Die Häntzschelstiege bei Bad Schandau ist der bekannteste Klettersteig im Nationalpark Sächsische Schweiz. Der anspruchsvolle Weg inmitten einer Felsenschlucht war lange Zeit ein Geheimtipp. Doch nun entdecken immer mehr Menschen von außerhalb die verschiedenen Möglichkeiten zum Klettern im Elbsandsteingebirge. Ich habe die Häntzschelstiege ausprobiert und sage euch, für wen sich der Klettersteig lohnt, welche Ausrüstung notwendig ist und wie man sich richtig auf diese Klettersteigtour vorbereitet.

Klettern in der Häntzschelstiege im Elbsandsteingebirge

Die Häntzschelstiege ist eine Via Ferrata mit einer Länge von 700 Metern, 160 Höhenmetern und genau 516 Stufen. Die Tour auf das Lange Horn in den Affensteinen ist damit sicher nicht die längste ihrer Art, dafür komplett gesichert, so dass auch Neulinge in den Genuss eines Klettersteigs kommen. Der Aufstieg führt in einer dunklen und schmalen Felsspalte, in einem sogenannten Kamin, geradewegs nach oben. Dort angekommen, bietet sich eine herrlicher Aussicht auf die Tafelberge des Elbsandsteingebirges inmitten des Nationalparks Sächsische Schweiz.

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Instatipp: Das Elbsandsteingebirge bietet unzählige Fotomotive. Einer der besten Fotospots befindet sich am Ende der Häntzschelstiege, wo ihr eindrucksvolle Aufnahmen von den umliegenden Felsformationen machen könnt.

Anreise mit Auto & Bahn ins Kirnitzschtal

Der Einstieg zu der Häntzschelstiege ist etwas versteckt und vom Parkplatz nicht ausgeschildert. Aus diesem Grund empfiehlt es sich, eine Wanderkarte mitzunehmen. Die Anreise erfolgt von Dresden über Pirna und Bad Schandau bis zum Parkplatz Beuthenfall im Kirnitzschtal. Vor allem am Wochenende, wenn das Wetter schön ist, sollte man bis 10 Uhr anreisen, sonst findet man keinen freien Platz mehr. Wer sein Auto stehen lassen möchte, kann auch mit der S-Bahn bis Bad Schandau und dann weiter mit der Kirnitzschtalbahn, eine historische Straßenbahn, bis Beuthenfall fahren.

Schwieriger Einstieg in den Klettersteig

Nachdem wir etwas umhergeirrt sind, haben wir den Einstieg der Häntzschelstiege letztendlich gefunden. Dieser befindet sich in 2 Meter Höhe, so dass Unbedarfte nicht einfach auf die Idee kommen, die Leiter ohne Vorbereitung hinaufzuklettern. Um an die Eisenklammer zu gelangen, muss man sich zunächst an einem Felsen hochziehen. Dann geht es gut 3 bis 4 Meter fast senkrecht nach oben und man fragt sich, ob man es wirklich wagen sollte. Der Adrenalinpegel steigt. Aber wir sind gut ausgerüstet und verfügen über das nötige Klettersteigset.

Sicherheitsausrüstung anlegen

Die Klettersteigausrüstung haben wir uns zuvor im Kletterwald an der Festung Königsstein ausgeliehen. Direkt an der Häntzschelstiege gibt es nämlich keinen Verleih. Das Kletterset besteht aus einem Kletterhelm und einem Gurt mit Karabinerhaken. Auch eine Stirnlampe ist unter Umständen notwendig, wenn es stark bewölkt ist und nur wenig Licht in den Kamin eindringt. Empfehlenswert sind außerdem festes Schuhwerk und Handschuhe, weil einige Drähte etwas spröde sind, und eigene Verpflegung. Es gibt keine Einkehrmöglichkeit am Ziel.

Klettersteig führt durch schmale Felsspalte

Nachdem wir das erste Teilstück bis zur Affensteinpromenade problemlos gemeistert haben, folgt der spektakuläre Kamin, eine enge Felsspalte. Der Eingang ist sehr schmal. Man muss den Rucksack abnehmen und seitlich hineingehen. Es wird immer dunkler. Nur von oben, aus rund 20 Meter Höhe, schimmert noch etwas Licht hinein. Dort klettern wir jetzt hoch! Oben angekommen, müssen wir noch eine Felsenschlucht übertreten. Dann ist man am Gipfel des Langen Horn. Etwas beängstigend ist es schon, wenn man frei auf dem Felsen steht. Es gibt nämlich keine Geländer, so dass ein paar Leute sogar auf allen Vieren kraxeln, um nicht den Halt zu verlieren.

Mein Fazit zur Häntzschelstiege

Wer die Häntzschelstiege einmal geschafft hat, wird sie immer wieder gehen wollen. Der Klettersteig ist zwar anstrengend, weil es fast die ganze Zeit senkrecht nach oben geht, aber es macht mega viel Spaß. Ich empfehle die Häntzschelstiege auch jenen, die am Klettern interessiert sind, aber noch keine Erfahrung haben. Man sollte allerdings schwindelfrei, trittsicher und sportlich sein. Die gesamte Tour dauert zirka 30 bis 60 Minuten, je nach Andrang. An schönen Tagen muss mit Staus gerechnet werden. Wer am Gipfel länger verweilen möchte, sollte noch ein Stück über die Felsen wandern. Es gibt viele ruhige Ecken für ein schönes Picknick mit grandioser Aussicht.

Lage

Praktische Links

Gut zu wissen

Die Häntzschelstiege ist eine Einbahnstraße. Der Abstieg lohnt sich über die Wilde Hölle. Hierfür solltet ihr euch noch etwas Kondition aufheben, weil einige Teilstücke wieder über Klammern und steile Passagen führen. Vorher ist aber noch ein Abstecher zum Carolafelsen angesagt, wo ihr mit einem wunderschönen Blick belohnt werdet. Alternativ bietet sich eine 1-stündige Wanderung zum Großen und Kleinen Winterberg an. Auch zum berühmten Kuhstall, einem riesigen Felsentor, und zur Himmelsleiter ist es nicht weit. Es gibt viel zu entdecken links und rechts von der Elbe. Das Elbsandsteingebirge in der Sächsischen Schweiz bietet insgesamt über 1.000 freistehende Sandsteinfelsen und eine überwältigende Naturkulisse.

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