In Amsterdam bieten zahlreiche verschiedene Agenturen Grachtenfahrten an. Die Kanäle sind voll mit Booten mit unterschiedlichen Logos. Aber nur ein Anbieter hat dabei auch die Nachhaltigkeit im Blick und zwar Plastic Whale. Bei der zweistündigen Bootsfahrt durch die Amsterdamer Grachten bekommen Teilnehmer Fischernetze in die Hand gedrückt und angeln Müll aus dem Wasser, während sie Amsterdam aus einer ganz besonderen Perspektive erleben.

Plastiksammeln in den Amsterdamer Grachten

Plastik sammeln und daraus Boote machen, um noch mehr Plastik zu fischen. Dieses Konzept funktioniert für die Amsterdamer NGO Plastic Whale seit 2011 so gut, dass nicht nur im Laufe der Jahre knapp 150.000 Flaschen geangelt und 9 Boote daraus gebaut wurden (Stand August 2018), sondern mittlerweile so viel Plastik zusammengetragen wurde, dass daraus Möbel gefertigt werden können.

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Instatipp: Selfie beim Helfen: Auf dem Boot sitzend, mit einem Netz voller Plastik in der Hand, vor der wunderschönen Kulisse der Amsterdamer Grachtenhäuser. Ein solches Foto auf Instagram animiert vielleicht noch mehr Amsterdamer Besucher, einen kleinen Beitrag für die Umwelt zu leisten.

Buchung und Treffpunkt für die Grachtenfahrt

Wer teilnehmen will, bucht über Airbnb den Tag der Wahl für 25 Euro pro Person. Darin enthalten sind die zweistündige Fahrt, ein Snack vom Amsterdamer Schokoladenproduzenten und Unterstützer Tony Chocoloney, Wasser sowie die Instruktionen und Ausrüstung während der Bootsfahrt. Plastic Whale bietet täglich Touren an, in der Hochsaison sogar auch zweimal am Tag. Treffpunkt sind zentrale Punkte in der Stadt, die jeder leicht findet. So zum Beispiel das Homomonument oder der Hauptbahnhof. Bereits ein paar Minuten vor der Zeit warten zwei Kapitäne mit einem gut erkennbaren Plastic Whale T-Shirt.

Wer kann beim Plastik fischen in Amsterdam mitmachen?

Mitmachen kann jeder, der etwas Gutes für die Umwelt tun will. Vorkenntnisse braucht es nicht. Zu Beginn der Tour erfolgt eine kurze Instruktion durch die Kapitäne. Plastic Whale bietet auch Touren für Schulklassen und Unternehmen an. Größere Gruppen können sich ebenso jeder Zeit an Plastic Whale wenden. Für Familien mit Kindern werden bei Bedarf Schwimmwesten ausgeteilt, allerdings ist die Tour völlig ungefährlich.

Amsterdams Kanäle sind doch sauber, oder nicht?

Auf den ersten Blick sind die Grachten der niederländischen Hauptstadt sicher sauber. Wer aber etwas genauer hinschaut, besonders zwischen den Booten und an den Begrenzungsmauern findet oft eine Vielzahl von Plastikflaschen, Tüten und Bierdosen. Diese werden entweder achtlos ins Wasser geworfen oder werden vom Wind hineingeweht. Dies geht sogar so weit, dass Enten den Plastikmüll benutzen, um daraus Nester zu bauen. Auch die Tatsache, dass Plastic Whale seit 2011 rund 150.000 Plastikflaschen und beinahe 3.000 Müllsäcke aus dem Wasser ziehen konnte, ist ziemlich eindeutig.

Warum sollte ich den Müll von anderen wegmachen?

Eine sehr berechtigte Frage und ich muss zugeben, auch ich hab während der Tour darüber nachgedacht, wie es sein kann, dass ein Teil der Bevölkerung einfach völlig gedankenlos seinen Müll liegen lässt und der andere Teil, dem es eben nicht egal ist, muss es aufräumen. Sicher wäre es sinnvoller, Touristen und Einheimische über die Verschmutzung der Kanäle aufzuklären und präventive Maßnahmen einzuführen, aber so lange dies nicht passiert, bleibt das Wasser schmutzig und die Umwelt leidet darunter. Und das ist vielleicht wichtiger als das eigene Ego.

Was findet man in den Amsterdamer Grachten?

Oft fährt Plastic Whale auf seinen Touren mit mehr als einem Boot raus und macht daraus ein Spiel, welches Team den meisten Müll zusammensammelt. Zudem wird bei jeder Tour ein Sieger gekrönt, der das skurrilste Teil findet. Da wir am Wochenende nach der Gay Pride ausgefahren sind, gingen sehr viele Gegenstände ins Netz, die wohl eher für den Privatgebrauch gedacht waren. Gefunden wurden aber auch schon Tüten mit Geld oder Handtaschen mit einem Autoschlüssel zu einem Range Rover.

Fazit: Lohnt sich Plastik fischen in Amsterdam?

Unbedingt ja. Das ist wirklich eine klassische Win-Win-Situation. Amsterdamer Besucher erleben die Stadt aus einer wunderschönen Perspektive, hören interessante Informationen und tun dabei auch noch etwas Gutes. Zudem gibt es auch immer wieder einen Ego-Boost, wenn Applaus von vorbeifahrenden Touristenbooten oder Fußgänger herüberschallt. Die zwei Stunden, die die Tour dauert, sind auf jeden Fall bestens genutzte Zeit in Amsterdam.

Lage

Praktische Links

Gut zu wissen

Amsterdam verzeichnet jedes Jahr eine steigende Anzahl von Touristen, was besonders im Stadtzentrum zur spüren ist. Zum Beispiel im Hinblick auf Müll oder Verkehr. Da die Niederlande nicht wie in Deutschland ein universelles Pfandsystem eingeführt haben, werden Plastikflaschen einfach weggeworfen. Um eine große Anzahl von Müll zu verhindern, können Besucher einfach ihre eigene Trinkflasche mitbringen und an vielen Orten in der Stadt auffüllen. Und wer die Umwelt noch weiter schützen will, der erkundet die Stadt per Fahrrad. Die Survival-Tipps für Touristen haben wir schon zusammengefasst.

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