Warst du schonmal auf Rügen? Ja klar, lautet die Antwort wohl häufig. Denn Rügen ist eine der beliebtesten Ferieninseln an der Ostseeküste. Die Region ist aber nicht nur für Badeurlauber attraktiv. Die berühmten Kreidefelsen sind auch ein interessantes Ausflugsziel für Wanderer. Wir verraten euch, ob sich die Wanderung auf dem Hochuferweg von Sassnitz zum Königsstuhl lohnt und welche Sehenswürdigkeiten am Wanderweg liegen.

Lohnt sich die Wanderung zum Königsstuhl auf Rügen?

Der Hochuferweg gilt als einer der schönsten Wanderwege an der Ostsee. Er liegt mitten im Nationalpark Jasmund auf Rügen und führt immer direkt an den Kreidefelsen entlang. Der Wanderweg verbindet somit die beiden Ortschaften Sassnitz und Lohme miteinander.

Ein Teil des Hochuferwegs ist sogar Weltnaturerbe. Die UNESCO schützt damit die urigen alten Buchenwälder im Herzen des Nationalparks. Außerdem bietet die Wanderung aussichtsreiche Zwischenziele, die einen weiten Blick auf das Meer und die Kreideküste zulassen.

Höhepunkt der Wanderung ist der 118 Meter hohe Königsstuhl der Großen Stubenkammer. Dort befinden sich eine Aussichtsplattform sowie das Nationalpark-Zentrum Königsstuhl, das über die Geschichte, Flora und Fauna im Nationalpark Jasmund informiert.

Instatipp: Die beste Aussicht auf den Königsstuhl habt ihr von der Viktoria-Sicht. Dorthin führt auch eine kurze 3 Kilometer lange Wanderung vom Parkplatz in Hagen. Die Buslinie 23 fährt sogar direkt zum Königsstuhl. Wer der Natur näher sein möchte, läuft aber den Hochuferweg ab Sassnitz.

Anreise nach Sassnitz

Start der Wanderung ist in Sassnitz. Dorthin gelangt man am besten mit dem Auto, der Bahn oder mit dem Bus. Im Parkhaus am Stadthafen gibt es mehrere Stellplätze. Die Parkgebühr beträgt 6 Euro pro Tag, so dass die Nutzung der öffentlichen Verkehrsmittel günstiger sein kann.

Bis zum Einstiegspunkt der Wanderung müsst ihr noch den Bus bis zur Haltestelle Sassnitz-Wedding nehmen oder die Ortschaft zu Fuß queren. Der Spaziergang lohnt sich, denn Sassnitz ist für seine Bäderarchitektur bekannt. Und für den Hafen mit seiner langen Mole.

Erster Aussichtspunkt an der Piratenschlucht

Start:Sassnitz
Ziel:Lohme
Länge:13,5 Kilometer
Höhenmeter:492 Meter
Gehzeit:4:30 Stunden

Bereits nach einigen Gehminuten erreicht ihr den ersten spannenden Aussichtspunkt, die Piratenschlucht am Wissower Ufer. Hier zeigt sich erstmals die steile Kreideküste. Die Felsen sind bis zur Abbruchkante mit Buchen bewachsen und wirken imposant auf den Betrachter.

Der Anblick ist großartig, schließlich bekommt man solch markante weiße Felsen nicht jeden Tag zu Gesicht. Man blickt hinab in die Bucht, die früher ein Versteck des Piraten Klaus Störtebecker gewesen sein soll. Der Sage nach soll Störtebecker im 14. Jahrhundert hier Zuflucht gesucht und Schätze vergraben haben. Eine Treppe führt vom Hochuferweg hinunter zum Strand.

Nicht weit entfernt folgen die berühmten Wissower Klinken. Sie waren neben dem Königsstuhl das Wahrzeichen von Rügen und ein beliebtes Fotomotiv. Ihre einst bizarre Form könnte Maler Casper David Friedrich zum Gemälde „Kreidefelsen von Rügen“ inspiriert haben.

Doch die Klinken sind abgebrochen. In der Nacht zum 24. Februar 2005 stürzten die Zinnen in die Ostsee, insgesamt rund 50.000 Kubikmeter Kreide. Zurück blieben nur zwei Stümpfe.

So sahen die Wissower Klinken vor dem Absturz aus

Absturzgefahr! Die Kreidefelsen sind instabil

Das Naturspektakel zeigt, wie zerbrechlich die Kreidefelsen sind. Entstanden sind die Kreidefelsen vor rund 70 Millionen Jahren aus den Überresten von Kleintieren wie Wurzelfüßer oder Muschelkrebsen sowie riesigen Mengen an Kalkalgen. Mit der Zeit verfestigten sich die Fossilien zu einem Gestein und formten zusammen mit Sand, Lehm und anderem Gestein die Kreidefelsen.

Frost, Wind, Regen und Wellen nagen weiter an den Felsen und verändern die Kreideküste ständig. Vor allem bei starken Windböen ist Vorsicht geboten. Dann besteht die Gefahr, dass sich Teile der Steilküste lösen und auf den Strand stürzen.

Wanderer sollten also den markierten Wanderweg nicht verlassen und die Warnschilder beachten. In der Vergangenheit hat es bereits einige Unfälle gegeben.

Wanderweg in die Urwälder von Deutschland

Der Hochuferweg führt nun weiter durch alte, urtümliche Buchwälder, die zum UNESCO-Weltnaturerbe gehören. Sie zeugen davon, wie einst die Urwälder von Deutschland ausgesehen haben. Wanderfalken und Seeadler, aber auch seltene Wildpflanzen sind hier heimisch. Im neuen UNESCO-Welterbeforum am Wegesrand können sich Wanderer darüber informieren. Der Eintritt ist kostenlos.

Es geht vorbei an Bächen, Mooren und an der Ernst-Moritz-Arndt-Sicht, wo sich erneut eine grandiose Aussicht auf die Kliffhänge und das grün-funkelende Meer bietet. An manchen Tagen ist das Wasser übrigens milchig. Diese Kreidemilch schaut zwar richtig gut aus, wird aber durch Abrutsche verursacht.

Auf halber Strecke erreicht ihr dann das Kieler Ufer. Wer es sich zutraut, kann die Treppe zum Strand hinablaufen. Denn hier stürzt das Wasser von zwei Bächen hinunter und bildet damit den höchsten Wasserfall von Mecklenburg-Vorpommern.

Der 118 Meter hohe Königsstuhl

Nach gut drei Stunden erreicht ihr dann den absoluten Hingucker der Wanderung. Von der Victoria-Sicht bietet sich ein phänomenaler Blick auf den 118 Meter hohen Königsstuhl. Die Kreidefelsen der Großen Stubenkammer fallen hier fast senkrecht zum Strand ab.

Der Zugang zum Plateau des Königsstuhls führt anschließend auf schmalen Holzstufen über das sogenannten Königsgrab zur Aussichtsplattform. Der Eintritt kostet 9,50 Euro. Inbegriffen ist auch das Nationalpark-Zentrum Königsstuhl. Dort zeigt eine interaktive Ausstellung auf 4 Etagen, wie die Kreidefelsen entstanden sind. Außerdem werden 25-minütige Führungen angeboten.

Früher führte in der Nähe des Königsstuhls auch noch eine Holztreppe mit 412 Stufen zum Strand hinunter. Diese ist mittlerweile aus Sicherheitsgründen zurückgebaut worden.

Neue Aussichtsplattform am Königsstuhl

Weil das Plateau am Königsstuhl bröckelt, plant die Stadt Sassnitz eine neue Aussichtsplattform. Diese soll als elliptische Brücke über dem Königsstuhl schweben. Die Bauarbeiten könnten bereits im Herbst 2020 beginnen. Die Fertigstellung ist frühestens für den Frühling 2022 geplant.

Das letzte Stück der Wanderung führt zunächst ins Hinterland und später wieder oberhalb des Teufelsgrund bis zum Schwanenstein in Lohme, einem kleinen Findling an der Küste. Von dort geht es mit dem Bus der Linie 14 zurück zum Ausgangspunkt nach Sassnitz.

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© NZK-Alexander Rudolph

Fazit

Die Wanderung lohnt sich auf jeden Fall. Denn die Kreidefelsen und das Meer sind ein faszinierendes Naturschauspiel, das es in dieser Form kein zweites Mal in Deutschland gibt. Kein Wunder, dass sich Dichter und Maler noch immer von dieser bizarren Schönheit inspirieren lassen.

Dass jährlich rund 300.000 Besucher zum Königsstuhl kommen, zeigt, wie beliebt die Sehenswürdigkeit ist. Dadurch kann es gerade in der Hauptsaison im Sommer an schönen Tagen besonders voll werden. Beste Reisezeit ist daher in der Nebensaison im Frühling oder im Herbst.

Hinweis: Weil der Hochuferweg einige steile Abschnitte und Treppen enthält, ist er für Familien mit Kinderwagen nicht geeignet. Auch mit dem Fahrrad ist die Nutzung nicht gestattet.

Lage

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