La Gomera: Grandiose Wanderung quer durch die Insel

La Gomera gilt als Paradies für Wanderer. Mit ihren nahezu gleichbleibenden klimatischen Bedingungen zieht die Kanarische Insel ganzjährig Outdoor-Liebhaber in ihren Bann. Und auch für die Pflanzenwelt ist es ideal, dass hier niemals richtig Winter ist. So führt diese anspruchsvolle Insel-Durchquerung durch üppige Vegetation, tiefe Schluchten und stetige Höhenmeter bis hinauf zum höchsten Punkt. Eine Wanderung, die an einem Tag machbar ist, aber Kondition und Durchhaltevermögen erfordert.

Lohnt sich die Wanderung einmal quer durch La Gomera?

Auf dieser Insel-Durchquerung von La Gomera warten rund 18,5 km Strecke und etwa 1.369 Höhenmeter auf uns. Das ist definitiv keine gemütliche Feierabendrunde, sondern eine fordernde Tagestour, die eine gute Grundkondition und etwas Durchhaltevermögen verlangt. Vom grünen Tal rund um Hermigua geht es stetig bergauf durch dichte, fast tropisch anmutende Vegetation, vorbei am Wasserfall El Cedro, und weiter durch den mystischen Nebelwald in den Garajonay-Nationalpark.

Am höchsten Punkt der Insel, am Alto de Garajonay könnt ihr kurz durchatmen. Die Höhenmeter liegen nun hinter euch. Und hier gibt’s (bei guter Sicht) einen sensationellen Rundumblick. Aber damit nicht genug. Denn auch der Abstieg auf der anderen Seite liefert. Die Landschaft verändert sich komplett, wenn ihr durch den wilden Barranco de Santiago hinabwandert. Denn statt üppigem Grün dominieren hier plötzlich karge Felswände und trockene Schluchten. Das ist zwar alles super abwechslungsreich und spannend, aber eben auch recht anstrengend. Falls ihr es also ruhiger angehen lassen möchtet, könnt ihr daraus auch zwei Tagestouren machen.

Fototipp: Ich fand die Natur im Nationalpark Garajonay besonders magisch. Zwischen den riesigen, mutiert wirkenden Pflanzen hindurchzulaufen, ist besonders. Das kommt auch auf Bildern stark rüber, wenn neben einem plötzlich ein Löwenzahn-Baum aufragt.

Anreise nach Hermigua auf La Gomera

Höchster Punkt:1.487 m
Strecke:18,5 km
Höhenmeter:1.369 m
Gehzeit:9 Stunden
Beste Reisezeit:ganzjährig

Die Anreise nach La Gomera ist direkt ein kleines Abenteuer. Per Flugzeug geht’s in rund 5 Stunden nach Teneriffa. Achtet darauf, dass ihr den Flughafen im Süden der Insel ansteuert. Dort haben wir uns auch bereits den Mietwagen reserviert und mit diesem „Autochen“ düsen wir dann weiter zum Fährhafen. Ein kleiner Tipp: Es gibt Mietwagen-Gesellschaften, die das „Insel Hopping“ ausschließen. Das solltet ihr also bei der Buchung unbedingt prüfen.

Die Überfahrt mit der Autofähre dauert dann noch ca. eine Stunde und wir finden ein Plätzchen in den vorderen Reihen. Damit haben wir den Horizont gut im Blick. Bei wildem Seegang wird der Spaß allerdings super schaukelig (Reisetablett kann helfen). Auf La Gomera angekommen, geht es für uns direkt weiter zum Ausgangspunkt der Tour: Nach Hermigua. Hier haben wir auch übernachtet.

Früher Start durch den Dschungel

Hermigua ist direkt in den Hang gebaut. Unter uns das Meer, über uns quasi schon der Berg, auf den es raufgehen soll. Es gibt also kaum Zeit zum Einlaufen, sondern es geht direkt steil los. Ich war noch nie der frühe Vogel und so fallen mir die ersten Höhenmeter auch entsprechend schwer. Doch schon bald verfliegt die Müdigkeit. Wir tauchen in eine Landschaft ein, die sich wie einer tropischer Garten anfühlt. Riesige Pflanzen säumen den Weg. Es ist alles wunderschön grün.

Der Pfad schlängelt sich durch die Hänge, mal auf schmalen Wegen, mal über kleine Stufen. Ich bin umgeben von riesigen Pflanzen. Es gibt hier Löwenzähne, die wachsen auf einem richtigen Stamm und sind fast so groß wie ich. Alles ist irgendwie überdimensioniert. Und dann hört man das Rauschen des Wassers, bevor man ihn sieht. Der Wasserfall von El Cedro kündigt sich schon aus der Ferne an. Mit einer Höhe von rund 150 m ist es der höchste Wasserfall der Insel.

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Durch den Nebelwald zum höchsten Punkt

Ich bin froh, dass ich wie in den Alpen auf den Lagenlook gesetzt habe. Denn während des Laufens ist mir zwar warm, aber gleichzeitig wird es immer kühler, je höher wir kommen. Außerdem sind ausreichend Verpflegung und Wasser wichtig, denn es gibt unterwegs nur wenige Einkehrmöglichkeiten. Gute Schuhe sind ebenfalls eine Voraussetzung. Der Weg ist generell zwar gut zu begehen, aber immer wieder gibt es feuchte und damit auch glitschige Passagen. Und das Wetter kann schnell umschlagen. Also gehören auch Regenbekleidung und eine wärmende Schicht ins Gepäck.

Für letzteres seid ihr vielleicht schon im schattigen Nebelwald dankbar. Denn der Name hier im Garajonay-Nationalpark ist Programm. Flechten hängen von kahlen Ästen und sorgen somit für noch mehr Atmosphäre. Der Ort wirkt mystisch, wie aus einem Horrorfilm entsprungen. Darunter sind aber auch ein paar „witzige“ Ausreißer. So kommen wir geradewegs am „pinkelnden Baum“ vorbei. Das ist ein Baum, aus dem eine Quelle entspringt.

Geniale Aussicht am Alto de Garajonay

Ich lege den Kopf in den Nacken und betrachte die restlichen Bäume genauer. Über mir erhebt sich ein riesiger Lorbeer-Baum. Irgendwie ist hier alles einfach größer und wirkt fast mutiert. Das liegt aber daran, dass auf der Insel niemals Winter ist. So verlieren die Pflanzen auch niemals ihre Blätter, sondern wachsen einfach das ganze Jahr über weiter.

Dann lichtet sich die Vegetation ein wenig. Plötzlich geht es nur noch zwischen kleinen Büschen bergan. Darüber pfeift uns ein eisiger Wind entgegen. Und so meistern wir die letzten Meter zum höchsten Punkt La Gomeras! Hier oben erwartet euch eine phänomenale Aussicht. Ihr könnt quasi die gesamte Insel überblicken und seht auch die anderen Kanaren im Atlantischen Ozean. Zumindest dann, wenn ihr Glück habt, und euch nicht gerade eine dichte Nebelschicht umgibt. Denn ehrlicherweise wäre auch das hier oben nicht unüblich.

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Mein persönliches Highlight: Abstieg durch den Barranco de Santiago

Wir folgen dem Stichweg, der uns zum Gipfel geführt hat, wieder ein paar Meter zurück und setzen dann die Überschreitung fort. Mein persönliches Highlight folgt nämlich erst noch. Zumindest finde ich den Weg durch den Barranco de Santiago als Kontrast zur restlichen Tour super spannend. Die Landschaft ändert sich nämlich rasant. Es gibt nun einsame Kakteen statt Urwald und einen staubigen Canyon anstatt der üppigen Moose und Farne, die wir bisher gesehen haben.

Und gleichzeitig wird es mit jedem Schritt wärmer. Die Sonne hat gefühlt doppelt so viel Kraft und brennt von oben auf uns herab. Es ist wie eine andere Welt. Ich finde es absolut sehenswert, dass es auf der grünen Insel auch rötlich anmutende Canyons gibt. Schließlich erreichen wir das kleine Örtchen Guarimiar. Hier habt ihr dann die Option, euch direkt ein Taxi zu rufen und zum Ausgangspunkt zurückzufahren, oder (falls ihr noch Kraft habt) noch bis zum Strand von Playa de Santiago abzusteigen.

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Fazit

So oder so: Zurück geht’s mit dem Taxi. Ich würde empfehlen, es schon unterwegs zu bestellen und eine Uhrzeit zu vereinbaren. Bedenkt außerdem, dass die Fahrstrecke gar nicht so kurz ist und ihr deshalb auch mit ein paar Euros mehr rechnen müsst. Ich fand aber, dass das die Tour auf jeden Fall wert war. Denn so haben wir in einem Tag quasi die Insel einmal von Nord nach Süd durchquert und richtig viel gesehen.

Natürlich ist das eher eine Tour für sportliche Wanderer, die auch wirklich einen Urlaub mit Bewegung verbinden möchten. Für alle anderen kann man die Tour auf verschiedene Stationen aufteilen und beispielsweise nur den Wasserfall erwandern, den Nebelwald samt Gipfel als separate Tour ansteuern und den Barancco de Santiago gar erst am nächsten Tag erkunden. Falls ihr noch mehr Inspiration für euren Aufenthalt auf La Gomera sucht, kann ich außerdem noch einen Abstecher zum Mirador de Abrante empfehlen. Das ist eine gläserne Aussichtplattform über dem Meer.

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