Noch vor wenigen Jahren galt die Comuna 13 als gefährlichster Stadtteil von Medellín – der damals noch gefährlichsten Stadt der Welt. Unter anderem kämpften hier Drogenbanden um Territorien und ihr Leben. Für Touristen wäre es damals undenkbar gewesen, das Viertel zu besuchen. Doch das hat sich in den letzten Jahren verändert. Heute ist es hier sicher. Bei einer Tour durch die Comuna 13 in Kolumbien kann man heute die Geschichte entdecken, Graffiti bewundern und mit einer riesigen Rolltreppe fahren.

Lohnt sich eine Tour durch die Comuna 13 in Kolumbien?

In der Comuna 13 bekämpften sich jahrelang die verschiedenen Akteure des kolumbianischen Bürgerkriegs. Die Auseinandersetzungen zwischen Drogenbanden, linken FARC-Guerilla, rechten paramilitärische Kräften und Sicherheitskräften waren oft blutig und tödlich – die Comuna 13 war damals nicht nur die gefährlichste Comuna Medellíns, sondern auch ganz Lateinamerikas. Heute muss man sich keine Sorgen mehr machen. Kolumbien ist vielerorts sicher und in der Comuna kann man einfach zu Fuß herumschlendern – oder gleich die zusammengenommen 348-Meter-lange Freiluftrolltreppe benutzen, die erst 2011 eingeweiht wurde. Euch erwartet eine Mischung aus Geschichte, Straßenkunst und das echte Leben in einer lateinamerikanischen Favela.

Fototipp: Besonders schön wird die Comuna 13, wenn die Sonne untergeht. Achtet also darauf, dass eure Kamera geeignet ist, um die vielen Lichter (lichtempfindliche Kamera bzw. ObjektivI) zu erfassen. Zweiter Tipp: Überall gibt es bunte Graffiti, hinter denen viele Geschichten stecken.

Anreise zur Comuna 13

Lage:Im Westen von Medellín
Anreise:Metro B bis San Janvier
Must-HaveRegenschirm
Must-Do:Free-Walking-Tour
Wie viel Trinkgeld
ist angemessen:
35.000 bis
50.000 Pesos (knapp 10 Euro)

Medellín hat ein ausgezeichnetes, sauberes Metro-Netzwerk. Nehmt die Metro A bis San Antonio und von dort die Metro B nach San Javier. Von hier sind es nur noch neun Minuten Fußweg auf der Calle 45 und Carrera 99. Tickets kosten umgerechnet etwas mehr einen Euro (je nach Wechselkurs).

Alternativ könnt ihr auch ein Taxi nehmen. Taxifahren ist extrem günstig, mehr als fünf Euro werden es selten. Ihr könnt dem Fahrer die Comuna 13 als Zielort nennen. Es lohnt sich aus zwei Gründen, Taxis über spezielle Apps zu buchen: 1. Ihr könnt sicher sein, dass der Fahrer euch wirklich sicher an euren Zielort bringt und 2. Wisst ihr schon im Voraus, wie teuer die Fahrt etwa wird.

Ein Regenschirm ist das Must-Have in Medellín

Um auch wirklich etwas vom Besuch in der Comuna 13 zu haben, solltet ihr eine Führung buchen. Beliebt sind Free-Walking-Tours, bei denen ihr euch kostenlos anmelden könnt und dem Guide nach der Tour Trinkgeld gebt. Angemessen sind 35.000 bis 50.000 Pesos. Bucht die Tour im Voraus. Es gibt mehrmals täglich, spanisch- und englischsprachige Touren. Dabei haben solltet ihr genug Bargeld, um Trinkgeld, Toilette, Snacks und Drinks zu zahlen. Außerdem eine gute Kamera und Schuhe, in denen ihr drei Stunden laufen könnt. Weiteres Must-Have in Kolumbien: ein Regenschirm. Man weiß nie, wann es hier regnet.

Früher war die Comuna 13 Kriegsgebiet

Die Comuna 13 stand ganz oben auf meiner To-do-Liste in Medellín. Ich habe mich für eine Free-Walking-Tour entschieden, weil ich nichts von der Geschichte des Viertels verpassen will. Unser Guide Jason holt uns an der Metro-Station ab. Wir beginnen die Tour auf einem kleinen Platz, von dem aus wir Teile der Comuna 13 überblicken können. Um uns herum blicken wir auf mehrstöckige Häuser aus rotem Backstein, sie sind bemalt, auf den Balkonen stehen Blumen. Ich kann durch ein Fenster einer Oma beim Kochen zusehen.

Wir befinden uns hier mitten im Herzen eines ehemaligen Kriegsgebiets. Hier bekämpfen sich die verschiedenen Akteure des kolumbianischen Bürgerkriegs, also die linken FARC, die rechten paramilitärischen Gruppen, Sicherheitskräfte und Drogenhändler.

Nach 2002 verbesserte sich die Lage

Jason erklärt uns, warum: Die Comuna ist eine klassische Favela. Das Wort verbindet man mit den Elendsvierteln in Südamerika, es bezeichnet aber eigentlich wild gewachsene Siedlungen in Randlagen. In der Comuna 13 bedeutet das: keine Stadtplanung, dafür enge Gassen, durch die man nur zu Fuß aufsteigen kann und die von oben, etwa durch bewaffnete Gruppen, perfekt überblickt und anvisiert werden können. In den 1990er Jahren gab es hier statistisch gesehen jeden Tag einen Mord. Auch nach dem Tod von Drogenkönig Pablo Escobar 1993 entspannte sich die Situation nicht. 2002 kam es zu einem Großeinsatz unter Anweisung von Álvaro Uribe Vélez, dem damaligen Präsidenten Kolumbiens. Er ließ die Comuna 13 mit Hubschraubern und Panzern angreifen. Die Kämpfe dauerten vier Tage – auch zahlreiche Zivilisten kamen uns Leben. Nach der sogenannten Opéracion Orion verbesserte sich die Lage, sagt Jason.

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Graffiti und Riesen-Rolltreppe

Wir stehen auf, bereit für die heutige, freundliche Seite der Comuna. Jason führt uns zu einer Wand voller Graffiti, direkt neben einem Fußballplatz. „Die Hip-Hop-Kultur ist etwa 2005 hierhergekommen. Die Wandmalereien erzählen heute von der Geschichte dieses Viertels, aber sie bringen niemanden mehr in Gefahr.“ Er erklärt uns die Bilder, auf denen es um Verlust und Hoffnung geht, um Sprachlosigkeit und Emanzipation – auch hier lohnt es sich, mit einer Tour unterwegs zu sein. Wir steigen viele Treppen auf. Die Gassen sind so eng, dass ich mich frage, wie die Bewohner hier Möbel transportieren. Weiter oben ist es auch nicht mehr so voll wie ganz unten, wo wir gestartet sind.

Wer in der richtigen Ecke der Comuna wohnt, hat Glück: 2011 wurde eine Riesen-Freiluftrolltreppe eingeweiht. Mit einer Gesamtlänge von 348 Metern überwindet einen Höhenunterschied von 28 Stockwerken. Die Rolltreppe ist in sechs Abschnitte unterteilt, das heißt man kann immer wieder aussteigen und die umliegenden Straßen erkunden. Zählt man alle Abschnitte zusammen, wäre das die längste Rolltreppe der Welt! Sie trägt vor allem dazu bei, dass die Bevölkerung deutlich mobiler ist als noch vor 2011.

Wir machen einen Abstecher zu einer kleinen Bar mit Dachterrasse und probieren das traditionelle Getränk Chicha sowie ein lokales Bier und genießen den großartigen Blick über die Stadt. Die Sonne geht hier ganzjährig gegen 18 Uhr unter und es dämmert schon – vielleicht die schönste Zeit für diesen Ausblick.

Fazit

Eine Tour durch die Comuna 13 gehört in Medellín einfach dazu. Die Geschichte ist spannend, die Comuna ist bunt und die Leute sind offen und herzlich. Ich würde auf jeden Fall eine Führung buchen, um nichts zu verpassen. Wer sich gut mit der Geschichte auskennt, kann aber auch auf eigene Faust losziehen, denn die Comuna 13 gehört heute zu den sichersten Vierteln von Medellín.

Wer noch etwas länger in Medellín bleibt, sollte auch das Museum de Antioquia besuchen, über den Plaza Botero schlendern und mit der Seilbahn zum Park Arvi fahren. Ein weiteres Highlight ist der Tagesausflug zum Fels von Guatapé.

Lage

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