Vorbei an imposanten Felsformationen, spektakuläre Tiefblicke, idyllische Wiesen und Wälder… Das ist der Malerweg im Elbsandsteingebirge in der Sächsischen Schweiz. Ich laufe durch diese Landschaft südlich von Dresden mit ihren eindrucksvollen Tafelbergen und frage mich immer wieder, ob das wirklich Deutschland sein kann? Denn die Gegend schaut ganz anders aus als gewohnt! Ich bin gespannt, welche Sehenswürdigkeiten mich noch am Malerweg erwarten.

Lohnt sich der Malerweg in der Sächsischen Schweiz?

Der Malerweg in der Sächsischen Schweiz gilt als einer der schönsten Fernwanderwege in Deutschland. Er zieht sich über 112 km durch die Sächsische Schweiz im Uhrzeigersinn von Liebethal bis nach Pirna. Dafür sind insgesamt 8 Etappen, also 8 Tage vorgesehen. Die Wegstrecke pro Tag beträgt zwischen 11 und 18 Kilometer bzw. 5 bis 7 Stunden Gehzeit.

Früher sind auf dem Wanderweg die Maler von Attraktion zu Attraktion gelaufen. Die Künstler der Romantik haben die besondere Landschaft der Sächsischen Schweiz nur zu gern als Vorlage genommen. Allen voran die Künstler der Dresdner Akademie wie Caspar David Friedrich.

Doch nicht nur Maler haben sich von der Natur inspirieren lassen. Nach und nach kamen immer mehr Touristen aus Nah und Fern sowie bedeutende Kunstschaffende, darunter Schriftsteller wie Hans Christian Andersen und Komponisten wie Richard Wagner, in das malerische Elbsandsteingebirge. Ein Großteil ist heute Nationalpark.

Anreise in die Sächsische Schweiz

Start:Liebethal
Ziel:Pirna
Etappen:8
Länge:112 km
Beste Reisezeit:April bis Oktober

Egal, ob ihr nur Teile des Weges oder die komplette Strecke gehen wollt, die Anreise ist mit den öffentlichen Verkehrsmitteln sehr bequem, da die Sächsische Schweiz gut mit Bus und Bahn erreichbar ist. Die S-Bahn pendelt zwischen Dresden und Pirna in einem dichten Takt und benötigt nur 20 Minuten.

Wer mit dem Auto kommt, parkt in Pirna auf einem der beiden Langzeitparkplätze. Der Ticketpreis liegt zwischen 20 und 40 Euro. Es gibt allerdings auch kostenfreie Parkplätze in der Nähe des Hauptbahnhofs in Pirna. Von dort geht es dann mit dem Bus weiter zum Ausgangspunkt des Malerwegs nach Liebethal.

Ausrüstung für den Malerweg

Für die Wanderung auf dem Malerweg benötigt man nicht viel Gepäck. Es empfiehlt sich ein Trekking-Rucksack, der schmal gepackt ist. Damit kommt ihr besser durch die engen Felsspalten. Zur Ausrüstung gehören neben Wechselkleidung, ausreichend Wasser und Snacks, eine Wanderkarte sowie ein Erste-Hilfe-Set für den Notfall und festes Schuhwerk. Wer seine Wanderschuhe vergessen hat oder keine besitzt, kann sich beim Bad Schandauer Tourist-Service welche ausleihen.

Beim Kleiden ist das Zwiebelschalenprinzip angebracht, um auf Temperaturschwankungen zu reagieren. Denn im Sommer sind die Schluchten im Elbsandsteingebirge deutlich kühler als die Felsplateaus. Ihr solltet außerdem Bargeld in der Tasche haben, da nicht alle Betriebe EC- bzw. Kreditkarten akzeptieren. In den Ortschaften gibt es allerdings Geldautomaten. Special-Tipp: Wanderstöcke könnt ihr zuhause lassen, da diese auf den Leitern und Treppen hinderlich sind.

Wandern ohne Gepäck

Wenn euch der Mehrtages-Rucksack auf Dauer zu schwer wird, könnt ihr euer Gepäck auch von einem Anbieter transportieren lassen. Alternativ könnt ihr bei den Unterkünften anfragen, ob sie euch damit unterstützen. Zudem sind viele Hotels und Pensionen mit dem Titel „Wanderfreundlich am Malerweg“ gekennzeichnet. Diese Unterkünfte sind auf Übernachtungen von einer Nacht eingestellt und verfügen über einen Trockenraum oder bieten oftmals auch Lunchpakete an.

Außerdem bekommt ihr dort Postkarten der jeweiligen Etappe und einen Stempel für euren Wanderpass. Die Auswahl an Unterkünften reicht von einfachen Ferienhäusern und Campingplätzen bis hin zu guten 4- und 5-Sterne-Hotels. Einige Gasthäuser können direkt online gebucht werden.

Die Wanderung selbst stellt keine großen Anforderungen an euer Können dar und kann als leicht bewertet werden. Auch Familien mit Kindern, die schon öfter vor der Haustür gewandert sind, können sich die Mehrtagestour zutrauen. Dennoch solltet ihr euch auf einige Höhenmeter einstellen (siehe Tabelle unten), so dass etwas Kondition nötig ist, um alle Etappen zu bestreiten.

Einkehrtipps

Sehenswürdigkeiten am Malerweg

Jede Etappe hat ihren eigenen Charme. Typisch für den Malerweg aber auch für die gesamte Sächsische Schweiz sind jedoch Wanderwege durch enge Felsspalten sowie über Leitern und Treppen, die sich entlang der Felsen in den Tafelbergen schlängeln. Schon allein diese Wegführung ist eine Attraktion für sich.

Auf dem Weg passiert ihr das Richard-Wagner-Denkmal im Liebethaler Grund und kommt am Uttewalder Grund mit dem bekannten Felsentor vorbei. Außerdem liegen die berühmte Basteibrücke, die Festung Hohnstein und die Brandaussicht auf dem Weg. Von dort blickt ihr hinab ins idyllische Polenztal und über weite Teile des Elbsandsteingebirges. Besonders spektakulär ist die Felsgruppe der Schrammsteine auf Etappe 4. Danach lohnt ein kurzer Abstecher zum 458 Meter hohen Carolafelsen in den Affensteinen. Dort befindet sich die Haentzschelstiege, einer der beliebtesten Klettersteige in der Sächsischen Schweiz.

Schrammsteine, Kuhstall & Himmelsleiter

Eine Top-Attraktion auf dem Malerweg ist der Kuhstall, der ebenfalls auf Etappe 4 zu finden ist. Der Kuhstall ist eine riesige Felsenhöhle. Im Dreißigjährigen Krieg sollen die Einheimischen hier ihre Kühe vor Plünderern versteckt haben, deshalb auch der merkwürdige Name. Oberhalb dieser imposanten Felsenhöhle führt die sogenannte Himmelsleiter durch eine Felsspalte zum Neuen Wildenstein hinauf.

Als ich vor dieser Leiter mit über 100 Stufen stehe, blicke ich zunächst ins Dunkle. Zwar ist der Fels nach oben hin offen, aber es kommt nur sehr wenig Licht ins Innere. Meine Augen gewöhnen sich nur langsam an die Dämmerung. Jetzt wird mir auch klar, wieso die Leiter Himmelsleiter heißt. Denn mit jedem Schritt komme ich dem Tageslicht wieder näher.

Mit der Fähre setzt ihr bei Schmilka auf die andere Elbseite über und gelangt zur Aussicht, von der sich Casper David Friedrich zu seinem Gemälde „Der Wanderer über dem Nebelmeer“ inspirieren ließ. Danach geht’s weiter zum Pfaffenstein, wo die Barbarine – eine freistehende Felsnadel – 43 Meter senkrecht in den Himmel ragt. Bevor ich die Felsnadel allerdings erreiche, muss ich kurz den Bauch einziehen, denn am Pfaffenstein wartet die wohl engste Stelle am Malerweg. Mit dem Gegenverkehr muss ich mich absprechen, wer die Felsspalte zuerst passieren darf. Niemals würde man da aneinander vorbeikommen. Selbst mit Rucksack wird es eng. Platzangst sollte man hier keine haben.

Anschließend folgt ein Besuch auf der Festung Königstein, eine der größten Burgen in ganz Europa. Ihre Mauern sind bis zu 42 Meter hoch. Und ganz am Ende der Wanderung wartet kurz vor Pirna mit dem Robert-Sterl-Haus das bedeutendste Kunstmuseum der Sächsischen Schweiz auf euch.

EtappeStreckeTipp
1. Liebethal bis Wehlen→ 11,5 km ↑ 213mUttewalder Grund
2. Wehlen bis Hohnstein→ 13,2 km ↑ 502 mBasteibrücke
3. Hohnstein bis Altendorf→ 11,7 km ↑ 512 mBrandaussicht
4. Altendorf bis Neumannmühle→ 17,6 km ↑ 668 mKuhstall
5. Neumannmühle bis Schmilka→ 13,6 km ↑ 667 mGroßer Winterberg
6. Schmilka bis Gohrisch→ 16,7 km ↑ 701 mPapststein
7. Gohrisch bis Weißig→ 15,4 km ↑ 554 mBarbarine
8. Weißig bis Pirna→ 12,4 km ↑ 352 mRauenstein

Steile Felsen und Tiefblicke an der Basteibrücke

Am beeindruckendsten finde ich nach wie vor die Bastei oberhalb von Rathen. Es ist wohl die bekannteste Sehenswürdigkeit der Sächsischen Schweiz. Auch dort führt der Malerweg vorbei. Die Felstürme der Bastei ragen ganz filigran und freistehend nebeneinander auf.

Hin und wieder sind an den Felsmonumenten Kletterer unterwegs. Dieses Unterfangen ist bestimmt auch spannend. Ungeübte erkunden die Bastei hingegen über den normalen Weg. So mache auch ich das, steige durch den Wald auf und flaniere dann über die sandsteinerne Basteibrücke, die die Felstürme miteinander verbindet. Wer über das Geländer blickt, kann sich auf schwindelerregende Ausblicke gefasst machen. Knapp 200 Meter weiter unten schlängelt sich die Elbe durchs Tal.

Von der Basteibrücke erreicht man auch die Ruine der Felsenburg Neurathen aus dem 13. Jahrhundert. Auf einem kurzen Rundgang können Steinschleuder und Katapulte aus dem Mittelalter besichtigt werden. Der Besuch lohnt sich aber auch wegen der Aussicht auf die Basteibrücke.

Instatipp: Manchmal lohnt es sich, früh zu starten. So ist zum Beispiel der Sonnenaufgang über der Bastei ein Top-Motiv für ambitionierte Fotografen. Achtung! Früh sein lohnt sich hier wirklich. Sonst sind die besten Plätze an der Ferdinandaussicht schon besetzt.

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Fazit

Lohnt sich die Wanderung auf dem Malerweg? Ja, unbedingt, wenn ihr die Region in ihrer gesamten Vielfalt kennenlernen möchtet. Die Route führt an den bekanntesten Orten der Sächsischen Schweiz vorbei und ist insbesondere auf den Etappen im Elbsandsteingebirge purer Genuss. Wer etwas weniger Zeit hat, könnte die erste und letzte Etappe getrost weglassen. Stattdessen einfach in Wehlen oder an der Bastei in Rathen starten. Denn die Top-Attraktionen der Sächsischen Schweiz liegen alle zwischen Etappe 2 und 7.

Dort werdet ihr in der sommerlichen Hauptsaison allerdings nur selten alleine unterwegs sein. Denn die Attraktionen sind nicht nur über den Weitwanderweg, sondern auch für Tagesausflügler leicht zu erreichen. Bei der Planung der Wanderung solltet ihr also am besten über einen Termin in der Nebensaison im Herbst oder im Frühling nachdenken. Im Winter ist der Malerweg zwar auch möglich, allerdings haben dann weniger Betriebe entlang der Strecke geöffnet.

Hinter der Grenze liegt in Tschechien übrigens die Böhmische Schweiz, die kaum weniger spektakulär ist. Hier lohnt sich ein Besuch des Prebischtors und eine Bootfahrt auf der Kamnitzklamm. Außerdem kann der Wanderurlaub in der Sächsischen Schweiz sehr gut mit einer Sightseeing-Tour in Dresden abgeschlossen werden.

Lage

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