine halbe bis dreiviertel Stunde vorbei an Gehegen und überdimensionalen Figuren von Tieren und Dinosauriern. Auch das Maskottchen des Parks, das Flusspferd Vanessa ist hier als rosafarbene Figur verewigt. Die echte Vanessa treffen wir später. Im Gegensatz zum legendären Flusspferd sind aber die meisten Tiere aus Escobars Besitz inzwischen verstorben und wurden durch neue Tiere ersetzt.

Vom Bus aus sehen wir zum Beispiel einen Elefanten, Tiger und Löwen, Tapire, Schildkröten und eine Antilopenart. Wir machen auch einen Halt, um zur Toilette zu gehen, Wasser zu kaufen und ein paar der Raubkatzen von ganz nah sehen zu können. Die Pumas liegen glücklicherweise direkt am Zaun und ich kriege ein gutes Bild hin. Sie sind aber ziemlich reglos in der Vormittagshitze.

Wir setzen unsere Fahrt fort bis zum Busparkplatz, machen dort einen Abholzeitpunkt aus und strömen dann in alle Himmelsrichtungen. Die Hacienda Nápoles ist riesig – wir haben etwa fünf Stunden Zeit – das ist sowieso nicht genug, um alles sehen zu können. Wer mehr Zeit braucht, kann übrigens auch ein Hotel auf dem Gelände buchen.

Erinnerung bekommt wenig Platz

Meine Freundin und ich gehen als Erstes ins Museo Memorial. In dem blau-weiß angestrichenen Wohnhaus kann man die Geschichte des Dragonbarons nachvollziehen. In den Räumen gibt es Fotos sowie Erklärtexte auf Englisch und Spanisch, dazu historische Zeitungsartikel, Fahndungsplakate und eine Porträtgalerie, mit der an einige Opfer des mörderischen Drogenbarons erinnert wird.

Vor dem Haus stehen außerdem einige historische Fahrzeuge aus der Sammlung Escobars. Dafür, dass wir uns an einem historischen Ort befinden, bekommt die Erinnerung nur wenig Platz in der Hacienda Nápoles. Ein Mahnmal wäre angemessen gewesen.

Die meisten, vor allem Familien mit Kindern, wollen aber sowieso vor allem zum Aquapark. Es gibt mehrere Pools. In einem steht ein riesiger Krake, den man hinunterrutschen kann. Dann gibt es die Victoria Falls, einen 100 Meter langen und 20 Meter hohen Wasserfall.

Darüber hinaus gibt es weitere Rutschen und Geschicklichkeitsspiele. Ganz wichtig: Badekleidung einpacken. Weil ich diese leider vergessen habe, kann ich meiner Freundin nur beim Rutschen zusehen.

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Nilpferd-Dame Vanessa gehörte einst Escobar

Irgendwann wird mir das zu langweilig und ich erkunde die Umgebung des Aquaparks. Es gibt ein kleines Schmetterlingshaus mit einer sehr netten Mitarbeiterin und etwas weiter davon kann man Schlangen und Schildkröten aus nächster Nähe beobachten. Die eigentliche Attraktion in dieser Ecke des Anwesens ist aber das Nilpferd Vanessa, das in einem kleinen Gehege lebt. Es gehörte einst dem Drogenboss Pablo Escobar.

Mit den Nilpferden ist es so eine Sache. Pablo Escobar holte wenige Exemplare für seinen Privatzoo zur Hacienda Nápoles. Die Tiere brachen aus, vermehrten sich und jetzt leben rund 130 Exemplare frei in der Nähe des Magdalena-Flusses, nördlich von Bogota. Die Regierung weiß nicht recht, wie sie der invasiven und gefährlichen Art Herr werden soll. Einige konnten schon sterilisiert werden, auch über Tötungen wird nachgedacht.

Nilpferd-Dame Vanessa muss sich davor freilich nicht sorgen. Sie wurde von der Herde verstoßen und ist jetzt eine Touristenattraktion.

Geht dahin, wo sonst niemand ist

Doch die Hacienda Nápoles beherbergt nicht nur exotische Tiere, sondern hat auch einen kleinen Amazonas-Zoo. Ich spaziere den fast leeren Weg an Tapiren, Mini-Äffchen und Krokodilen vorbei – vielleicht mein Highlight auf dem Landgut, für mich als Europäerin sind das schließlich immer noch exotische Tiere und man kommt ganz nah an sie heran.

Zwei weitere Attraktionen hier sind der Dino-Park mit überdimensionalen Figuren von Tyrannosaurus Rex und seinen Gefährten. Manche von ihnen bewegen sich sogar. Das ist aus meiner Sicht natürlich etwas albern, aber die Kinder lieben es. Wer jetzt an eine Disneyfizierung der Hacienda denkt, täuscht sich übrigens: Auch Drogenboss Escobar selbst hatte Figuren von Dinos und Mammuts auf seinem Landgut stehen.

Mein Tipp für den Ausflug – zumindest wenn man ähnliche Interessen hat wie ich: Geht dahin, wo sonst niemand ist. Ein kleines Juwel finde ich noch kurz vor der Rückfahrt. In Escobars eigener Stierkampf-Arena befindet sich heute ein Museum für afrikanische Kultur und Geschichte. Passt nicht nach Lateinamerika, denke ich sofort, erklärt sich aber durch Escobars ausgeprägtem Interesse an Afrika.

Das Museum ist hübsch, informativ und weniger protzig als die Dinosaurier-Figuren und Riesenrutschen. Für mich ist es ein schöner Abschluss eines sehr spektakulären Tages.

Fazit

Wer in die Geschichte von Kolumbien und Pablo Escobar eintauchen möchte, sollte in Medellín mit Free-Walking-Touren und einem Besuch in der Comuna 13 anfangen. Die Hacienda Nápoles ist heute mehr Freizeitpark als historische Stätte.

Ich war insgesamt etwas länger als einen Monat in Medellín und hatte bereits alle Must-Sees gesehen, bevor ich zur Hacienda Nápoles gefahren bin. Dort erwartet die Besucher ein Einblick in die verrückte Welt Escobars und in seine Geschichte, vor allem aber Zoos und Swimmingpools. Wenn man sich das vorher klarmacht, lohnt sich der Ausflug aber auf jeden Fall. Ich empfehle, wie ich und im übrigen auch viele Kolumbianer mit einer Agentur zu reisen, denn dann spart ihr euch die Organisation und zahlt schlussendlich höchstens zehn bis 20 Euro drauf.

Ein letzter Tipp: Bringt euer eigenes Mittag- und Abendessen mit. Es gibt zwar Fastfood-Restaurants auf dem Gelände, aber das Essen dort schmeckt wirklich furchtbar!

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