Egal zu welcher Jahreszeit kann man mitten in Rheinland-Pfalz bequem den farbenprächtigen Wald rund um das Mörsdorfer Bachtal aus einer ungewöhnlichen Perspektive bewundern – dank der Hängeseilbrücke Geierlay im Hunsrück. In einer schwindelerregenden Höhe von 100 m ermöglicht die Fußgängerseilbrücke zwischen Mörsdorf und Sosberg einen Spaziergang über das Waldmeer. Die Geierlay gilt als schönste Hängeseilbrücke Deutschlands! Ob sie dem auch wirklich gerecht wird, habe ich mir angesehen!

Lohnt sich ein Besuch der Hängeseilbrücke Geierlay?

Mitten in Rheinland-Pfalz befindet sich Deutschlands schönste Hängeseilbrücke. Die Hängeseilbrücke Geierlay verdankt ihren Namen dem Felsabhang Geiersley, weil in der Nähe des Felsens („Ley“) Greifvögel („Geier“) leben. Kein Wunder also, dass das Maskottchen der Hängeseilbrücke der Geier Gerry von Geierlay ist. Im Jahr ihrer Vollendung, 2015, galt die Brücke noch als längste Hängeseilbrücke Deutschlands, 2017 ging dieser Rang aber an die Titan RT im Harz. Dennoch zählt die Hängeseilbrücke Geierlay mit einer Länge von 360 m noch heute zu den längsten Hängeseilbrücken Europas. Ein Ausflug zur Brücke kann, muss aber nicht, mit einer Wanderung kombiniert werden. Wir haben uns für eine leichte Abwandlung des sogenannten Premiumwanderwegs Geierlayschleife entschieden. Dieser ist etwa 6,5 km lang und der Schwierigkeitsgrad eignet sich gut für fortgeschrittene Anfänger. 

Fototipp: Die schönsten Bilder gelingen auf der Sosberger Seite der Brücke. Von dort aus kann man die Brücke in ihrer vollen Länge einfangen, was ziemlich beeindruckend aussieht. 

Anreise zur Hängeseilbrücke Geierlay

Länge: 360 m
Höhe:100 m
Fertigstellung:2015
Wandertipp:Geierlayschleife (6,4 km)
Besonderheit:gebaut nach nepalesischem Vorbild

Da es in der Gegend lediglich Busanbindungen (Linien 630, 632 & 742 bis Mörsdorf) gibt, werden die meisten Besucher leider nur mit dem Auto anreisen können. Sowohl in Sosberg, als auch in Mörsdorf sind Parkplätze vorhanden. Wichtig zu beachten ist die besondere Parkregelung für Besucher und Besucherinnen, geparkt darf in Mörsbach nämlich ausschließlich auf einem der insgesamt vier offiziellen Parkplätze.

P1 ist der zentralste Parkplatz, dort befindet sich das Infozentrum und von dort aus ist die Brücke am schnellsten zu erreichen, die Entfernung beträgt 1,7 km. Dafür zahlt man hier auch die höchste Parkgebühr. Gezahlt kann außerdem nur mit Bargeld, ein Geldautomat ist am Infozentrum vorhanden. Je weiter der Parkplatz von der Brücke entfernt ist, desto günstiger wird es. Der einzig kostenlose Parkplatz ist P4, er liegt 4,3 km von der Brücke entfernt, sodass eine kleine Wanderung hier schon mit inbegriffen ist. Wir haben uns für P1 entschieden. Von dort aus kann man sich für einen von zwei Wegen entscheiden. Der geteerte Weg kann problemlos mit Kinderwagen, Rollator oder Rollstuhl befahren werden. Die andere Option ist der Weg durch den Wald. Beide Wege sind 1,7 km lang. In Sosberg sind ebenfalls Parkplätze vorhanden, allerdings deutlich weniger. Dafür sind diese besonders für Menschen mit Geh-Einschränkungen zu empfehlen, da der Einstieg auf die Brücke auf Sosberger Seite flacher ist. Das Betreten der Brücke ist übrigens kostenfrei.

Schwindelfreiheit ist Voraussetzung für die Hängeseilbrücke

Wir finden relativ schnell den Waldweg, die Gegend ist gut ausgeschildert. Schnell taucht man ein ins grüne Dickicht und atmet Natur. Im Herbst ist das hier aber eine ziemlich matschige Angelegenheit und wird schnell zur Rutschpartie, festes Schuhwerk ist dann also ein Muss. Im Frühjahr oder Sonne sieht das natürlich anders aus. Zwischendurch ist man auch mal auf kleinen Holzstegen unterwegs und dann führt eine Treppe uns hinauf zum Ziel – schon sehen wir Deutschlands schönste Hängeseilbrücke mit eigenen Augen. Hier stehen Holzbänke, auf denen wir uns niederlassen, denn wir brauchen eine kleine Verschnaufpause nach dem Treppensteigen. Außerdem kann man von hier aus wunderbar beobachten, wie die Leute auf die Brücke reagieren und mit ihr interagieren.

Schnell wird uns klar: die Brücke ist wackeliger, als sie aussieht. Einige gehen ganz langsam und ganz vorsichtig und balancieren mit leicht ausgestreckten Armen. Und tatsächlich ist sie ein bisschen wackelig, aber auch so abschüssig und in diesem Moment menschenleer, dass ich mich spontan dazu entscheide, mit Anlauf bis zur Mitte der Brücke zu laufen. Ein befreiendes Gefühl. Die Aussicht ist wunderschön, man blickt auf die Natur und in die Ferne, unter euch der Wald. Plötzlich entdecke ich über mir einen Falken, der durch die Luft schwebt. Doch die Brücke ist kein Ort zum Verweilen. Mit einer Breite von 85 cm geht es kaum anders, als sich aneinander vorbeizuquetschen. Und weil sie schwingt und wackelt, torkelt man insbesondere in der Mitte der Brücke auch schonmal in fremde Arme und lacht über die Tollpatschigkeit aller Beteiligten. Fast fühlt man sich an eine Attraktion im Freizeitpark erinnert. Für diesen Spaß sollte man aber auf jeden Fall schwindelfrei sein, das wird sogar auf der Webseite der Hängeseilbrücke ausdrücklich empfohlen. Wir überqueren die Brücke problemlos und auf der anderen Seite angekommen geht die eigentliche Wanderung los.

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Geierlayschleife-Wanderung am Mörsdorfer Bach entlang

Wir begeben uns auf den Weg, der unter der Brücke herführt, ab hier begegnen uns plötzlich keine Menschen mehr. Wenn man direkt unter der Brücke steht und hinaufschaut, sieht das schon krass aus. Und wieder fühle ich mich an einen Freizeitpark erinnert, denn es ist, als stände ich direkt unter den Gleisen einer Achterbahn. Ein Stück weiter bietet sich wieder eine neue Perspektive auf die Brücke. Von hier aus kann man sie in ihrer ganzen Länge bewundern. Ein schöner, menschenleerer Waldweg führt uns zum Mörsdorfer Bach. Es riecht wunderbar nach Herbst, wir entdecken unterschiedliche Pilze am Wegrand und um uns herum raschelt das Laub. Es dauert nicht lang, bis wir den Bach erreichen. Friedlich plätschert er vor sich hin und ich kann mir gut vorstellen, dass man hier im Sommer bestimmt gut picknicken kann. Eine kleine Brücke führt über das klare Wasser, wir halten kurz inne und lauschen dem fließenden Gewässer.

Die Geierlayschleife würde weiter durch den Wald am Bach entlangführen, doch wie schon erwähnt, haben wir uns für eine kleine Abwandlung der Wanderroute entschieden. Unser Weg führt uns aus dem Wald heraus auf einen Feldweg. Von weitem sehen wir die bunten Baumkronen des Waldes. Am Wegesrand entdecken wir die Blüte einer einzigen Calendula. Es dauert nicht mehr lang, bis wir die Ortschaft sehen. Von dort aus ist es nur noch ein kurzes Stück bis zum Parkplatz. Insgesamt waren wir knapp vier Stunden unterwegs, inklusiver mehrerer kurzer und längerer Pausen. 

Fazit

Es ist kein Wunder, dass die Geierlay Hängeseilbrücke als Deutschlands schönste Hängeseilbrücke bezeichnet wird. Ihre Architektur ist wirklich beeindruckend und ich musste bei ihrem Anblick stets daran denken, wie aufwändig der Bau gewesen sein muss. Der Ausflug hat gezeigt, dass sie auch ein Highlight ist, wenn die Sonne mal nicht scheint, weil der Ausblick zu jeder Jahreszeit wunderschön ist. Im Winter lockt sie zusätzlich mit ganz besonderen Veranstaltungen, etwa Geierlights, die am 3. Adventswochenende stattfinden, bei dem die Brücke mit über 7.000 LEDs beleuchtet wird.

Der Weg zur Brücke ist kurz und angenehm. Auch der Wanderweg Geierlayschleife ist nicht allzu herausfordernd, sondern gleicht eher einem ruhigen Waldspaziergang, der auch für Familien mit älteren Kindern empfehlenswert ist. Verpflegung sollte man auf jeden Fall mitbringen, eine Flasche Wasser und ein paar Butterbrote oder Müsliriegel haben uns gereicht. In Mörsdorf gibt es aber auch einige Cafés und Restaurants.

Lage

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